Dettes
Kronprinzen und dem Prinzen Nikolaus und dessen Gemahlin statt. Die Kapelle der „Hohenzollern" spielte die griechische Hymne. Nach Vorstellung des Gefolges und lebhafter Unterhaltung der beiden Monarchen kehrte die königliche Familie auf die „Amphitrite" zurück, rvo der Kaiser alsbald den Besuch erwiderte. Kaiser Wilhelm hat dem Prinzen Nikolaus den Schwarzen Adlerordenverliehen, derHosmarschallPappa- rigopulos unb der Minister des Aeußern Skouzes erhielten den Roten Adlerorden 1. Klaffe, ferner den istronenorden 1. Klasse der Generalintendant der Zivilliste Thon ; der Gesandte, Prinz von Ratibor, erhielt das Bildnis des Kaisers. — Der Kaiser begrüßte heute vormittag noch an Bord den hier als Touristen anwesenden Grafen Goertz-Schlitz nebst Sohn und Tochter. — Nachmittags begab sich der Kaiser an Land und unternahm mit der königlichen Familie eine Spazierfahrt. Am Landungsplatz waren Blumen gestreut. Erne gewaltige Volksmenge begrüßte den Kaiser mit ungeheuerem Jubel. Damen und Kinder schwenkten kleine Fähnchen in den deutschen und griechischen Farben; die ganze Stadt, bis in die entferntesten winkligen Gassen hinein, war reich geschmückt. Ueberall sah man Flaggenmasten und Fahnen in den Farben beider Länder. Girlanden waren über die Straßen gezogen, Palmenwedel und frisches Grün schmückten die Häuser, Äilder des Kaisers, des Königs, des Kronprinzen und der Krorrprinzessin waren ausgestellt. Illumination und Feuerwerk auf der breiten Esplanade wird vorbereitet. Militär mit Musik bildete Spalier. Lampions waren in den Bäumen aufgehängt. Unter dem Publikum sieht man viele Volkstrachten. Ueberall sind deutsche Willkommensinschriften angebracht.
Korfu, 11. April. Mittags 1 Uhr fand an Bord der „Hohenzollern" Frühstück statt; hierbei saßen die Monarchen neben einander. Rechts vom König saß Prinzessin Helene, der Kronprinz von Griechenland unb die Prinzessin von Ratibor, links vom Kaiser die Kronprinzessin von Griechenland, Prinz Nikolaus und die Prinzessin von Ratibor, Tochter; gegenüber den Monarchen saß Graf Eulenburg, rechts und lircks von ihm die Damen und Herren des griechischen Gefolges, der Gesandte Prinz von Ratibor und der Leutnant Erbprinz von Ratibor. Die Monarchen, der Kronprinz und die .Kronprinzessin besuchten nach dem Frühstück den Kreuzer «Prinz Friedrich Karl."'
Die Zustande in Rußland.
Petersburg, 12. April. Gestern trat hier der altrussische Advokatenkongreß zusammen, zu dem sich 180 Rechtsanwälte aus dem europäischen Rußland versammelten. Nachdem die Polizei gestern gedroht hatte, die Versammlung mit Gewalt aufzulösen, kamen die Kongreßteilnehmer am Abend m der Wohnung eines hiesigen Rechtsanwalts zusammen unb beschlossen, ein Bureau zu bilden, um die politische Agitation in Petersburg zu überwachen und den Entwurf einer demokratischen Verfassung auszuarbeiten. In der Nacht erschien ein Polizeikommissar mit zwei Polizeiofsiziererl in der Versammlung. Die Advokaten weigerten sich, auseinanderzugehen, so lange die Polizei anwesend sei. Die Polizeibeamten notierten die Namen der Anwesenden und zogen sich bann zurück. Der Vorsitzende teilte nunmehr mit, General Trepow habe befohlen, eine Liste der zum Kongreß gekommenen Advokaten aufauftelleu, damit diese ausgewiesen würden. Die heutige Versammlung der Rechtsanwälte beschloß, zu erklären, es sei die Aufgabe des setzt gebildeten Verbandes der Advokaten, auf den Sturz des autokratischen Regimes und die Proklamierung einer demokratischen Verfassung auf der Grundlage des allgemeinen Stimmrechts und geheimer Wahl der Volksvertreter hinzuarbeiten, Propaganda 31t treiben zur politischen Erziehung der Nation unb die Volksbewaffnung zu fordern, damit der administrativen Willkür entgegengetreien werde. Schließlich heißt es in der Resolution, der Verband müsse eine zukünftige Resolution vorbereiten. Ferner würbe die Bilduug eines Zentralbureaus zur Organisation der Bewegung unter Festsetzung der zu leistenden Beiträge sowie die Gründung eines eigenen Preßorgans des Advokatenstandes beschlossen.
Petersburg, 11. April. Um 11 Uhr abends fand eine abermalige Sitzung des Advokatenkongresses statt, in welcher
Lungenentzündung verwandt zu sein scheint, als Träger der Infektion betrachtet, weil man ihn bei Leichenbefunden in den Ergüssen von Eiter und Serum gefunden hat, die sich zwischen ben Hirn- bezw. Rückenmarkshäuten einerseits und Hirn und Rückenmark andererseits bilden. Ob dieses Kleinlebewesen aber die Ursache ober die „einzige" Ursache ist, üedars noch sehr der Nachprüfung,
Wenn man jetzt in den Zeitungsberichten lieft, daß viele Kranke schon wenige Stunden oder Tage nach dem Beginn der Erkrankung sterben, so ist dies meistens nur scheinbar richtig; denn über die Dauer der Inkubation, b. h. über die Länge der Zeit, die zwischen der Ansteckung und bem Ausbruch der "ersten Krankheitserscheinungen vergehen, ist noch nichts absolut sicheres bekannt. Man nimmt heute vielfach an, daß die giftigen Bakterien ähnlich wie diejenigen der Influenza mit der Einatmungsluft auf die Respirations- organe gelangen, an den Nervenendigungen der Geruchsnerven in der Nafenfchleimhaut in das Körperinnere ein- bringen und an den Nervenfasern, die am Kops nur einen sehr kurzen Verlauf haben, entlang kriechen, bis sie an die Zentralorgane des Nervensystems gelangen, wo sie sich in der das Gehirn unb Rückenmark umspülenden Lymphslüssig- teit rapid vermehren.
Als dem Ausbruch der Krankheit vorangehende Zeichen treten Unwohlsein, die oft aber auch fehlen können, leiste Fiebererscheinungen, Ermüdung, geistige Unlust und Trägheit, sowie Schmerz und Ziehen im Kopf und Rücken, oft auch in Armen und Beinen auf. Frostgefühle, starkes Erbrechen, empfindliche Kopfschmerzen, Schwindel unb Steifheit der Nacken Muskulatur schließen sich an. Bald steigern sich die äußeren Krankheitserscheinungen zur Unbesinulichkeit, Delirien und Krämpfen. Der Kopf wirb durch die fest kontrahierten Muskeln des Halses immer noch mehr nach dem Nacken hingezogen. Bei mäßigem Fieber, das zuweilen sogar gänzlich fehlt, ist die Schlagfolge des Herzens unregelmäßig. Der Blick wirb stier, die Pupillen eng, die Haut in vielen Fällen überempfindlich. Bei gänzlichem Schwinden
* Mittwoch
beschlossen wurde, den Passus der Resolution betr. die Forderung der Volksbewaffnung zu streichen.
Siffig, 11. April. (Amtlich.) Die Lage in Gurien ist nach Verhaftung - der Rädelsführer ruhig. Die Bevölkerung kommt wieder den amtlichen Verfügungen nach und entrichtet die Steuern. Die Polizei nahm wieder ihre Tätigkeit auf.
Juttu, 11. April. Die Schriftsteller Maxim Gorki und Andrejew sind aus Riga hier eingetroffen.
Vom russisch-japanischtn Kriege.
Das russische Geschwader aus der Fahrt nach Ostasten.
Obgleich es an lebhaft interessierten Augenzeugen der Durchfahrt des russischen Geschwaders durch die Malakka- straße nicht gefehlt hat, beginnen die Berichte über die Zusammensetzung dieser Flotte schon jetzt in erheblichen Punkten auseinanderzugehen. Ob diese Widersprüche in die Welt gesetzt werden in der Absicht, die japanische Kriegsleitung zu täuschen, oder wie sie sonst erklärt werden können, mag dahin gestellt bleiben; lange wird sich jedenfalls die Unklarheit über den Verbleib der russischen Schlachtschiffe nicht aufrechterhalten lassen. Heute berichtet ein Privattelegramm des „B. L.-A." :
London, 11. April. Während von aller: andern Seiten die gestrige Reutermeldung, die aus Teilung der russischen Flotte hindeutete, bestätigt wirb, telegraphiert der Korrespondent der Daily Mail seinem Blatte, ganz zweifellos hätten alle sieben russischen Kriegsschiffe Singapore passiert. Dies werde bestätigt durch ben amtlichen Hafenbericht, durch die Festungsbehörden unb auch von dein japanischen Konsul, der sich bis in die nächste Nähe des defilierenden Geschwaders heranrudern ließ und jedes einzelne Schiff erkannte. In weiterer Bestätigung dieser Meldung erfährt dasselbe Blatt aus Hongkong, daß auch dem dort stationierten britischen Admiral von den Hafenbehörden in Singapore das Passieren von sieben Schlachtschiffen mitgeteilt worden sei. Ein nach der Vorbeifahrt des Geschwaders von der Hafenpolizei in Singapore aus dem Wasser gezogener russischer Matrose ver- weigerte jede Auskunft über die Bewegungen und Absichten der russischen Flotte. Nach dem Daily-Expreß leugnet er, ein Deserteur zu sein, nennt sich Markow und gibt an, Quartiermeister auf dein Panzerkreuzer „Admiral Nachimow" gewesen und aus Unvorsichtigkeit über Bord gestürzt 311 sein. Dagegen besagen Leibungen aus Nossi-be, daß während des dortigen Aufenthalts der russischeit Schiffe viele Leute desertiert seien und wegen Insubordination achtHinrichtungen von Mannschaften sowie vier Degradationen von Offizieren vorgenom- meii werben mußten. Was den Gesundheitszustand der russischen Besatzung anlangt, so hätte dieser, aus Port Louis auf Mauritius datierten Depeschen zufolge, in den Tropen schwer gelitten. Infolge von Sonnenstich seien mehrere Todesfälle vorgekommen, und Rojestwenskij habe wegen Ueberfüllung des Hospitalschiffes „Orel" ein Küstenlazarctt einrichten müssen. Unter den Kranken war Admiral Bermanjutki. Diese zahlreichen Krankheitsfälle hätten Rojestwenskij an der Ausführung seiner ursprünglichen Absicht, in Diego Garcia mit dem 3. Ostsee-Geschwader zusammenzutreffen, verhindert. Die von einem Chicagoer Blatt veröffentlichte, aus Shanghai und Hongkong nach hierher gelangte Meldung von einer Seeschlacht östlich von Singapore, in der Togo fünf Schiffe eingebüßt hätte, wird weder hier noch in Petersburg noch in Tokio geglaubt; dort fühlt man sich nach den hier vorliegenden Meldungen zwar des endgültigen Sieges sehr sicher, ist aber dem „Daily Telegraph" zufolge auf vorübergehende schwere Schädigung, ja gänzliche Desorganisation des japanischen Seehandels infolge des Hcrannahens der russischen Flotte gefaßt. — Aus Wladiwostok wird der „Times" via Petersburg gemeldet, daß dort fünf als Erdarbeiter verkleidete japanische Offiziere beim Photographieren von Festungswerken ertappt und standrechtlich gehängt worden seien. Die in ihren Taschen vorgefundene Korrespondenz jedoch beweise, daß sie bereits ausführliche Berichte nach Tokio gesandt hätten.
— Eine Laffan-Depesche aus Petersburg verzeichnet die in
des Appetits stellt sich Gliederzittern ein. In diesem Stadium leiden die Kranken unsäglich. Allmählich aber nimmt die Unbesinnlichkeit bis zur tiefen Betäubung und Schlafsucht zu. Auf der Haut des Kranken, der sich kaum mehr rührt, treten Ausschläge, unter der Haut Blutergüsse auf. Der Körper erkaltet an der Oberfläche, zeigt im Inneren große und plötzliche Temperaturschwankungen und endlich tritt unter völliger Bewußtlosigkeit des Kranken der Tod ein, der sein Nahen häufig durch einen plötzlichen Schweißausbruch und Diarrhoe anmeldet.
Alle eben angeführten Krankheitserscheinungen weisen laut darauf hin, daß das Gehirn mit seinen Ventrikeln (Höhlen) und das Rückenmark durch die Druck- und Gifl- wirkung des sich in mehr ober minder großem Maße bildenden Eiters und Serums in schwerste Mitleidenschaft gezogen sind. Je nach der Menge dieser Flüssigkeiten und den Orten am Zentralnervensystem, wo sie im Einzelfalle am massenhaftesten austreten, können die Krankheitserscheinungen sehr wechseln. In wenig schweren Fällen fehlen die seelischen Depreffionserscheinungen, während die Hirnreizung im Vordergründe des Krankheitsbildes steht und neben dem Kopfweh, Erbrechen, Nackenstarre und Schmerzgefühlen eine große Empfindlichkeit aller übrigen Sinnesorgane hervorruft. Unter Rückkehr des Appettts und Schwinden der oft sehr hartnäckigen Verstopfung tritt eine sehr in die Länge gezogene Rekonvaleszenz ein, bei der es nicht an schweren Rückfällen fehlt. Häufig geht auch der anscheinend genesene Kranke doch noch infolge wochenlang fortdauernder Entkräftigung zu Grunde. Tritt die Krankheit in ihrer leichtesten Form auf, die dann aber wohl auch meistens nur bei dem Vorhandensein einer Epidemie richtig diagnostiziert wirb, so beschränken sich die Erscheinungen auf Kopfschmerzen, Steifheit des Nackens und allgemeine Unlustgefühle, trotz welcher häufig sogar die gewohnte Beschäftigung fortgesetzt wirb. Nicht selten bleiben aber auch in diesen Fällen länger anhaltende Sinnesstörungen, namentlich im Sein und Gehörorgan zurück, die nur langsam verschwinden. In ben allerschwersten,
\ _________lS. April.
dortigen Marinckreisen umlaufende Nachricht von dem Ankauf einer Anzahl argentinischer ober anderer füdamerikn- nischer Kreuzer. Der russische Konsul in Singapore habe den Admiral Rojestwenskij darüber verständigt, wo diese Schiffe zu ihm stoßen sonnten. Der Kommandant des amerikanischen Philippinen-Geschwaders, Koutreadmiral Train, hat den Kreuzer „Raleigh" nebst zwei Torpedobooten und einem Aviso zu einer Rundfahrt um den Sulu-Archipel und die Insel Palawan beordert, um nötigenfalls zu verhindern, daß amerikanisches Küstengebiet von einer der kriegführenden Flotten als Basts benutzt werde. Admiral Togo befindet sich nach Ansicht hiesiger japanischer Kreise bei den Fischer-Inseln.
Die Stärkeverhältniste der beiden Flotten.
Die Reibungen aus Singapore haben, wie aus London mitgeteilt wirb, in dortigen fachmännischen Kreisen eine große Erregung hervorgerufen, und die Frage, ob eine Schlacht bevorsteht ober nicht, wird lebhaft erörtert und meistens bejaht. Bei dem Vergleich der Stärkeverhältnisse der beiderseitigen Flotten zieht man in Betracht, daß Japan wahrscheinlich nur noch 4 moderne Linienschiffe besitzt, denn eines dieser Schiffe ist als gesunken gemeldet worden, und von einem anderen Linienschiff nimmt man an, daß es gesunken ist. Man erwägt ferner, daß viele der schweren Geschütze der japanischen Flotte durch die auf weite Entfernung unternommene Beschießung Port Arthurs zu Beginn der Belagerung stark gelitten haben, wenngleich nicht ausgeschlossen ist, daß ein Teil von ihnen ersetzt wurde. Die Japaner schildern zwar die Vorzüge ihres rauchlosen Pulvers auch in Bezug auf die Schonung der Geschütze als ganz bedeutend, aber man neigt in England trotzdem zu der Ansicht, daß dieses Pulver ben Geschützen sicherlich ebenso viel Schaden zufügte, wie das englische Kordit den Geschützen der Majestikklasse' Andrerseits spricht für die russische Flotte, daß 4 von den 8 russischen Linienschiffen eine Armierung modernster Art besitzen unb daß 5 dieser Schiffe als durchaus modern bezeichnet werden können. Der russische Admiral, der viel von Schiffs- artilleric verstehen und als Marineattachö in England eifrig die englischen Marineverhältnisse studiert haben soll, hat außerdem, wie man weiß, seinen Aufenthalt in Madagaskar zu gründlichen Schießübungen benutzt. Man glaubt, daß es ihm wohl gelungen sein könnte, seine bei beginn der Reise kaum sehr brauchbare Mannschaft innerhalb vier Monaten recht brauchbar zu machen. Auch der Ansicht, daß die Schiffsböden unklar geworden seien, treten einige englische Sachverständige mit dein Hinweis darauf entgegen, daß diesem Uebelstand durch Staucher abzuhelfen Zeit genug vorhanden war. Als Hauptnachteil für die Russen wird der große Transport an Kohlendampfern angesehen, der besonders dadurch gefährlich ist, daß die Japaner ganz bedeutend an Kreuzern überlegen sind. Mau würde deshalb über einen Nachtangriff auf die Transporte keineswegs erstaunt sein. Eine Seeschlacht halten M einige Sachverständige so lange für ausgeschlossen, als es v Togo gelingt, die russische Flotte durch feine gewaltige Kreuzerflotte zu belästigen, und so lange die feindliche Flotte noch mehr als 2500 Meilen von Japan entfernt ist. Die Kampfstärke der beiden Flotten wird unter Nichteinrechnung des japanischen Linienschiffes „Jaschina", an dessen Existenz
man zweifelt, wie folgt angegeben;
Japan
Rußland
Linienschiffe 1. Klasse ....
4
5
Linienschiffe 2. Klaffe . , . .
1
6
Gepanzerte Kreuzer.....
An Geschützen schweren Kalibers, von 6 Zoll und barüber, besitzen diese gepanzerten Schiffe:
8
3
12 zöll.
20
26
10 „
1
7
9 „
0
8
8 „
30
13
6 „
164_____
215
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169
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ben sogenannten blitzarrigen Fällen tritt die Erkrankung ohn irgend welche Vorerscheinungen so plötzlich und mit aller @ewalt auf, daß bic von ihr Befallenen mitten während ihrer Arbeit — zuweilen mit einem gellenden Aufschrei — zusammenbrechen und schon wenige Stunden darauf unter Krämpfen sterben.
Hinsichtlich der Aussicht auf Genesung kann der Arzt gar nicht vorsichtig genug sein. Bei manchen Epidemien sterben 20 Prozent der Erkrankten, bei anderen dagegen 30 und mehr, im Durchschnitt aber 35 bis 40 Prozent, was im Vergleich zur Mortalität bei anderen Epidennen als außerordentlich hoch bezeichnet werden muß. Sehr bedauerlich ist es auch, daß selbst bei längst Genesenen infolge dauernder Veränderungen im Gehirn und Rückenmark zuweilen schwere Nervenstörungen und physische Alterationen zurückbleiben, die sich bis zum Bilde einer ausgesprochenen Geistesstörrmg steigern können.
Da ein spezifisch wirkendes Medikament ebensowenig vor- Handen ist wie etwa ein Heilserum, an dessen Herstellung man nur dann gehen könnte, wenn der Infektionsträger bekannt wäre, ist die Behandlung notgedrungen nur eine sym- iomatifd)c. Man sucht die Leiden der Erkrankten durch örtliche Blutentziehung, Auflegung von Eisbeuteln auf den Kopf und die Wirbelsäule zu mildern. Nützlich ist auch die sogenannte Lumbalpunklation, eine Operation, die darauf beruht,' daß man zwischen jwei Wirbeln mit einer aspirierenden Spritze einsticht unb aus dem das Gehirn unb Rückenmark umgebenden häutigen Sacke den Neberschuß der stark vermehrten Lymphflüssigkeit (ober Eiter) aufsaugt, der durch den von ihr ausgeübten Druck die beschriebenen schweren Schmerzerschei- nungen verursacht. Mau gibt natürlich, um die Qualen nicht allzu groß werben zu lassen, auch Chloroform und Morphin. Mau befindet sich aber bei Verabreichung dieser narkotisierenden Substanzen schon auf dem Gebiete, von bem Goethe im Faust sagt, daß man, um dem Kranken wenigstens Empfindungslosigkeit zu verschaffen, im übrigen alles gehen läßt, wie es Gott gefällt.