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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 78 F-rnsprechanschlntz Nr. 605.

Samstag den 1. April

Fernsprechernschlutz Nr. 605.

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1905

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Sitzung vom 81. März.

Am Bundesratstisch befinden sich Staatssekretär Frhr. o. Stengel und Kolonialdirektor Dr. Stübel. Auf der Tagesordnung steht die 1. Lesung des

3. Nachtragsetats für 1904 rmV des Er- gänzungsetats für 1905.

Kolonialdirektor Stübel führt aus, daß in Südwest­afrika auf dem nördlichen Kriegsschauplatz die völlige Nieder­werfung der feindlichen Banden gelungen sei. Auf dem füb- lichen Kriegsschauplätze zeigen sich aber noch fortgesetzt ge­schlossene Hererobanden, doch bestehe die begründete Hoff­nung, daß es auch hier bald gelingen werde, den Aufstand zu unterdrücken. Was Kamerun betreffe, so ist ein großer Aufstand völlig ausgeschlossen, doch sind lokale Unruhen an verschiedenen Stellen zu besorgen. Man muß deshalb Vor- beugungsmaßregetn treffen. Abg. Arendt (Rpt.) be­fürwortet den Nachtragsetat ohne Kommissionsberatung zu erledigen. Die Abgg. Frhr. v. R i ch t h o f e n (kons.), Paasche (natl.) und Müller- Sagan (fr. Vpt.) schließen sich dem Vorredner an. Abg. Erzberger (Ztr.) fragt an, ob die Eröffnung der Otawibahn im April erfolgen könne, und erklärt, wenn er die Forderung für Kamerun bewillige, so wälze er damit die Verant­wortung für die Vermeidung eines großen Auf­standes in Kamerun auf den Gouverneur. Kolonialdirektor Stübel erwidert, daß der Bau der Otawibahn so langsam fortschreite, liege an der Schwierigkeit der Tracierung und an der Schwierigkeit der Behandlung der italienischen Arbeiter. Die wichtigste Strecke bis Okahandja werde in der zweiten Hälfte des Aprils fertig­gestellt, die Fertigstellung bis Omaruru werde erst Ende Juli oder Anfang August erfolgen. Abg. Ledebour (Soz.) fragt, ob es beabsichtigt sei, den Feldzug in Südafrika auf die Ovambos auszudehnen. Abg. Ku lerski (Pole) führt Beschwerde, daß Kriegsminister v. Einem einem polni­schen Kriegsveteranen die Beihilfe zuerst abgeschlagen habe, weil er ein in einer polnischen Druckerei hergestelltes Formu­lar für seine Eingabe benutzte. Später sei der Bescheid aller­dings umgestoßen worden. Nach einer weiteren Bemerkung des Abg. Arendt (Rpt.) über die Stellung der Veterinäre in den Kolonien wird der Ergänzungsetat an die Budget­kommission verwiesen. Der Nachtragsetat wird sofort auch in 2. Lesung beraten und ohne weitere Debatte angenommen. " Es folgt die Beratung von P e t i t i o n e n. Bei den Petitionen auf Einführung des Befähigungsnachweises für das Handwerk und der Berechtigung zur Anleitung von Hand­werkslehrlingen beantragt Abg. Böckler (Rfp.), die Peti-

Feuilleton.

April.

In den meisten Kalendern befinden sich kleine Vignetten am Kopfe der einzelnen Monate, welche deren gute und böse Eigenschaften gewissermaßen bildlich vor Angen führen. Da bauen pausbäckige Knaben und Mädchen einen Schneemann, da necken sich Hans und Gretel beim Aepfelpstücken oder beim Heumachen; unter dem Weidengestrüpp im Bache sitzen runde Kerlchen im Adamskostüm, während andere in dem Wässer­lein plätschern, kurzum, ein jeder Monat wird dem aufmerk­samen Leser aufs beste versinnbildlicht. So auch der April: strömender Regen, vom Sturm gepeitschte Zweige, halb um- gewchte Menschlein, fliegende Hüte und umgestülpte Regen­schirme, so -wird er im allgemeinen dargestellt. Man sieht, die Kalenderzeichner befleißigen sich, den April von seiner unangenehmsten Seite darzustellen. Aber wahr und echt sind sie in ihrer Charakterisierung des Aprils. Der April ist ein Uebergangsmonat, er führt den Frühling ein, und da dieser nun einmal von jeher nicht so leicht einzuführen ist, kommt es meistens zu gelindern und heftigern Szenen, die da bestehen aus Regen, Sturm, Schnee und was es sonst noch für Unannehmlichkeiten des um die Herrschaft mit dem Winter kämpfenden Frühlings gibt. Aber gerade so wollten den Apnl die Bauern ehemals haben:April kalt und naß, füllt Scheune und Faß",Nasser April ist des Bauern Will'",Wenn der April viel Spektakel macht, gibl's K 'N und Heu in voller Pracht. Allerdings gibt es auch einige Bauernregeln, die das Gegenteil behaupten und meinen: Warmer April, warmer Herbst", oder:Der April muß warm sein, wenn soll der Mai Main " Jedenfalls ist die einzige Bauernregel, die heute noch neben der bekanntenHüie dich vor Aprilwind, jo bist du das ganze Jähr ein jchhnès

tionen der Negierung zur Berücksichtigung bezw. zur Erwägung zu überweisen. Abg. Erzberger (Ztr.) erklärt, das Zentrum habe schon im November die gleichen Anträge ge­stellt. Abg. v. Kardorff (Rp.) erklärt, die Konser­vativen vertraten von jeher die Forderung des allgemeinen Befähigungsnachweises. Abg. W ern er (Rfp.) bedauert, daß nur ein Herr auf den Bänken des Bundesrats sitze. Man verlange mit Reckt, daß die Abgeordneten anwesend sind, wenn der Bundesrat Vorlagen macht, und es wäre nur gerecht, daß der Bundesrat vertreten sei, wenn Initiativanträge be­raten werden. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Böckler (Rfp.), v. K a r d o r f f (Rp.), Frhr. v. N i ch t- h o fen-Damsdorf (kons.) beantragt Abg. Müller-Sagan (fr. Dp.) die Beschlußfassung bei dem scklecktbesetzten Hause auszusetzen. Abg. Patzig (natl.) unterstützt diesen An­trag. Abg. Gothein (fr. Vgg.) bemerkt, den Hand­werkern werde der beste Dienst erwiesen, wenn man bei ihnen kaufe. Die Beschlußfassung wird hierauf einstimmig ausgesetzt. Es folgt die ^Beratung der Petition betreffend die Abänderung des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches betreffend widernatürliche Unzucht. Die Kommission bean­tragt Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Thiele (Soz.) beantragt Ueberweisung zur Berücksichtigung. Abgeordneter Thaler (Ztr.) bekämpft die Ausführungen des Vorredners und tritt für den Kommissionsbeschluß ein. Abg. von Kardorff (Rp.) bedauert, daß der Abg. Thiele das An­denken Krupps in die Debatte hineingezogen habe. Abg. v. Damm (wirtsch. Der.) tritt für den Kommissionsbeschluß ein. Abg. Gothein (fr. Ver.) erläutert, weshalb er selbst die Petition unterschrieben habe. Abg. v. Vollmar (Soz.) erklärt, in seiner Aeußerung über Krupp habe Thiele nicht im Namen der Fraktion gesprochen.

Nach weiteren unwesentlichen Bemerkungen wird der An­trag der Kommission angenommen, über die Petition also zur Tagesordnung übergegangen. Um 6'/4 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag, 2 Uhr.

Preußischer Landtag.

Herrenhaus.

Sitzung vom 31. M èi rz.

Für die vom Abgeordnetenhause zu erwartenden Bergge­setze wird bereits beute eine Kommission gewählt, die eventl. schon vor Wieder^usammentritt des Plenums, den der Präsident für den 25. Mai in Aussicht stellt, die Gesetzentwürfe be­raten soll.

Beratung des Etats.

In der Fortsetzung der Beratung des Etats kommt heute zunächst der Kultusetat an die Reihe. Graf Mirbach: Das Ziel der Agrarpolitik soll nach dem Ausspruch des

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Kind" noch Geltung bat, die:Der April macht was er will G Damit ist für den Landmann tür heute die Ange­legenheit erledigt. Faßt man aber aerobe die Bedeutung des Aprils für das erwachende Pflanzenleben ins Auge, bedenkt man, daß weitaus die meisten Waldbäume unter seiner Herrschaft sich zu belauben beginnen, daß die Obstbäume und Beerensträucher im. Scheine seiner Sonne die ersten Blüten zeitigen, so wird man ihm gewiß Gerechtigkeit wider­fahren lassen müssen unb ihm eine wohltuende Einwirkung auf das Leben in der Natur nickt absprechen sonnen. Für die Menschen freilich, die nun einmal schwer zu befriedigen sind, wird trotzdem der Avril mit seinen Sonnenblicken und Regenschauern das Bild der Launenhaftigkeit bleiben und es wird auch künftigh n heißen:

Herrengunst, Aprilenwetter, Frauenliebe, Rosinbläner Hub des Spieles tückisch Glück Wandeln sich im Augenblick.

Aprilscherze

tragen mehr oder weniger den Charakter ihrer Zeit. Sie sind harmloser, lustiger, je humaner das Jahrhundert denkt, und grausamer, derber, je mehr sie dem Mittelalter nahe- steheü. So trägt ein Aprilscherz, den sich Philipp der Gütige von Bourgund mit seinem Hofnarren Kölling machte, ganz den Charakter des Mittelalters. Am 30. März 1466 es war bei der Mittagstafel machte der Herzog seinen Narren darauf aufmerffam, daß morgen der 1. April sei und daß sich der Narr auf eine kleine Ueberraschung gefaßt machen möge. Kölling lachte.Herzog, hüte dich nur "selbst vor dem 1. April," meinte er. Das machte dem Herzog viel Spaß, und er schlug dem Narren eine Wette vor. Ge­lang es dem Narren, den Herzog zu foppen, so sollte Kölling Schellenkappe bis gum Rande mit Delikatessen ge«

Grafen Posadowsky im Reichstag das sein, daß sich die Be­völkerung auf dem Lande wohl fühlt. Wir fühlen uns aber uicht wohl, so daß ich mich schon ost gefragt habe, ob ich nicht lieber meiner Heimat den Rücken kehren soll. Der Redner beklagt sich über die hohen Patronaislasten. Die Gutsbesitzer müßten oft Schulen bauen, an denen sie nicht las geringste Interesse haben; auf diese Weise kann die Re­gierung, wenn sie rigoros ist, die Besitzer einfach expropriieren. Auch auf dem Gebiet der Fürsorge für die Schulen sind die Patronen überlastet. Es werden immer größere Ansprüche an sie gestellt. In allen Augenblicken erscheint ein Schul­aufsichtsbeamter zur Revision und stellt immer neue Forde­rungen. Er bittet den Minister, etwas Maß zu halten und auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinden und Patrone Rück­sicht zu nehmen. Kultusminister Dr. Studt: Es wird ja durch das neue Volksschulunterhaltungsgesetz hier Besserung eintreten. Ich bedaure, daß die Berufsfreudigkeit des Grafen Mirbach darunter gelitten hat; aber eine Schul­aufsicht muß sein und sie muß eine durchgreifende sein. Graf Hohenthal beklagt die niedrigen Gehälter^ der evangelischen Geistlichen; sie sollten im Gehalt den Ober­lehrern gleichgestellt werden und das Höchstgehalt bereits im 21. Dienstjahr erreichen. Bis das gesetzlich festgeftellt ist, sollten die Unterstützungsfonds ausreichend erhöbt werden. Die Pensionsbeitrüge der Geistlichen sollte der Staat ganz auf sich nehmen. Auch die Re»nunerationen der Super­intendenten sind viel zu gering. Die Zuwendungen des preußischen Staates an die katholische Kirche sind, wenn man die Zahl der Angehörigen zu Grunde legt, erheblich höhere als an die evangelische Kirche. Es ist berechnet worden, daß die katholische Kirche 180793 000 Mk. mehr erhalten hat, als die evangelische hätte erhalten sollen, wenn man den Maß­stab der Seelenzahl als richtig anerkennen will. Ich ent­rüste mich nicht; denn schon Fürst Bismarck und Graf Bülow sagen, in der Diplomatie und in der Politik soll man sich nicht entrüsten. Ich habe aber den dringenden Wunsch, daß die evangelische Kirche bald in ihr richtiges Verhältnis einrücke. Kultusminister Dr. Studt: Ein Test der .Wünsche des Vorredners gehört vor die Generalsynode.

Eine nähere Prüfung der Zuwendungen an die beiden Kon­fessionen kann ich im Augenblick nicht vornehmen. Daß es der Staatsregierung nicht an gutem Willen fehlt, den be­rechtigten Wünschen der evangelischen Kirche tunlicht ent­gegenzukommen, zeigen die Summen, die im Etat der evan« gelischen Kirche zur Erfüllung ihrer Wünsche zugewiesen sind. Ich hoffe, daß es möglich sein werde, bald die Wünsche der. Superintendenten gu" erfüllen. Was das Einkommen der evangeliscken Geistlichen anlangt, so hat die Generalspnode . früher selbst ein Gehalt von 2400 bis 4500 Mk. gefordert. Das staatliche Pfarrerbesoldungsgesetz sieht allerdings nur 1800 Mk. Anfangsgehalt vor; doch ist es möglich gewesen, durch kirchliche Fondsstiftungen usw. von: 1. April 1904 ab das Anfangsgehalt auf 2400 Mk. zu erhöhen und das Höchstgehalt auf 4800 Mk. Das geht also noch über die Forderungen der kirchlichen Behörde selbst hinaus.

füllt werden: ließ sich aber der Narr zum Besten halten, f° müßte sein Haupt unter bem Beile des Henkers fallen.

Der Herzog ging mit seinen Vorbereitungen sofort au4 Werk und trank dem Narren öfters als sonst zu, und der Narr wurde lustig und trank, bis er des Weines voll war, unter den Tisch fiel und in bewußtlosem Zustande nach Hause gebracht werden mußte. Es war nach Mitternacht, als Be­waffnete an das Tor Köllings Köpften. Nachdem Jie in das Haus Einlaß gefunden, sollen sie den in tiefem Schlafe liegenden Narren aus dem Bette und brachten ihn ins Schloß. An einer schwarz überdeckten Tafel saß der Herzog mit seinen Räten, und neben der Tafel stand ein Richtblock, über den der Henker sein blinkendes, blitzendes Schwert schwang.

Narr, es ist der 1. April, du haft deinen Kopf verloren j do.unerte der Herzog. Kölling ergab sich in sein Schicksal und legte selbst den Kopf auf den Block. Der Henker trat vor, zog aus seinem Mantel eine Blutwurst, und gab dem Narrèn einen Schlag auf den Nacken. Schallendes Ge­lächter im Kreise, und darauf starres Schweigen. Der Narr lag da, steif und leblos. Schrecken unb Neue erfaßte den Herzog. Er warf sich auf den Narren, laut dessen Tod be­klagend. In diesem Moment sprang Kölling lustig lachend empor.So, Herzog, jetzt zahle aber, du hast dich vor dem 1. April nicht in acht genommen."

Einen anderen Aprilscherz leistete sich Graf Ullo von Thun, derselbe, dessen Lebenswandel ihm den schönen Bei­namenUllo von Tunichtgut" eintrug. Um dasdumme Volk" gu narren", ließ Ullo am 1. April 1746 in der Nähe seines Schlosses auf den hohen Tiffner Wänden in Döhmen einen ungeheuren Scheiterhaufen errichten, der noch besonders mit großen Massen von Teer und Pech getränkt werben mußte. Kurz vor Mitternacht des 1. April wurde nun der Scheiterhaufen gleichzeitig an 10 Stellen entzündet, und wir ein gewaltiges Flammenmeer schlug die hohe Lohe empor, mit blutigem Schein weithin auf die Entfernung w(fL. Meilen im Umkreis nach Böhmen und Sachsen hin leuM'en^.,