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Tretts La ft

. 28. März

Preußischer Landtag.

Abgeordnete-chaus.

Sitzung vom 27. März.

Berggesetznovellen.

Aru Ministertische Graf Bülow, die Minister Möller, Frhr. v. Rheinbaben und von Podbielski. Zur Beratung steht die erste Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Ab- anderung des Berggesetzes. Ministerpräsident Graf 8 ülow erklärt: Der Grund für die nicht immer objek­tiven Aeußerungen der Presse über den Entwurf ist in der Zeit und in dein Anlaß des Entwurfes zu suchen. Dem­gegenüber weise er darauf hin, daß die Regierung schon vor dem Streik mit dem Verbot dès Nullens, mit der Neurege­lung des Knappschaftswefens und der Einführung von Maß­regeln, die sich an der Saar bewährt haben, beschäftigt war. Er erkenne die gute Haltung der Arbeiter während des Streiks an, aber das ändere nichts an der Tatsache des Kontrakt- bruches. In den Lohnforderungen erreichten die Arbeiter nichts. Ihre materielle Lage verschlechterte sich durch den Lohnausfall, der auf 500,000 Mark für jeden Tag berechnet mürbe. Die Arbeiter mußten selbst erfahren, eine wie Zwei­schneidige Waffe der Lohnkampf ist. Mögen sie dafür die Hetzer verantwortlich machen. Andererseits sehe ich ein, daß die Zechenbesitzer nicht mit Kontraktbrüchigen verhandeln wollten. Dieser Widerstand mußte aber ausgegeben werden, uüs die Regierung eine Einigung für nötig hielt. Was die Regierung konnte, mußten die Zechenbesitzer auch können. (Beifall.) Der Staat muß seine ordnende und schützende Hand auch auf dieses weite Gebiet halten. (Beifall.) Es ist möglich, daß die sozialdemokratischen Führer sich diesmal bemüht haben, den Streik zu verhindern; als aber der Streik entstanden war, setzte die sozialdemokratische Presse vergiftend ein und bezeichnete die Haltung der Regierung als Provokation. Der Bergbauliche Verein meinte," ohne unser Vorgehen hätte die Sozialdemokratie eine furchtbare Niederlage erlitten. In der Politik kommt es aber auf die rechte Zeit und das richtige Terrain an. Durch den Verlust dieses Kampfes wäre aber die Sozialdemokratie nicht ge­schwächt worden, denn zu ihrem Bestehen und Wachsen braucht die Sozialdemokratie die Unzufriedenheit der Masse und die wäre gewachsen beim Verlust des Kmnpfes. Ich werde stets die Sozialdemokratie bekämpfen, aber auf schwankendem Boden reite ich keine Attacke. Die Arbeiter kehrten im Vertrauen auf die Regierung zur Arbeit zurück; enttäuschten Sie dieses Vertrauen nicht; wenn Sie uns -heute folgen, tun Sie etwas gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen und für die Monarchie! (Lebhafter Beifall.) Minister Möller führt aus: Der Grundsatz der freien Be­tätigung und möglichsten Beschränkung des Staates, wie ihn das Berggesetz von 1865 enthält, hat unseren Bergbau groß gemacht. Heute sind die Verhältnisse andere geworden. An Stelle der kleinen und vielen sind wenige gewaltige Kapira- listenvereine entstanden. Da muß der Staat anders gestellt werden. Ein solches prinzipielles Vorgehen aber ist zu viel für die Arbeit einer Session, und so haben wir uns ent­schloßen, um die Arbeiter nicht leiden zu lassen, einzelne Materien auszuschalten und dem Hause zur Beschluß­fassung vorzulegen. Was die Vorlage bringt, ist nichts Neues. Es sind Antworten auf fragen, die seit mehr als 20 Jahren ventiliert sind. Eine bestrittene Frage ist die der Arbeiterausschüsse. Bisher waren sie nur fakultativ, und so­weit sie vorhanden waren, hat man ihr Tätigkeitsfeld be­schränkt; wo sie aber gearbeitet haben, haben sie gut ge­arbeitet. Der Frieden hat gewirkt; deshalb haben wir uns ent­schlossen, sie obligatorisch zu machen und ihnen bestimmte Kompetenzen zu geben. Deshalb wollten wir auch aus den Strafgeldern eine Arbeiter-Unterstützungskasse gründen, an deren Verwaltung der Ausschuß beteiligt fein muß. Mit der Kompetenzerteilung haben wir sie dem Vorbild des Ber­liner Straßenbahnarbelteykusschusses angepaßt. Wo Streitig­keiten sind, müssen Organe fein, um darüber zu verhandeln. Sobald die ersten Schwierigkeiten überwunden sind, wird das gute Verhältnis zwischen den Zechen und den Arbeitern leicht hergestellt werden können, benn die Furcht vor den Agitatoren ist übertrieben. Die Regelung, die wir hier wünschen, soll kein Präjudiz für andere "Industrien sein. (Lärm.) Denn der Bergbau hat besondere Verhältnisse und fördert er nicht, so müssen auch die anderen Industrien feiern. Den Ausgangspunkt für den Streik bildete die Dauer dozent habilitierte. Nachdem er hierauf für kürzere Zeit als Professor an der im Hochschulrange stehenden landwirtschaft­lichen Akademie zu Hohenheim in Württemberg, der ältesten derartigen Anstalt, gewirkt hatte, kehrte er im Jahre 1879 als außerordentlicher Professor nach Straßburg zurück, von wo er im Jahre 1879 als ordentlicher Professor der Physik und Direktor des physikalischen Instituts der Universität nach Gießen berufen wurde. Im Jahre 1888 kam er in der gleichen Funktion als Nachfolger von Kohlrausch an die Universität Würzburg, wo er die ihn zur Berühmtheit emportragenden Untersuchungen über die nach ihm benannten Strahlen an­stellte uub veröffentlichte. Im Jahre 1899 endlich folgte er einem Rufe nach München, dessen Universität er feitbem ohne Unterbrechung angehört. Die wohlverdienten Ehren, die Staat und gelehrte Körperschaften zu vergeben haben, sind ihm seit­dem im reichsten Maße zuteil geworden, und im Jahre 1901 wurde er auch als einer der hervorragendsten Entdecker auf dem Gebiete der Naturwissenschaften durch den Nobelpreis ausgezeichnet. Die Ergebnisse seiner experimentalen Tätigkeit, die zum größten Teile in denAnnalen der Physik unb Chemie" publiziert sind, beschränken sich nicht auf das Gebiet der unsichtbaren Strahlen, sondern behandeln auch die in­teressanten Kapitel der Zusammendrückungsfähigkeit von Flüssigkeiten, den Einfluß des Druckes auf die Veränderung der physikalischen Eigenschaften der Materie, die spezifische Wärme der Luft und die Aenderung des Volumens und des Lichtbrechungsvermögens, welche die sogenannten dielektrischen Körper durch Elektrisierung erfahren.

Ueber das Wesen der Röntgenstrahlen ist in den seit ihrer Entdeckung verflossenen neun Jahren so viel in populärer Form veröffentlicht worden, daß die Fülle der Zeitteilungen bei den nicht über spezielle Fachkenntnisse Verfügenden eher verwirrend als aufklärend gewirkt hat. Die vorliegende Dar­stellung muß daher von allen theoretischen Spekrilationen ab- iehen und fmm nur das tatsächlich Erwiesene kurz rekapitu- Ueren, wobei die Anwendung der Strahlen für das praktische Leben in ben Vordergrund gestellt werden soll.

Was die Natur der Röntgenstrahlen betrifft, so schließt iich die Mehrzahl der Physiker heute der von Stokes, Thom­son und Wiechert ausgestellten Hypothese an. Durch jede mit

der Seilfahrt. Früher war eine halbe Stunbc Uebung : diese .mellen wir wieder einführen ; dann haben wir uns ent- schloffen, den sanitären Marinralarbeitstag emzuführen, ab« gestuft nach der Höhe der Temperatur. Wir hoffen dadurch zugleich die Zechenverwaltungen zu steten Verbesserungen der Zechenverhältnisse zu veranlassen. Auf die Gutachten der ersten Hygieniker gestützt haben wir die Arbeitszeit in den Zechen mit über 22 Grad Celsius vorn Oktober an auf acht, in den Zechen mit über 28 Grad auf sechs Stunden festgesetzt. Eine Schädigung der Industrie vermag ich in diesen Bestimmungen nicht zu erblicken. Bei der Regelung der Ueberschichten ist es uns darauf angetommen, den einzelnen Arbeiter davor zu schützen, daß er übermäßig belastet wird. Der sensationellste Punkt der Vorlage betrifft das Wagennullen, in dem wir nachgeben. Einen anerkannten Uebelstand soll man beseitigen. Durch dieses Gesetz werden solche beseitigt, unb wir werden den Sozialdemokraten bamit viel Wind aus den Segeln nehmen. Erhalten wir uns das gute Gewissen, indem 'wir sozialpolitische Uebelstände beseitigen, wo wir sie finden. (Beifall.) Abg. von Heydebrand und der Lasa (kons.) will die Vorlage ruhig prüfen. Erscheinen die Vor­schläge gut und passend, so werden wir sie annehmen. Er beantragt die Ueberweisung an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Den sanitären Maximalarbeitstag nehme er im Prinzip an. Der schwierigste Punkt sei die Schaffung obli­gatorischer Arbeiterausschüsse. Redner nimmt dann Anstoß an der Art und Weise und an den Zeitpunkt der Einbringung der Vorlage. Für ihn ergebe sich die Pflicht, sich durch diese Erwägungen nicht beeinflussen zu lassen. (Sehr gut!) Nicht nur vom Standpunkt der Partei, fonbem auch "als Mensch müsse man diese Dinge betrachten. Unter allen Umständen muß das Gefühl des Rechts gestärkt werden. Es liegen hier schwere Bedenken bei dem großen Interesse des Vaterlandes vor. (Beifall.) Abg. Schiffer (natl.) meint, die Sozial­demokratie habe das Vorgehen der Regierung mit Hohn und Spott begrüßt. (Sehr richtig!) Habe die Regierung sich viel­leicht jetzt erst von der Berechtigung der Forderungen über­zeugt? Die Regierung habe den Schein erweckt, als ob sie für die Streikenden eingetreten wäre, für Kontraktbrüchige, die kein Zotftanb zum Bruch ihrer Verpflichtungen zwang! Wäre ein Notstand vorhanden gewesen, so wäre die Dis- ziplin durchbrochen worden und der Streik wäre nicht so ruhig verlaufen. Der Streik zeigte ein bedenkliches Er- fchlaffen des Rechts- und Verantwortlichkeitsgefühl von 200 000 Leuten, die als selbständige Bürger eingreifen wollen in die Geschicke des Vaterlandes. Die Arbeitgeber andererseits lehnten die Forderungen der Regierung nicht ab, sie lehnten nur ab, mit der Siebenerkommission zu ver- banbeln. Trotzdem halte er und ein Teil seiner Freunde die mangelnde Bereitschaft zu Verhandlungen für politisch unrichtig. Die Arbeitgeber wollten sich nicht damit abfinden, daß die Arbeiterschaft als solche ein Körper sei, den man nicht auflösen könne. Die Autorität des Staates gewann nicht dadurch, daß sie für die Elemente eingesetzt wurde, die auf so schwankendem Rechtsboden standen. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Seine Partei werde sich selbst­verständlich der Verpflichtung, das Berggesetz möglichst bald zu verabschieden, nicht entziehen. Das Nullen sei besser, als sein Ruf, aber im Interesse des sozialen Friedens geben wir es preis. In bezug auf den sanitären Maximalarbeitslag wollen wir die Verhandlungen der Kommission abwarten. In der Hoffnung, daß die Kommissionsverhandlungen einen weiteren Schritt zur Förderung des sozialen Gedankens bilden werden, stimme er der Ueberweisung an eine Kommission zu. Abg. Hirsch (fr. Vp.) erklärt, feiner Partei feien die Ge­setzentwürfe bei weitem zu spät genommen. Es handle sich hier nur um die einfachsten Forderungen einer gesunden So­zialpolitik. (Sehr richtig, links.) Die Warnung desKohien- synditats, daß durch die sozialpolitischen Maßnahmen nicht nur Preissteigerungen für die Kohlen, sondern in der ge­samten Industrie eintreten würden, sei nicht ernst zu nehmen. Ebenso ist es mit der Furcht vor demroten Gespenst". Die intellektuelle Führung der Arbeitennassen im Ruhrrevier liege bei den freisinnigen unb christlichen Gewerkschaftlern. Die Ursachen des letzten Streikes seien meljr darin zu suchen, daß die Arbeitgeber den Arbeitern die Gleichberech­tigung in der Behandlung ihrer Interessen absprechen. Mit der Komrnissionsberatung, die wohl auch erhebliche Verbesse- rungen bringen werde, fei er einverstanden. Abg. Spahn (Ztr.) meint, es komme nicht darauf an, daß durch Unter­suchung festgestellt wird, ob die schon bestehenden gesetzlichen

großer Geschwindigkeit fortschreitende elektrische Ladung wird her benachbarte Aether in eine ähnliche Spannung versetzt, wie durch den elektrischen Strom selbst. Finden die elektrisch geladenen Teilchen nun Mißlich an einem festen Gegenstand einen Widerstand, so hört die Ursache der Spannung ebenso auf wie dann, wenn ein elektrischer Strom geöffnet wird. Während die Spannung sich nun mit der Geschwindigkeit des Lichtes im Aether ausgleicht, löst jedes in seinem Vorwärts- stürmen auf gehaltene Teilchen einen Impuls ober Halbwolle aus, die umso kürzer ist, je größer die Geschwindigkeit des elektrisch geladenen Teilchetls war. Da nun die in dec Hütorf- schen Röhre entstehenden Kathodenstrahlen nichts anderes ünb als ein Bombardement elektrisch geladener Stoffeinheiten, die die Glaswand der evakuierlen Röhre treffen, so entstehen durch ihr Ausprallen fortwährend solche Impulse, die in ihrer Ge­samtheit nichts anderes sind als die Röntgenstrahlen. Ver- möge ihrer kurzen Schwingungsdauer bleiben sie dem Auge zunächst zwar unsichtbar wie das ultraviolette Licht, besitzen aber auch dessen starte, chemisch wirkenden Eigenschaften. Sie wirten deshalb auch ebenso wie optisch wirksame Lichtstrahlen, rufen wie ultraviolettes Licht auf gewissen Körpern, wie Baryumplatincvaniir, Ociumwolframat und Uranylam­moniumfluorid ' lebhafte Fluorenszenz-Erscheinungen heroor und erzeugen auf der lichtempfindlichen Gelatineschicht der photographischen Platten die Veränderungen, die durch deren Entwickelung in der Dunkelkammer sichtbar gemacht werden. Ihr verschiedenes Durrbdringungsvermögen, das sie gegenüber den unterschiedlichen festen Körpern besitzen, gibt ihnen dann die Eigenschaft, von diesen auf eine dahinter angebrachte Trockenplatte von hoher Empfindlichkeit Schattenbilder zu entwerfen, die eine reiche Detailzeichnung des Körperinnern geben, umso mehr, als die gradlinig sich fortpflanzenden Strahlen auch von optisch dichteren Medien nicht gebrochen werden.

Obwohl feit der Entwickelung erst neun Jahre verflossen sind, haben die Röntgenstrahlen im praktischen Leben schon mannigfache Anwendung gefunden. Weil die zu Edelsteüi- imitationen verwendeten Gläser viele Bestandteile von hohem spezifischen Gewicht enthalten und deswegen für Nöntgen- strahlen wenig durchlässig ünb, kann man mit ihnen echte

Vorschriften genügend beobachtet würben, fonbem ob die be­stehenden Gesetze zum Schutz der Gesundheit der Bergarbeiter Gasreichen, Schon seit 1892 forderte seine Partei gesetzliche Festlegung der Schichtzeit. Auch die Regelung des sanitären Maximalarbeitstages sei von allergrößtem Wert. An der Kostenfrage dürfe das Wohl der Arbeiter nicht scheitern. Die Zechen müssen die Kosten tragen. Dem Institut der Arbeiter ausschüsse könne auch die Grubenaussicht übertragen werden, wenn diese Aufsicht gemeinsam mit den Bergbeamten ausge- übt wird. _ Die Lohnabrechnung, die jetzt monatlich erfolgt, würde besser alle 14 Tage norgenommen. Die Erklärung der Regierung, die Novelle zum Vereinsgesetz würbe erst int Herbst vorgelegt werden, sei bedauerlich. -- Ministerpräsident Graf Bülow spricht zunächst feine Befriedigung aus, daß alle Parteien Verständigung in Aussicht stellen. DerJdeen- kreis, aus deni heraus Abg. v. Heydebraud gesprochen, finde seine Anerkennung. (Beifall rechts.) Die Novelle zum Berg­gesetz soll Mißstände beseitigen, die durch den Streik sich herausgestellt haben, ohne trotzdem nur ein Gelegen - Heitsgesetz zu sein. Die Regierung stehe weder auf feite der Arbeiter noch auf der der Arbeitgeber: sie wolle nur neuen Streiks vorbeugen. Der Vorwurf der Schwäche seitens der Regierung ist unberechtigt angesichts der Erklärung der Regierung hier und im Reichstag. Ec- glaube nicht, daß der Streik so friedlich verlaufen wäre, wenn er nach einem arideren Rezept behandelt worden wäre. Dec Regierung werde Versäumnis und Uebereilung norgeroorfem Das erinnere ihn an Goethes Wort, daß zwischen der Ueber­eilung und dem Versäumnis unseres Lebens ein tief Ge­heimnis liege. Bezüglich des Vorwurfs der Vorlage des Ge­setzes verweise er auf die Auslassungen des Abg. Frhrn. Heyl zu Herrnsheim, der bei Beginn des Streikes aufforderte, eine Verbesserung der bestehenden Gesetzgebung herbeizuführen. Es handele sich um einen Streik, wie er niemals so umfangreich in Deutschland norgefommen ist. Der Lohnausfall beziffert sich auf Millionen von Mark, noch größer war der Verlust für Industrie und Handel. Es handelte sich um Interessen, die die ganze Weltlage berührten. Gewiß konnten die Arbeit­geber nod) länger warten, wenn aber der Streik länger dauerte, entstand die Gefahr, daß wir auf dem Weltmarkt Einbuße erlitten. Wir werben immer damit rechnen müssen, daß die Wünsche weiter gehen, als das Gemeinwohl es er­tragen kann; er erinnere an die Handelsverträge und die' Kanalvorlage.' Die Absicht der Regierung werde erschwert durch die Bestrebungen der Sozialdemokraten, die christlichen Gewerkschaften aufzusaugen. Es sei Pflicht der Regierung,^ allzu optimistischen Hoffnungen entgegenzutreten und zu prüfen, was fachlich geboten ist. (Beifall.)

Um 4 Uhr 15 Min. vertagt das Haus die Weiterberatung auf morgen.

* *

* Herrenhaus.

Präsident Fürst zu Inn- und K n y v h a u s e n erklärt, er glaube im Namen des Hauses zu handeln, wenn er die Ansicht ausspreche, daß die Berggesetze nicht jetzt erst dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden durften (Bravo), und daß das Herrenhaus mit dieser Maßnahme der Regierung mcht einverstanden sei. Sodann widmet der Präsident dem Minister Frhrn. v. H a m m e r st e i n einen Nachruf und teilt mit, daß er dessen Familie das Beileid ausgesprochen habe. Das Haus genehmigte hierauf mehrere kleinere Vor­lagen. Zu dem Staatsvertrag, betr. die Regelung der Lotte riever hältnisfe zwischen Preußen, dèn beiden Mecklenburgs unb Lübeck, führte Finanzminister Frhr. v. R h e i n b a b e n aus, die Zustände im Lotteriewesen feien bisher sehr unerfreulich gewesen, weil einzelne Bundes­staaten ihr Kapital erhöhten und mit den Losen einen Raub- zug nach Preußen machten, so daß Preußen seine eigenen Lose nur schwer unterbringen konnte. Durch eie Einheitlich­keit der Lotterie sei eine Steigerung des Loseabsatzes zu er­warten gewesen und auch schon eingetreten. Er werde sich bemühen, auch mit den anderen deutschen Staaten zu ent­sprechenden Verträgen zu kommen. (Beifall.) Die Vorlage wird hierauf genehmigt, und dann nad) Kenntnisnahme mehrerer Berichte die Petitionen nach den Einträgen der Kommission erledigt. Um dreiviertel 4 Uhr vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Etat.

Diamanten aus kristallisiertem Kohlenstoff und Edelsteine, die, wie der Rubin und seine Verwandte, leichtes Aluminium ent­halten, leicht von Fälschungen unterscheiden, die aus schweren Glasflüßen angefertigt sind. Auch die Echtheit von Perlen ist leicht zu erkennen, weil die natürlichen Perlen die Röntgen- strahleu schlechter passieren lassen als künstliche. Man prüft mit ihnen edle Hölzer auf das Vorhandensein von Insekten­larven unb deren Bohrgängen. Ebenso ist es leicht festzu­stellen, ob die Wururstichigkeit kostbarer Möbelantiguitäten echt oder durch Schüsse mit Vogeldunst hergestellt ist.

Am wertvollsten haben sich jedoch die Röntgenstrahlen für die medizinische Diagnose und Therapie erwiesen. 1 Man durchleuchte! Knochenbrüche in zwei aufeinander fenkrecht stehenden Richi ungen und sann dadurch Ort und Art der Fraktur mit absoluter Sicherheit feststellen und den Prozeß der Heilung verfolgen. Das Gleiche gilt von der Diagnose der Verrenkungen. Tuberkulöse Ünodjeueiieruugen, Wirbel- entzündungen, Krebs und Syphilis an Knochen, die Orte, wo sich Kugeln, Nadeln und andere Fremdkörper im lebenden Körper befinden, können mit Leichtigkeit diagnostiziert werden, besonders bei gleichzeitiger Anwendung des stereoskopischen Prinzipes. Auch in der Zahnheilkunde haben die Röntgen- strahlen bereits insofern Anwendung gefunden, als man sie zur Erkennung von Kieferbrüchen, abrrormen Wurzelbildungen unb sonstigen Anomalien verwendet und auch das Vorhanden­sein von Nierensteinen läßt sich bei Durchleuchtung feststellen.

Die innere Medizin bedient sich der Röntgenstrahlen zur Diagnose von Lungenabscessen, von Epinotoktcrl und Ge schwülsten, von Lähmungen und Brüchen des Zwerchfells; Erweiterungen der Aorta, Herzerweiterungen, Untersuchungen der Speiseröhre auf Anwesenheir von Fremblörpern oder Strikturen ober Veränderungen des Magens. Therapeutisch sind die Ltöntgenstrahlcn mit Erfolg zur Behandlung des Lupus, mancher Ekzeme, des Favus unb des Hautkrebses ver- wenbet worden. Röntgens Entdeckung hat Hunderttausenden Linderung und Heilung ihrer Leiben gebracht. Die Geschichte wird ihn deshalb auch immerbar zu den großen Wohltätern der Menschheit zählen.