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Geneckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, eo. Waiseahauses in Hanau.

General-Anzeiger

"' Organ für Stadt- und FandKreis Hanan.

Crjcheürt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiurütkungsgebühr t

Die sünfgespaltene Petüzeile oder deren Staunt 15 Pfg^ im Neklamruterl die Zeile 35 Pfg.

«MBMBSM»

Leraniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 72

Fernsprechanschtus; Nr. 605

Slimstag den 25. Mörz

Fernsprechavschlutz Nr. 605

1905

Amtliches.

Candkreis Ffanau.

Btkmtuthnzk» Siiijli^n Sinirdiiak.

Mi Rücksicht auf die späte Lage des Osterfestes in diesem Jahre ist auf Anordnung des Herrn Unterrichts- ministers darauf Bedacht zu nehmen, daß Kinder, die zum 1. April eine Berufsstellung (Lehre, Dienst rc.) antreten müssen, auf Antrag ihrer Eltern oder Pfleger rechtzeitig aus der Schule entlassen werben.

Sollte aus dem oben angeführten Grunde die Schließung des gegenwärtigen Schuljahres am 31. März oder 1. April, und der Beginn des neuen Schuljahres am 3. April als erwünscht erscheinen, so ermächtigen wir den Schulvorstand, nach Anhörung der Herren Kreisschulinspektoren, das Er­forderliche zu veranlassen.

In diesem Falle ist uns von der Verlegung des Schul­jahres Anzeige zu machen.

Cassel den 17. März 1905.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- u. Schulwesen.

B 4261

gez. Fliedner.

An sämtliche Königlichen Schulvorstände und Stadlfchul- beputationen des Bezirks z. H.' der Herren Landräte.

^Vorstehende Verfügung bringe ich hierdurch zur Kennt- ins der" Königlichen Schulvorstände bezw. der Herren Orts- jchulmspektoren.

Hanau den 24. März 1905.

Der Königliche Landrat.

J V 9?r. 1976 v. Beckerath.

Die SpekVttttg des neugebautèn Landwegs von Neu­wiedermuß nach Mtwiedermuß für Fuhrwerke von mehr als 300 Zentnern Ladegewicht (vergt m. Bekanntmachung vom 25. November v. Js., V 8299, in Nr. 20 der Amtlichen Beilage) wirb hiermit bis zum L Mui v. JA. verlängert. Hanan den 22. März 1905.

J V 1963

Der Königliche Landrat.

v. Beckerath.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Al beitmchettde in der ^eit vom 18. bis 24_ März 1905:

1 Schlosser,

2 Ausläufer,

5 Tagelöhner,

4 Hausburscheu.

Haiiau den 25. März 1905.

Städtische ArbeitsvermitteluugssteUe. 6069

Handelsregister.

Firma Heinrich Ming in Hanau: Unter dieser Firma betreibt der Schreinermeistèr und Möbelfabrikant Heinrich Kling in Hanau ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.

Hanau den 22. März 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 6028

Hus Hanau Stadt und fand.

Hanau, 25. März.

ÜtWunterWtiiiis VatwtäiiWei» Fmiiciismiiis.

Ani vorigen Donnerstag Abend veranstaltete der Vater­ländische Frauenverein in der Centralhalle eine Abendunter­haltring, die wohltätigen Zwecken dientet Die Ausführung des gewählten Programms lag in den Händen des Frü Johner 'Klavier), des Frl. Versel Violine), der Herren Hch. Applinn sEello) und August Leimer (Gesang), sowie des literarisch- hramatifdjen Vereins und des Herr»! J. Bock.

Die Bortragefolge war in zwei Teile gegliedert, in eine musikalische und eine theatralische.

sp. Erft Versel zeigte sich als eine gewandte und tüchtige ^whftm. Ihrem Spiel ist nachzurühmen ein schöner, großer â^ch. beachtenswertes technisches Können unb musikalisches

S^u gaben die zum Vortrag gebrachten Stücke: .Air" S. Bach,Sarabande und Tambourin" v. M. -eclanAdagio" op. 34 v. Ries undIn der Spinnsttlbe" Jena Hubay ihr reichlich Gelegenheit.

? M Johner führte sich als Pianistin gut ein. Sie u Ww über eine glatte und saubere Technik. Der Bvr- . -^bst^Ste von Geschmack und geistvoller Vertiefung. Auf -wr Grundlage vollzog sich die schwungvolle Wiedergabe

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desPastorale und Capriccio" v. Scarlatti unb des Chopinfchen Walzers in As-dur. Frl. Johner erwies sich auch als eine fühlige Begleiterin der Sologesänge, deren Ausführung Herr Aug. Leimer, Lehrer nwi Konservatorium zu Frankfurt a. M. fremidlich übernonncken hatte. Die Kunst dieses Sängers ist noch von dein Konzert der Frankfurter Quartettvereinigung und des Konzerts des Lehrer­chors in angenehmer Erinnerung. Die Auswahl der Lieder war eine sehr glückliche und dankbare. Herr Leimer sang An die Leyer", undFrühlingsglaube" von Schubert, ^sowie Sagt wo sind die Vöglein hin" von J. Ab. B- Schulz, Das Mühlrad", Volksweise 1803 nach Erk. und Vittoria UNO core! von Carissimi mit der ganzen Lieblichkeit feiner ansprechenden, wohllautenden und geschulten Baritonsttmme und erschöpfte durch ben edlen und packenden Vortrag den poetisch im Inhalt in mustergültiger Weise. Alle Lieder strahlten ein reiches inneres Seelenleben und wirkten tief auf den Hörer. Der Vortragende wurde mit reichem Beifall ausge­zeichnet und ließ als Zugabe das reizende Schubettfche Lied: Ich hott ein Büchlein rauschen" folgen.

Der viette Solist des Abends, der seine schöne Kunst in

den Dienst der Veranstaltung gestellt hatte, Herrr Hch. A p p u n u. Er erfreute, unrerstützt von Frl. Johner burch den warmen und ansprechenden VortragDer Sonate für Cello und Klavier, G-moU, op. 5. Str. 2 von L. v, Beethoven.

vor^zugn verdient

Herr J. Bock erfreute durch eine recht ansprechend dar­geborene Rezitation, worauf Oskar Blumenthals drarnatische PlaudereiWann w ir altern" folgte, aufgeführt von Mitgliedern des literarisch-dramatischen Vereins. Die Haupt­rolle der Gräfin Blondine lag bei Frau L. Gerlach in r Händen, es war eine Leistung, die hohes Lob Den Marquis gab Herr' Gerlach, während Herr Göbel denGaston von Rieux" zu verkörpern hatte. Die stimmungsvolle Plauderei, eine köstliche dramatische Gabe, fand eine einwandsfteie abgerundete Darstellung, die den genannten- ausführenden Kräften MM Ehre gereichte.

Nach den Ausführungen vereiniarHi sich noch eine Anzahl Besucher zu einem gemeinschaftlichen Abendessen, an das sich dann noch ein Tänzchen schloß.

Der Vaterländische Frauenverein kann mit Genugtuung auf die in jeder Weise gelungene Abendunlerhaltung Wiesen.

Abschiedskominers für Prof. Mor Wiese

Dem am 1. April b. I. aus seinem Änüe unb auch aur Hatmu scheidenden Herrn Akadennedirektor Professor Mas Wiese würbe gestern abend im Saale desDeutschen Hauses" ein Abfchiedskornmers gegeben. Es war vorauâzu- seheu, daß die Veranstaltung lebhaften Anklang finden würde, hat doch der Scheidende nicht nur durch seine amtliche Tätig­keit als Leiter der mit unserem Äunftgcwerbe in inniger Berühruttg sieheudeti Akademie sondern auch durch das Ein­setzen seiner Kunst, wo cs galt, ideale Bestrebungen zu untere stützen, herrorragend inilgewirkt, ben Interessen unseres Ge­meinwesens zu bienen. So Hane sich benn gestern abend auch alles eingefunden, was mit der in unserer Stadt besonders gepflegten Kunst und dem Kuystgewerbe, mit Literatur und Wissenschaft in Verbindung siebt, um dem Hanaus Mauern Verlaffenden, in den Ruhestand tretenden) doch wohl dem freien tünnlerifchcu Schaffen zuttickgegebenen Professor Wiese beim Abschiednehmen Zeichen der Vlnerfemumg für sein cv- folgreicheS Wirken dahier mit in die Ferne, in die alte Heimat zu geben. Auch aus dem benachbarten Frankfurt a. M. warm Besucher in größerer Zahl erschienen, vornchmlich Mitglieder deSSchnörkel", sowie mich Herr Professor. Luthmer.

Das Festkomitee war mit Erfolg bemüht gewesen, ein der Veranstaltung würdiges Progrannn darzubicten. Zur Milwirktmg hatte man den GesangvereinTonblüthe" (Dirigent Herr H. Appunn), sowie die Kapelle des Thüring. Utarien- regiments Nr. 6 (Dirigent Herr Musikvir. Urbach), gewonnen. Eine vorzüglich ausgestarele Festschrift bot den Besuchern Gelegenheit, den bisherigen LebenSgmtg des scheidenden Künstlers kennen zu lernen und enthielt weiterhin künstlerische Beiträge von Mitgliederndes Lehrerkollegiums der Kgl. Zeichenakademie. Mit einem Festmarsch und darauf der Ouvertüre ;. Oper Teil" würbe der Kommers eröffnet.

Als Festleiter hieß Herr Dr. Qu illing dann bic Erschienenen herzlich willkommen: Es gelte Abschied zu nehmen von dem allbeliebten Direktor der Kgl. Zeichmakademic Herrn Prof. Wiese. In ihm verlieren wir einen hervorragenden Künstler, einen vortrefflichen Beamten, eine traft- nnb charaktervolle Persönlichkeit, einen Mann, der in LOjähriger aufopferungs­voller Tätigkeit im Dienste der Zeichenakademie ein Lebens­werk vollbracht hat. Möge Herr Prof. Wiese auch in seinem neuen Aufenthaltsorte die Würdigung und die Anerkennung finden, die sein Schaffen hier gefunden hat, möge ihn ein freundliches Gedenken geleiten nach der Stätte seiner neuen Wirksamkeit.. Hierauf ergriff Herr Landrat v. Beckerath

Die heutige Nummer umratzt autzer dem ttnterhaltunasblatt 14 Seiten-

das Wort, hervorhebend, daß seine nahen amtlichen Be^ ziehungen zur Kgl. Zeichenakademie unb zu Herrn Prof. Wiese im besonderen ihrl wohl berechtigten, einige Worte an den Scheidenden zu richten. Redner gab dem aufrichtigen Bedauern über das Scheiden des Herwn Prof. Wiese unb dem Wunsche Ausdruck, daß er in seinem neuen Wirkungs­kreise noch manche Anerkennung finben möge. Weiterhin feierte er diesen besonders als allezeit pflichteifrigen Staats­beamtell, als treuen Diener unseres Königs und Kaisers, des eifrigsten und tatkräftigsten Förderers der Jurist in jeder­lei Gestalt. Mögell auch nicht alle Künstler immer die Meinung unseres Kaisers teilen, mag dieser auch seine eigenen Ansichten über manche Kunstrichtungen haben und energisch vertreten, so sei doch gerade diese zielbewußte Selbständigkeit das Zeichen eines starken Charakters. Wir mufften es Sr. Majestät Dank wissen, daß er persönlich eingreife in den Kampf des Tages und dadurch Anreiz zu neuem Schaffen gebe. Das Verdienst, dem Gedanken der Kunst immer neuen Inhalt gegeben zu haben, würbe unserem Kaiser stets ver­bleiben, darum gebühre ihm als Förderer und Schützer der deutschen Kunst auch am heutigen Tage das erste Hoch. Be­geistert stimmte die Versammlung in dieses ein. .

Nachdem die Ulanenkapelle zwei Sätze für Streichinstru­mente geboten hatte, ergriff Herr Professor Luthmer aus Frankfurt a. M. das Wort zu der Festrede, die folgenden Wottlqut hatte:

Die Veranstalter des heutigen Festes haben mich ausgesorderi, ihrem scheidmden Direktor einige Abschiedsworte zu widmen. Ich folge gern diesem Rufe als Ehrenmitglied desCellini" fühle ich mich dazu verpflichtet dann aber freut es gerade mich, in dieser be­deutungsvollen Stunde zu meinem heben Kollegen sprechen zu können. Weisen doch unser Beider Lebenswege so manche Äehnlichkeit auf, die mich hoffen lassen, daß ich den Ton finde, der mich bei ihm verwandte Saiten klingen läßt. Sie, Herr Professor, wie ich, sind aus unserem eigentlichen künstlerischen Berufe zum Kunugcwerbc binübergektttet werben zu her Kunst des EvelschMedes: Ehrengaben, Tafel schmuck waren mich bei Ihnen die erste Betätigung auf dem Felde des KunstacwrrbcZ. Sie, wie ich, habèn Ihre ersten Sporen als Lehrer an der UnterttchtZ- ausmlt des Berliner Kunstaewerbe-MuseumS verdient. Beide wurden wir von dort nach Westen verschlagen, um an den Ufern des Mains iut§ in eine leitende Stellung versetzt zu finden, ich allerdings, um eine neue Schule au? den bescheidensten Anfängen zu entwickeln, während Sic an die Spitze einer Anstalt traten, festgewurzelt in dem künstlerischen Bürgersinn dieser Stadt, der sie vor mehr als einem Bahrbnndert ins Leber: gerufen hatte. Aber baniii hört auch der arallciismus unserer Lebenswege auf. Denn während mich bei meiner ll Übersiedelung nach dem Westm unseres Vaterlandes ein HeimatZgenihl zog während ich heimkehrte in ein Land, an das' sich meine Jugrndettrmcrnngen knüpften, besten Art imb Sprache die meine war war es für Sie ein LoSreißen von der Heimat, ein nicht leichtes Einleben in neue Verhältnisse». Art und Sitte. Hub wenn Sie heute von dannen ziehen, so winken Ihnen alle bic altert trauten Beziehungen, so winkt Ihnen eben die Heimat, deren Menschen, bereit Sprache und Art Sie getreu geblieben sind, lind wenn der Entschluß, seiner Lebensbahn eine neue Richtung zu geben, sonst dem dreißigjährigcu wohl leichter wird, als bem fünfzig Köttgen, so. mag cs erlaubt sein anzunehmen, daß es bei Ihnen um gekehrt ist, daß Sie mit leichterem Herren in den Beruf des frei schaffenden Mnstlers zutticktreten, als Sie ihn vor 21 Jahren mir dem sorgenvollen Amt eines Madewieleiters vertauscht haben. Jci! bitte, bei diesen; Gedanken ein wenig verweilen zu dürfen, weil er mir Gelegenheit gibt, in Ihrem Namen, meine Herren, die Sie als Schüler he? Herrn Profestor Wiese hier versammelt sind, das hohe Maß von Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die Sie einem Künstler gegen­über empfinben müssen und auch sicher alle empfinden, der eine in raschem Finge mcfwürrs strebende Laufbahn verläßt, um als Lehrer unb Beamter seine Lebenskraft der Erziehung des künstlerischen Nach Wuchses zu widmen. Nicht als ob mit diesem Wechsel ein voller Verzicht auf das künstlerische Schaffen verbunden wäre. Es' wäre um unser Kunstgewcrbc schlimm bestellt, wenn seine Lehrer nur Theoretiker oder gar nur Beamte wären. Schon zu sehr entfremdet, nach sachkundige Männer Ansicht, ein mehrjähriger Schulbesuch den jungen Kunsthand-

Männer Ansicht, ein mehrjähriger Schulbesuch den jungen Kunsthand­werker benf praktischen Leben, m das er doch wieder rmznttcten be­rufen ist. Das Kunsthandwert' kann keine Atelierkunst brauchen! Und darum wird nur der Sünftler ein guter und erfolgreicher Lehrer auf bkfem Gebiet sein können, der in ununterbrochener Fühlung mit bau praktischen Leben mitten im künstlerischen Schaffen steht. Nach einem Beispiel hierfür brauchen Sie nicht weit zu suchen! Eden der Mamu den wir heute feiern, sieht aus eine stattliche Reihe von Werken zurück, die während der 20 Jahre seiner hiesigen Amtsführung aus seinen Ich erinnere Sie an die Skulpturen chnhof, an den gekrönten Entwurf zürn Grimm- Schinkels im Berliner Museum, an das Denk-

Händen horvorgegaugen sind, für den Frankfurter Bahnhof Denkmal, an die Büste Sch^^.v .. ^^....^. ,,.,^., Htl uus ^v.u- mal des Grafen Philipp Ludwigs, das diese Stadt ziert, an dasjenige Philipp des Großmütigen, das erst kürzlich ui Haina enthüllt wurde. Daneben eine fast ununterbrochene Tätigkeit für die Edelmetallkunst, jene Tafelaufsätze, Prunkkassetten, jene reizvollen Kleinplastiken in Elfe», dem, Silber und Edelstem, die auf den Weltausstellungen von Patts und St. Louis so berechtigtes Aufsehen erregten. Und alles dies die Leistung eines Künstlers, dem es nicht Vergönnt war, in stiller Werk­statt den Eingebungen seines Genius zu lauschen nein, der mitten im bewegtesten Leben stand, mitten zwischen den mannigfachen und zersplitternden Anforderungen, die seine Stellung als Beamter, als Lehrer und Leiter einer großen Unterrichtsanstalt unausgesetzt an ihn Achteten! Wahrlich um das zu leisten, dazu gehört die ganze körper lrchc . und geistige Elastizität, über die der heute aus unserer Mitte Scheidende veriugc - die gewnde Entschlossenheit, das rasche und be- $.^c ''Smaiien, Die ein Hauptzug seines Charakters sind. Es wäre eine tleoertreibung zu sagen, daß der Weg des Verwältungsbeamtcu mit eitel Jwiem untern bestreut wäre! Es gehött schon ein kräftiges