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Hanauer U Anzeiger

Vierteljährlich 1,80 M., monarlich 60 Pfg., für ®* HâtW Abonnenten um dem bürefjeudeu PätzcuMtaA. Die emzetoe Nummer kost« 10 Wz.

General-Anzeiger

Kür ©icihi* «ab Landkreis Hanau 10 Pfz. bft füaf»

SchmSt «ab verlegt in der Buchdruckerei bei »nein. «.

LaljeohaujeS m Haoau.

Amtliches Organ für Stadt- und Fandkreis Sanaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M Ktüamratheil die Zeile 2s Pfg^ für tU-Lwätt» to Prz.

Derantwortl. Reboftoat G. Schrecker io Hau«.

91r« 44. FanspreâanWiiß Nr. 605.

Dienstag den 21. Februar

Fenis-reilmnsKW Nr. 605. 1905

Amtliches.

Candkreie ßanau.

Bekanntmachungen des Königs. SandratSaintes.

Bei einem Pierde im Hippodrom zu Frankfurt a. M. ist die Brustseuche festgestellt worden.

Hanan den 20. Februar 1905.

Der Königliche Landrat.

V 1137 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

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Das Gefecht bei Warmbad.

Ueber das verlustreiche Gefecht bei Warmbad am 25. und 26. November liegt jetzt ein ausführlicher Bericht von einem, der mit dabei gewesen ist, vor. DasB. T." entnimmt seiner Darstellung folgendes:

Am Morgen des 25. November meldete ein Bur der in Warmbad liegenden 9. Kompagnie (unter Hauptmann v. Koppy), daß die Hottentotten ihm alles Vieh geraubt hätten. Sowrt wurde eine Patrouille, 1 Offizier und 12 Mann, abgeschickt, um den Schwarzen das Vieh wieder abzunehmen. Die Patrouille war aber kaum zwei Stunden fort, als auch schon ein Reiter in vollem Galopp, ohne Hut und Gewehr ange­sprengt kam und meldete, daß der Feind in großer Stärke Allchrisiontein besetzt halte, und von der Patrouille schon 1 Unteroffizier gefallen und 5 Mann schwer verwundet, die Uebriqen aber vom Feinde eingeschlossen seien. Sofort wurde ein Kommando von 20 Mann mit einem Gebirgsgeschütz nach- geschickt. Der Erzähler mußte mit 4 Mann die Spitze reiten. Im schnellsten Tempo ging es vorwärts. Schon war die Spitze im Begriff, auf die Kuppe loszureiten, die von unseren Leuten besetzt war, als sie plötzlich von zwei Seiten furcht­bares Feuer erhielt. Zur nächsten Augenblick schrie es auch schon neben mir auf, und ein Mann von meiner Spitze, gerade durch die Brust getroffen, stürzte tot vom Pferde. Alles mußte absitzen und die Pferde in Deckung bringen. Jetzt eröffneten wir daS Feuer gegen den Feind, der auch im nächsten Augen­blicke aufhörte zu feuern. Nun ließen wir unseren Erkennungs­tufViktoria!" durch die Nacht erschallen, welcher von unseren eingeschlossenen Kameraden beantwortet wurde; gleichzeitig 'chrieen sie nach Waffer. Man kann sich ungefähr denken, wie uns zu Mute war. als wir vor uns unsere Kameraden eingeschlossen sahen. Wir versuchten auf jede Art und Weise, sie zu befreien, aber alles umsonst. Es war alles so stark be- setzt, und wir erhielten daher ein sehr heftiges Feuer, daß eS | unmöglich war, heranzukommen, wenn nicht alles erschossen | sein wollte, und so mußten wir geduldig bis zum Tagesan­bruch warten und dann im Sturm vorgehen. In der Nacht wurde alles zum nächsten Morgen vorbereitet.

Am andern Morgen wurde das Feuer auf die feindlichen Kuppen eröffnet, allein das Kommando war gegenüber dem 250 bis 300 Mann starken Feinde zu schwach. Gegen Mittag bemerkten wir zu unserem Entsetzen, daß wir auch schon von drei Seiten eingeschlossen waren. Man kann sich unsere Lage denken, die brennende Hitze, der Durst und keinen Tropfen Wasser mehr. Wir hielten es schließlich noch aus, aber unsere armen Verwundeten! Trotzdem verzagten wir nicht und schossen auf Teufel komm* heraus. Es war schon spät Nachmittags geworden und wir dem Verdursten nahe, als wir auf einmal hinter unserem Rücken ein furchtbares Geschütz- und Gewehr­feuer vernahmen. Wir wußten Bescheid, unser Hauptmann kam mit dem Rest unserer Leute und dem großen 71er Ge­schütz. Jetzt lebte noch einmal alles auf. Aber der Feind schoß immer heftiger. Auf einmal stoppte das Feuer hinter uns, und man sah, wie der Feind abzog, den unser Haupt­mann in die Flucht gejagt hatte. Ein Meldereiter brachte den Bedrängten frohe Kunde. Wiederum eröffnete die Ab­teilung des Hauptmanns ein starkes Feuer. Nun muß es dem Feinde doch zu bunt geworden sein, denn im nächsten Moment konnte man ihn laufen sehen. In einer halben Stunde hatten wir ihn zurückgeschlagen. Jetzt konnten wir unsere lieben Kameraden, welche schon halb verdurstet dalagen, aus ihrer schrecklichen Lage befreien. Es war inzwischen dunkel geworden. Das Feuer verstummte, nur vereinzelte Schüsse fielen noch. Unsere Waq-n kamen heran, und die Ver­wundeten wurden aufgeladen. Dann ging es nach Warmbad zurück.

Die Verluste in diesem Gefecht betrugen bekanntlich: 10 Tote, darunter 2 Offiziere und 3 Unteroffiziere und 12 Ver­wundete, Die Schwarzen haben nach der Schätzung des Brief­schreibers 100 Tote und Verwundete gehabt.

Hue hanau Stadt und Cand.

Hanau den 21. Februar.

Aus dem Grrichtslaa!.

Sitzung der Strafkammer vom 20. Februar.

Frei gesprochen.

Der mehrfach vorbestrafte Taqlshuer L. von Frankfurt ist angeklagt, in der Nâbe der Station Mainkur eine Sturm- lalerne und ein Stück Feldbahngeleue entwendet zu haben. Für den Angeklagten ist das eine böse Beschuldigung, denn er befindet sich in wiederholtem Rückfall und hat also eine Strafe nicht unter drei Monaten zu erwarten. Der Angeklagte be­streitet^ aber, daß er etwas habe stehlen wollen. Er sei in einer finsteren, stürmische» Herbstnacht mit dem Fuhrwerk seines Dienstherrn an der Mainkur vorbei nach Offenbach gefahren und dabei habe der Wagen an einer gesperrten Straße eine mit einem Draht an einem Stück Feldeisenbahngeleise aufge­hängte Sturmlaterne abgerissen und der Draht habe sich um bcn Wagen gewickelt. Aergerlich über den Aufenthalt, habe er darauf das Zeug abgerissen und auf den Wagen geworfen, ohne sich darüber klar zu sein, was damit werden sollte. Das Gericht sieht die rechtswidrige Aneignungsabsicht nicht als erwiesen an und erkennt auf Freisprechung.

Urkundenfälschung.

Der seit 8 Jahren bei dem Maurermeister W. zu Bergen beschäftigte Fuhrmann L. holte am 15. und 17. Dezember 1003 bei der Kohleusirma Fulda zu Frankfurt zwei Fuhren Kohlen, für die er das Geld wie immer gleich uütbekam. Der Fuhr­mann brachte auch die Kohlen und gleichzeitig die Quittungen, nach wenigen Tagen kam aber schon eine Rechnung von der Firma über die eine Fuhre Kohlen, die demnach nicht bezahlt worden war. , Da der Fuhrmann behauptete, die Kohlen be­zahlt zu haben und daß die Quittungen echt seien, so ver­weigerte der Maurermeister die Zahlung, worauf er von der Frankfurter Firma verklagt wurde. Am 17. April 1904 sollte vor dem Amtsgericht Termin sein, am Tage vorher wurde aber bei der Post in Frankfurt das Geld an die klagende Firma eingezahlt, womit der Termin hinfällig wurde. Auf dem Postabschnitt stand als Absender der Maurermeister W., welcher natürlich bestritt, damit etwas zu tun zu haben. Cs mußte also eine Fälschung vorliegen, deren Untersuchung das Resultat ergab, daß die Schrift auf der vorgenannten Quittung sowohl wie auf dem Postabschnitt eine täuschende Aehnlichkeit mit derjenigen des Fuhrmanns L. aufwies, der auch nach den sonstigen Umständen der Fälscher sein mußte. Dieser bestreitet heute energisch, etwas gefälscht zu haben und will beide Quittungen von dem Magazinverwalter der Frankfurter Kohlen- sirma erhalten haben. Der Magazinverwalter erinnert sich, daß der Angeklagte damals die eine Fuhre Kohlen nicht be­zahlte, vielmehr angab, sein Meister wolle einen ganzen Waggon Kohlen bestellen und werde dann auch die eine Fuhre mit­bezahlen. Da auch die beiden Schreibsachverstândiqen, Herr Chemiker Dr. Popp und Landgerichissekretär a. D. Pâhler aus Frankfurt an der Hand von vergrößerten Photographien der gefälschten Schriftstücke die Aehnlichkeit der Handschriften beweisen, so gilt der bis dahin unbestrafte Angeklagte für über- ( führt. Das Urteil gegen ihn lautet wegen schwerer und ein­facher Urkundenfälschung auf 2 Monate und 3 Tage Ge- . fängnis. (

Zwei andere Strafsachen wurden vertagt, eine Berufung ( wegen Nichterscheinens des Angeklagten zum Termin ver- worfen. .

* Passiert. Mit dem fahrplanmäßigen V-Zuge passierte gestern abend kurz vor 11 Uhr der Großherzog von Hessen auf der Reise nach Rußland unsere Station.

* Landwirtschaftlicher Kreisverein In der am Samstag nachmittag abgehaltenen gut besuchten Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisoereins rourben zunächst Wahlen vorgenommen. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Für die Sitzungen des VereinsanSschusfeS der Landwirt­schaftskammer wurden alS Delegierte gewählt nach Cassel die Herren Lehning-Roßdorf, Reuhl-Bischofsheim, näch Frankenberg die Herren Domänen-Rentmeister Reinhardt-Hanau und Bürgermeister Schneider-Rotzdorf,/als Stellvertreter die Herren Bürgermeister Gruner-Oberdorfelden und Lind-Oberissigheim. Hierauf folgte der Vortrag des Herrn Dr. H a s e l hg f f aus Marburg überSaatzucht- und SaaLgutwirtschaften". Der Referent verbreitete sich namentlich sehr eingehend über die Saatgutwirtschaften und die bei diesen zu beobachtenden verschiedenen Maßnahmen. Eine besondere Pflege müsse den Saatgutfelbern zu teil werden, der Ver­

tilgung der Schädlinge und der Reinhaltung des Saatgutes. Zu empsehl eit sei, daß klimatisch gleich geartete Gegenden auch die gleichen Sorten zum Anbau bringen. An den Vortrag knüpfte sich eine rege Debatte, die damit endete, baß der land­wirtschaftliche KreiSverein eine Saatautksm Mission wählte, der aus Vereinsmitteln der Beirag bis zu 150 M. zur Ver­fügung gestellt wurde behufs Beschaffung von Saatgut. In die Kommission wurden Vertreter des größeren und kleineren Grund­besitzes gewählt, und zwar die Herren Jean Koch-Baumwieser­hof, Kämmel-Rüdigheimerhof, Goy-Hirzbacherhöfe, Wittmer- Dotlenfelderhof, Jean Clauß-Ravolzhausen, Gustav SF»warz- Kinziqheimerhof, Hainbuch-Hanau, sowie als Schriftführer Domänen-Rentmeister Reinhardt-Hanau. Nächsten Samstag nachmittag 3 Uhr hält diese Saatgutkommission im Goldenen Amen dahier ihre erste Sitzung ab.

* Stadltheater.$rei ist der Bursch", Paul Gravein's CtudentensLâufpiel, welches bei seiner hiesigen Erst- Aufführung starken Beifall fand, wird morgen zum letzten Male als 4» (statt 8.) Vorstellung der V. Serie in Szene gehen. Die Rolle desWolff Eckbrecht", welcher im Mittel­punkt des Stückes steht und auf die sich das meiste Interesse konzentriert, wird diesmal von Herrn Carl Becker bargestellt, der sich für die Wiedergabe derartiger Partien ganz besonders eignet. Erst kürzlich hatte derselbe inAlt-Heidelberg" als Karl Heinz" Gelegenheit, sein schönes Können aufs beste zu beweisen und dürfte er auch in der äußerst dankbaren Rolle desWolff" eine prächtige Leistung bieten. Das interessante Werk wird mit seiner spannenden Handlung nnb seinen lusti­gen Siudentenszenen auch morgen wieder seine Zugkraft be­weisen wie bei der Erstauffübruna.

* Der Kampf zwischen Metzgern nnv Biehtzänd- lern, so wird aus Frankfurt a. M. geschrieben, hat nunmehr die der Innung nicht angehörenden Metzger bewogen, zu einer sie empfindlich berührenden Frage Stellung zu nehmen. In einer Versammlung, welche von diesen abgehalten wurde, be­sprach man, lautGen.-Affz.", die von den Händlern aufge­hobene Währschaft für Tuberkulose. Herr Rechtsanwalt Dr. Wurzmann erklärte, biß ein gesetzwidriges Verhalten des Vieh- hândlervereins in der Aufhebung der Währschaft nicht liege. Da aber die Befüchtung nabeliege, baß durch die Aufhebung der Währschaft ungesundes Vieh auf den Markt komme, so könne der Magistrat immerhin einschreiten. Schließlich wurde beschlossen, den städtischen Behörden eine Resolution zu unter­breiten, in der susgesprochen wird, die Versammlung Frank­furter Metzgermeister sei der Ueberzeugung, daß durch den Ausschluß der gesetzlichen Währschaft dem Bestreben, krankes Vieh auf den hiesigen Markt zu bringen, Vorschub geleistet werde. Sie beauftragt ihren Vorstand, bestehend aus den Herren Borzner, H. Heß, Schwemlein, W. Pfeiffer und Faß­hauer, den Magistrat als Eigentümer des Schlacht- und Dieh- hois, sowie die Stadtverordneten-Versavunlung zu ersuchen, den Mitgliedern des Viehhändler-Vereins den Eintrieb von Vieh zum Verkauf an die hiesigen Metzger nur dann zu gestalten, wenn jener Beschluß auigeboben wird.

* Hitddes Geständnis ist von Frankfurter Blätter» mit der Darlegung von Einzelheiten berichtet worden, die, wie der^ieß. Anz." aus sicherer Quelle erfährt, zum großen Teil völlig ans der Luft gegriffen sind. Die Eurzelheiten werden einstweilen noch streng geheim gehalten; nur soviel ist ver­lautet, daß der Raubmörder auch bei seinem Geständnis sich noch an den letzten Strohhalm klammert und den Mord nicht allein begangen haben will, sondern mit einem ihm unbekannten Gefährten. Also nach bekanntem Muster dergroße Unbe­kannte". Diese haltlose Angabe wird der Verbrecher wohl auch noch fallen lassen müssen. Er befindet sich in der letzten Zeit doch in ängstlicherer Gemütsverfassung als anfangs. Die Vernehmungen dauern fort.

Silberne Hochzeit feiern morgen Herr Karl B a u m- gärtner und Frau Ewarrenhanblung, Metzgerstraße 3.

* Silberne Hochzeit feiern morgen Herr Konrad H e r ch e n h e i m, Schuhmacher, nebst Frau geb. Schwarzkopf; gleichzeitig sind eS 85 Jahre, daß Herr Herchenheim bei Herrn Schuhmachermkister Färber, Salzstr. 9, in das Geschäft ein» trat. Somit ist Gelegenheit, ein Doppeljubiläum zu feiern.

* Herrensttzuna der Karnevalgeiellschaft. Die Konkurrenz der Maskenbälle und der unheimliche Würger Influenza" hatten die Herrensiyung der Karnevalsgesellschaft am vergangenen Samstag stark beeinflußt und so kam es, daß da, wo sonstdas Volk Kopf an Kopf sich drängt", diesmal manch klaffende Lücke gähnte. Trotzdem gaben sich die Vor­tragenden redlich Mühe, mit Witz und Humor den Abend so frohgestimmt wie möglich zn gestalten. Der Protokoller hatte reichlichen Stoff gesammelt und fand mit seinem mit kräftigen Schlagern gewürzten Vortrag großen Beifall, auch die übrigen bekannten Größen der Karnevalsgesellschaft hatten fleißig ge­dichtet und wurden beifällig begrüßt.