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General-Anzeiger
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Donnerstag den 24. Dezember
Fernsprechanschluß Nr. 605
Ferusprechanschluß Nr. 605
Gedruckt ȟd verlegt in der Buchdruckerei deS verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
wo manch trüber Gast
Aber tritt der Engel grüßend in ein Haus, Ziehn die bösen Geister allesamt hinaus.
S. Fischer.
Weihnacht in den Häusern, Kauert in dem Winkel und hält seine Rast.
Nr. 300
Warum leuchten heute alle Augen so? Alle H°rzm schlagen heute doppelt ftoh. Leise sinkt die Sonne schon am Himmelszelt: ES will Weihnacht werden in der weiten Welt.
Weihnacht in den Herzen, die voll Sorge sind, Manche Wunden brennen, manche Trâne rinnt, Doch «m-iHeitznachtsabend bei der^KtlM MM Kehrt die Hoffnung lächelnd wieder bei uns ein.
Darum leuchten heute aller Augèn so, Alle Herzen schlagen heute doppelt ftoh. Leise sinh die Sonne schon am Himmelszelt: ES will Weihnacht werden in der weiten Welt.
1903
Melknackten.
Tit. 2. 11. ES ist erschienen die heilsame Gnade Gottes und züchtiget Uns.
Allen Menschen ein Wohlgefallen, das ist der heiligen Weihnacht Gruß/ Freude und Jubel kehrt wieder ein bei alt und jung. Im reichen Hause wie in der armen Hütte klingen wieder Weihnachtsiiedrr. Der Lobgesang der himmlischen Heerscharen tönt durch die Welt und ruft die Christen zur Krippe des Heilandes. Wie schlagen die Herzen der Kinder in seliger Freude, wie wachen in uns Alien liebe Kindheits-Erinnerungen auf, welche jedem zurufen: „Auch dir ist erschienen die heilsame Gnade Gottes."
Hell flimmern die Weihnachtslichter, aber noch glänzender strahlen die Augen der Kleinen, wenn sie unter dem Christbaum ihre Stimme zum Preise dessen erschallen lassen, der auch der Kinder bester Freund ist. Es wücht das Leid, und es schwindet die Trübsal, es schweigen die finsteren Gedanken, wenn wir in ein solch leuchtendes Kindergeüch- b.icken und in demselben etwas erfüllt sehen von dem Engelgruß auch für uns: „Friede auf Erden!" Verweinte Augen lernen wieder lächeln, die düstere St rn ist plötzlich aufgehellt. Auch die von banger Sorge gequälten Eliernherzen hoffen wieder und können fröhlich fein mit den Fröhlichen.
„Friede au’ Erden!" Dieses Wort klopft an alle Men- schenseelen, die der Haß entzweit. Es zieht der Weihnachtsenge! durch die Lande, und wo er die Verbitterung nem unv die Verzweiflung des Elends und der Fluch der Sünde, wo er bekümmerte Herren, verwundete Seelen und bedruckn Gewissen findet, da ist es, als wollte er noch einmal die ganze große Liebe als ein Himmelsgeschenk vor den Sterblichen auS- breiten und ihnen sagen: „Seid getrost, alles Volk im Lande; heute ist erschienen die heitlame «nabe allen Menschen." Gott will nicht, daß jemand verloren gehe. Er will vergeben und lieben. Unser Heiland hat sich seiner himmlischen Herr-ichkett entäußert und ist zu dir gekommen — du aber willst dich nicht entäußern dessen, was unzöttlich ist unb M so unglücklich, so friedlos und ruhelos macht! DeinGottredet die Sprache des süßen Trostes mit dir, aber auch Worte des ernsten Gerichtes, und beides sind Festklänge für dem inner Leben. Der Welt rein ab und Christo an, das I" unsere Weihnachtslosung. Denn die beiden Gaben sind nicht di- jenigen, die wir uns unter den Chrntbäum legen, ißt’ der barmherzige Gott uns inS Herz legt durch ^esum • Das Kind zu Bethlehem ist . nicht ftr uns geboren, wen wir nicht verleugnen das ungölsliche Wesen und bi Lügen.
Weihnachten ist das Fest her Liebe. Liebe wird in Am Tagen vor allen denen zuteil, die ihrer am meisten , * ■
den Kindern .und den Armen. Den Kindern gekört Weihnachten; nur durch sie wird dieses Fest die, DuM reinster Freude. Wahres Glück und Seligkeit am Erden verwögen allein die Kinder zu empfinden, und der Abglanz dieser Seligkeit beglückt auch die Erwachsenen. Aus dem Jubel und der Wonne der Kinderaugen beim Lichterglanze des grünen Christbaumes strahlen Friede imd Freude in die treuen fürsorglichen Elternherzen, und beim Anblick der fröhlichen Kleinen erwachen in dem Gemüt der Alten wieder die Holden Träume der Kindheit. So bleibt der Weihnachtszauber nicht auf die Jugend beschränkt, aus ihres Lebens üppiger Fülle i strömt er über auf das Alter. Kein G'ben, das nicht auch dü' ch eine Gabe belohnt wird, keine Liebe, die nicht zurückstrahlend Licht und Wärme verbreitet! In dieser Wechselwirkung ist der Segen des Weihnachtsfestes beschlossen; so bat er sich seit Jahrhunderten über alles, was Menschenantlitz trägt, ergossen, und so wird er immerdar wirken.
Weihnachten ist auch ein Fest der Armen, Jeins selbst hat das Evangelium als eine Bo schaft für die Armen bezeichnet, wenn auch nicht in dem Sinne, den manche dem Evangelium unterlegen möchten, als sei das Christentum die Religion nur für die Armen. Die Weihnachtsboilchaft ist allem Volke widerfahren. Allerdings ergibt sich aus der Armut am augenfälligsten die Notwendigkeit des chriftstchen Wortes: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst 1" An allen Verhältnissen der M nschen zueinander soll das Gesetz der Nächstenliebe das höchste, herrschende sein, und zwar vornehmlich um der Armen und Elenden willen. Die Wechnachtssine des Schenkens und Gebens ist ein Sinnbild der Nächstenliebe. Das Evangelium verlangt freilich mehr als die Beräügung der Nächstenliebe in «Uchen geweihten Tagen oder Stunden deS Jahres: es will die Weibnachtsstimmung des Mitleids und der Güte auf das ganze Jahr ausdehnen, es will die Liebestätigkeit zum Grund- ton unserer gesamten Lebensführung machen Dann erst würde sich das praktische Christentum seiner vollen Verwirklichung
nähern.
Apf dem ganzen Erdenrund, überall wo man die Weihnachts-Botschaft vernimmt, wird Weihnachten begangen; aber nur der Deutsche feiert die rechte Weihnacht. Zu einer solchen Frier gehört das deutsche Gemüt. Der süße Klang der Worte „St lle Nacht, Heilige Nacht 1" wird nur dort, wo die deutsche Mnge klingt, in tiefster Innigkeit empfunden. Darum soll in diesen Festestaaen unser Empfinden auch dem teuren deutschen Vaterland- gehören. „Nur wer den Blick auf's Ganze hat gerichtet, dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet!" Dieses Ganze ist w fer Deutschland. Wie der Stern von Bet lehkm über der W ihnachtsfeier, so schwebe fortan über aller politischen Arbeit leuchtend alS Stern unseres Lebens das gemeinsame Vaterland '
Unser politisches Leben ist vergiftet durch eine maßlose Gehn stzkeit, die das Ganze, das Gemeinsame aus den Augen
am meinen wuiujui. ’ ^“H'j-7 " ■ " . . ^. .j..,
D^ heutige Nummer umfaßt au^er dem Uut-rha!tuug»blait 14 «««»»>
verliert. Wie vieles könnte besser werden, wenn wir inmitten der polüi'âen und wirtschaftlichen Kämpfe uns mehr als bisher bewußt bleiben wollten der Sieb* zu unser aller Mutter, der Liebe zu unserm Viterlanbe. Dessen sollten wir eingedenk sein an dem Feste, das wie kein andres die Herzen der Liebe, der F-eude und dem Frieden, dem Mitleid und der Güte erschließt.
Hue Stadt und Cand.
Oana«, 24. Dezbr.
Wiederum stehen wir am Vo-abend des herrlichsten aller christlichen Feste. Jubelnd begrüßt es die Kinderschar, herzlich willkommen heißen es alle Erwachsen-n, denen Sinn und Verständnis für die hohe Bedeutung desselben noch nicht ab* Handen gekommen: Wohl jeder aber unter uns hält stille Einkehr in sich selbst.
„Die Zm des Mitleids und der Güte" nennt der gott- begnadete Sänger die herrlichen Tage der Weihnachten. Für den Familienkreis bedeuten sie aber viel mehr: die Offenbarung der alle Glieder verbindenden Liebe. Was im Stufe der Zeit Störendes, Trennendes zwischen sie getreten, die Bande der Zusammengehörigkeit lockernd oder lösend Feste unb dem zur Rüste gehenden Jahre begraben! In diesem Geiste laßt uns
Tragen wir ihn hinaus in die gesegneten a!L§ gelüblen Vaterlandes — hinaus in unsere Betätigung auf dem Boden des rums sei die goldene Frucht, die wir nachtsbamn btS Jahres 19031
— mit dem hehren sei es vergessen und Weihnachten feiern! Gauen unser- über die weitesten Kreise: praktischen Christen- schütteln vom Weih'
. „Und war dein Herz am heißen Tage
Mit deinen Brüdern Wito und rauh,
5p HHt es dir zu milder Klage
Die heiLge Nacht mit Himmelstau.
Daun kchrt zu seinem Heiligtume
Das sturniverschlagne Herz und glaubt,
Dann richtet die geknickte Blume
Der Liebe auf ihr müdes Haupt.
Und beut Ersramtten und ^crühriew
Dem lagst du, bau den herben Groll Die Tranen dieser Nacht entführten
Und daß er auch dich lieben soll,
* «evaiktiottell. W Des hl WeihnachiSfektOß wS ^ Ä"ÄÄ 10 erst Montag den 28» d. M. zur gewsymtche«
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* Kirchliches. Liturgischer Gottesdienst findet heute abend 8 Uhr in den beiden Altstâdter evangelischen Kirchen unter Mitwirkung der Kirchengesangvereine statt.