Erstes Blatt
nauer
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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- bärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Di« einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, tv. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Sam
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Srow- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die stasn gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für AuLmürtâ 15 Pfg., im Rcklamentheil die Zelle 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verautwonl. R-dakteur: G. Schrecker in Han«,
N". 282
Ferns-rechanschluß Nr. 605.
Donnerstag den 3. Dezember
Fernsprechauschluß Nr. 605
1903
Zwangsv ersteigenmg.
Auf Antrag des Verwalters in dem Konkursverfahren über den Nakblaß des Juweliers Jrtlttts Ruth, Inhaber der Firma C. Österberg in Stuttgart, Rechtsanwalt Dr. Gundert in Stuttgart, Olgastr. 4 pari., sollen die in der Gemarkung Hanau belegenen, im Grundbuche von dort Band XII Artikel 673 zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungsvermerkes auf den Namen des Hosinweliers Iulius Ruth in Stuttgart eingetragenen Grundstücke:
195 196
Kartenblatt 88. Parzelle -,~- und -n-, Ivo Ivo
Brandversicherung?-Nr. 33 der Haingasse,
a. Wobnbaus mit Hofraum und Hausgarten,
b. Seitenbau rechts (A) mit Veranda,
2 ar 45 qm und 2 ar 88 qm groß, 1410 Mark Nuyungswert,
am 22. Januar 1904, vormittags 10 Uhr, durch das umerzeichnete Gericht, an Gerichtsstelle, Marktplatz 18, Z mmer Nr. 14, versteigert werden.
Hanau den 16. November 1903.
__________Königliches Amtsgericht 2. 21480
Aufgebot.
Der Landwirt Georg HenzH. von Ravolzhausen hat das Aufgebot des Hypothekenbriefes über die Post Art. 72 des Ravalzdäuler Grundbuchs Abt. III 5:
„26, 41 und 3,70 Mmk des Simon Moritz hier, früher zu Hanau, jetzt hier, eingetragen am 27. November 1878"
beantragt. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf den
25. März 1904, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberanmlen Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Keafiloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
Langenselbold den 28. November 1903.
__Königliches Amtsgericht. 21491
Gefundene und verlorene GegenstUnde rc.
Gefunden: 1 goldener Zwicker, 1 Stück rotes Tuch. Verloren: 1 Herren-Zylinderuhr Nr. 28022, 1 Schlüsselbund (4 Stück).
Zugelaufen: 1 schwarzer Bastard (Dachshund) mit weißer Brust m. Geichl.
Hanau den 3. Dezember 1903.
........ ■ UM— II. ......■■■MI 1.1.1 M—
Feuilleton.
Stadttheater in Hanan.
— Hanau, 3. Dezember.
Die dieswinterliche Vertretung des Faches des ersten Helden Und Liebhabers an unserer Bühne macht es erforderlich, daß unsere Dinktion von Zeit zu Zeit auf Abwechslung und auch Entlastung durch Gastspiele in diesem Fache bedacht sein muß. So hatte sie für die gestrige Abonnementsvorsielluna den Helden- darstkller der Frankfurter Bühne Herrn Richard Kirch gewonnen, für ein einmaliges Gastspiel, wie der Theaterzettel besagte, wir hoffen aber, daß es bei diesem einmaligen Austreten nicht bleiben wrd. Zur Aufführung gelangte Goethes Trauerspiel „Egmoni", biffm bewegte und fesselnde Handlung durch Beeihovens herrliche Munk auf das wirksamste unterstützt wird.
haben den Helden des Goc heschen Dramas schon des Öfteren durch Gastspiele auf unserer Bühne verkörpert gesehen, aver noch keinen, der so der Rolle in vollendeter Weise alle Eigenichasien zu geben vermochte wie der Frank'urler Gast, rvar Jein Graf Egmont schon in seiner äußeren Erscheinung ganz der ritterliche Hed, wie ihn die Goeihelche Dichtung td aiiflert, der sorglos und heiter nur dem Genusse des Augen- vlicks lebt, so warocn die blendenden äußeren Vorzüge des Gastes geadelt durch, ein fein durchdachtes und gut mimieries Spiel, das Licherhkit und volle Beherrschung des Stoffes offenbarte und der tu stlerischen Begabung des Gastes ein rühmliches Zeugnis gab. Was uns seine Darstellung des Egmont noch befonders lympathifch mackste, das war der einfache warme und
^ lebensvolle Auffassung die die leidenschaft- uchen Au'wallunqen als Eingebungen des Augenblicks erscheinen a8 dublikum zeichnete Herrn Kirch für seine fistelnde Darstellung durch Harfen Beifall und wiederholten Hervorruf aus. Von unseren Darstellern ward der Gast nach Kräften unterstützt.
Ein sozialdmokratischer Vizepräsident ?
Das erste, was der R'ichs^ag nach seinem Zusamment rit vorzunehmen hat, ist die Wahl seines Präsidiums. So glatt, wie diese Handlung früher in der Regel verlief, dürfte sie sich diesmal nicht vollziehen. D e Hauptschwierigkeit liegt darin, ob der sozialdemokratischen Fraktion als der nunmehr zweitstärksten eine Prä^dentenstelle zuee'prochen werden soll oder nicht. Die Presse-aller Parteien hat sich schon seit Monaten mit diesem Thema beschäftigt. Es gibt keinen Grund, eB anders als in ruhiger, kühler Prüfung zu behandeln.
Die Reichsverfossung kennt nur einen Reichstag, aber keine Fraktionen, und sie kennt nur 397 Abgrordnete, von denen jeder sich als Vertreter des g« samten Volkes, nicht aber als Pariei-Brauftrngter fühlen soll. Die Verfassung kennt ferner nur Beschlüsse der absoluten Mehrheit. Durch diese ist ebenfalls das Präsidium zu wählen Die Tatsache, daß die Sozialdemokratie mit ihren 81 Abgeordneten die zweit- stärkste Fraktion ist, begründet also die Anwartschaft auf einen Prâsidenten-Posten keineswegs. Das Präsidium im Reichstage ist auch seither nicht lediglich nach dem Stärkeverhältnis der Parteien, sondern vielmehr überwiegend nach wechselnden politischen Stimmungen und Strömungen zusammengesetzt worden.
So wurde bis zum Jahre 1879 das Zentrum, obwohl es sich in der Größe seiner Mitgliederzahl fast immer gleickgebl'eben ist, von der Vertretung im Präsidium grundsätzlich ausgeschlossen; nicht einmal eine der Vizepräsidenten-Stellen wurde ihm in den siebziger Jahren zuge'prochen. Später haben die inner« politische Lage und das Verhältnis der Parteien zu einander sogar dahin geführt, daß das Zentrum im Präsidium durch zwei Mitglieder vertreten war, wie es sich auch einmal ereignete, daß die Konservativen außer dem Präsidenten noch den zweiten Bizeprâstdenten zu stellen hatten. Die Ansichten über die Anwartschaft der einzelnen Fraktionen auf die Mitwirkung an der Geschäftsführung haben also wiederholt gewechselt. Die Nationalliberalen z. B. weigerten sich jahrelang, das Zentrum als gleichberechtigte Partei bei der Beietzung des Präsidiums anzuerkennen; sie überli^en diese deshalb den Konservativen und dem Zentrum. Im Laufe der Zeit haben sie sich zu einer anderen Auffassung bekehrt und es nicht mehr verschmäht, einen Vizepräsidenten zu stellen. Dieser nahm dann seinen Platz neben einem Konservativen und einem Zentrumsmann ein. Eine unbedingt feststehende Ueberlieferung für die Präsidentenwahl gibt es nicht, und es ist selbst der Fall nicht ausgeschlossen, daß der erste Präsident nicht aus der stärksten Partei heroorgeht.
Bisher hat die Mehrheit des Reichstages keine Neigung gezeigt, einen Sozialdemokraten ins Präsidium zu wählen. Nur in der GeschäftsordnungSkommission hatte man einen
Unter den Darstellern, die gestern abend GuteS boten, ist in erster Linie Herrn Becker 'S „Brackenburg" zu nennen. Die weise Mäßigung, die der junge talentvolle Darsteller in der Wiedergabe dieles Charakters an den Tag legte, hat unS überrascht, und so konstatieren wir gerne die feine Charakterisierung der einzelnen seelischen Züge dieser intareff inten Aufgabe, benex die Innerlichkeit nicht fehlte und die sich zum lkbenswarmen Ganzen zusammenfanden. Frâul. Burchard war das „Klärchen" übertragen worden. Wenn uns auch die Besetzung dies« Rolle nicht ganz verständlich geworden ist, da Frl. Burâard für die Einfachheit und den frischen Reiz der Rolle nichts zu bieten vermag, so kamen die schönen AuSdrucksmittel ihrer Darstellungskunst, namentlich in den Schlußszenen, doch zur vollen Geltung, wo ihr warme, innige, zum Herzen greifende Töne zu Gebote standen. Der „Bansen" des Herrn Römer war etwas zu polternd, doch trat mit gutem Erfolg das Bestreben zu Tage, dem schleichenden Hetzer Charakter und Farbe zu geben. Dem finsteren „Alba", den Herr Knauth bar« stellte, fehlte die scharfe Ausgestaltung, auch Herr Neruda als „Ferdinand", vermochte nicht zu befriedigen. Von den Bürgern Brüssels fanden angemessene Vertretung der „Jetter" durch Herrn Nauendorf und der „Zimmermann" durch Herrn Gehrmann; auch Herr Heinemann als „Richard" sei noch erwähnt. Unter Herrn Kap llmrister S â m i d t'S sorgfältiger Leilung wurde der Musik Beeihooen's gute Abführung durch das Theater-Orchester zu teil. Der Besuch der Vorstellung entsprach nicht der Erwartung, doch dürfte dies in dem gesteigerten Geschäftsverkehr vor den Festtagen seinen Grund haben.
Kunst und Leben.
Lott-risgol) egen in Berlin. Frau Fortuna hat diesmal über den Nordosten Berlins ihr Füllhorn ausgestrcut. Sowohl von der preußischen wie von der sächsischen Lotterie sind die Haiivtgewmne zum Teil nach Berlin gelangt. Von
Vertreter der äuß'rsten Linken, nämlich dem Abgeordneten Singer, eine Einstellung eingeräumt. Dieser bat dort jahrelang den Vorsitz geführt, bis ihn sein aller Gelchäfts-Ordnung hohnsprechendes Benehmen in der Obstruktions-Zeit dazu zwang, sein Amt niederzulecen, das ihn dazu verpflichtete, der Hüter und Schützer der Geschäft? ordnung zu sein. Es ist nicht an- zunehmen, daß die staatserhaltenen Abgeordneten diesmal von ihrer Gewohnheit abweichen werden. Der Dresdner Parteitag hat auch dem Blödesten die Augen geöffnet über die wahre Natur der Sozialdcmokratie. Und durch ihre Obstruktion in der letzten Reichstags-Tagung haben die Sozialdemokraten bewaffn, daß sie zur Leitung der Geschäfte des Reichstages durchaus ungeeignet sind. Wer möchte wohl einen Bock zum Gärtner machen?
Hus Stadt und Cand«
Hanau, 3. Dezbr.
Historische Gedenktage.
3. Dezember 1699. Verkündigung von den Kanzeln, betreffend die auch in Histm-Cessel wie in dem übrigen evinaelischkn Deutschland, in Gemäßheit des Beschlusses des Corpus evangelicum am Reichstag zu Regensburg vom 23. September 1699, mit dem 1. März 1700 bevorstehende Abschaffung des julianischen Kalenders und die Einsâhruna des sogenannten verbesserten Kalender?. H
3. Dezember 1741 starb Ulrike Eleonore, Königin von Schweden, Karls XII. Schwelt» und Gemahlin des Landgrafen von Hestm-Castel und König von Schweden Friedrich I.
* Warme Getränke für Bahnbeamte. Die Eisenbahndireklisn zu Frankfurt a. M. gibt bekannt, daß den Güterzugxersonalen des Dircklionsbezirks auf den Unterwegsstationen warme Getränke auf Kosten der Verwaltung verabfolgt werden sollen, sobald die Beamten mindestens 3 Stunde« im Dienst, d. h. auf der Fahrt sind und im Freien mindestens 10° Celsius herrschen. Die Kältegrade sind von 12 auf 10 herabgesetzt worden. Nach weiteren drei Stunden Fahrzeit werden wiederum warm- Getränke verabreicht.
Stadttheater. Morgen gelangt das allbekannte und beliebte Lustspiel: „Die Anna-Liese" von Herm. Hersch neu einstudiert zur Auführung. In Haupirollen werden Be« schäfiiat sein: Frl. Verden als „Anna-Liese", Frl. Jirsak als „Fürstin", Herr Becker als „Leopo d", Herr .Knauth als „Chai cae", Herr Nauendorf als „Salberg" und Herr Römer a;s „Föhse". — Zum Schluß geht die am lebten Freitag dem großen Los der preußischen Lotterie ist ein Viertel einem im Nordosten der Stadt wohnenden Spediteur zugefallen. Ein Zehntelanteil des sächsischen Hauptgewinnes ist ebenfalls zum Teil nach dem nordöstlichen Stadtteil, zum Teil nach Weißen-^ see gelangt. Die glücklichen Gewinner sind Arbeiter, die, in einer Fabrik belästigt, gemeinsam das LoS spielten. Außer-, dem ist noch ein Fünftel des Gewinnes von 30000 Mark kleinen Handwerkern im Osten gugefaUen. Sie können es jämilich brauchen.
Ein Schwabenstreich. Eine ergötzlich rmive Ansicht von der Welt kadt London scheint ein biederer Schuliheiß vom Obera nt Göppingen (Wü ttemberg) zu haben. Kommt da zu ihm ein Mädchen und klagt, daß ihr Liebster nach London ansgeriss'u kei und gewissen Geldverpflichtungen gegen sie nicht mehr natkomme. „Das waten wir gleich haben," meinte der Ortsvorsteher, s tzte sich hin und schrieb an das „verchr- li^e Schu theißeüamt London", es möchte den „bortigen Polizei- diener" veranlassen, in der Sache tätig zu sein.
1800.
1818.
1850.
1870.
Geschichts-Kalender.
3. Dezember.
Die Oesterreicher werden von den Franzosen unter General Moreau Bei Hohenlinden geschlage ■.
Max v. Pettenkofer in Lichtenhain bei Neuburg a. D. geboren. . . ,
Bismarck tritt im Erfurter Parlament tn einer M ren Rede für das Olmützer Abkommen zwischen Preußen und Oesterreich ein.
Prinz Friedrich Karl schlägt die F^^osenbeiCheviLtz und Cblüeurs. — Der König von Bayern teilt bem König von Preußen mit, daß er sich an die deutschm Fürsten qewcndei habe, mit ihnen König Wilhelm um die Annahme der Würde eineB deutschen Kaisers an ersuchen.