Erstes Blatt
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•Äwdt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev.
General-ANzeiger.
Micher Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Eiurülknugsgebühr:
Für Sindt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in HauW, i
Nr. 276. FtknftreKans« Nr. 605. Donnerstag den 26. November FmsMKmMH Nr. «»5. 1903
Landwirtschaftlicher Kreisnerein Hanan.
Nächste Versammlung Samstag den 28. -. Mts., nachmittags S1^ Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.
Tages-Ordnung:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Vertrieb des sogenannten Mast- und Freßpulvers.
3. Vortrag des Herrn Amtsrat Vaupel in Ermschwerdt über „Viehzucht".
4. Ausnahme neuer Mitglieder.
5. Veranstaltung eines Winterfestes.
6. Sonstige Mitteilungen.
Der Vorstand.
Die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins wollen die Herren Bürgermeister in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau den 20. November 1903.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Aus Stadt und Cand,
Hanau, 26. Novbr.
Geschichts-Kalender.
26. November.
1282. Bildung des Zuyder Sees in Holland durch Orkan und Flut.
1741. Eroberung Prags durch Sachsen, Bayern und Franzosen unter Rotowski.
1808. Minister von Stein nimmt seine Entlassung.
1822. Fürst von Hardenberg, preußischer Staatsmann, stirbt.
1870. Gefecht bei Pasques zw schen dem Werderschen Korps und den Truppen Garibaldis.
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Rechtskandidat Rabe zum Referendar, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Lapp zum Gerichtsschreibrr in Eiterfeld.
Bestellt: der Pfarrer extr. Ernst Fuchs zum Hilfspfarrer in Salmünster, der Pfarrer Liese zu Eschwege zum Verweser des erledigten Metropolitanats der Klasse Eschwege, der Pfarrer extr. Hu mburg zum Gehilfen des Pfarrers Becker in Newa.
Ueberwiesen: der nach Bestehen der großen Staatsprüfung zum Regierungsass ssor ernannte bisherige Regierungsreferendar Dr. jur. v. Engel der Königlichen Polizeidirektion zu Danzig zur dienstlichen Verwendung.
Entlasten: der Gerichts affessor Hartdegen aus dem Justizdienst infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht in Weilburg a/L.
* Stadtverordneten - Ergänzungswahl. Die gestern abend zu Ende gegangenen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung in der 3. Abteilung haben den bürgerlichen Parteien den erhofften Sieg gebracht, ein Beweis, daß bei festem Zusammenhalten der bürgerlichen Parteien stets ein Erfolg zu erzielen ist. Nicht verkannt darf werden, daß der Sieg nicht leicht geworden ist, vielmehr große Anstrengungen erforderlich waren, den sozialdemokratischen Ansturm zurückzu- schlagen. Nachstehend lassen wir das Resultat der Wahl folgen, wonach von den bürgerlichen Kandidaten Jean Förster 1662, Ad. Hock 1662, Andr. Holm 1659 und Jgn. Peteler 1659, von den sozialdemokratischen Kandidaten Rehbein 1610, Mösinger 1606, B ü ttenklepper 1606, Glund 1606 Stimmen erhielten Eimge^Ctimmen gesplitterten sich.
^ple verkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf u E auf Grünberg (Hessen) mit Ortsbereich (Be.tersbain und Weiterfllv) ausgedehnt worden.
" Generalversammlung der A-G. Hofbrau- Haus HaUau vorm. G. Ph. Nicolay. In der geitern abend 6 Uhr im Gaßhaus zu den drei Rindern abge- - ordentlichen Generalversammlung der Aktien- Gesemchaft Hofbrauhaus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay waren 1126 Stimmen vertreten, somit Beschlußfähigkeit vorhanden. Der Vorutzende des Aussichtsrates Herr F. Canthal erstattete willst Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, dessen R sultat wir bereits vor einigen Tagen nach dem uns vorlteoenden Jahresbericht bekannt gegeben haben. Die Ver
waltung der Aktien-Gèsellschaft war bemüht, vorsichtig zu wirtschaften, auch sind Maßnahmen getroffen, daß das unter dem Einfluß ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse eingc- tretene kleine Minderergebnis des abgelaufenen Jahres im laufenden Jahre, wenn nicht besondere Umstände erscheinen, wieder eingebracht wird. Nach Vortrag der Bilanz, die in allen Teilen einen ganz vorzüglichen Eindruck macht, der Gewinn- und Verlustrechnung und des Prüfungsberichts des Aufsichtsrats wurde die Bilanz genehmigt und die Verwendung des Reingewinnes, wie vorgeschlagen, genehmigt. Es gelangte darnach eine sechsprozentige Dividende zur Verteilung. Einstimmig wurde Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt, wie auch aus den Kreisen der Aktionäre der Verwaltung Dank für die umsichtige und erfolgreiche Arbeit während der BcrichlSp-riode ausge'prochen wurde.
* Eine amtliche Konferenz fand gestern vormittag für die hiesige an den Mittel- und Volksschulen wirkende Lehrerschaft unter Vorsitz des Herrn Schulinspekisrs Lorenz statt. Herr Lebrer Berthold erstattete ein Referat, Herr Lehrer Jänecke veranstaltete eine Lehrprobe. Die Konferenz währte bis 1 Uhr mittags.
§ Vortrag. Der hiesige Teânikerverein veranstaltete gestern im Saalbau „zum deutschen Haus" einen öffentlichen Vortragsabend, wobei uns der Dozent an der Humbold» akademie Herr Franz Fürstenberg mit einem höchst aktuellen Thema bekannt machte, nämlich mit der Technik und den Naturwissenschaften im alten Babylon, wie sie durch die hauptsächlich im letzten Jahrzehnt gemachten zahlreichen Ausgrabungen und die in letzter Zeit auch gelungene Entzifferung der Keilschrift unseren Augen sich darstellt. Schon die Art und Weise, wie die, alten Babylonier ihr ursprünglich teils Sand-, teils ° Wasserwüste darstellendes Land durch eine geordnete Wasser- ! wirtschaft, durch Drainageanlagen, Kanäle usw. kul'iviert haben, I verdient unsere volle Hochachtung. Die zu vorerwähntem I Zwecke angelegten Kanäle dienten auch gleichzeitig als Verkehrsstraßen zwischen den einzelnen Ortschaften. Als Tiansporl- mittel benutzte man meistens sog. Schlauä flösse (Kelleks), doch ergibt sich aus aufgefundenen Reliefs, daß die alten Babylonier auch bereits mit dem Bau großer Segelschiffe vertraut waren. Von den hängenden Gärten, den berühmten 72 Meter über dem Boden sich erstreckenden Parkanlagen, die Nebukadnezar seiner Gattin errichten ließ, hat man aus Vorgefundenen Bruch- stücken und Beschreibungen eine Rekonstruktion hergestellt, die uns Redner im Bilde vorfüürte und die einen Einblick gewährt in die überaus ingeniöse Baukunst der Babylonier. Die Baulichkeiten wurden meist aus Ziegelsteinen hergestellt und teils mit Mosaikarbeit, teils mit schönen Malereien vcrz ert. Als Bodenbelag wurde bereits z. Z. Asphalt verwandt. Von HauShaltungSgegenständen und Zieraten hat man in Bronze getriebene Figuren, Eisengeräte, Gold- und Silbergefäße, Porzellan- und Glassachen, daneben aber auch noch Stein- werkzeuge gefunden. Interessant war die Auffindung einer ganzen Goldschmiedewerkstatt mit vollständiger Einrichtung. Die Särge waren anfangs einfache Tonröhren, später wurden sie aus farbig glasiertem Ton und prächtig aus- gestaltet hergestellt. Beachtung verdient auch die feine Natur- beobachtung, wie sie aus der Darstellung von Tiersz-nm auf gefundenen Ne'icfs kervoroebt. Daß einst die babylonischen Gewebe einen Weltruf genossen, sagt uns ja bereits die Bibel. Besondere Routine hüten die alten Babyloniw in der Steinschnedekunst, denn abgesehen von der Zieeliäkeit der Keilschrift, die nur mit der Lupe lesbar ist, sind auch die verschiedensten Tierfiguren sowie die Siegel in solch kleinen und doch f inen Verhaltn ffen in harten Stein eingegraben, daß man sich zur Elkennung derselben opnsb'r Hfl'smiüel bedienen muß und daß auch bei der stärksten Vergrößerung noch alle Einzelheiten völlig vaturwabr erscheinen. Zeigten die alten Babyloiier somit in der Technik eine Miste» schaft, daß wir noch heute vielfach von ihnen lernen können, so waren sie aber auch in den Naturwissenschaften bewand-rt, z. B. haben sie in der Astronom e trotz ihrer pr'mitiven Hilfsmittel so GweS geleistet, daß sich vieles von den Aufze chnungen genau mit den Resultaten un erer Forschung deckt. Die zahlreichen L chtbilder illustrierten wcht nur das Gesagte, sie stellen auch eine gewisse Beweisführung dar und sicherten im Verein mit den interessanten Ausführungen dem Vorirag von Anfang bis zu Ende das gespannteste Interesse. ■— Möge der Techniker-Verein noch weiter mit derartigen interefs mten Vortra sabenden hervor- lreten, des Dankes vieler kann er im voraus versichert sein.
* Stadttheater. Morgen Freitag geht „Die Lokalbahn" von Ludwig Thoma erstmalig in Szene. Die geistvolle Satire des bekannten Münchener Autors hat überall großes Interesse erweckt, so daß auch hier auf eine verständnisvolle Ausnahme des Werkes zu rechnen ist. — Da die Komödie, die hier übliche Vorstellungsdauer nicht erreicht, so ° wird zum Schluß das altbekannte „Versprechen h i n t e r'm
Herd" gegeben. Die mit Gesang und Tanz ausgeschmückte, humorvolle Alpenszene, wird vor allem Frâul. Wehn und Herrn Nauendorf Gelegenheit bieten, sich als Soubrette resp. Komiker vorteilhaft zu präsentieren. — Am nächsten Mittwoch den 2. Dezember findet ein einmaliges Gastspiel deS 1. Helden und Liebhabers Herrn Rich. Kirch vom Frankfurter Schauspielhaus als „E g m o n t" statt. Die Vorstellung ist im Abonnement.
* Turngescllschaft Hanau. Sonntag den 29. November, abends 6 Uhr beginnend, hält die „Turngesellschaft" einen Familienabend im Saale der „Brauerei Weismantel" ab, arrangiert von der Dorlurncrichaft. Da bei Stiftungsfesten u. dgl. die Turner durch ihre Mitwirkung sehr in Anspruch genommen sind, so soll dieser Abend hauptsächlich dem Tanze gewidmet sein. Auch ist hierzu ein kleines Programm ausgestellt : Soli, Duette, komische Vorträge, wechseln miteinander ab und können wir den Besuch jedem, der ein paar vergnügte Stunden verleben will, bestens empfehlen.
* Marktpreise. Im Monat Oktober 1903 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 15.80, Roggen Mk. 13.22, Gerste Mk. 15.42, Hafer Mk. 13.38, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19.89, Speise-, Bohnen (weiße) Mk. 21.50, Linsen Mk. 25.22, EßkartoMn Mk. 4.75, Richtstroh Mk. 3.80, Krummstroh Mk. 3.30, Heu Mk. 6.30, Rindfleisch im Großhandel Mk. 123.— ; Rindfleisch im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.50, vom Bauche Mk. 1.25, Schweinefleisch Mk. 1.60, Kalbfleisch Mk. 1.40, Hammelfleisch Mk. 1.30, Speck (geräuchert) Mk. 2.—, Eßbutter Mk. 2.47, Eier 1 Schock — 60 Stück 4.10 Mk.
* Ladenpreise. Im Monat Oktober 1903 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speisebereitung Weizen . 32 Pfg., Roggen 24 Pfg., Gersten-Graupe 44 Pfg., -Grütze 42 Pfg., Buchweizengrütze —* Pfg., Hafergrütze 42 Pfg., Hirse 35 Pfg., Reis Java (mittlerer) 36 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 50 Pfg., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pfg., Speisesalz 20 Pfg., Schweineschmalz 1 Mk. 55 Pfg.
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandten Rotsten übernimmt die Redaklio« dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.
Vom hiesigen Friedhöfe führt ein breiter Landweg am Lehrhose vorüber nach den Sandgruben in der Pähe des Mississippi. Der Weg ist gegenwärtig in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet. Es ist ein domänenfiskalischer Weg, der durch den Ankauf des Lehrbofes an die Stadt übergegangen ist. Diese hat auch den Weg bis an den Lehrhof in guten Stand gesetzt; aber ihn noch weiter bis zu den Sandgruben auszubauen, kann niemand den städtischen Behörden zumuten. Dom Lehrhofe aus ist der Weg völlig grundlos, ja mit tiefen Wasser öchern versehen. Einsender sah, wie zwei große braune Pferde einen mit Sand schwer beladenen Wagen willig durch den Morast zogen. Als sie an ein solches Wasserloch kamen, traten sie, den schweren Wagen hinter sich, so fest in daS Waffer, daß dieses den Pferden an den Kopf und in die Augen, ja über den Kopf hinaus spritzte. Ohne nur im Geringsten im Ziehen nachzulasscn,' zogen die beiden „so braven" und tüchtigen Pferde den schweren Wagen auch durch dieses Wasserloch. Sollte nun der Besitzer dieser Tiere nicht mit ihnen Mitleid, ja überhaupt das größte Interesse daran haben, daß dieser Weg einigermaßen hergestellt würde! Könnte er sich nicht mit den andern Bauunternehmern, die von dorther zu ihren Neubauten den Sand holen, ins Einvernehmen setzen und gemeinsam dieses ausführen? Die Wagen fahren leer hin zu den Gruben; wenn sie jedesmal eine halbe Fuhr« Schotter mitnehmen wollten, die dann an den schlimmsten S ellen abzelaven würde, dann würde mit der Zeit der ganze Weg wohl fahrbar werden.
Höfliche Anfrage!
Auf welche Art ist die Versammlung, welche die Vorschlagsliste der zu wählenden Stadtverordneten für die 2. Klasse aiiffteßte, zu Stande gekommen?
Warum hat man keine öffentliche Versammlung angeregt, wie es mit Erfolg bei der dritten Klasse geschehen ist -
Vielleicht, weil man annahm, daß eine Wahl von Sozra - demokrlNen in der zweiten Klasse nicht zu befurchten I”-- Mehrere Wähler der zweiten
Stadtverordnetenwahl.
Die Wähler der 3. Klasse haben durch ihr kinmütigeL Zusammenwirken einen glänzenden Sieg über die Sozial- bemofraten davon getragen und unfer Stadtparlammt dadurch von einem weiteren Zuzug aus dieser Partei glücklich bewahrt.^