Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt

General-Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit den: betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Einrnckungsgebühr:

Für Siadt- •// Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene P-.,/^/ : oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

è^Alckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Deraniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hane«,

Nr» 268 Fernsprechanschluß Nr. 605,

Montaa den 16. November

Fernsprechanschluß Nr. 605, 1903

Amtliches.

Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zu- ständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Beginn der Schonzeit für Rebhühner im Regierungsbezirk Cassel auf Mittwoch den 18. November d. Js. festgesetzt.

Cassel den 2. November 1903.

Namens des Bezirksausschusses. Der Vorsitzende.

B.A.3945 Trott zu Solz.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Mark bar, 1 Portemonnaie mit In­halt, 1 Taschenmesser, 1 Schiefertafel, 1 deutsches Lesebuch und 1 Griffelköcher, 1 silberne Uhrkette mit 7 Münzen, 1 grünes Damenportemonnaie mit Inhalt.

Zugelaufen: 1 Dogge m. Geschl., 1 schwarz und weißer Foxterrier m. Geschl.

Hanau den 16. November 1903.

Kus Stadt und Cand.

Hana«, 16. Novbr.

Historische Gedenktage.

16, November 1590 wurde zu Witzenhm-Hn geboren Iustus G e i l f n ß, nachher Pfarrer zu L a n g g ö n s bei Gießen, der einst viel in der ganzen Wetterau genannt wurde wegen eines sogenannten Wunders, das mit Johann Arndts Paradiesgârtlein in seinem Hause passiert sein sollte.

Man hat eine vielfach ausgeschmückte Wundergeschichte von dem genannten Büchlein so allgemein erzählt, daß sich der Prinz Philipp, der damals in Butzbach residierte, von dem genannten Pfarrer darüber berichten ließ. Der Bericht des Geilfuß ist noch vorhanden und lautet also:

„Den 3. Januar, morgens gegen 10 Uhr, ist der spani­sche Leutnant von Wetzlar (welcher damals etliche Tage zu Langgöns Quartier genommen) mit noch sechs andern seiner Reiter und einem Trompeter in den Pfarrhof gekommen, hat erstlich die Scheuer und die Stallungen besichtigt, ist danach in'sHaus gegangen, hat nach mir gefragt, hat viel­leicht sein Quartier im Pfarrbaus nehmep wollen, weil ich aber damals wegen Amtsgeschäften nicht da war, ist er bei einer Bierlelstunde mit seinen Reitern in der Stube auf- und abgegangen, und, hat Alles, was darin gewesen, be­sichtigt. Da hat der Trompeter eins meiner Gebetbücher (ist Johann Arndts genanntes Paradies-Gärtlein, in Form Duodez, mit Gelb eingebunden) heimlich mitgenommen, welches ich des andern Tages erst innen worden. Mittwochs den 7. Januar ist gedachter Leutnant nach Wetzlar geritten, und als er nachmittags wieder gekommen und den Trom­peter in dem gedachten Buch lesend gefunden, hat er es ihm aus den Händen genommen, ist gleich zur Küche gegangen und hat es in den Ofen geworfen, selbst viel Reiser ern- gebrochen, ist bei einer Viertelstunde vorm Ofen gestanden, gänzlich vermeinend, das Buch wäre nun zu Asche gewor­den. Nach diesem Verlauf hat die Wirtin über eine Stunde und fast mehr, wie sie und ihr Mann beständiglich aus­sagen, dem Leutnant zwei Hühner am Spieß braten müssen, und als sie hinten aus dem Ofen Kohlen schöpfen wollen, hat sie das Gebetbuch unter den Kohlen ganz unversehrt herausgezogen. Der Leutnant, welcher es erfahren, hai's Buch wieder begehrt und es noch einmal versuchen wollen, aber Kapitän Weher von Gießen hal's zu sich genommen, solches dem Herrn Hauptmann zu geigen. Dies ist die ein­fache Erzählung des Begebnisses."

Diesen Brief schrieb Geilfuß an den Superintendenten zur Uebermittlung an den Prinzen, um übetriebenen Wunder- erzählungen entgegenzutreten. Auf des Prinzen Befehl wurde der spanische Leutnant über den Hergang befragt und von ihm bestätigt, daß er das Buch in den Ofen geworfen, mit dem Zusätze jedoch, es seien nicht eben viel Kohlen in dem Ofen gewesen, und wisse er nicht, was nachher mit dem geschehen sei. Prinz Philipp aber, welchem nachher das Büchlein gebracht wurde, vermutete — und nicht ohne Wahrscheinlichkeit — daß der stark vergoldete Einband und Schnitt desselben es vor dem Feuer bewahrt haben möge, indem es doch einige leichte Brandflecken davon getragen hatte. Vielleicht hatte es auch der Leutnant mit dem Reing weit nach hinten geschoben. Es wird übrigens dieses aus den Flammen gerettete Buch noch jetzt auf der Bibliothek zu Darmstadt aufbewahrt.

Gcschichtsvercm.

Seit der letzten am 26. September d. J. erfolgten Ver­öffentlichung sind zur Aufbewahrung bezw. Aufstellung im Museum folgende Gegenstände überwiesen worden :

1. Von Herrn Felix Pelissier, Kaufmann am Markt­platz : Eine große Anzahl von Drucksachen aus den 30er Jahren und den Vorgängen in dem 48. Jahre des vorigen Jahrhunderts.

2. Von der Stadt Hanau vorbehaltlich des Eigentums­rechtes :

7 Sensen mit Stange und Haken, Bewaffnung derFrei- scharen-Abteilung 1848.

2 Mejstnghub-n Nachtwächter-Ausrüstung zu nächt-

2 Alarmpfeifen Alarmierung.

2 Postamente vom Festzug 1897 herrührend

1 Brunnen-Figur von Sandstein.

3. Von Herrn Martin Krug: Eine Turnerdenkmünze mit der Jahreszahl 1846.

4. Von Frau Louise Glöckler, Witwe, Altstraße 15 : Ein Petschaft des Siegels der Abteilung: „Zurichter" Hutmacherzunft 1850.

5. Von dem Heizer Herrn W. Wolf, Kleine Sandstraße 4: Stempel zum Zeichnen der Schweine, führt die Buch­staben I. H. (Innung Hanau).

6. Von dem Buchdruckerei Besitzer Herrn Korb in Groß- Steinheim : „Geschichte des alten Steinheim" gegen Ueberlassunq der „Festschrift des Hanauer Geschichts­vereins 1903."

, Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Grimm-Museums-Geselltchaft die von ihr angesammelten Er­innerungszeichen an die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm als: Bücher, Handschriften, Abbildungen und die gelegentlich der Ausschreibung für ein Nationaldenkmal mit Pressen ge­krönten Modelle, dem Hanauer Geschichts-Verein zur Aufbe­wahrung und Pflege mit der Bedingung überwiesen hat, daß derselbe sie in besonderem Raum: aufstellt und besonders ver­waltet, auch den gleichzeitig übergebenen Kassenbestand zum evt. Ankauf von Gegenständen mit verwendet.

Es sei deshalb die Bitte an das hiesige und auswärtige Publikum gerichtet, die Sammlung durch im Privcibentz befind­liche Gegenstände, die auf das Brüderpaar Jakob und Wil­helm Grimm Bezug haben, zu vermehren und zu der Ver­vollständigung auch dieser Abteilung des Museums nach Kräften beilragen zu wollen.

Zur Annahme historischer Gegenstände sind die Vorstands­mitglieder jederzeit bereit und können solche auch an den Sitzungsabenden jeden Freitag von 6*/,—8 Uhr im Altstädter Ralhause, Allstädter Markt Nr. 6, abgegeben werden. Briefe oder sonstige Anzeigen können jederzeit Ablagerung finden in dem Briefkasten, der an der Hauseingangslüre ange­bracht wird.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechoerkehr ist auf Lohr ausgedehnt worden. Sprechgebühr 50 Pfennig.

*Die Landesversicheruttgsanstalt Hessen-Nassau macht bekannt, daß ihr zum 1. Januar 1904 größere Mittel zu 3'/.prozentigen Darlehen zur Verfügung stehen. Die Land- räre sind ersucht worden, die Städte und Gemeinden ihres Kreises hierauf mit dem Anfügen hinweisen zu wollen, einen etwaigen Geldbedarf tunlichst bei der Landesversicherungsanstalt in Cassel anzumelden.

* Versetzt. Lehrer Huth zu Flörsbach ist an die Schule zu Bergen versetzt worden.

* Der letzte Metzsonntag brachte der Messe gestern noch zäh reichen Besuch auch von auswärts, sodaß in dem Ge­dränge kaum durchzukommen war. Die Schaustellungen waren lebhaft frequentiert und so dürften die Budenbesitzer diesmal trotz ihrer gegen, sonstige Jahre großen Zahl auf ihre Rech­nung gekommen sein.

* Der Kaplan Knipp, welcher früher in der Er­ziehungsanstalt in Sanner; tätig gewesen war und nach seiner Versetzung nach Sachsen vom Landgericht Dresden wegen Ver­gehen gegen § 175 des R.-St.-G.-B. zu längerer Gefängnis­strafe verurteilt worden war, vom hiesigen Gericht aber, bei welchem eine Strafsache wegen in Sannerz verübter gleicher Vergehen schwebt,der Irrenanstalt in Marburg zur Be­obachtung seines Geisteszustandes überwiesen wurde, ist vor ein en Wochen wieder ins hiesige Gefängnis zucücktranspor- tiert worden. Derselbe wird sich nächstens vor der Straf­kammer zu verantworten haben.

* Gtadttheat-r. (Wochen spiel plan): Dienstag: „Wallensteins Tod". — Freilag: Neu einstudiert: „Die goldene Eva". — Sonntag: Neu einstudiert: „Die Geier-Wally", Schauspiel in 5 Akten von W. v. Hillern. — In Vorbereitung:

„Die Lokalbahn" von Thoma. — Des Bußtages wegen muß die Mittwochsvorstellung auf Dienstag verlegt werden.

* * Abschiedsfeier. Am Samstag feierte das Personal der Firma Steinbeuer einschließlich des Firmeninhabers den Austritt des bisherigen Kabinettmeisters des Geschäfts, Herrn Wilhelm Schmidt, durch ein solennes letztes Beisammensein im S'ale des Hotels „zur Post." H-rr Wilhelm Schmidt versah Iden obengenannten Posten seit 10 Jahren bei seinem seitheri­gen Arbeitgeber und tritt aus, um sich in Schwäbisch-Gemünd zu etablieren. Ein fröhliches Mahl bei Wein und Bier hielt Idie Teilnehmer lange beisammen, Herr Steinheuer bedauerte in seiner Abschiedsrede das Scheiden seines verdienten Kabinett- meisters und wünschte ihm auf seinem ferneren Wege alles Gute, worauf lererer dankend erwiderte. Bei den bekannt vorzüglichen Leistungen von Küche und Keller des Herrn Pe- soidt entwickelte sich eine fröhlich: Stimmung, welche die Teil­nehmer bis zu „früher" Stunde beisammen hielt.

* Karnevalistisches Konzert. Das gestrige erste karnevalistische Konzert der Karmvuigesellschaft im „Deutschen Haus" hatte sich leider nicht des aus früheren Jahren ge­wohnten guten Besuchs zu erfreuen, doch ist dies wahrschein­lich auf das Konto des letzten Meßsonntags und sonstiger Ver­anstaltungen zu schreiben und braucht daher noch keinen Grad­messer für die künftige „Saison" abzugeben. Das Programm war wieder ein sehr lustiges und Herr Musikdirigent Urbach brachte mit der Ulanenkapelle humorvolle musikalische Leistungen. Die Hauspoeten hatten für die nötigen Chorlieder gesorgt, während Herr Rohde mit zahlreichen humoristischen Vorträgen für die Lachmuskeln ausgiebige Sorge trug.

* Castanos Panoptikum in Frankfurt a. M. Neben dem schwarzen Riesen <^a!ah, dem Typus kraftvoller Männlichkeit,erregt namentlich ElHaüyMohamed, der Schlangen- befchwörer der Tunesen - Karawane, bei den Besuchern des Panoptikums die größte Sensation. Mohamed darf sich „El Hady" nennen, weil er als fanatisierter Muhamedaner die vom Propheten vorgeschriebene Wallfahrt nach Mekka unternommen hat. Läßt Mohamed seine Giftschlangen auf der Bühne un­heimliche Tänze ausführen, so weiß man nicht, was man mehr bewundern soll, die Furchtlosigkeit des Mannes oder den Ge­horsam deS Gewürms, das sich auf sein Geheiß hochaufgerichtet im Kreise dreht. Bei seinen Vorführungen assistiert ihm sein Sohn, ein schöner Jüngling, der mit um den Hals gelegter Schlange graziöse Tänze aussührt. Das Ganze ist eine so eigenartige Darbietung, daß sie jedem, der sie gesehen, unaus­löschlich im Gedächtnis haftet.

* Bei den Postbeamten. Trotz der winterlichen Hochflut der Vereinsveranstaltungen übt die alljährliche Abend­unterhaltung der Postbeamten-Vereinigung stets eine große Anziehungskraft aus, ein Beweis, daß die Jünger Kraetke's gleich wie in der Beherrschung des modernen Verkehrs auch auf dem glatten Boden des Parketts und vor und hinter den Kulissen der Bühne Meister sind. So konnte es auch gestern abend, als die Vereinigung ihre Mitglieder und Freunde wiederum zu einer festlichen Unterhaltung geladen hatte, nicht ausbleiben, daß dem Rufe allseits Folge geleistet wurde. Vorausgeschickt darf werden, daß wohl niemand diesen Schritt zu Bereiten hatte, denn alles, was geboten wurde, trug den Stempel des Eigenartigen, des Nichtalltäglichen und zeigte, daß erfahrene Kräfte sich im Festausschüsse befinden, die das Ganze wohl und sicher in die Wege zu leiten und zu dirigieren verstehen. In seiner Begrüßungsansprache gedachte Herr Schn o r r alles dessen, was das Herz eines Vereinsvorsitzenden nur irgendwie zu bewegen vermag, gab seiner Freude über den guten Besuch herzlichen Ausdruck, begrüßte namentlich auch die Kollegen aus benachbarten Städten und schloß mit einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und König, das freudiges Echo fand. Nun ivar freie Bahn für die weitere Abwicklung des wie schon er­wähnt höchst anziehend gestalteten Programms. Zuerst bot Herr Köber ich eine humoristische Soloszene, betitelt „Sieben heiratsfähige Töchter", darauf folgte ein Sopran-Vortrag von Fräul. Jhlse, nämlich Anette a. d. Op. „Der Freischütz" (Kommt ein schlanker Bursch gegangen), womit sich die junge Dame in die Herzen aller Zuhörer hineinsang. Im zweiten Teile des Programms bot Frl. I h l 6 e noch die beiden Lieder „DaS erste Veilchen" und „Mein Liebster ist im Dorf der Schmied", denen auf stürmische Beifallsbezeugungen noch eine ganz besonders ansprechende, das Talent der angehenden jungen Künstlerin besonders charakterisierende Zugabe folgte. Begabt mit vorzüglichen Stimmmitteln, die durch eine besonders angenehm berührende Vortragsweise zur besten Geltung gebracht werden, bekundete die junge Dame, deren Auftreten mir in letzter Zeit bei verschiedenen größeren Veranstaltungen in hiesiger Stadt zu beobachten Gelegenheit fanden, eine fortschreitende Entfaltung ihrer reichen Gaben. Sicherlich ist der Entwick­lung dieses jugendlichen Talentes mit Interesse entgegenzusehen. Nach dieser kleinen Abschweifung kehren wir zurück zu der