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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Dnan^worU. ..edakteur. S ch e - r m Sanem
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Ak- 1 67 Fernsprechanschluß Nr. 605.
SMnstaa den 14. November
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
Deutschland und Rußland
haben sich nur zweimal scharf gegenübergestanden: während des sieben jährigen Krieses und in der Aera Gortili^koffs nach dem letzten russisch-türkischen Kriege. Während des siebenjährigen Krieges waren sowohl die Großmachtellung Preußens, als auch die russische Monarchie noch im Werden beariff-n; es herrschte im mittlern und östlichen Europa eine allgemeine Gärung, aus der sich erst lebenskräftige, neue Staatsgebilde zu entwickeln hatten, während die abgelebten, wie Polen, die Krisis nicht lange überdauern konnten. Schon während des siebenjährigen Krieges hat sich nun, unter Katharina II., jenes engere Einverständnis zwischen Preußen und Rußland angebabnt, das sich bei der Teilung Polens bewährt hat. Die Gemeinsamkeit der russischen und preußischen Interessen den polnischen Umtrieben gegenüber ist es auch neben dem gleichfalls gemeinsamen Gegensatz wider den mächtigen Bundesgenossen des Polentums, die revolutionäre französische Propaganda, gewesen, was die Regierungen Preußens und Rußlands von 1815 bis 1870 in Freundschaft zusammengehalten hat.
Umso lebhafter waren die Konflikte, welche um der äußern Politik willen in der Gortschakoffschen Zeit in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden. Der siegreiche Kampf Rußlands gegen die Türkei hatte ungeheure Menschenopfer gekostet und den Nationalstolz gleichwohl unbefriedigt gelassen. Die Folge war eine starke innere Gärung. Die russische Regierung näherte sich der pansla- vistischen Partei, welche von Deutschland verlangte, daß es den Umsturz Oesterreichs und des europäischen Gleichgewichts geschehen lassen sollte. Fürst Bismarck wies dieses Ansinnen entschieden zurück, ohne im übrigen dem auf den Orient gerichteten Ehrgeiz der Russen zu nahe zu treten.
Noch lange zitterten die Leidenschaften nach, welche das Eintreten Bismarcks für Oesterreich und das europäische Güih- gewicht im Zarenreiche entflammt hatten, aber schließlich überzeugte man sich an der Newa, daß der Fortbestand Oesterreichs den Interessen Rußlands keineswegs zuwidcriäuft, und schloß mit der Habsburgischen Monarchie sogar ein enges Einvernehmen über die Balkan-Angelegenheiten ab. Inzwischen waren die Mächte in das Stadium der Weltpolitik eingetreten, und wiederum erwiesen sich die deutschen und die russischen Interessen als vereinbar. In Nordchina ist Platz genug, daß sich die Russen in der Mandschurei, die Deutschen in Schantung frei betätigen können. Ebenso wie in Schantung und wo deutsche Unternehmer sonst im himmlischen Reiche festen Fuß gefaßt haben, geht Deutschland auch in der Türkei wirtschaftlichen Zielen nach.
Kleines Feuilleton.
Kunst und Leben.
Durch die Eröffnung des Germanischen Museums im Harvard College zu Cambridge, Massachusetts, ist ein neues inniges Band zwischen dem Deutschen Reiche und den Vereinigten Staaten von Nordamerika geschaffen worden. Das deutsche Element, das in einzelnen Staaten der Union einen außerordentlich starken Prozentsatz der Bevölkerung ausmacht und, wie die große Zahl der in deutscher Sprache erscheinenden Zeitungen, der deutschen Vereine usw. beweist, noch immer die Erinnerung an seine Heimat und Herkunft bewahrt, hat in dieser Institution einen geistige» Mittelpunkt erhalten, wo im Anblick der der deutschen Vergangenheit angehörigen Schöpfungen der Kunst und des KunstgewerbeS die in ihrer Eigenart verschiedenen Angehörigen der deutschen Stämme sich zusammenfinden können und von wo aus auch der Gesamtheit des amerikanischen Volkes die Erkenntnis von der kulturellen Entwicklung und heutigen Stellung des Deutschtums und seiner Einwirkung auf das gesamte geistige und wirtschaftliche Leben der Bereinigten Staaten vermittelt werden kann. Derartige Einrichtungen aber, die auf amerikanischen Boden aus der gemeinsamen Arbeit von Amerikanern und Deutschen erwachsen, weil sie in den letzten Jahren mehr und mehr ein Be- dürfniS für die beiden stärksten Kontingente des amerikanischen Volkes, besonders auch für die gebildeten Klassen geworden sind, ein gewichtiges Zeugnis dafür ablegen, daß amerikanisches und deutsches Volkstum in einander aufgegangen ist und sich aufeinander angewiesen fühlt, solche das deutsch-amerikanische Geistesleben einigende und fördernde Einrichtungen entsprechen durchaus der gegenwärtigen Stärke des deutsches Elements in ben Vereinigten Staaten und dem außerordentlich starken Anteil, den, besonders in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, das deutsche Einwanderungswesen in wachsendem
Deutschland und Rußland haben nirgends ernste Jnteressen- geg-nsätze und scharfe Reibungssiächen, die zu einem Zusammen- i" oi führen müßten. Vielmehr können sie freundlich und stieb« sich nebkneinanderleben und wirken. Nur wenn die deutsche Politik verblendet genug wäre, sich zwischen die rusnsch-eng- tiiden Gegensätze zu fdbieben, um Rußlands Plänen in Asien und anderswo hinderlich zu sein und dadurch Englands Geschäfte zu besorgen — oder wenn die russische Politik sich zum Werkzeuge panslawistischer Deulschenfresser hergeben wollte, würde ein blutiger Zusammenstoß zwi'chm den beiden Kaiserreichen möglich sein. Daß aber weder die deutsche, noch die russische amtlich? Politik auf so wahnwitzige Abenteuer aus- gehen. sondern ehrlich bestrebt sind, ein gutes, freundnachbarliches Verhältnis zwischen den beiden Staaten aufrecht zu erhalten, dafür bürgen die in jeder Beziehung befriedigenden Begegnungen der beiden Kajser und ihrer verantwortlichen Staatsmänner in Wiesbaden, Wolisgarten und Darmstadt.
Der Regerlrieg aus Sau Domingo.
Nach alter Gewohnheit findet in der Negerrepublik San Domingo alle zwei Jahre ein gewaltsamer Regierungswechsel statt, indem irgend ein unternehmungslustiger Neger oder Mulatte, der Sehnsucht nach den Staatskassen und den öffentlichen Aemtern empfindet, mit einer Schar Abenteurer die Hauptstadt der Republik San Domingo erobert worauf gewöhnlich der bisherige Präsent. durchbrennt. So ist es auch iesmal gewesen. Die Weltgeschichte nimmt von diesen Revolutionen höchstens dann Notiz, wenn europäisches Eigentum beschädigt, oder europäische Staatsangehörige beleidigt werden. Jetzt haben die Rebellen an der Nordküste den deutschen Dampfer „Athen" von der Ham- burg-Amerika-Linie angehalten. Daraufhin sind die deutschen Kriegsschiffe „Gazelle" und „Panther" nach San Domingo abgegangen, sodaß die Löschung der „Athen" erfolgen konnte.
Die Ereignisse haben sich ziemlich schnell entwickelt. Ein dominikanisches Kanonenboot, welch-8 zu den Rebellen übergegangen war, hat die Stadt San Pedro de Macoris, die an der Sü^küste der Insel östlich der Stadt Santo Domingo liegt, mehrere Male beschossen. Dabei ist auch europäisches und amerikanisches Eigentum beschädigt worden, was dem neuen Präsidenten einige Tausend Dollars kosten dürfte. Herr Jimenez, der rebellierende Mulatte, hat nämlich, wie auS Kap Haitien in der Nachbarrepublik gemeldet wird, die Hauptstadt San Domingo nach kurzem Kampfe eingenommen, und ist somit tatsächlich Präsident. Der bisherige Präsident Gill soll sich in daS deutsche Konsulat geflüchtet haben. Dieser Umstand ist ziemlich gleichgültig. Daß die Aankees e8 Herrn Gill übelnehmen werden, daß er nicht das amerikanische Konsulat
Maße an den Fortschritten der Bevölkerung der Union gehabt hat.
Nach Verlauf weniger Jahrzehnte, in denen vorzugsweise Engländer, Iren und Franzosen als Auswanderer nach den Vereinigten Staaten auftraten, hat sich schon in der Periode 1861—1870 die deutsche Einwanderung den ersten Platz erobert, indem neben 787,000 Deutschen 568,000 Engländer, 437,000 Iren und nur 36,000 Franzosen einwanderten. In dem folgenden Jahrzehnt gingen 718 000 Deutsche, 460,000 Engländer, 437,000 Iren und 72 000 Franzosen nach bett Vereinigten Staaten, abaesehcn von schwächeren Kontingenten, die vonRußland,Schweden-Norwegen,Oesterreich-Ungarn undJtalien gestellt wurden. Das Jahrzehnt 1881—1890 brachte zum ersten Mal eine der vereinigten englisch-irischen überlegene deutsche Einwanderung, obwohl auch Engländer und Iren in erheblich verstärkter Zahl einwanderten als in den Jahren 1871—1880. Es betrug die deutsche Quote 1453 000, die englische 657 000, die irische 655 000; die beiden letzten blieben also vereinigt um ca. 140 000 Einwanderer hinter dem deutschen Anteil zurück. Auch die Eiwanderer auS anderen Ländern, besonders aus Schweden-Norwegen, Oesterreich-Ungarn und Italien zeigten in diesem Jahrzehnt eine sehr starke Vermehrung, während der Anteil Frankreichs ständig zurückgeht. Von 1891 bis 1900 wanderten ein 1144 000 Deutsche, 403 000 Iren, 282 000 Engländer, 656 000 Italiener, 597 000 Oesterreicher, 589 000 Russen, 326 000 auS Schweden und Stör- wegen und nur 36 000 Franzosen. In den 80 Jahren von 1820—1900 sind an der Einwanderung in die Vereinigten Staaten beteiligt: Großbritannien mit 6,6 Mill., Deutschland mit über 5 Millionen, Schweden-Norwegen mit 1,2, Italien und Oesterreich-Ungarn mit je 1 Million, Rußland mit 900000 und Frankreich mit 400000 Personen. Die Gesamtzahl der Einwanderer betrug, einschließlich kleinerer Kontingente auS anderen Staaten, nahezu 16,3 Millionen. Wenn man berücksichtigt, daß unter den über englische Häfen nach der Union Ausgewanderten eine beträchtliche Anzahl von Personen frem«
als Zufluchtsstätte benutzt hat, ist selbstverständlich, das mögen sie aber mit dem edlen Herrn ausmachen.
Die Einwohnerzahl der Republik wurde 1890 auf etwas über eine halbe Million geschätzt, die Gesamtichuld der Republik betrug im Jahre 1901 rund 140 Millionen Mark. Die hauptsächlichsten P-sdukte von Santo Domingo find: Zuckerrohr, Kaffee, Gewürz, Indigo, Tabak. Dazu kommt der überschwengliche Reichtum herrlicher Wälder von Gelb-, Blau-, Mahagoni- und Schiffbauhölzern bis zu den Gipfeln der Berge. Auch birgt der Boden Gold, Silber, ^uerfülber, Zinn, Eisen, Kupfer, Steinkohlen, Marmor, Chalcedon usw. in reicher Fülle. Aber zu der Ausbeutung dieser Bodenschätze hat eS bisher, angesichts der Unsicherheit der politischen Verhältnisse, an Kapital und auch an Arbeitskraft gefehlt. Die Republik besttzt drei Kriegsschiffe und eine Landtruppenmacht.
Ludwig Alter
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der Nationalität sich findet, die sich erst nach kürzerem oder längerem Aufenthalte in England zur Auswanderung nach den Bereinigten Staaten entschlossen haben, gelangt man zu dem Ergebnis, daß unter den 1820—1900 von den Vereinigten Staaten absorbierten Auswanderern das deutsche Element am stärksten vertreten ist. Besonders in den letzten 4 Jahrzehnten war die deutsche Einwanderung außerordentlich stark, sodaß man bei einer Gesamtzahl der deutschen Einwanderer von 4,1 Millionen Personen und unter Zugrundelegung deS in Deutschland beobachteten Wachstumskoesfizienten nicht fehlgehen wird, die Stärke der heutigen ihrer Herkunft oder Abstammung nach deutschen Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf 10—12 Millionen anzunelmen. Dazu kommt, wie hervorragende Staatsmänner der Union, nicht zuletzt der gegenwärtige Präsident der Republik anerkannt haben, daß die deutsche Einwanderung auch den weitaus größten und wertvollsten Bestand an geistigen und moralischen Gütern mit sich geführt hat, die auf allen Gebieten deS öffentlichen und privaten LebenS sich fruchtbar und anregend erwiesen haben. Diese natürliche Entwickelung der Beziehungen beider Staaten und Völker muß und wird eine Mehrung deS gemeinsamen Anteils an der Gewinnung der geistigen und materiellen Werte, die Deutschland und die Vereinigten Staaten zu entwickeln im Begriff sind,
zur Folge haben. ,r..
Ein VlttMenjubilättM. Die Georgine (Dahl.e), eine unserer prächtigsten Florblumen, hat ihre Heimat Mexiko. Von dort kam sie im Jahre 1789 nach Spanier - selbst sie 1791 das erst.mal blühte. Alexander v. Humboldt . führte dann im Jahre 1803 die ersten Samen unb Knollen in Deutschland ein, sodaß sie in btefem * l^ Jubiläum in deutschen Gärten ^rt» D'- M ng ^"Ä STÄ* W™^ in ’i'W^ Blume die gefüllt blühenden Georginen
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