Erstes Blatt
Hanauer G Anzeiger
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Amtliches Orga« für Stadt- «vd Fandüreis Sana«
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Deraniivoetl. Redakteur: G. Schrecker in Ha««l<
Nr. 267
Fernsprechanschluß Nr. 605.
Samstaa den 14 November
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
Amtliches.
Eandkräs Ban au.
Belanntmachunsim des Köniffl. Landratsamtes.
An der evangelischen Schule zu Gvsßartheim ist die erste Schul und Küsterstelle vom 1. Januar n. Js. ab zu beteten.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1300 Mark einschl. einer Vergütung von 100 Mark für den Kirchendienst, der Einheitssatz der Alterszulage 150 Mark und die Mietsentschädigung 300 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungen nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen an den evangelischen Orlsschulinspcktor für Großauheim, Herrn Pfarrer Lambert in Hanau, einreichen.
Hanau den 10. November 1903.
V 8683
Namens des Schulvorstandes.
Der Königliche Landrat. v. Beckerath.
In der Gemarkung Eichen ist die SchWsinesettche bezw. Schweinepeft festgestellt worden.
Hanau den 11. November 1903.
Der Königliche Landrat.
J V 9tr. 8888 v. Beckerath.
Stadtkreis Banau. BekmmtMachmMn des Oberbürgermeister^!^ WekâNNLmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 7. bis 13. November 1903:
5 Tagelöhner.
Hanau den 14. Nonemder 1903.
Städtisches Arbeitsamt.
20516
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kleiber- Händlers Johann Georg Gender in Hanau wird, nachdem der in dem Vergleichstermme vom 21. August 1903 angenommene Zwangsvprgleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 21. August 1903 bestätigt ist, hierdurch aufgehoben.
Hanau den 13. November 1903.
Königliches Amtsgericht 5.
20443
Feuilleton
Stadttheatcr in Hamm.
— Hanau, 14. November.
Unserer Direktion war es für gestern gelungen, den kgl. preußischen Hofschauspieler Adalbert Matkowsky für ein einma iges Gastspiel an hiesiger Bühne zu veranlassen. Zur Aufführung habe der berühmte Gast Shakespeares Trauerspiel „Hamlet" bestimmt, eine Wahl, die für denj'niqen etwas Ueber- raschendes haben konnte, der das machtvolle Darstellungs- vermögen Malkowskys in anderen Aufgaben kennen und schätzen ge'ernt, denn die mächtige Erscheinung des Künstlers für den Helden der tnfstrnigsten und gedankenvollsten Dichtung des großen Briten fast gar nichts übrig. Dafür gab aber die Kunst des Gastes der Aufgabe eine innere Be- seelung, die unsere volle Bewunderung fand. MatkowâkyS „.Mm e9 ist weniger der Schwächling und Träumer, der vor auler Grübeln nicht zum Handeln zu kommen vermag, sondern . dem Charakter etwas mehr Sieghfftes, etwas mehr r n. Dieser Auffassung gemäß ließ er einzelne Szenen Ä??ders scharf hervortretm. während er in andern eine * '^guvg an den Tag legte. Der Kontrast zwischen A“^ des Prinzen trat markanter hervor, das s'^ern über die eigene Schwäche, der schneidende ™n3 überzeugend, aus dem tiefsten Innern aerobe; "Uch der phllowphfiche Grübler in dem des Hamlet in der Verkörperung Matkowskys scharf . Wltlbe'. das leidenschaftliche Auf- und Abwogen der .7 'EUUsM in packender Weise zum Ausdruck gebracht wurde, ä ÖOU,ni)eten Meistersckast in der Darnellungs- natürlich. Das Publikum zeichnete Matkowsky für seine . und gehaltvolle Stiftung nach jeher Szene und nach jedem me durch lebhaften Beifall und wiederholten Hervor- rus aus. Von unsern einheimi'chen Darstellern wurde der Gast nach Kräfien unterstützt. Einen jugendlich-feurigen Laertes
Hus Stadt und £and, Hanan, 14. Novbr.
Historische Gedenktage.
15. November 1784 wurde zu Ajaccio in Corsica geboren Hieronymus Bonaparte, der jüngste Sohn von Karl Bonaparte und Maria Lätitia, geborene Ramolini. 1799 Handlungsdiener, 1802 Schiff-leutnant, »erheiratete er sich am 27. Dezember 1803 mit Elisabeth, Tochter des Kaufmanns Patterson aus Baltimore, welche Ehe 1805 auf des Kaisers Napoleons Befehl getrennt wurde. 1806 wurde er Fregattenkapitän, dann Kontreadmiral und französischer Prinz, 1807 König von Westfalen, nachdem er sich kurz zuvor (22. August) mit der Prinzessin Katharina von Württemberg vermählt hatte. Nach seiner Vertreibung aus dem Königreich Westfalen (26. Oktober) lebte er acht Jabre, biS 1822, in. Württemberg und in der Schweiz, und wurde 1816 von dem König von Württemberg zum Herzog von Montfort ernannt. Nachher lebte er in Rom, und seit Dezember 1848 war er Gouverneur des Jnvalidenhauses zu Paris. Fünf Fabre war der 15. November ein, auf Befehl auch kirchlich gefeierter, Festtag im Königreich Westfalen, und besonders in Cassel war er ein Tag „erhebender Feier", wie wenigst-ns der «estiätlsche Moniteur referieren mußte. Er starb am 24. Juni 1860 auf seinem Schloß Ville- genis bei Massy. Er redete gern von Caffel und war bis zu seinem Tode überzeugt, daß in Caffel immer noch die alte Anhänglichkeit an ihn herrsche. Während seiner Regierung war ihm die Verehrung in Caffel oft lästig.
GrffentUche Sitzung der Stadtuersrdnetrkt- uersammlung
vom 13. November 1903.
Anwesend die Herren Küstner, Vorsteher - Stellvertreter; Baader, Bailly, Bier, Brüning, Eberhard, Föll, Glaser, Hoch, Jost, Kehl, Kreuter, Loßberger, Luckt, Müller, Reis, Rodde, Schroeter, Schwabe, Spatz, Steinheuer, Stübing, Treusch, Voltz und Dr. Wagner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebe- schus und Stadtbaurat Schmidt.
Ersatzwahlen für verstorbene Magistratsmitglieder.
Für das verstorbene Magistratsmitglied Herrn Dr. Bulle ist Herr Rentner Ludwig Bracker vorgeichlagen, welcher mit 20 von 25 giltigen Stimmzetteln gewählt wird. 4 Zettel waren weiß. 1 lautete auf Emil Sachsenweger.
voll echten überströmenden Gefühles stellte H-rr Becker auf die Bretter. In der Rolle des alten geschwätzigen Polonius zeichnete sich Herr Nauendorf ganz besonders ans, der dem Charakter alle Eigenschaften, selbstzufri-dene Gutmütigkeit, humoristische Scklauhest in natürlicher einsach-r Gestaltung zu teil werden ließ. Herr Knauth z-iate sich bestrebt, den König entsprechend zu gestalten, und Frl. Jirfak bewährte sich in der Wiedergabe der Königin. Hübsche Le stunien waren der Horatio des Herrn Merker, der erste SchauchiAer des Herrn Krug und der Geist von Hamlets Da er des Herrn Fink. Den rührenden Li breiz der Ophelia wußte Frl. Verden in ihrer Darsttllung zu wahren und auch die Wahnsinnsszene gut wiederzugeben. Herr Gehrmann als erster Totengräber war ebenfalls auf das beste tätig. Die weiteren Rollen befriedigten.
Kunst und Leben.
Ueber geologische Beobachtungen in Ober
Hessen sprach in Darmstadt im Naturwissenschaftlichen Verein Herr Dr. Witt'ch. Vor einiger Zeit wurden in Vilbel, nahe den dortigen Sprudelquellen, die Schickten des Meeressandes der ältesten Tert'ürstufe des Mainzer Beckens mit zahlreichen Fossilien anqeiroffen. Die ganze versteinerungsführende Schicht besteht aus groben Sanden, die mit Blauneisen imprägniert sind. Die zahlreichen Fossilien, meist Schnecken und Mucheln, haben im Laute der Zeit ihren Kalk verloren und statt dessen das durch eisenhaltige Quellen zugeführte Brauneistu einge- tauscht. Selbst die font widerstandsfähigen Haisischzäbne haben ihr Zahnbein cingebüßt und nur die Schmeizrinde blieb erhalten. Das Vilbeler Meeresiandvorkommen ist' als nördlichstes im Maizer Becken von besonderer Bedeutung. Wichtig ist dieser kleine Tertiärsundpunkt no6, weil es uns einigen Aufschluß gibt über die geologische Tektonik der Vilbeler Gegend. Dieser Fundvunkl verdankt nämlich seine Erhaltung einer jungen Verwerfung, die in ihrer westlichen Fortsetzung
Die heutige Stummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugshlatt 16 Seiten.
Für das verstorbene Magistratsmitglied Herrn Koch wird der in Vorschlag gebrachte Rentner Herr August Gauff ge-' wählt. 5 von den 25 giltigen Stimmzetteln waren weiß.
Benachrichtigung der steuerfrei veranlagten Personen.
Der Referent teilt mit, der Magistrat habe es abgelehnt, dem in der Sitzung vom 15. Oktober er. gefaßten Beschluß der Stadto.-Vers., die mit e^nem Einkommen von 420 bis 660 M. steuerfrei veranlagten Personen zu benachtigen, beizutreten, da ein Bedürfnis hierzu N'cht vorliege. Der ablehnende Beschluß stütze sich auf einen Bericht des Steuerkommissars, wonach von den in Betracht kommenden 200 P-rsonen 188 als minderjährig bei Wahlen nicht in Frage kommen, bei den übrigen wenigen Personen die Ausführung des Beschlußes nur geeignet wäre, Verwirrung heroorzurufen. Dient zur Kenntnis.
Ausdehnung des Schulzwangs auf weibliche Gehilfen und Lehrlinge im Handelsgewerbe.
Referent Ott teilt mit, der Magistrat habe durch Fragebogen Ermittelungen angestellt, wieviel weibliche Personen unter 18 Jahren im Handelsgewerbe beschäftigt würden. Das Ergebnis war, daß nur 69 Personen in Frage kommen könnten, von denen aber wiederum höchstens nur 15, als eigentliche Handlungsgehilfinnen zu betrachten seien, während bei den übrigen die Qualifizierung, ob Ladnerinnen oder gewerbliche Arbeiterinnen, schwanke. Das Kuratorium habe sich bei dieser geringen Zabl von evtl. in Betracht kommenden Mädchen nicht entschließen können, eine so weitgehende Maßregel, wie sie von der Stadtverordnetenversammlung in einer früheren Sitzung beschlossen wurde, zu treffen, da sie nur einen Schlag ins Wasser bedeuten würde. Er (Redner) habe s. Zt. auch den W'chluß der Stadtverordnetenversammlung mit herbeiführen helfen, nachdem aber dieses Material vorliege, sei er davon abgekommen und billige den Beschluß des Kuratorium, den Schulzwang nicht auf weibliche Gehilfen und Lehrlinge im Handelsgewerbe auszudehnen. — Stadtv. Dr. Wagner spr-cht für den früheren B-schluß der Stadlv.-Versammlung. Es wäre gerade für die Ladnerinnen gut, wenn diesen die Gelegenheit geboten werde, den kaufmännischen Unterricht zu erhalten, weil gerade unter ihnen'nch die wenigsten befänden, welche in der Lage wären, sich betreiben auf eigene Kosten zu verschaffen. — Stadtv. Kreuter bittet zu veranlassen, daß das Kuratorium die Möglichkeit im Auge behält, auch den weiblichen Personen den kaufmännischen Fortbildungsunterricht sicher zu stellen. — Nach einigen Bemerkungen deS Herrn Oberbürgermeisters, welche teils berichtigende, teils tatsächliche Feststellungen betreffen, wird der Punkt, welcher nur zur Kenntnis dient, verlasstn.
auf die Vilbeler Sprudel trifft. Letz'ere, sowie die schon früher bekannten Vilbeler Mineralquellen treten da auf, wo die obige von Ost nach West laufende Spalte mit einer etwa Nord-Süd gerichteten zusammentrifft. Die beiden Störungslinien sind jung tertiär : gleichalterig mit jenen, die den Vogelsberg durchschneiden. Während dort int Vogelsberg die Basalte herausdrangen, dienten die Spalten bei Vilbel den im Erdinnern vorhandenen juvenilen Wässern und Gasen als Ausfuhröffnung und sind es bis heute noch geblieben. Eine vom Vortragenden wiederholt gemachte Erfahrung konnte auch hier ihre Bestätigung finden, daß nämlich an jungen Spalten die juvenilen Gase und Dämpfe am leichtesten und reinlichsten austreten.
* Stadttheater. Morgen gelangt die beliebte Gesangs- poffe: „So sind sie alle!" von Mannstärt und Weller zur Aufführung. Stets mit großem Beifall gegeben, dürfte dieselbe auch morgen ihr Publikum finden. Die Besetzung der Hauptrollen ist wie folgt: Püpke: Herr Gehrmann, Grete: Frâul. Wehn, Haspel: Herr Merker, Bußmann: Herr Römer, Hulda: Frau Webn, Amalie: Frl. di Ranucci, Pauline: Frl. Urban, Frau Dollfuß: Frl. Jai da u. s. w. — Die Regie führt Herr Gehrmann.
* Wer hat den Diamanten verloren? Ende 1902 fand ein Kellner des Bürgervereins in Hanau beim Reinigen eines G sellschaftszimmers einen wertvollen, großen, ungefaßten Diamanten. Es liegt die Vermutung ra'w, daß ein Herr oder eine Dame den Stein aus einem Schmuck verloren hei, ohne den Verlust entdeckt zu haben. Bis zur Stunde bat i noch niemand als Eigentümer gemeloet, obgleich der tl“ den Lokalblättern bekannt gemalt und bei den rezelmaßig in den Räumn verkehrenden Personen Um fit' wurde. Möglich rweise bat ein aus ^iger Besucher den wwt vollen Stein Valoren, seinen Verlust eist nach Monaten ent- deckt und denkt an alle Möglichkeiten, nur Nicht an den Burger- verein in Hanau. Ei-re möglichst weste Verbreitung dieser Notiz durch die Presse dürfte zur Ausstndung des Eigentümers führen.