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Bezugspreis:

PicrteMrlich 1,80 Mk., monatlich GO Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ^

Erdrückt und verlegt in der Luchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Nr. 244

Erstes Blatt

General-Anzeiger

Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan

3 Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr: v,

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. bi« fünf, gespaltene Petuzeile oder deren Raum, für AuSivä^jZ 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für AnSwârtS 35 Pfg.

Dcrantnuutl. Redakteur: G. Schricker in H«â

Fernsprechanschluß Nr. 605

Montag den 19. Oktober

Fernsprechanschlnß Nr. 605»

1903

Amtliches

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll 1. das in der Ge­markung Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 1195 zur Zeit der Eintragung des Versteige- rungsoermerkes auf den Namen deS Maurers Konrad Seifert, Peters Sohn, zu Langenselbold eingetragene

Grundstück:

Krtbl. 41 Nr. 13, die Hohlgärten, Acker, 2,38 ar

2. das daselbst auf den Namen des Vorgenannten ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:

Krtbl. 66 Nr. 26, Sackgasse, Haus Nr. 6,

zur

er) Wohnhaus mit Hofraum und Haus­garten 3,38 ar,

b) Stall A.

am 14 Dezember 1903, vormittags 9 Uhr, .durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Der Versteigerungsvermerk ist am 15, September 1903 in das Grundbuch eingetragen.

Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grund- . buche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungs- Termine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten an- znmelden ittib, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu »lachen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der VerteiUzng des Ver­steigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.

Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegeusteheudes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Verstei- gerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.

Langenselbold den 14. Oktober 1903.

Königliches Amtsgericht. 18666

Ueber den Nachlaß des am 3. September 1903 ver­storbenen Handelsmanns Gustav Kaufmann zu Langen­diebach ist durch Beschluß des Königlichen Amtsgerichts hier- selbst ani heutigen Tage vormittags 11 Uhr das Konkurs­verfahren eröffnet. Konkursverwalter Kaufmann Karl Schupp in Langendiebach.

Offener Arrest mit Anzeige- und Anmeldefrist bis zum 10. Dezember 1903.

Termin zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des er­nannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, die Be-

Feuilleton

Stadtthcntcr in Hann».

Hanatt, 19. Okiober.

Als Peter K. Rosegger Mitte dieses Jahres seinen sech­zigsten Geburtstag feierte, da ging durch seine Heimat Oester­reich eine lebhafte Bewegung der Dankbarkeit, die ganz be­sonders in Deutschland wie überhaupt in der gebildeten Welt, die von dem Genius des Dichters berührt würbe, den freu­digsten Widerhall fand. Es entstand ein edler Wetteifer, dem Dichter, der so packend und so wahr der Menschen Freud und Leid zu schildern wußte, die vollauf.verdiente Ehrung zu Teil werden zu Taffen, und auch die Bühnen wollten in der allgemeinen Ehrung nicht zurückstehen und brachten des Dich­ters einziges Werk, das er für sie geschaffen, daS Volksschau- spielAm Tage des Gerichts" zur Aufführung. Auch unsere Bühne hat sich mit der gestrigen Aufführung der Ehrung Roseggers angeschloffen und sein Schauspiel in guter Dar­stellung herausgebracht. Es ist nicht unsere Aufgabe, uns hier mit den Werken des Dichters' zu beschäftigen, in denen sich ein so weit ausgreifendes Register aller Stimmungen des menschlichen Herzens offenbart, der vom Tieftragischen bis Komischen so lebendig und wahr zu gestalten weiß und dessen volkstümliche Figuren auf dem novellistisch abgerundeten Hinter­gründe durch und aus sich selbst heraus wirken. Wir haben es hier mit Rosegger nur als dramatischen Dichter zu tun und da hat er denn selbst gefühlt, daß er hier auf schwankendem Boden steht. In dem Prolog, der der Handlung vorauSgeht, in dem sich der Dichter an daS Publikum wendet, sowie in der Vorrede, die er der Buchausgabe seines Schauspiels voraus­stellte, spricht er aus, daß er nicht nach dem Ruhm eines Theaterschriftstellers strebe. Und das ist gut ^so, die

echte dichterische Begabung Noseggers hat in diesem Schauspiele mit her sehr ernten -vrage, welche die Handlung enthalten ganz versagt, denn bei aller Gabe guter Charakterzeichnnug I soll, nichts zu tun hat. Fehlt dieser Frage selbst so die nötige

stellung eines Gläubigeransschusses und eintretenden Falles über die im § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegen­stände am 6. November 1903, vormittags 10 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen am 13. Januar 1904, vormittags 9 Uhr.

Langenselbold den 15. Oktober 1903. 18673 Der Gerichtsschreiber Königlichen Amtsgerichts.

LaMrWMr faMi Ham.

Nächste Versammlung Samstag freit 24» fr. Mts, nachmittags 21/» Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen, Vorstadt Nr. 1, hierfelbst.

Tages-Ordnung:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Diesjährige Ernteergebnisse.

3.

Jahresbericht der Landwirtschastskammer.

4. Vortrag deS Herrn Dr. Helmkampf in Weilburg über die zweckmäßige Behandlung der Wiesen und die Wahl des Saatguts.

5. Bericht der Delegierten über die Versammlung des Vcr- einsausschuffes der Landwirtschaftskammer sowie über die Bezirkstierschau zu Homberg.

6. Aufnahme neuer Mitglieder.

7. Veranstaltung eines Winterfestes.

8. Sonstige Mitteilungen.

Der Vorstand.

Dje Herren Bürgermeister wollen ^ie vorstehend: P.käuut- machung des landwirtschaftlichen Kreisoereius tu ihren Ge­meinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanau den. 19. Oktober 1903.

Der Königliche Landrat.

J. A.: Conrad, Kreissekretâr.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 20 Fünfpfennig-Mark-n, 1 goldener Ohr­ring mit blauen Steinchen, 6 Schulbücher, 4 Ledertäschchen mit Ltgitimationspapicre für Oswald Hammermüller.

Verloren: 1 Schirmzeichen Nr. 62 von Heinzingcr. Hanau den 19. Oktober 1903.

Klus Stadt und Cand.

Kanan, 19. Oktober.

* Der hiesige Sprechverkehr ist auf Bruchsal nebst OrtSbereich (Forst sBadenP Heidelsheim, Karlsdorf, libfladt) ausgedehnt worden.

und bei der Fähigkeit, seinen Gestalten Leben zu geben, ver­

stand er es nicht, den Gang der Handlung folgegerecht zu ge­stalten, den Knoten wohl dramatisch zu schürzen, aber nicht zu lösen. Der Inhalt des Schauspiels ist auch ursprünglich als Erzählung geschrieben und veröffentlicht; durch Richard Voß auf den dramatischen Gehalt erst aufmerksam gemacht, hat er ihn für die Bühne bearbeitet. Rosegger erzählt in der Vorrede, daß er geträumt,Ganpel-Blas" hätte den Kreuz- jäger erschossen, und diesen Traum hat er als Erzählung be­arbeitet. AuS dem Gaupel-BlaS ist dann der Anton Straßl, der Held des Schauspiels, geworden, dem keiner Arbeit geben will, "weil er einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist und wegen Wildfrevel im Gefängnis war. Da er sein Weib und seine Kinder nicht verhungern lassen kann, muß er wieder wildern gehen, bis ihn einmal der gefürchtete Oberförster, ge­nannt Kreuzjäger, überrascht, der, von seinem Weibe begleitet, im Walde war. Diese Begegnung der beiden Feinde wird verhängnisvoll, denn der Kreuzjäger wird von dem Straßl- toni erschossen. Zwar hat ihn niemand direkt erkannt, daß er der Täter gewesen, selbst des Försters Weib hat ihn nicht mit Bestimmtheit erkannt, aber der allgemeine Ver­dacht bezeichnet ihn als den Mörder. Vor Gericht leugnet er, die Tat.b-gangku zu haben, als aber die Försterin, die, auf ihrem Wege zum Gericht das Elend von Frau und Kinder des Ftraßl-Toni kennen lernte, ihn zu entlasten suchte, da kricht sein mühsam zur Schau getragener Trotz zusammen und er bekennt sich als, der Mörder deS Försters. Dem. allgemeinen Haß, der ihn al$ den Täter bezeichnete, hatte er Stand halten können, aber nicht der Liebe, die keine Vergeltung üben konnte, und mit dem Bekenntnis der Schuld wird er zum flammenden An­kläger gegen alle, die ihn in dieses Leben hinein gezwungen, das ihn zuletzt zu dieser Tat getrieben. Für titt abendfüllen­des Schauspiel ist die Handlung viel zu dürf ig, der Autor war gezwungen, dieselbe mit Episodenweck auszuschmücken, die mit der sehr ernsten Frage, welche die-Handlung enthalten

* Reiche Spende. Dem Fonds zur Erbauung einer evangelischen Kirche in Großauheim ist, wie wir bereits in unserer Großauheimer Ausgabe meldeten, eine nennenswerte Spende zugefallen, indem der Centralverein der Gustav-Adolf- Stiftung den Betrag von 6956 Mk. bewilligte. Der Kirchen­baufonds beträgt jetzt rund 24000 Mk. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß als Baugrundstück ein der Groß-Stein- heimer Kirche gegenüberliegendes Gelände erworben worden ist, sodaß, die Kirche nach ihrer Vollendung auch die landschaftliche Szenerie des Maintals beleben wird.

n. Lehrer- und Lehrerinnen - Stellen. An den städtischen Volksschulen zu Hanan sind zu Ostern 1904 meh­rere Lehrer und Lehrerinnen anzustellen. Meldungen, denen Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Gesundheitszeugnis bei- zufügen sind, sind bis zum 10. November an die Stadtschul­deputation einzureichen. Zur Vertretung eines erkrankten LehrerS der Mädchenmittelschule wird für daS Winterhalbjahr eine Lehrerin gesucht. Spätere Anstellung an den Volksschnlen dahier ist nicht ausgeschlossen. Meldungen baldigst an die Stadtschuldepuiaiion dahier.

* Oratorienverein. Die Probe des Oratorienvereins findet morgen Dienstag mit Orchester im Saale der Turn­gemeinde statt und beginnt präzis 7 Uhr.

D Stiftungsfest des Gesangvereins /^Ein­tracht". Am vorigen SamStag abend beging der Gesang­vereinEintrachl" in dem Saale der Turngunrinde sein 36. Stiftungsfest. Mit dieser Feier haben die Stiftungsfeste unse­rer Gesangvereine ihren Abschluß erreicht und wir fügen gleich hinzu, würdig und glanzvoll. DieEintracht" erfreut sich bei allen Veranstaltungen stets eines regen Besuchs. Auch das in Frage kommende Stiftungsfest hatte den Saal der Turngemeinde bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar die Galene mußte noch in Anspruch genommen werden. Nach dw von Herrn Bailly gehaltenen schwungvollen Begrüßungs­rede schritt man zur Abwickelung des Programms. Bon hoch­wichtiger Bedeutung ist im Chorgesang daS Ensemble, d. t. daS künstlerische Jneinandergreifen der Teile eineS Ganzen oder das Zusammenwirken eines Kunstwerks. Durch dasselbe wird einem musikalischen resp, gesanglichen Vortrag daS echt künst­lerische Gepräge gegeben, wodurch die Wirkung geistig anregend und ästhetisch bildend ist. Unter diesem Eindruck standen auch die Darbietungen des GesangvereinsEintracht". Tonrein­heit, machtvolle Tempi, zweckentsprechende Schattierung, herr­liche Phrasierung, die volles Einverständnis zwischen sämtlichen Vortragenden verlangt, gute Deklamation zeichneten die Vor­träge ans. Die Auswahl der Chöre eS ist dies für unsere Gesangvereine eine höchst wichtige Sache sagte uns voll­kommen zu. Bot doch das Programm vorherrschend volks­tümliche Lieder und Volkslieder. Auch trat der Verein.Ein­

Freiheit, so konnte ihr der Dichter auch nicht die erforderliche Klarheit geben, und die zum Teil versuchte Beantwortung will nicht überzeugen. Das Schauspiel war unter der Spielleitung des Herrn Fink gut herausgebracht worden, alle Darsteller waren am Platze. In der Rolle deS Anton Straßl gab Herr Fink eine recht gute Charakterleistung, natürlich in der An­lage und von sicherem Empfinden geleitet in der Durchführung. Frl. I i r s a k als sein Weib hatte für daS Elend, das sie zu verkörpern hatte, den Ton der Ueberzeugung und der Wahr­heit, ihr Spiel kam von und ging zu Herzen. Auch Fräulein Burchard behauptete sich in der Rolle der Martha recht zufriedenstellend, ihre einfache und natürliche Darstellung sei rühmend hervorgehoben. Herr Merker entledigte sich seiner Aufgabe, den Oberförster Ferdinand Slamhardt darzustellen, in guter Manier, und die Schar der Waldleute fand charakteristische Attsgestaltung durch Herrn Knauth als Lodel der Pecher, Herrn Krug als Schwarz-Scppel, der Ameisengrâber, Frau W e h n als Waberl, eine Würznerin Frl. Verdenals Hupfer- Hanserl und Herrn Römer als Thomas, ein Holzknecht. In vorzüglicher, humoristischer Charakterisierung wurden die Arrestansten Kaderer und Greiffel verkörpert durch die Herren Gehrmann und Nauendorf. Auch Herr Heine­mann war als Blümlein mit Erfolg bemüht, seiner Rolle die nötige Färbung zu geben. Die kleineren Rollen fanden gleichfalls entsprechende Vertretung. Der dem Stücke vorauS- geheiede Prolog wutbe von Herrn Nauend orf in der Maske des Dichters gut gesprochen.

Pcrälidcriiiig der Spmchöcgriffc.

(Fortsetzung.)

Ein Beispiel dafür, wie zwei Begriffe ihre Bedeutungen geradezu verwechselt haben, sind die beiden Worte: Saufen und Trinken.

Saufen heißt ursprünglich langsam trinken, einsaugen, besonders aber portionenweise trinken, und ist somit ursprünglich