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Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. .1 Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- md

Einrückungsgebnhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg.^ die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamenthcil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in HtiUNV,

Fernsprechanschluß Nr. 605*

Montag den 12. Oktober

Fernsprechanschlnß Nr. 605

1903

Amtliches.

Stadtkreis Banau.

Als Vertrauensmänner der Süddeutschen Eisen- und Stahl- Berufsgenossenschaft für den diesseitigen Bezirk fungieren noch:

1. Ludwig Schmidt, i. Fa. Mayer u. Schmidt in Offen­

bach a. M. und

2. Ingenieur Carl Goll, i. Fa. H. F. Stollberg in Offen­

bach a.

Hanau den 9. Oktober 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8192 I. V.: Lehfeldt, Reg.-Assessqr.

Ausschreiben.

Heute vormittag wurde hier im Rhein die Leiche eines unbekannten Mannes gelandet, die erst einige Stunden im Wasser gelegen hat.

Beschreibung des Verlebten: 60—65 Jahre, 1,50 Meier groß, untersetzt, längliches mageres Gesicht, graumelierte Haare, hohe Stirn, graue Augenbrauen, blaue Augen, spitze Nase, breiter Mund, schadhafte Zähne, rundes Kinn und Kotelettbart.

Kleidung: schwarz und braunkarrierter Taillenrock, braune abgetragene Hose, schwarze Weste, brauner wollener Wamms, blaues rot- und weißgestreiftes Biberhemd, weiße Unterjacke C. Z, gez., weiße Unterhose, braunwollene Socken, Schnür­stiefel mit Tucheinsatz und schwarzgestreifter Filzhut. Der Ver­lebte trug einen Urinhalter.

Um Recherchen nach der Persönlichkeit des Verlebten und event. Nachricht ersucht

Mainz den 8. Oktober

Das Polizeiamt.

J. V.: Kind Häuser.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 9. Oktober 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8257 J. A.: Lehfeldt, Reg.-Assessor.

Landkreis Banau.

Bekanutmachnaßen des Königl. Landratsamtes.

Zwecks Vermeidung nachträglicher Weiterungen und unnötiger Kosten werden die Inhaber nicht konzefsions- pflichtiger gewerblicher, insbesondere auch handwerksmäßiger Betriebe wiederholt darauf hingewiesen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, bei Errichtung und Veränderung ihrer Anlagen die Gewerbeaufsichtsbeamten zu Rate zu ziehen, damit von vornherein alle diejenigen Einrichtungen vorgesehen werben können, die von dem Unternehmer zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit nach den Bestimmungen der §§ 120a bis 120d der Reichsgewerbe- vrdnung zu treffen sind.

Hanan den 5. Oktober 1903.

Der Königliche Landrat.

V7886 v. Beckerath.

Stadtkreis ßanau, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Urwählerliste des Stadtbezirks für die Wahl zum Hause der Abgeordneten ist in der Zeit vom DienAittA bitt IS* bis eittschlietzlich Donnerstag den 15. Oktober d. Js. im Bureau der städtischen Steuerverwaltung, Stadt­schloß, während der Stunden von 8—1 und 4—7 Uhr öffent­lich ausgelegt.

Innerhalb 3 Tagen nach dieser Bekanntmachung steht es jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste bei uns seine Einsprüche schriftlich anzubringen oder zu Pro- tokoll zu geben.

. Hanan den 12. Oktober 1903. Der Magistrat.

J. A.: Laut sch. 18173

Sitzung der Stadtverordneten­versammlung

am Donnerstag den 15. Oktober 1903, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathauses.

Tagesordnung:

1. Wahl eines Armenpslegers.

2. Wahl eines Mitgliedes in die Kommission zur Aus­arbeitung von Vorschriften über Arbeiterverhältniffe.

3. Antrag Hoch beir. briefliche Benachrichtigung der steuer­frei veranlagten Personen mit Hinweis auf den Verlust des Wahlrechts bei Veranlagung nach 660 Mk. und weniger Einkommen.

4. Antrag Hoch Schulärzte betreffend.

5. Antrag Hoch Armenunterstützung an hiesige Einwohner betreffend.

6. Petition wegen Vergebung der amtlichen Drucksachen an tariftreue Druckereien.

7. Bericht betr. die Kontrolle der Bauausführungen zum Schutze der Arbeiter.

Um 4S/* Uhr Sitzung des Wahlvorschlagsausschusses, dazu die Nr. 1 und 2 vorstehender Tagesordnung.

Hanan den 10. Oktober 1903.

Der Stadtverordneten-Vorsteher.

__________Canthal..____________18194

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Trikot-Unterjacke, 1 Korallenarmband.

Verloren: 1 Mosaik-Brosche in Hufeisenform, 1 Doublö-Brosche in Kleeblattform mit rotem Stein.

Zugelaufen: 1 dunkelbrauner deutscher Hühnerhund mit Halsband.

Hanau den 12. Oktober 1903.

Kekamtmachnng M MetM.

Die hiesigen Landwirtschaftstreibenden, in deren Oekonomie- betrièben im laufenden Jahre Veränderungen durch Ab- und Zugänge in den Bebauungsflächen eingeireten sind, werden aufgefordert, diese Veränderungen bis ziem 1. November dem Bürgermeisteramt anzuzeigen.

Kefselstadt den 7. Oktober 1903.

Der Bürgermeister. 18167

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 12. Oktober.

Das neue Mittelschulgebüudc.

„And're Zeiten, and're Bilder". Dieses wahre Dichter­wort führ gewiß manchem Hanauer Bürger über die Lippen, der beim Anblick des stattlichen neuen Schulhauses — zwischen dem grünen Weg und dem Nürnbcrgertör gelegen — seiner eigenen Jugend gedachte und sich im Geiste in die Räume versetzte, in denen er die Schulzeit verbrachte. War auch zu jener Zeit das Bildungsbedürfnis ein gleiches wie heute, so war doch die Zahl der Bildungssuchenden bei weitem niedriger; denn die Einwohnerzahl der Stadt war bedeutend kleiner als in unseren Tagm; war man auch schon damals auf die Er­haltung der körperlichen Gesundheit ernstlich bedacht, so war doch der Stand der Schulhygiene — die heutzutage dem Bau Und der Ausstattung der Unterrichtsräume die größte Auf­merksamkeit widmet, vor Ueberfüllung der Klaffen und lieber» bürdung der Jugend warnt und die Veranlassung zu vielen anderen Einrichtungen gibt — ein kaum nennenswerter.

Freuen wir uns darum, daß mit dem Zritenwechsel auch eine Aenderung der Verhältnisse und Anschauungen eingetreten ist, welcher wir in erster Linie auch den schmucken Neubau, die ^Ebèrhardschule" zu danken haben. Nicht in der alther­gebrachten Weise — die in der Regel einen durch symmetrische Langweiligkeit charakterisierten, kastenförmigen Bau schuf, wel­cher alles daS, was uns heute erfreut: Färbe, Materialechtheit, Schornsteine, Dach, Fensterausbanlen u. a. negierte — ist sie erstanden, sondern als ein Denkmal des neuen Stils moderner Raumkunst, welchem der unserem Zeitgeist eigene Zug ins Große eigentümlich ist.

Die Gliederung dieses umfangreichen Gebäudes ist ganz seinem Zwecke entsprechend, insofern die nach Nordosten gelegene Hälfte des Baues zur Aufnahme der Knaben- und die nach Südwesten gerichtete Gebâudehâlfte zur Unterkunft der Mädchen- mittelschule dienen soll. Nach Südosten gerichtet, liegt der mit der Kmuptfassade durch einen^ Lichthof rechtwinklig verbundene weit niedrigere Vorbau der Turnhalle, die infolge ihrer vor­teilhaften Einrichtung und musterhaften Ausstattung als Fest­raum vorzügliche Dienste leisten wird. »Letztere wird links und rechts von 2 geräumigen Spiel- bez. Turnplätzen flankiert, welche von einem auf einem SandsteiufuNdament angebrachten eisernen Geländer nebst zwei mit geschmackvoller Schmiedearbeit versehenen Toren begrenzt werden. Die durch geschweifte und wagerechte Linien eingeschloffenen, treppenartig gebildeten Giebel- chitzen der nach Nordwesten vorspringenden Flügelbauten (von denen der nach Südivesten gelegene erst bei einer in Aussicht genommenen Erweiterung vollständig ausgebaut wird) wieder­

holen sich zweimal in der Mitte des Hauptbaues, dadurch nehmen sie den latlggestreckten Fassaden des letzteren den Cha­rakter ermüdender Eintönigkeit. Ein hohes, mit Schiefer ge­decktes Satteldach, das auf der Mitte des Gebäudes ein dach­reiterähnliches, schmuckes Uhrtürmchen mit weithin sichtbarem Ziffernblatt und Zeigern trägt, bildet durch seine Form einen würdigen Abschluß des Außenbaues und ruft durch seine dunkel­blaue Farbe im Verein mit dem Grau der Fundamentquadern, dem Rot der Saudstein-Rustica im Hochparterre und dem Weiß des Wandverputzes in den oberen Stockwerken eine harmonische Stimmung wach. Ganz der Bestimmung des Hauses ent­sprechend, ist für zahlreiche Lichtöffnungen Sorge getragen, welche unten als breite Bogenfenster und in den oberen Etagen als rechteckige, durch zierliches Stabwerk gefällig gegliederte Fenster in Erscheinung treten.

Von den fünf Pforten— 3 befinden sich an der Hauptfassade — sind die auf der Frontseite der Flügel angebrachten für den Ein­und Ausgang der Schulinsassen bestimmt; auf ihre reiche Durchbildung ist ein besonderes Gewicht gelegt worden. Die Türöffnungen sind rechteckig und mit einem geraden Sturze und halbkreisförmigen Bogenfeld (Tympanon) versehen, über welchem die Flamen der Schulen und die bildlichen bezw. symbolischen Bezeichnungen der letzteren, nämlich 2 Knaben­köpfe, sowie ein Fuchs- und Widderkopf, resp. 2 Mädchen­köpfe, sowie eine Eule und eine Taube mit ornamentalen Bei­gaben kunstvoll in den Stein gehauen sind. Von diesen Türen gelangt man auf einen durch einen freundlichen Wand- anstrich ausgezeichneten Vorplatz, der durch einen aus oliv­grünen Holzwerk und GlaSfenster gebildeten Windfang abge­schlossen wird. Abwärts führt alsdann eine breite Treppe in die weiten Kellerrâume, deren größte zur Aufnahme der Wafferheizungs- imd elektrischen Beleuchtungsanlagen dienen; aufwärts kommt man dagegen über einen bequemen, etwa 3 Meter breiten, mit Tonfliesen belegten Stufenbau, den ein einfaches, aber geschmackvolles eisernes Geländer flankiert, zu den breiten, mit Fliesen gedeckten, an der Hauptfassade liegen­den Fluren, die einer tonnengewölbeartigen Halle gleichen, deren Decken in kleine quadratische Felder mit Kreuzgewölben eingeleilt sind. Die Rippen der letzteren laufen in prächtige Kapitelle mit Pflanzenformen und phantastischen Gestalten aus, welche die Wandfläche symetrisch gliedern und vorteilhaft dekorieren. Im Treppenhaus, das im Dachstock durch eine durchbrochene Steingalerie einen schönen Abschluß findet, wer­den die Gewölberippen von gedrungenen Säulen mit kunst­vollen Kapitellen getragen. Die Farbengebung der Wand­flächen auf den Gängen und im Treppenhaus ist eine höchst geschmackvolle. Ein linier Gesamtton wird unten durch einen etwa 1 Meter hohen graugelben Streifen — den oben ein modernes Pflanzenornament als Borde begleitet — abgeschlossen. Die mit einem olivgrünen An­strich versehenen Türen — deren Zahl 90 übersteigt — öffnen sich nach diesen Fluren, deren Mitten durch schmalere Treppenaufgänge untereinander in Verbindung stehen und auf dem höchst praktisch eiserne Schirm- und Kleiderständer aufge­stellt und Feuerlöschgeräte, sowie Trinkwafserzapfstelle« angebracht sind, die auf alle Stockwerke verteilten 36 Untrrichtsräume, in jeder Etage vorhandeneu Lehrerzimmre (je 2), die in dem 1. Stock gelegenen Rektorziinmer, das auf demselben Korridor befindliche Physikziinmer mit seinen stnfenmâßig erhöhten Sitzreihen und anstoßenden Lehrmittel-Räumen, der im 2. Stock hergerichtete, reicherhellte Zeichensaal und die angrenzenden Zimmer zur Aufbewahrung der naturkundlichen und geographischen Sammlungen, sowie die im Dachstock liegende geräumige Anla — die durch das als Wandgemälde großangelegte Stadtwappen, Büsten und Bilder entsprechend geziert ist — sind auf das praktischste gestaltet und zweckmäßigste ansgestattet, die dem Auge wohltuende, künstlerisches Empfinden weckende Farbengebung der inneren Wandflâchen und Zimmergeräte gewinnt besonders an Slimmungsgehalt durch einen in dreiviertel Stubenhöhe rings herumlaufenden mehrfarbigen Fries, der pflanzliche Ge­bilde als Dekorationsmittel trägt. Durch die in jedem Lehr- raum vorhandene Angabe der Größe der Grundfläche, des Rauminhaltes und der Fensterfläche wird die Verteilung der Klasfenzimmer mit Rücksicht auf die Schülerzahl wesentlich er« leichtert und einer Ueberfüllung der ersteren vorgebeugt. Die Wahl der Fußbodenbekleidung -- die aus braunrotem Linoleum besteht, der zum Umlegen auf die Wangen eingerichtetes Zwei­sitzigen Bänke — wodurch eine gründliche und leichtere Reinigung des Bodens ermöglicht wird — der Lentllations- einrichtung, der Wärmemeß- und -regulationsvorrrchtungen, 10= wie der Fensterbehänge ist nach hygienischen Grundsätzen erfolgt und ganz den Forderungen der Neuzeit entsprechend ausgefallen. Einfach und geschmackvoll wie die Möbel und Lehrmittel der Unterichtstäume sind auch die Ausstattungsstücke der übrigen Zimmer; dabei merkt man, daß die Formbildung stets auf Grund der Zweckmäßigkeit erfolgt ist. In diesem Sinne gilt her.