Erstes Blatt
IIII nun
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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
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Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf1 gespaltene Petineil: oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Ncllamcntheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Nr. 224
Fernsprechanschluß Nr. 605.
^reitaa den 25. September
Fernsprechanschluß Nr. 605
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Der Dienstmann Wilhelm Weinberger, wohnhaft hier Fischerstraße 8, hat um Rückgabe der von ihm hinterlegten Kaution gebeten.
Interessenten werden aufgefordert, etwaige Ansprüche binnen 14 Tagen im Sekretariate der Königl. Polizei-Direktion anzumelden, widrigenfalls die Kaution zur Auszahlung gelangt. Hanau den 24. September 1903.
Königliche Polizei-Direktion.
P 7794 Z. A.: Lehfeldt, Reg.-Astestor.
Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Am Samstag den 26. September 1903, vor- mittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaals des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 25. September 1903.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Gebeschus. 16971
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch in Kenntnis gebracht, daß auf Grund der Polizei-Verordnung vom 23. Januar 1894 betr. das Eingesperrthalten der Tauben während der^ Saatzeit, sämtliche Tanberr in der Zeit vom 25. September bis 25. Oktober d. Js. eingekperrt zu halten sind.
Die Bekanntmachung vom 25. März d. Js., wonach die Polizei-Verordnung nur Feldtauben betrifft, wird hiermit zurückgezogen.
Hanan den 21. September 1903.
Städtische Polizei-Verwaltung.
Der Oberbürgermeister.
J. A.: Laut sch. 16814
Hus Stadt und £and.
Hanau, 25. Septbr.
Geffentlichs' Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung
vom 23. Sept. 1903.
Anwesend die Herren Canthal, Vorsteher; Aukamm, Bier, Brüning, (Trag, Eberhard, Föll, Glaser, Dr. Heraeus, Hoch, Hoffmann, Muter, Müller, Ott, Reis, Rodde, Roth, Schroeter, Schwabe, Spatz, Steinheuer, Stübing und Voltz.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebeschus, Erster Beigeordneter Bode, Stadlbaurat Schmidt, Stctdtrat König und Magistrats-Assessor Lautsch.
Darlehens-A ufnahme.
In geheimer Sitzung wird über eine Eilsache, betr. Darlehens-Ausnahme, beraten.
Protokoll.
Lwdiv. Hoch macht eine Reihe von Einwendungen gegen das Protokoll der letzten öffentlichen Sitzung, das seine Aus- 'uhrungen zum Teil ungenügend, zum Teil unrichtig wieder- gebe. — Vorsteher Cant Hal bemerkt generell zu der Angelegenheit, die Drucklegung des Protokolls sei eine mit erheb- uchen Kosten und Arbeit verbundene freiwillige Leistung, welche die Stadtv.-Vers, sich auferlegt habe, die weit über den Rahmen dessen hinausgehe, was das Gesetz verlange. Es möchten des- yaid nicht allzu hohe Anforderungen in dieser Hinsicht gestellt '^dkn, sonst würde in Erwägung zu ziehen sein, ob nicht
.^uhsten Jahre ab diese, wie erwähnt, freiwillige Leistung gestellt werden solle. Redner bittet, die gestellten Ab- > erungsonträge anzunehmen, was nach einer Erwiderung d-s ^ladto. Hoch geschieht.
Erweiterung der gewerbl. Fortbildungsschule.
_ l Fortsetzung der Debatte aus der Montagssitzung.)
.^üHer: Es sei ihm unbegreiflich, daß über „. ' ^Emtand hier ein so großer Wortschwall sich entfaltet, „ .. lediglich um Aufnahme von Goldschmiede-Lehrlingen r^HbildnngSschule, welche vom Unterricht an der Zeichen- - aoemie befreit werden sollen, handele. Wenn er auch nicht Untere,smt vom Standpunkt der Edelmetallbranche sei, so habe tlf/ ' ^ ^^ ^^ anderen Mitglieder, nichts dagegen, daß >e r vehrunge der Fortbildungsschule zugeführt würden, wo ne zwe kenttprechrnden Unterricht erhalten könnten. Jedenfalls
sei nicht beabsichtigt, diese Lehrlinge gegen die Lehrlinge aus anderen Gewerben zurückzusetzen.
Stadtv. Kreuter erwidert zunächst dem Vorredner, daß es ganz richtig sei, die Sache hier nur vom Standpunkt des unbeteiligten Stadtverordneten zu vertreten. Es werde aber nicht bestritten werden, daß die steuerkräftige Industrie, um die es sich hier handele, die wichtigste am Platze sei, an deren Gedeihen das gesamte Gemeinwesen ein Interesse habe. Den Vorwurf des Herrn Hoch, daß gewisse Mitglieder der Versammlung vielleicht ihre Meinung nur aus Rücksicht und Freundlichkeit zur Regierung gestaltet haben, müsse er entschieden zurückweisen. Er versichere, daß er nur aus eigener Ueberzeugung hier verhandele: „Niemand zu Lieb und niemand zu 2eib.” Herr Hoch solle ihm nicht Motive unterschieben, für die er keine Beweise bribringen könne. Es handele sich um die Frage, ob die Fortbildungsschule in iVi, höchstens 2 Jahren das ersetzen könne, was die Zeichenakademie den jüngeren Lehrlingen biete. Herr Hoch habe gesagt, daß der Lehrling nur im Milieu der Zeichenakademie gedeihen könne, was er (Redner) wiederholt bestreite, soweit der erste Anfangsunterricht in Frage komme. Diesen könne der Schüler in der Fortbildungsschule ebensogut, wenn nicht bester, empfangen, weil er hier noch an wissenschaftlichem Unterricht teilnehme. Zu bedenken möchte er geben, daß heute leider schon eine ganze Anzahl Lehrlinge aus der Edelmetall- industrie zur Seite stehen, für deren Fortbildung niemand sorge, die an keinem Unterricht teilnehmen. Es mag dies teilweise an den betreffenden Fabrikanten, teitaeve aber auch an den Eltern liegen und zum Teil auch an den Lehrlingen selbst. Es werde ein jeder zugeben, daß etwas geschehen müsse, und da man gerade dabei sei, ein neues Orts stau» W entwerfen, wobei nunmehr alle Gewerbe berücksichtigt werden sollen, wäre es geradezu unbillig und rücksichtslos, wenn die Edelmetallbranche unberücksichtigt bleiben würde. Herr Hoch habe ferner gesagt, daß von ihm (dem Redner) nicht einmal versucht worden sei, den Standpunkt der Gold- und Silberarbeiter zu widerlegen. Das habe er wohl damit getan, daß er die betreffenden Punkte mit ihnen nicht teile, wenngleich er im übrigen den Ausführungen des betreffenden Fachvereins seine Ächtung bezeugt habe. Seiner Ansicht nach seien die Lehrlinge im Alter von 13 und 14 Jahren für die Akademie unter gewöhnlichen Verhältn'sten noch nicht reif. Das Zeichnen allein tue cs auch nicht. Die Herren Craß und Aukamm werden ihm vielleicht bestätigen, daß es in den Werkstätten viele Lehrlinge gebe, die sonst sehr gut seien aber nicht zeichnen könnten. Er sei von jeher ein Freund der Akademie gewesen, doch müsse er der Wahrheit die Ehre geben, er habe Arbeiter kennen gelernt, die sonst sehr gut seien, aber vom Zeichnen verdammt wenig verstanden. Das Gewerbe der Gold- und Silberarbeiter stehe ja auch nicht mehr im Mittelalter, wo jeder Goldschmied ein Künstler gewesen sei. Die heutige Produktion lasse dies nicht mehr zu. Redner verliest hierauf ein Schreiben, welches der Direktor der Zeichenakademie an den Stadtverordnetenvorstrher gerichtet habe und worin er seine Stellung zu den Gutachten der Fachvereine darlege. Diesem wird nachstehender Dortrag entnommen:
„Die der Zeichenakademie zugedachte Entlastung durch Uebernahme von Lehrlingen bis zum 15. Lebensjahre auf die Fortbildungsschule gebe Gelegenheit zu einer Abänderung der Aufnahmebedingungen für die Akademie und könnten alsdann hier auch Fachklasten für Lithographen usw. eingerichtet werden, was zur Notwendigkeit geworden sei. Die Anstalt zähle z. Zt. 323 Schüler und seien namentlich die unteren Klassen überfüllt. Es solle fortan ein Befähigungsnachweis gefordert werden, was bisher nicht der Fall gewesen sei. Durch die niedrigste Altersgrenze von 13 Jahren seien häufig Schüler einge- treten, die künstlerisch unbegabt und von ungenügender Elementarbildung gewesen seien. Es soll bei der Regierung beantragt werden, dir Aufnahmebedingungen wie folgt abzn- ändern. Erforderlich für die Aufnahme soll das zurückgelegte 15. Lebensjahr sein, ferner der Nachweis genügender Vorbildung durch Vorlegung eines Zeugnisses über den mindestens 1'/» jährigen erfolgreichen Besuch einer gewerbl. Fortbildungsschule oder Ablegung einer Aufnahmeprüfung. Die Heraufsetzung des Mindestalters auf daS 15. Lebensjahr werde eine Entlastung um 80 Schüler zur Folge haben. Vorklasten an der Akademie selbst werden für vorteilhaft gehalten, wozu es jedoch an Raum und an Lehrkräften mangele. ES müßten deshalb diese Klaffen an der Fortbildungsschule eingerichtet werden. Dort müßte dann eine Vermehrung deS Zeichenunterrichts stattfiaden bis zu 6 Stunden wöchentlich, neben 4 Stunden Modrllierunter- richt. Die Behauptung im Bericht des Kunstgewerbeoereins, daß die Jungen die Akademie als Ställe des Zesiser- treibS betrachteten und Unfug trieben, wird in dem
Schreiben zurückgewiesen. Es folgt hierauf eine Nachweisung der verschiedenen die Zeichenakademie besuchenden Berufe, sowie getrennt nach Alter und Heimat."
Der Vortragende findet in diesen Ausführungen mehrfach Widersprüche zu dem Standpunkt, welchen der Direktor in der Sitzung der Direktion der Zeichenakademie eingenommen habe, will aber hierauf heute nicht näher eingehen, sondern dieserhalb mit dem Direktor selbst Auseinandersetzung herbeiführen.
Stadtv. Hoch schließt sich bezüglich der Aeußerung des Herrn Müller der darauf erfolgten Antwort des Herrn Kreuter an, worauf ihm Stadtv. Müller zuruft : „Es handelt sich ja nur um die Lehrjungen." Stadiv. H o ch fortfahrend: Diese seien des Fundament und deren Ausbildung deshalb von großer Bedenlung für die Entwickelung der Industrie. Herr Kreuter habe Fehler gemacht, doch wolle er auf die verschiedenen Punkte nicht mehr zurückkommen. Soweit es sich um allgemeinen wissenschaftlichen Unterricht für dir Lehrlinge handele, damit sei er ja mit ihm einig. Ein Vorrecht solle man den Goldschmiedslehrlingen vor anderen Lehrlingen nicht geben und solle man sie sowohl zu dem Fortbildungsunterricht heranziehen aber neben dem Unterricht an der Zeichenakademie. Er wolle wegen der von ihm gemachten Aeußerung, man treibe Liebedienerei gegen die Regierung wohl verstanden sein. Herrn Kreuter wolle er damit nicht verdächtigen, aber er könne sich dessen Aeußerung, daß die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer überein« stimmten, nicht anders erklären, wenn er gar nicht auf die Ausführungen der letzteren höre. Es gebe in der Stadtverordnetenversammlung Mitglieder, bei denen eine Sache endgültig abgetan und entschieden gelte, wenn darin von einem Negierungsorgan Verfügung getroffen sei. Er wolle auch die .Motive des Herrn Kreuter nicht verdächtigen, die Konsequenz sei nur die, daß unsere einheimische Industrie aufs schwerste geschädigt werde zum Vorteil der preußischen Regierung, welche bei dieser Angelegenheit etwas ersparen könne. ES sei ganz erstaunlich, daß die Herren vom Kunstgewerbkverein, darunter auch Herr Kreuter, so gar keine Rücksicht nehmen auf die Gründe, die von den Arbeitern vorgebracht würden. Was die Dis; plin in der einen oder anderen Anstalt angehe, so sei wohl bekannt, daß trotz aller Strenge die Jungen dann und wann über die Stränge.schlagen und auf die ihnen etwa erteilten Strafen pfeifen. Er stehe auf dem Standpunkt, bai in der Akademie das Ungebundensein und bessert Folgen nicht so schlimm sein werden. Durchaus einverstanden sei er damit, wenn es bei der Akademie eine Handhabe gebe, unfähige Elemente auszuschließen. In der vorigen Sitzung sei ge- jcÈilbert worden, wie verloddert, wie wenig nutzbringend der Polksschulunterricht für manche Lehrlinge gewesen sei; man könne nicht annehmen, daß es mit tönen auf der Fortbildungsschule besser gehen werde; gan; anders sei es bei ihrem Eintritt in die Akademie. Mit Genugtuung habe er gehört, daß es au^ der Fachmann Profestor Wiese als das richtigste be- zeichn-t habe, wenn auch Vorschulklasten bei der Akademie errichtet würden. Er möchte bitten, daß diejenigen Herren in der Versammlung, die der Edelmetallbranche nicht angeboren, aus dem Vorgetragenen die Tatsachen festhalten, daß Einigung mit den Fabrikanten nicht zu erzielen sei. Es liege kein Grund vor anzunehmen, daß dadurch für unsere Industrie etwas Besseres herbeigeführt werde; im Gegenteil sei etwas Schlechteres zu befürchten. Was bedeute es, die Akademie zu entlasten? Es solle geschehen, weil nicht Räume genug vorhanden seien, weil b'er preußischen Regierung nicht daran gelegen sei, die Akademie zeitgemäß auszubauen. Es sei eine geradezu unerhörte Harte und Vergewaltigung der armen Arbeiterkinder, wenn man sie von der Akademie ausschließen und sie der Fortbildungsschule zuführen wolle. Redner finbet zum Teil die Anssübrungen des Herrn Kreuter mit den Darlegungen des Prosessors Wiese widerlegt. Die Schüler sollten nach letzteren entweder eine Prüfung ablegen oder den l1/»; jährigen Besuch der Fortbildungsschule nachweisen. Dabei kämen sie auS der Fortbildungsschule, wo sie, wie bereits aus- geführt, verloddert sein sollen, mit einem Mal in das Milieu der 'Zeichenakademie hinein. (Zwischenruf des Herrn Kreuter : „Wer sagt, daß die Fortbildungsschule verloddert ist?"). Stadtv. Hoch fortfahrmd: „Sie haben cs wiederholt sehr lebhaft geschildert, daß Lehrlinge, die zu Ihnen kommen, utr« labbert sind." Redner verbreitet sich noch weiter über die bisherigen Ausführungen, sowie über die zu erwartenden Mehraufwendungen bei Erweiterung der Fortbildunqsschme und über den Charakter der letzteren und langt schließlich aut dem Gebiet, der Nolstandsarbeiter und ArbeitSloien an, rro nian sich bei Bemessung der Löhne sogar an den Pfennig ge- knüpft habe Der Staat 'olle die Mittel für Erweiterung der Akademie bewilligen, dieser b-b- die moralische Verpflichtung dreies im Dienste her Industrie früher gegründete ;-.ijitu: ’ it allen Mitteln zu halten und zu heben. Mit einer Angabe an die Regierung werde sich da jedenfalls