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Erstes Blatt

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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- 18 ârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. > Waisenhauses in Hanau.

Geunal-Auzeigtr.

Amtliches OrW für Mt- und FandKreis Ham«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrückungSgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanèii

Nr. 223

Fernsprechanschluß Nr. 605*1

Donnerstag den 24. September

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung.

Seit dem 18. August 1901 ist die damals 6 Jahre alte Tochter Elss des Kutschers Kassel hierselbst, damals Roscher- straße 6 p. wohnhaft, verschwunden.

Die weitgehendsten Nachforschungen nach dem Kinde, welche in der Annahme, daß cs entführt und verschleppt sei, im Jn- und Auslande angestellt sind, haben zu keinem Ergebnis geführt.

Demjenigen, welcher Tatsachen bekundet, die zur Ermitte­lung des Verbleibs des Kindes führen, sichere ich hiermit eine

zu.

Belohnung von 1000 Mark

Signalement (zur Zeit des Verschwindens)

Statur: schlank, Größe: 1 Meter, Haare: hellblond, lockig, Augenbraun: blond, Augen: grau,

Gesicht : voll, rund, rote Backen, Zähne: gesund, Sprache: deutlich,

Besondere Kennzeichen: in der

linken Hand eine Warze. Kleidung: blau und weiß hellkarriertes Waschkleid mit kurzen Aermeln, blau und weißgestreifte Schürze, hellbrauner Unler­rock, schwarze Strümpfe, schwarze Knopfstiefel.

Das Kind war sehr aufgeweckt und konnte Namen und Wohnung deutlich angeben.

Hannover den 25. Februar 1903.

Der Negierungs-Präsident gez. von Brandens: ei n.

..................■

Wird veröffentlicht.

Hanau den 23. September 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7742 I. V.: Lehfeldt, Reg.-Affessor.

Der Hautrotlauf bei einem Schweine in dem Gehöfte Mainkanal Nr. 18 hier gilt als erloschen.

Die Sperre ist aufgehoben.

Hanau den 22. September 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7713 I. V.: Lehfeldt, Reg.-Affessor.

Bei einem im hiesigen Schlachthause geschlachteten Schweine des Landwirts Heinrich Wörner II zu Niederissigheim wurde Harttrotlauf festgestellt.

Hanau den 22. September 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

J.V.: Lehfeldt, Reg.-Affessor.

keuiUrton.

In der Bluimlroiic.

Von W. L.

(Nachdruck verboten.)

Es ist ein Grundgesetz im Haushalte der Natur, alles durch Gegenseitigkeit zu erhalten. Allein oft wird diese Gegen- seiügkeit recht zudringlich und artet energisch zur Einseitigkeit aus. Das beweist das große Reich der Schmarotzer, jener Jmgheber des Tierreiches, welche es vorziehen, andere für N-^ arbeiten zu lassen, andren ihre Kraft und ihren Saft zu entziehen, um auf deren Kosten ihr eigenes Schmarotzerdasein Men. Nenne man sie im allgemeinen Ungeziefer, Blut» C <' .^^würmer ec.; sie rechtfertigen ihren Namen „Schma» n ihren gemeinsamen Charakter aufs beste. Und uch nu Haushalte der Staats- und Städtegemeinwesen gibt .Schmarotzer, Leute, welche sich an den von der vorgezeichneteu Beispielen ein Muster genommen zu • £ und ein sehr einseitiges Schmarotzerleben führen, « ^âmg und ihren Einfluß nur zu ihrem eigenen i ^»fcen, indem sie andere für sich die Kastanien aus ausdrück"' $° en l^N wie der Bolksmund sich so treffend

Pflanzenwelt hat ihre Schmarotzer und zwar mit» rücksichtslose. Wie oft begegnet uns die Mistel ,^ ^um), wenn wir die heimischen Wälder durchqueren droben im Gipfel der Kiefern, Tannen, Linden und / f"^^upt aller anderen Laubbâume) thronen sehen. nA"1 Ä^r Schmarotzer hat sie sich einzuschmuggeln ver- L . JL . ?°$ verachtet der schmeichelnde Parasit auch die ,, uicht, wenn die großen Patriarchen des Waldes nicht ? . l^ven sind, und wandert hinaus aufs Feld und bittet sich l den bäuerlichen Apfel- und Birnbäumen zu Gaste. Selbst Psiaumenbaume und Stachelbeersträucher erscheinen ihm nick»

Landkreis Dan au.

Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.

Nachstehend wird das Verzeichnis der für die zusammen­gesetzten Urwahlbezirke im Landkreise Hanau bestimmten Wahl­orte, der Wahlvorsteher und ihrer Stellvertreter veröffentlicht. Hanau den 18. September 1903.

Der Königliche Landrat.

V 7404 I. D.: Lehfeldt, Reg.-Assessor.

Der Urwahlbezirk besteht aus den Ortschaften

Wahlort

Name der Wahlvorsteher

Name des Wahlvorsteher- Stellvertreters

Bruchköbel, Gutsbezirk Neuhof (Oberförsterei Hanau) und Eutsbe- zirk Kinzigheimerhof

Bruchköbel

Bürgermeister Baumann in Bruchköbel

Beigeordneter Konrad Glaub in Bruchköbel

Eichen, Erbstadt

Eichen

Bürgerrneister Laubach in Eichen

Bürgermeister Rupp in Erbstadt

Grouau, Niederdorfelden, Oberdorfelden, Guts­bezirk Dottenfelderhof und Gutsbezirk Gro­nauerhof

Niederdorfelden

Bürgermeister Hofmann in Mederdorfcldeu

Bürgermeister Wenzel in Gronau

Hüttengesäß, Neuwieder­muß

Hüttengesäß

Bürgermeister Hoffmann in HüUenMätz.,

Schöffe Georg Habermann Ster Pu ^ütteugejäß

Niederissigheim, Ober­issigheim und Guts­bezirk Baiersröderhof

Oberissigheim

Bürgermeister

Lind in Ober­issigheim

Bürgermeister- Kümmel in Niederissigheim

Rüdigheim, Butter- stadt und Gutsbezirk Riidigheimerhof

Rüdigheim

Bürgermeister- Schmidt in Rüdigheim

Gutsvorsteher- Kimmel in Rüdigheimerhof

Oberrodenbach, Gutsbe­zirk Pulverfabrik rind Gutsbezirk Wolfgang

Pulverfabrik

Gutsvorsteher Neureuther in Pulverfabrik

Bürgermeister Peter in

. Oberrodenbach

Wachenblichen, Wilhclms- dad

Wachenbuchen

Bürgermeister Niankel in

Wachenbuch-n

Beigeordneter Johs. Borger in Wachmbuchen

Durch Allerhöchsten Erlaß ist dem Photographen Robert Fetzer hier gestattet worden, das ihm verliehene Prädikat eines Königs. Dänischen Hofphotographen annehmen und führen zu dürfen.

Hanau den 23. September 1903.

Der Königliche Landrai.

I. V.: Lehfeldt, Reg.-Assessor.

zu gering als Wirte; es ist ihm ganz einerlei, wen er seiner Kraft beraubt, wenn er nur zu leben hat. So findet sich die Mistel auf allen Bäumen ein und auch die meisten Hoch- sträucher werden von ihr befallen; nur die allerkleinsten Sträucher sind vor ihr sicher. Gelenkig und biegsam, aber auch unscheinbar, — so tritt sie heran zu ihren Gönnern und findet leichten Eingang und gedeckte Tafel. Ein buschiger Strauch, aus hunderten von Gelenken das echte Abbild des Schmeichlers, gabelästig zusammengesetzt, zeichnet sie sich durch keine besondere Schönheit aus, als ob es darauf abgesehen wäre, recht schwächlich und ungefährlich zu erscheinen. Ein Paar zungenförmige grüne Blätter entkleiden sie dieses Cha­rakters nicht. Doch das Sprichwort kennt den Vogel nicht umsonst an seinen Federn. Besäße die alle schlanke Tanne am Wege ein Bewußtsein, so könnten ihr die Blättchen, trotz ihrer Nnschcinbarkeit, schon durch die dicke feiste Gestalt ver­raten, welchem falschen Freunde sie Raum und Nahrung in ihrer eigenen Büschclkrone gegeben hat. Sie merkt es indes nicht. Man muß es dem aufdringlichen Günstling lassen, daß er seine Sache versteht. Er teilt Freud und Leid mit seinem Wirte. So lange er nur zu leben, hat, erheitert er durch ewiges Grün das Aussehcr^ des Wipfels. Wenn die laub- bekränzte alte Linde am Friedhofe ihre Blätter den Winden dahingeben muß, schaut er noch immer heiler herab, als ob's dort oben ewig Frühling wäre. Wenn der Sturm durch die Wipfel braust, krümmt er sich wi^ die Zweige der Krone und klagt mit ihnen. Wenn aber die Sänger des Waldes den Mai ihres Lebens im eigenen Reste sich zu feiern anschicken, so wählen sie nie das fratzenhafte Gebilde am Aste, sondern schlagen ihr eheliches Domizil in den Aesten des Herrn und Wirtes auf. Doch dem Parasiten gilt die Poesie'gleichviel, wenn er nur zu leben hat, dann ist die Sache schon gut. Dies zu erreichen, schlägt er seine Wurzelgebilde so tief in'die Rinde und das Holz des Gönners ein, daß dieser unvermerkt dahin gebracht ist, den Günstling unter allen Umstünden be­halten und ernähren zu müssen.

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramies.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch in Kenntnis gebracht, daß auf Grund der Polizei-Verordnung vom 23. Januar 1894 beir. das Eingesperrthalten der Tauben während der Saatzeit, sämt­liche Tauben in der Zeit vom 25. September bis 25. Oktober d. Js. eirtgesperrt zu halten sind.

Die Bekanntmachung vom 25. März d. Js., wonach die Polizei-Verordnung nur Feldtauben betrifft, wird hiermit zurückgezogen.

Hanau den 21. September 1903.

Städtische Polizei-Verwaltung.

Der Oberbürgermeister.

J. A.: L a u t s ch. 16814

Hus Stadt und Land.

Hanau, 24. Septbr.

Beamtenperfonal-Nachrichten.

Eniaunt: der Rechtskandidat Lamprecht zum Referen­dar, der diätarische Gerichtsschreibergchilfe Adam Knoth in Eschwege zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Weyhers, der Gerichtsvollzieher k. A. Humburg zum Gerichtsvoll­zieher bei dem Amtsgericht in Oberkaufungen, der mit der Ver­waltung der Forstkaffe zu Gieselwerder beauftragte Förster Kutzscher zum Forstkasseurendanten.

Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Wanfried aus die Dauer von 12 Jahren gewählte Siadtschreiber Heinrich Keßler in Hofgeismar.

Versetzt: der Förster Tonke zu Fischbach in der Ober- sörsterei Stölzingen vom 1. Oktober d. I. ab auf die Förster- stelle Küchen, Oberförsterei Meißner, die Gerichtsvollzieher ©Ottmann in Veckerhagen an das Amtsgericht in Eschwege und Schiebe in Obernkirchen an das Amtsgericht in Magde­burg, der Straßenmeister A. Lüders von Hettenhausen nach Rotenburg a/F.

Entlassen: der Referendar Cuntze aus dem Justizdienste behufs Uebertrilts zur allgemeinen Staatsverwaltung.

Pensioniert: der Akademielehrer Andorff zu Hanau vom 1. Oktober b. J. ab, der Gerichtsschreiber, Sekretär Stuck­mann in Bergen b./Hanau.

* Landtags-Kandidatur in Gelichausett- Schlüchieru. Der am 19. September in Cassel versammelte Zentral-Ausschuß der konservativen Partei Kurheffens hat

Als runde, bleiche Beere beginnt die Mistel ihren Lebens­weg. Auf den Erdboden gelangt, würde die Keimkraft des Samens alsbald verloren gegangen sein. Deshalb hat die große Schöpferin Natur den Samen mit einem kleberigen Fruchtfleisch umhüllt, das den Drosseln jederzeit ein ange- nehmer Leckerbissen ist. So macht der Kern durch den Körper der Misteldrossel die Reise, und der Sänger der Lüfte hat ihn über die weiten Räume des niederen Erdenlebens dahingetragen und wieder in dem stolzen Palaste einer starrnadeligen alten Tanne abgesetzt. Oder aber hat die Drossel, als sie vom Mistel frühstück kam, den am Schnabel kleben gebliebenen Kern am Aste irgend eines anderen Baumes abgewetzt? So ist der Parasit vom Glücke ewig der Begünstigtere gewesen, als habe es die Natur darauf abgesehen, ihm, dem Unbehilflichen, ganz besonders zu Hilfe zu kommen. Bald durchbricht der werdende Weltbürger, von seiner eigenen und der Feuchtigkeit der Luft begünstigt, die Samenschale, und sendet sein feistes Würzelchen mit erheblicher Krastanstrengung durch die Rinde des Wirtes auf den Spliud des Astes, wo die lebenschaffende Kraft des Baumes zirkuliert. Ein unscheinbares Nestchen mit zwei rund­lichen, länglichen Blättchen erhebt sich bald, und der Platz ist gesichert; die Stätte seiner späteren, zerstörenden Wirksamkeit ist bereitet. Lange freilich, Jahre dauert es, bevor eS dem jungen Parvenü gelingt, sich in jeder Weise im Busen seines Gönners einzunisten, daß ihm selbst der wütendste Sturm nicht schadet. Dann aber lebt er, solange sein Ernährer lebt, und vergabelt sich, je älter je mehr, zu einem kugeligen Gebilde, welches ost mehrere Meter Durchmesser _ erlangen und, wie man an über armstarken Misielstâmmcn feststellen konnte, gegen achtzig Jahre alt werden kann. Der Ast des Baumes stirb, in seinem vorderen Ende meist bis an die Anheitungsuc^e dcu Mistel ab und fällt schließlich ausgetrocknet Hermeder; hat doch dir Parasit die ganze Kraft und den ^fi/, der jenem vom Baume zugedacht war, vorsichtig für ich M Anspruch ge^ nommen. 'Deshalb steht, zumal bei alten Tannen, bte Mistel scheinbar am Ende eines starken Kronenastes.