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19. September

Samstag

Seite 11

sich zur Unglücksstelle begab. Sie fanden dort den Bäcker- Zeit traf die Stadtbebsrde von St. Louis eine Bestimmung, baue in unerreiajitr ^uijuymyiai, jojon luntjii in maai

meister Wilhelm Aichhorn aus Wien, welcher unweit des durch welche die Beschäfftcung von Frauen nnd Mädchen, „die tausenden von Familien unentbehrlich geworden. Der billige

„G'hackten" in eine Mulde abgerutscht war, als Leiche. Der " ■ " *— .....“.....’ ” —r ~ '

Schwager des Verunglückten, welcher durch die Strapazen sehr gelitten, wurde in das Schutzhaus getragen; es gelang, ihn zu retten. Die übrigen drei Herren befinden sich Verhältnis-

mäßig wohl.

Von einem modernen Simson erzählt der „Phila­delphia Demokrat". Unter den Zwischendeckspassagieren des Dampfers „Friesland", denen das Landen gestattet wurde, be­fand sicb ein russischer Simson, gegen den selbst die bedeutend­sten amerikanischen Kraftmenschen die reinsten Waisenknaben sind. Der Russe, ein nur 5 Fuß 5 Zoll großer junger Mann aus Bak", Peter Holsow mit Namen, knickie auf dem Dampfer dicke Eisenstäbe wie Strohhalme, zerriß ein Zoll dicke Ketten, als ob sie Bindfaden wären, und zerbrach einen dicken schweren Stuhl, w'- ein Mann eine Pappschachtel zerreißen würde. Um einen weiteren Beweis seiner kolossalen Körpersiârke zu liefern, ließ er sich die rechte Hand auf den Rücken binden und über­wältigte mit der linken fünf handfeste, herkulisch gebaute Zwischendeckier, die mit Aufwand aller Kräfte. Holsow zu Fall zu bringen suchten. Und gleich nach dieser Kraftprobe brach er mit den Zähnen und der linken Hand einen Pfriem von 21/» Zoll Dicke entzwei. Bald nachdem der Mann gelandet, hörte ein hiesiger Showmann von der K-aft Hoisows und eilte sofort nach dem Einwanderungsbaufe, um denselben zu enga­gieren. Als er den kleinen Holsow sah, glaubte er, daß man ihm einen Bären aufgebuuden; der Russe nahm jedoch auf ein diesbezügliches Gesuch den wohlbeleibten Sh^wmann sanft am Kragen und hob ihn mit derselben Leichtigkeit empor, wie ein Kind eine Puppe emporheben würde. Der überraschte Show­mann bot dem Russen sofort 500 Dollars pro Woche und er­höhte die Summe nach und nach auf 2000 Dollars, allein Hosiow ließ sich nicht erweichen, indem er erklärte, daß er als Oberaufseher deS großen Röyrensystems in der Oelgegend von Baku sich Geld genug erworben habe, um sein ganzes Leben bei seinem einzigen Verwandten in der Welt, Anton Brelsow in Baltimore, im Ruhestande verbringen zu können.

Nennzig Töchter. In Clifton (Arizona), in den Vereinigitn Staaten von Nordamerika, starb dieser Tage einer unserer Landsleute, Fritz Adolphy, im achtundachtzigsten Lebens­jahre. Dieser Mann, ein sogenannter „Salon-Keeper", war in ganz Amerika mehr oder weniger bekannt, und zwar als der Vater von nicht weniger als neunzig adoptierten Töch­tern. In seinen jüngeren Jahren besaß er in St. Louis einen großen Biergarten, in dem Kellnerinnen bedienten. Zu jener . .-^W^W^J^Bg^^ rMWM—ilMlir IIIII l*rw

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Jetzt blieb ein ziemlich großer Junge vor ihm stehen und griff nach dem bunten Reifen, den Heinzel in der Hand hielt. Gutmütig überließ der Kleine dem fremden Buben sein Spiel­zeug und blickte ihm aufmerksam nach, wie dieser damit die Straße entlang trabte.

Das Kindermädchen jedoch rief den fremden Knaben ärgerlich zurück und riß ihm de« Reifen wieder aus den Fingern. Zu Heinzel gewandt, schien sie scheltende Worte zu sprechen und schüttelte, als sie dem Kinde sein Eigentum zurückgab, die kleinen Arme heftig hin und her.

Frau Helene klopfte empört an die Fensterscheibe.

Das Mädchen blickte trotzig auf und schob den Kinder­wagen quer über den Fahrdamm, sodaß Helene ihn nicht mehr verfolgen konnte. Seufzend drückte sie die Stirn gegen das Glas.

Sie hatte in der Heimat dem alten, treuen Kindermädchen fast den doppelten Lohn versprochen, wenn es mit nach Berlin ziehen würde. Nein, eS war nicht zu bewegen gewesen. AlS

„ "ur Räuber und Mörder in der Großstadt zu finden gesträubt ^ ^^^ hatte sich Katrin gegen diese Zumutung

„Ich fürcht mer, ich hab'S von meine Mutter gehört, was ( dorten alles passieren kann. Nee, nee, Frau Wolters, t telds mich tut, um die armen Kinnerchens, aberst nach -verim, — nich um de Welt!"

Seufzend gedachte Helene dieser Worte.

e Äinlw gewöhnten sich so schwer an ein fremdes Ge- H .gelang waren sie zu dem neuen Mädchen nicht ^^^ gewesen, sodaß selbst Albert über daS ewige Geschrei ärgerlich geworden war.

- hEe die Berlinerin so etwas Freies, HerauS- sordernd es in ihrem Wesen, und mit der Kleinen ging sie widerstand^ ^' "^g- Körperchen gegen jede Unbill

Heinzel hatte in den ersten Berliner Regentagen, da die Klnder nicht herauskonnten, immer bei Hermine gesessen, die I

Zeit traf die Stadtbebsrde von St. Louis eine Bestimmung,

nicht zur Familie des Schankwirts gehörten", verboten wurde. Mr. Adolphy war jedoch ein findiger Mann und adap­tierte schleunigst, unter Beobachtung aller notwendigen gesetz-

Uchen Vorschriften, seine sämtlichen weiblichen Angestellten! Dann setzte er sein Geschäft mit den Adoptiv Töchtern unge­stört fort.

Eine Ortschaft mit einem unaussprechlichen Namen i gibt es in Frankreich. Der Name, schreibt der „Gaulois", läßt sich ebenso wenig aussprechen wie der des Prager Bürger­meisters Srb. Der Ort, um den es sich handelt, liegt dicht bei Paris, in der Nähe des Schlosses Osny; es ist das 117 Einwohner zählende Dorf Ws. Da dieses vokallose Wort von keinem Menschen ausgesprochen werden kann, wird es gewöhnlich Us genannt; amtlich heißt das Dorf aber nach wie vor Ws.

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Das Mädchen war ein Stück der alten und immer freundlich und guter Dinge bisher Da sie auch klug und gelehrig war, lernte ... ,.^ schnell in den neuen Verhältnissen zurechtfinden und war in der Zeit deS UmzugStrubelS eine rechte Hilfe für alle Familienmitglieder gewesen. Die jungen, hellen Augen hatten nur um ein gut Teil runder und unternehmungslustiger in die Welt geschaut und bereits in den ersten Tagen alles und jede- auS der Nachbarschaft gesehen, das nur einiger­maßen vom Küchenfenster oder auf den kurzen GeschäftSwegen beobachtet »erden konnte.

Langsam trat Fra» Helene vom Fenster fort, blickte nach der Uhr und ging unruhig durch die lange Zimmerreihe in

die Küche.

Der Braten war braun und unansehnlich geworden, daS Gemüse zu sehr eingekocht und die Suppe schon zweimal wieder vom Feuer genommen.

„Js denn unser Herr noch nicht da/ fragte Hermine, schnell vom offenen Küchenfenster zurücktretend, an dem sie anscheinend mit einem benachbarten Mädchen geplaudert.

Die junge Frau schüttelte sehr besorgt den Kopf. „Den Schluß der Bureaustunden kann mein Mann ja niemals vor­her so genau bestimmen. Und dann auch der weite Weg bis hierher," — —

„Ja," Hermine legte Bethe dicke, rote Arme über der Brust zusammen, „ja die vielen Wagen» noch dazu in die Straßen. Wie leichte einem da war passieren tut I Drüben bei die reichen Leute im zweiten Stock, da hat im Sommer so 'ne Lecktrische den jungen Hetrn überfahren. Jester» ist der arme Mensch aus dem Klinik gekommen."

Helene preßte in jäher Angst die Finger zusammen.

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„Sie sollen nicht immer am Fenster stehen und mit den fremden Dienstboten klatschen," sagte sie aufgeregt. „Das ge­hört sich nicht, Herm ne."

Sie schritt aus der Küche und sah den trotzigen Blick des Mädchens nicht mehr, das sonst immer so treu und fügsam gewesen.

„Nur nischt bieten lassen von die Herrschaft," hatte Anna, das Kindermädchen, erst heute früh zu ihr gesagt. Sei'n Se bloß nich so dämlich, Hermine! Ueberhaupt bei so'ne Zeiten, wo die Mächens so knapp sind wie heutzutage."

Geräuschvoll klapperte Hermine mit den Tellern, als sie

den Tisch im Zimmer deckte.

Die junge Fran hörte es nicht. Sie stand an der Tür und hatte lauschend den Kopf geneigt. Aller Unwille, alle Angst waren aus ihrem Gesicht verschwunden.

Kinderlachen auf der Treppe und dazwischen eine vertraute, fröhliche Männerstimme.

„Papa!" hörte man ganz deutlich das Kleine jauchzen.

Mit wenigen Schritten war Helene im Korridor und hatte die Tür geöffnet. Und nun hielt sie plötzlich ihren Mann fest, als hätte sie ihn jahrelang nicht gesehen.

Er streichelte ihr Haar, ihr Gesiât und ihre Hände.

„Hat mal wieder lange gedauert, Lenchen. Habe die Post noch abgewartet von daheim. Dann zwei überfüllte Straßen­bahnwagen an mir vorbeifahren lassen müssen, Du siehst, so ' bequem wie in G. wirds uns allen beiden nicht gemacht."

Sie nickte, lächelte, hatte jede Sorge vergessen. Das Kleine riß sie dem Mädchen vom Arm, herzte, küßte das Kind und jagte mit dem Jungen in den hohen, modernen Zimmern herum, dessen Parkettfußboden eine prächtige Schlitterbahn bil­deten, biS sie endlich heiß und rot, am Tisch faß, Friedchen auf dem Teppich, neben ihrem Stuhl, und Albert und Heinzel die Teller füllte. x

(Fortsetzung folgt im 4. Blatt.)