Erstes Blatt
Hanauer U Anzeiger
Bezugspreis:
vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gmeral-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
D-raniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 216
Fernsprechanschluß Nr. 605.
Mittwoch den 16. September
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1903
Amtliches Landkreis Banau.
Bklünntmachnnsjen des König!. Landratsamtes.
Unter Bezugnahme auf § 6 der Regierungs-Polizeiverordnung vom 2. Februar d. Js. — abgedruckt in Nr. 3 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" — wird der Religionslehrer H. Gans in Langendiebach als erprobter Schächter für das Schlachten von Vieh nach jüdischem Ritus auf Widerruf erklärt. Die dem Jakob Kanthal^ in Langenselbold für Langendiebach erteilte widerrufliche Genehmigung zum Schächten ist erloschen.
Hanau den 7. September 1903.
Der Königliche Landrat.
ZV Nr. 7051 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Konkursverfahren.
Ueber den Nachlaß des zu Hanau wohnhaft gewesenen Kaufmanns Friedrich Jung ist heute am 14. September 1903, nachmittags S1^ Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Heinrich Jost jr. in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 9. Oktober 1903» Erste Glânbigerversammlung am 9. Oktober 1903, vormittags 10 Uhr, Prüfungstermin am 23. Oktober 1903, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichts, Abt. 5, hier, Marklplatz 18, Zimmer Nr. 5. _ Hanau den 14. September 1903.
Der Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts Abt. 5. 16278
Hiss Stadt und £and.
Hanau, 16. Septbr.
* Eisenbahnverkehr. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat neuestens die Kgl. Eisenbahndirektionen auf eine Anzahl von Unzulänglichkeiten und Unbequemlichkeiten vieler Eisenbahnstationen aufmerksam gemacht und tunlichst baldige Abhilfe befohlen. So ist vielfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß bei den Fahrkartenschaltern keine Ein- r i ch t u n g e n getroffen sind, die den Reisenden beim Lösen von Fahrkarten das Ablegen von kleineren Gepäckstücken gestatten. Es sollen hierfür eiserne Untergestelle mit hölzerner Platte in passender Entfernung von den Fahrkartenschaltern zur Leitung des Zu- und Abtretens der Reisenden aufgestellt werden. Um ferner den Reisenden das Aufnehmen des zurückge- gebenen Geldes beim Lösen von Fahrkarten zu erleichtern und eine beschleunigte Abfertigung auf verkehrsreichen Stationen herbeizuführen, sollen die Schalter mit drehbaren Zahltellern ausgerüstet oder geriffelte dicke Glasteller oder Gummiplatten mit rauher Oberfläche auf den äußeren Schalterbänken befestigt oder andere geeignete Vorkehrungen getroffen werden. Auch sollen auf solchen Bahnsteigen, die von dem Empfangsgebäude und den Warteräumen weit abliegen und auf denen für die Reisenden die Gelegenheit fehlt, sich zu setzen und ihr Handgepäck abzulegen,' hölzerne Bänke und Gestelle angebracht werden. Auch dein Mangel von kleinen Schutz Hal len und Warteräumen auf nicht überdachten Bahnsteigen, die zugleich dem Winde sehr ausgesetzt sind, soll abgeholfen werden. Demgemäß hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eisenbahndirektionen veranlaßt, den erwähnten Bedürfnissen ihre Auf- samkeit zuzuwenden und auf eine allmähliche Ergänzung der Stationen aus den durch den Wirtschaftsetat überwiesenen Mitteln Bedacht zu nehmen. Für die Schutzhallen und Bänke auf den Bahnsteigen sollen die Anlagen derBer- uner Stadt- und Ringbahn und der Wannseebahn als Vorbilder dienen.
^^âü^uverbanÄ. Unter dem Vorsitze des Herrn ' verdurgermeisters Dr. Antoni-Fulda fand in Fulda am Sams- P eine Sitzung des Vorstandes des „Sparkassen-Verbands Mr dre Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck" na , m welchen beschlossen wurde, die diesjährige Haupiver- k k u ^ Verbandes am 10. Oktober d. Js. in Wiesbaden
1 Die Tagesordnung wurde wie folgt festgestellt: Zs Hoffnung, der Versammlung durch den Vorsitzenden Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschus-Hanan. 2. Erstattung des 'eimattsoerichts durch den Schriftführer, Herrn Stadtrat ^oebki erraffet, 3. Haushaltsplan, sowie Kassenbericht des Verbandes, vorgelegt von dem Nechnungsführer, Herrn Spar« lajjeu-^lrettor Wichmann-Eschwege. 4. Bericht der Rechnungs- revijoren. n. Ergänzungswahl des Vorstandes. 6. Das Marten-Zkonlroll-System der Nassauischen Sparkasse. Berichterstatter: Herr Gerichtsassessor a. D. Rensch, Mitglied der Direktion der Nassauischen Landesbank in Wiesbaden. 7. Ab- |
sührung der Zinsen des Reservefonds der Sparkassen an den Garantieverband. Berichterstatter: Herr Stadtrat Boedicker- Cassel. 8. Bewilligung von Amortisations-Hypotheken seitens der Sparkassen. Berichterstatter: Herr Sparkassen - Direktor Wichmann-Eschwege. 9. Die Spezialausstellung der städtischen Sparkasse in Cassel auf der Deutschen Stâdte-Ausstellung in Dresden. Berichterstatter: Herr Sparkassen-Rendant Hucke- Cassel. 10. Freie Besprechung von Fragen und Erfahrungen aus dem Sparkaffenverkehr. 11. Bestimmung des Ortes und des Zeitsunktes der nächsten Hauptversammlung des Verbandes nach § 8 der Satzungen.
* Lehrer-Bezirksversammlung. Heute Mittwoch den 16. d. M., abends ^29 Uhr, findet in der Brauerei Kaiser Lehrer-Bezirksversammlung statt. Tagesordnung: 1) Die allgemeine Volksschule; Referat des Herrn Hamburger II. 2) Besprechung der für die hessische Lehrerversammlung in Schmalkalden gestellten Anträge. 3) Wahl eines Delegierten und 4) Verschiedenes.
* Handwerkskammer. Im Nachgange zu unserer gebrachten Notiz betr. den Vertretertag von Innungen, Handwerker- und Gewerbevereinen am 20. d. M. in' Marburg machen wir noch darauf aufmerksam, daß die Verhandlungen nicht wie angezeigt um 3 Uhr, sondern bereits zwischen ll1^ und 12 Uhr eröffnet werden. An die Verhandlungen soll sich ein gemeinsames Mittagsmahl anschließen. An den Verhandlungen kann jeder Handwerksmeister teilnehmen.
* Neber die abnorme Witterung und den Verlauf des Sturmes in der letzten Woche gibt der Stockholmer Meteorolog Dr. Ekholm einige interessante Aufschlüsse. Am Dienstag abend hatte ein Unwetterzentrum westlich von Schott- land im Atlantischen Ozean gelegen, war dann ostwärts gegangen, über das mittlere Schweden gezogen und lag am Donnerstag abend im Bottnischen Meerbusen, von wo es nach Finnland ging. Der Unwetterwirbel, der besonders am Donnerstag große Kraft hatte, umfaßte das ganze nördliche Europa von Schottland bis zum Weißen Meer. Kaum hatte dieser Wirbel aber seinen Weg gemacht, als sich am Donnerstag abend im nordöstlichen Deutschland ein neues Unterwetter- zrntrum zeigte. Nähere Erklärung über diese Witternngser- scheinungen konnte Ekholm noch nicht geben, da in Schweden Beobachtungen" der höheren Luftschichten, wie sie u. a. in Berlin und Hamburg stattfinden, nicht gemacht werden. Es seien jedoch Hypothesen ausgestellt worden, die darauf ausgingen, daß die Witterungsverhältnisse in gewisser Beziehung zur Größe der Sonnenflekken oder zur verschiedenen Temperatur der Sonne ständen. Gegenwärtig herrsche ein ungewöhnliches Sonnenfieckenminimum, wie man es kaum seit Beginn des 19. Jahrhunderts erlebt habe. Jedoch seien die Sonnenflekken jetzt im Zunehmen, so daß ein Maximum im Jahre 1905 zu erwarten stehe. Dieser starke Wechsel der Sonnentemperaiur bewirke, wie man annehmen könnte, Unruhe in den Luftschichten und verursache Unweiterwirbel mit darauffolgenden: Regen. Besonders bei den tropischen Zyklonen seien Beobachtungen gemacht worden, die diese Annahme stützten.
* Die Gertchtsferien, welche am 15. Juli ihren Anfang nahmen, sind mit dem gestrigen 15. September zu Ende gegangen. Von diesem Tage ab wird Frau Themis wieher in gewohnter Weise ihres Amtes walten und somit die Rechts- pflege wieder ungestört auf allen einschlägigen Gebieten ihren Fortgang nehmen.
-£- Ausflug. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Klub „Schlaraffia" einen Ausflug nach Klein-Steinheim in die Lokalitäten des Herrn W. Kuschke, welcher sich, wie auch alle früheren Veranstaltungen genannten Klubs, einer recht zahlreichen Beteiligung zu erfreuen hatte, so daß der geräumige Saal dicht besetzt war. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Gustav Linn, begrüßte die Anwesenden und sprach den Wunsch aus, daß es ihnen gelingen möge, alle Anwesenden durch die vorgesehenen Darbietungen zufrieden zu stellen und denselben einige recht angenehme Stunden zu bereiten. Es wechselten nun in bunter Reihenfolge Konplets und humoristische Duette, welche von den Herren O. Steinmacher und P. Schleich recht wirkungsvoll zum Vortrag gelangten. Auch zwei sehr launige Theaterstückchen „Ich heirate meine Tochter" und „Eine Ueberraschung" trugen viel zur Erheiterung des Pnbli- kums bei, umsomehr, als auch die mitwirkenden Damen Jankowski, Mosler und Weißbrod sowie die Herren Linn und Bisdorf sich ihrer Aufgabe aufs beste entledigten. Selbstverständlich wurde auch Terpsichoren der nötige Tribut gezollt. Daß der Wunsch des Präsidenten voll in Erfüllung ging, dürfte wohl daraus hervorgehen, daß man nur ungern sich um Mitternacht zum Aufbruch rüstete und mit dem Bewußtsein, recht vergnügte Stunden verlebt zu haben, den heimatlichen Penaten zueilte.
* Abonnemeutskonzerte in der,,Eentralhalle".
Auch in diesem Jahre werden von den Unternehmern aus
Frankfurt 0. M. die gewohnten 6 Abonnementskonzerte hier wieder stattfinden und zu denselben nur erstklassige Künstler zugelassen. Um nun jedermann entgegenzukommen, so werden die Eintrittspreise im Abonnement bedeutend herabgesetzt. Für die in Aussicht genommenen Konzerte sind bereits bedeutende Künstler engagiert worden, darunter der hier mit so großem Beifall aufgenommene Violinvirtuose Willy Burmester, ferner zwei berühmte französische Sängerinnen, welche dieses Jahr überhaupt zum erstenmale in Deutschland auftreten, sowie noch andere erstklassige Künstler. Das 6. Abonnementskonzert bildet eine Art „Ueberbrettl-Konzert", zu welchem besondere Kräfte engagiert wurden, darunter die berühmte russische Sängerin Mary Wolff, welche gegenwärtig in Petersburg große Triumphe feiert. Die Abonnementspreise für alle 6 Tage sind folgende: Sperrsitz 12 Mk., 1. Platz 6 Mk., 2. Platz 4 Mk., Stehplatz 2 Mk. Das erste Konzert findet Mitte Oktober statt.
)( Wettspiel. Am vergangenen Sonntag den 13. ds. begab sich die erste Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 nach Aschaffenburg, um daselbst gegen die gleiche Team des Aschaffenburger Fußballklubs 1901 ein Wettspiel auszufechten. Um Viö Uhr nachm. nahm das Spiel, vom herrlichsten Wetter begünstigt und in Gegenwart einer mhlreichen Zuschauemienae, seinen Anfang. Inden ersten Minuten bedrängten beide Mannschaften abwechselnd das feindliche Tor, ohne jedoch einen Erfolg erringen zu können. Leider mußte das Spiel bereits nach 9<> Minuten Spielzeit unterbrochen werden, da durch einen äußerst scharfen Tritt der Ball platzte und ein Ersayball nicht zur Stelle Ivar. Nach einer Pause von ca. 20 Minuten, bi? ein anderer Ball beschafft war, konnte das Spiel seinen Fortgang nehmen. Nun zeigte sich eine geringe Überlegenheit der Hanauer und konnten dieselben durch schönes Zusammenspiel kurz hintereinander 2 Goal erringen, denen Aschaffenburg vor Half-Time nichts entgegen- ^uteeen vermochte. Mit diesem Resultat 2 : 0 zu Gunsten Hanaus wurden die Seiten gewechselt. Aschaffenburg hatte eine Umstellung JtM .Mannschaft vorgenomMn, indem es die Stürmerreihe verstärkte, aber dadurch wurde die Verteidigung bedeutend geschwächt und konnte es nicht verhindert werden, daß Hanan bereits nach kurzer Zest zum drittenmal einfaubte. Nun legte sich aber auch Aschaffenburg mächtig ins Zeug, um die erlittene Scharte'wieder auszuwetzcn. Es gelang den Stürmern auch tatsächlich, in kurzer Zeit 2 Goal zu erringen. Durch diesen Erfolg der Gegner angcsponiß letzte auch Hanau sein ganzes Können ein, um den nur uock geringen Vorsprung zu vergrößern. Die Bemühungen sollten nicht ohne Erfolg bleiben, denn durch einen sehr scharten Fehltritt des einen Berteidigers Aschaffenburgs flog der Ball ins eigene Goal. An diesem Resultat wurde bis zum Schlup nichts mehr geändert und endigte das schöne und interessante Wettspiel mit 4 : 2 Goal zu Gunsten Hanaus.
* Ueber eine rätselhafte Geschichte berichtet das lozialdemokralische Organ: „Vorgestern schickte der Ziseleur Andreas Morgenweck die Frau des Taglöhners Heinrich Geier zu dem Goldtoxalor der Leihbank Herrn Th. Lieber mit einer schweren Uhrkelte. Der Taxalor bescheinigte, daß die Kette aus gutem Gold sei und verschloß das Paket. Da die Frau etwas lange ausblieb, schickte ihr Morgenweck ihren Mann entgegen, der auch das Päckchen brachte. Nun gingen die beiden in einen Laden und tranken ein Glas Bier, wobei Morgenweck sich das Päckchen zeigen ließ. Dann ging Geier auf die Leihbank, um die Kette zu versetzen. Dort stellte sich heraus, daß die echie Keile mit einer unechten vertauscht, mithin ein Betrug geplant war. Das Auffallende ist aber, daß das Päckchen scheinbar unversehrt war; es ist daher unbegreiflich, wie der Tausch erfolgt sein konnte. Die Beteiligten bestreiten entschieden, die Kette vertauscht zu haben. Die Polizei ist eifrig bemüht, Licht in die Sache zu bringen. Es sollen sogar bereits Verhaftungen erfolgt sein." —Diese rätselhafte Geschichte, von der wir gleichfalls Kenntnis erhielten, hat sich nach den von uns eingezggenen Informationen jedoch aufgeklärt. Der Verdacht lenkte sich sofort auf den genannten Morgenweck, der auf Vorhalt und in die Enge getrieben, eingestand, den Umtausch vollzogen zu haben. Die betreffende goldene Kette, welche einen Wert von 90 Mk. besitzt, wurde auch bei einer Haussuchung in seiner Wohnung gefunhen. Unaufgeklärt bleibt allerdings vorerst, auf welche Weise es der Morgenweck ermöglichte, den Verschluß des Taxators von dem Paket unauffällig zu entfernen und wieder anzubringen. Der Morgenweck, welcher schon manches auf dem Gewissen hat und sich auch an einer s. Zt. in Fulda verübten Einbruchsaffaire beteiligte, wurde in Haft genommen.
* Mitleid erregend ist es für die Bewohner der Steinheimerstraße, an der Ecke der Langstraße. schon seit Wochen täglich eine Taube zu sehen, der ein Bein scheinbar stark verletzt und in Eiterung übergegangen ist. Der betreffende Teil des Beines hängt mit dem anderen Teile nur lose zusammen. Vielleicht nehmen die dortigen Taubmeigentümer Veranlassung, ihren Bestand einmal nachzusehen und dann, falls das Tier ihnen gehört, sich desselben anzunehmen.
O Lairgeirselbolv, 16. Septbr. (®olbene $odj= 3 e i t.) Am vergangenen «Sonntag feierten Herr eattlermeifter Wilhelm Barthel I. nnd Frau Karoline geb. Gönner hier- selbst das Fest der goldenen Hochzeit. Durch Herrn Pfarrer nufnagel hierselbst wurde dem Jubelpaare ein von Sr. Maze- slül dem Kaiser gestiftetes Geschenk von 30 Mk. mit einer den St feierten zu Herzen gegangenen warmen Ansprache überreicht.