Erstes Blatt
nauer
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Geueml-Auzkiger
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Serantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 209
Fernsprechanschluß Nr. 605
Dienstag den 8. September -
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1903
Amtliches.
Lanck^reis Banau.
Belanütmachnngen des Königs. Landralsamtes.
* Die Schweirrerotlattfseuche in der Gemarkung Mainaschaff ist erloschen.
Hanau den 5. September 1903.
Der Königliche Landrat.
J V Nr. 7110 I. A.: Conrad, Kreissekreiâr.
âS Stadt und Eand.
HansM, 8. Sepibr.
Geschichts-Kalender.
8. September.
1767, Der Dichter A. W. v. Schlegel, Führer der romantischen Schule, zu Hannover geboren.
,1778. Clemens Brentano in Chrenbreitstcin geboren.
1796. Napoleon Bonaparte schlägt die Oesterreicher unter Wurmser bei Bassano.
1809. Die Werbung im Ausland für die preußische Armee wird abgeschafft.
1866. Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt den Gesetzentwurf betreffend die Einverleibung Hannovers, Hessens, Nassaus und Frankfurts a. M. an.
1870. Einberufung der französischen Wahlkollegien zur Einberufung einer Nationalversammlung.
* MÄchetrstEL. Die diesjährige zu erhebende Kirchensteuer findet auch wie voriges Jahr ohne eine weitere Erhöhung statt, 5% nach der Staatseinkommensteuer.
* Die Einweihung der neuen ev. Kirche zu Orb findet Donnerstag den 10. d. Mts., mittags ll1^ Uhr, statt. Nach dem Festakte ist ein gemeinschaftliches Mittagsmahl im Kurhause in Aussicht genommen.
* Obsikänfs in der Wetteran. Seit einiger Zeit halten sich mehrere Obsthändler von auswärts in der Wetterau auf, um unreife Zwetschen zur Schnapsbereitung anzukaufen. Der Zentner wird mit 3 Mark bezahlt. In welcher Menge diese Frucht herbeigeschafft wird, ergibt sich daraus, daß dieselben täglich waggonweise, der Waggon zu 300 Zentner, abgesandt werden. Wenn es noch etliche Tage so weiter geht, dann braucht man sich nicht mehr auf das beliebte und gesunde Zwetschenmus und den berühmten Wetterauer Zwetschenkuchen zu freuen.
* WiVistss Holz. In den Wäldern bei Neuenhaßlau hat das letzthin in hiesiger Gegend vorgekommene Sturm-
Feuilleton,
Bor Hennig Jahren.
12. Von Leipzig bis an den Rhein.
Die Verfolgung der geschlagenen und zum Teil in Auflösung zurückflütenden französischen Armee ging leider nicht so nachdrücklich von statten, wie es erwünscht gewesen wäre. Nur Blücher machte das Wort wahr, daß man „den Ausreißern in die Hacken beißen" müsse. Das Dorcksche Korps blieb dicht am Feinde. Bei Freyburg geht Napoleon über die Unstrut, aber schon donnern die Kanonen Porcks. Mit Mühe bringt Napoleon seine Garden zum Stehen; sie leisten mann- hafteN'Widerstand; aber in regellosen Scharen reißt der Strom der Flüchtlinge alles andere mit sich fort, und viele fanden den Tod im Wasser der Unstrut.
Immerhin gewann Napoleon nach dem Gefecht bei Freyburg soviel Vorsprung, daß er vorläufig nicht einzuholen war. Bei Hana u stellten sich jetzt die auf Seiten der Verbündeten kämpfenden Bayern unter General Wrede den Franzosen entgegen, wurden aber von Napoleon, der mit rasch gesammelten Kräften energisch zum Angriff vorging,, geworfen. So verließ der Franzosenkaiser Deutschland fast mit einem Siege; es gelang ihm, mit 70 000 Mann und 200 Geschützen das sran- zösische Gebiet zu erreichen. — In Deutschland waren noch zahlreiche Städte und Festungen von den Franzosen besetzt, so Danzig, Stettin, Glogau, Dresden, Torgau, Wittenberg, Magdeburg, Hamburg, Wesel und Mainz. Starke Heeresabteilungen der Verbündeten wurden zur Belagerung und Einschließung dieser Festungen entsendet, so Tauentzien zur Eroberung der Elb-Festungen. Der Kronprinz von Schweden wandte sich gegen das mit Frankreich verbündete Dänemark, Bülow sollte Holland von den Franzosen befreien.
Äw; es in den von den Franzosen besetzten Festungen
Unwetter eine Holzmenge gefällt, wie ähnliches seit Jahrzehnten nicht vorzekommen ist.
* Obstverwertung. Nach dem Wochenbericht der Zeniralstelle für Obstverweriung Frankfurt a. M. für die Zeit vom 31. August bis 5. September dauert die günstige Geschäftslage fort. Angebote laufen in Menge ein, namentlich in Zwetschen aus Bayern. In Aepfeln und Birnen ist es noch ruhig. Die angezeigten Umsätze erstrecken sich meistens auf Kernobst, speziell Zwetschen, von denen allwöchentlich meist über 100 Waggons gekauft werden. Die Durchschnittspreise betrugen: Mirabellen 25—28 Mk., Reineklauden 18—20 Mk., Melbeeren 14-15 Mk., Frühäpfel 10-20 Mk., Frühbirnen 12—25 Mk., Pfirsiche 30 Mk., Zwetschen (in Waggonladungen) 4Vi—5 Mk. per Zentner.
â Sommsrtheater. Morgen, abend bringt die Direktion ein neues Vocksstück „Am Tage des Gerichts", zur Aufführung. Es ist dies das einzige dramatische Werk des bekannten österreichischen Volksdichters K. P. Rosegger, welcher erst kürzlich aus Anlaß seines 60. Geburtstages in ganz Deutschland und Oesterreich gefeiert und geehrt wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde auch von vielen Bühnen obiges Stück zur Aufführung gebracht, das überall den größten Erfolg erzielte. Herr Dir. Henß hat zur hiesigen Aufführung noch in Herrn und Frau Kraus vom Sommertheater in Bockenheim zwei tüchtige Kräfte gewonnen und dürfte somit wohl auch hier der Erfolg nicht ausbleiben. Wir machen somit alle Freunde und Verehrer des Dichters sowie eines guten Volksstückes ganz besonders auf diese Vorstellung ausmerksam.
* Stiftungsfest. Samstag den 12. d. Mts. Hält der Verein „Hessischer Bund" in den Sälen zur Harmonie sein 9.^.Stiftungsfest verbunden mit Abendunterhaltung und Ball ab. Daß der Verein es versteht, Feste zu feiern, hat er durch seine früheren Festlichkeiten glänzend bewiesen, somit hat genannter Verein es sich auch dieses Jahr zur Aufgabe gemacht, seinen werten Besuchern durch ein reichhaltiges Programm einige genußreiche Stunden zu bereiten. Zur Verherrlichung des Abends sind einige tüchtige Kräfte eines bewährten Zittervereins gewonnen worden und der humoristische Teil liegt in bewährten Händen. Da der Eintrittspreis von 50 Pfg. ein geringer ist, steht den Besuchern ein genußreicher Abend in Aussicht.
* Sithleteufport. Bei dem am 23. August staiige- fundenen Kreisfest in Worms errang das Mitglied Jean A l t vom Athletenklub „Germania" den 44. Preis im Stemmen 4. Klasse mit 60 Punkten. Dieses ist umsomehr erfreulich zu nennen, als Jean Alt erst im 16. Jahre steht. Ferner sei bemerkt, daß das Mitglied Peter Schnee, welcher längere Jahre sich an Wettstreiten nicht beteiligt hat, am Sonntag den 6. September in Aschaffenburg in der 2. Klasse den 7. Preis errang.
herging, davon liefert das schwergeprüfte Torgau ein Beispiel, dessen Chronik also berichtet:
Kommandant von Torgau war Graf Narbonne, ein Neben- sprößling aus dem alten Königstamme der Bourbonen. Den 4, Dezember 1813 nabm das Bombardement seinen Anfang. Die Feuerkugeln verbrannten 10 Wohnhäuser, während die Einwohner unter festen Gewölben Schutz suchten. Furchtbarer aber war die Seuche; ein großes französisches Feldlazarett war in Torgau untergebracht, tausende und abertausende von Kranken und Verwundeten. Täglich starben Hunderte von ihnen, wurden in großen Gruben übereinander geworfen und oberflächlich mit Erde bedeckt. Luft und Waffer waren so verpestet, daß die Einwohner in Masse dahinsiechten und starben, elfhundert von den fünftausend Bewohnern. Auch der Kommandant erlag der Seuche; in einer Bastion der Festung ist seine Ruhestätte mit einem Denkstein bezeichnet. Am 10. Januar 1814 zogen, jubelnd begrüßt, die Preußen ein.
Am Niederrhein wurde Bülow überall mit Freuden empfangen, die Bewohner von Cleve und von der Grafschaft Mörs scharten sich begeistert wieder um den preußischen Adler. Sodann drang Bülow siegreich in Holland vor, seine Avantgarde unter Oppen nahm in stürmischem Anlauf die Feste Arnheim. Die Holländer hatten eine Volksbewaffnung ins Werk gesetzt, die dem feurigen Bülow gar zu langsam zustande kam, sodaß er unmutig äußerte: „Die Holländer sind gut, aber ihr Käse ist besser; sie unterstützen uns mit scharfem Genever statt mit scharfen Waffen." Uebrigcns schreckte schon Bülows weit und breit gefürchteter Name die Feinde, sodaß er kühn und rasch vorgehen und mit seinen vortrefflichen Truppen die gewagtesten Unternehmungen auszuführen vermochte.
Blücher ging auf der Straße nach Frankfurt a. M. vor und gönnte seinen Soldaten weder Rast noch Ruhe. Auf Befehl der Heeresleitung mußte er dann über die Wetterau durch das Lahntal marschieren, 14 Tage lang ohne Ruhetag, die Truppen abgerissen und ermattet, das Schuhzeug in trau-
V Humoristische Arbeiten. Ab 1. September er scheint in der Berliner Halbmonatsschrift „Der deutsche Kaufmann" eine humoristische Arbeit des Herrn C. Kohlhepp- Hanau: „Brüder in Merkur". Es heißt bei Beginn des Abdrucks darüber: „Wir machen auf die hier folgenden „Lustigen Erinnerungen aus dem Handelsleben" ganz besonders aufmerksam; wir können den Lesern wirklich heitere Stunden bei der Lektüre dieser Humoresken versprechen. Der Autor besitzt manches von dem urwüchsigen Boz Dickens'schen Humor, der seinerzeit von England aus das Lachen der ganzen gebildeten Welt entfesselte."
* Rudersport. Am Sonntag nachmittag versammelte sich eine große Anzahl Freunde und Anhänger des Rudersports am Bootshause unserer Rudergesellschaft, um den Wettkämpfen, die unter den Mitgliedern ausgefochten wurden, bei- zuwohnen. Die einzelnen Rennen legten Zeugnis von echtem Sportgeist ab. Obgleich eine fast erdrückende Hitze herrschte, wurden sämtliche Rennen zähe durchgefochten. Die Klubmeisterschaft im Einer gewann Herr Albert Feger nach anfänglich scharfem Bord an Bordrennen gegen zwei alte erfolg- r-iche Skuller mit einer guten Länge. Herr Feger, noch nicht ganz 18 Jahre alt, betreibt erst seit März d. Js. den Rudersport und konnte, nachdem er sich schon im Vierer als tüchtig erwies, in sehr kurzer Zeit in dieser schwierigen Bootsgattung ausgebildet werden, sodaß er die Farben der Rudergesellschaft in Frankfurt, beim Mainpokalrennen, würdig vertreten konnte. Im Juniorviererrennen blieb eine Mannschaft der Schülerabteilung des hiesigen Gymnasiums Sieger. Zu einem äußerst interessanten Kampfe gestaltete sich das Seniorviererrennen, indem eine junge, aber gut vorbereitete Mannschaft eine sehr tüchtige Seniormannschast im. Endkampf mit einer Viertellänge bezwang. Die imposante Auffahrt eines Achters, dreier Vierer, eines Zweier und zweier Einser bildete einen würdigen Abschluß.
* Golsene Medaille. Auf der diesjährigen internationalen Hunde-Ausstellung zu Bremen wurde der Firma J.^ G i o t b in Hanau für vorzügliche Erfolge bei Akarus- Rände, Räude und sonstigen Hautkrankheiten bei Hunden und anderen Haustieren für Obermeyer's Panakeia-Seife die goldene Medaille nebst Diplom zuerkannt. Das Diplom kommt im Schaufenster des Herrn Slaßen dahier zur Ausstellung.
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2 Kilianstädten, 7. Septbr. (Körperverletzung.) Ju. der Himmelfahrlsnacht zwischen 11 und 12 Uhr waren verschiedene junge Leute von hier auf der Heimkehr begriffen. Der. Arbeiter R. geriet mit den andern in Streit, griff zum Messer und stach blindlings in den Haufen hinein. Das Opfer war seine eigene Schwester, welcher der Stich in den Kopf gegangen war, glücklicherweise ohne schlimme Folgen zu
rigstem Zustand. Und doch erhielt sie ihres Vater Blücher unablässiges Vorwärts bei gutem Mut und in ungcschwâchter Kampfesfreudigkeit.
Langsamer verfolgte die Haupiarmee unter Schwarzenberg ihren Weg durch Schwaben nach dem Oberrhein.
Anfang November befand sich das große Hauptquartier in Frankfurt. Der Rheibund hatte sich allmählich aufgelöst, die verjagten deutschen Fürsten kehrten einer nach dem andern zurück; unter Steins Leitung wurde die Verwaltung der von den Franzosen geräumten Gebiete neugeordnet.
Aber die diplomatischen Winkelzüge nahmen kostbare Zeit weg. Fing man doch sogar an, mit Napoleon, her, in aller Ruhe das linke Rheinufer besetzt hielt, zu unterhandeln, ihm Anerbietungen zu machen. Alpen, Pyrenäen und Rhein wurden ihm als Grenzen Frankreichs in Aussicht gestellt. Glücklicherweise schlug der immer noch dreiste Franzosenkaiser dieses mehr als großmütige Anerbieten aus.
Blücher war außer sich, als er von diesen Verhandlungen hörte und sprach von „Schuften, die den Galgen verdienen". Nun wollte man ihn überdies mit der Belagerung von Mainz beauftragen, statt die schlesische Armee mit fliegenden Fahnen nach Frankreich hinein zu werfen; da erschien Blücher im Hauptquartier und fuhr mit zornigem Wettern unter die „Federfuchser". Vorwärts müsse man eilen, unaufhaltsam vorwärts, solange sich die feindliche Armee in völliger Auflösung befinde. Stein unterstützte Blüchers Willensmeinung, und endlich entschloß man sich zum weiteren Vorgehen. Damals schrieb Blüchers Stabschef, Gneisenau, an Boyen: „Ich habe diese Diplomaten bei meinem Aufenthalt in Frankfurt kennen gelernt. Wenn die Generale sie nicht fortreißen, so machen sie das albernste Zeug. Nach Paris zu gehen und dort den Frieden, wie wir ihn haben müssen, vorzuschreiben, ist ihnen rasende Verwegenheit." Als am 1. Dezember die Verbündeten eine Kundgebung erließen, in welcher die Fortsetzung des Krieges feierlich erklärt wurde, rief Blücher dem Staatskanzler Hardenberg zu : „Auf Wiedersehen in Paris i"