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Erstes Blatt.

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General-Anzeiger.

Amtliches Organ fit Mt- md Landkreis Kanan

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Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

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Geskhichts -Kalender.

2t. August.

1400. Ruprecht von der Pfalz wird zum deutschen König ge­wählt.

1798. Der französische Geschichtsschreiber Jules Michelet in Paris geboren.

1815. Konvention zwischen den Großmächten über die Gc- fangenhaltung Napoleons.

1838. Der Dichter Adalbert v. Chamisso in Berlin gestorben.

1870. Gefecht der KorvetteNymphe" mit französischen Kriegs­schiffen in der Putziger Bucht.

1872. Entdeckung des Kaiser Franz Josef - Landes am Nordpol.

69. Jahresversammlilng des Vereins für hessische Geschichte mid Landeskunde.

(Von unserem Korrespondenten.)

-x. Wolfhagen, 20. August.

Den heutigen dritten und letzten Tag der Hauptversamm­lung füllte ein Wagenausflug nach der Weidelsburg aus. Um acht Uhr früh setzte sich der stattliche Wagenzug es waren etwa 14 Leiterwagen, Landauer und Breaks in Bewegung und fort gings, unter lustigem Trompetengeschmeiter hinein in den lachenden Morgen. Die stets wechselnden herrlichen Bilder zeigten uns unser Heffenländ in seiner ganzen wundervollen Schönheit. Nach etwa einstündiger Fahrt langte man auf der ernsten, majestätischen Weidelsburg an. Hier hielt Herr SauüiU^^ f-Cassel einen hochinteressanten, Vortrag über die Geschichte der Burg. In den schönen poetischen Vortrag verstand Redner eine ganze Reihe der schönsten Sagen, die unsere hessischen Berge umgeben, zu ver­weben. Eine sehr sinnige Ueberraschung bereitete Fräulein Köhler-Cassel den Ausflüglern. Sie entstieg plötzlich als Berggeist der Ruine und sprach in gebundener Rede die Gäste an. In außerordentlich geistreicher Weise feierte sie Herrn Architekt Schäfer, den Wiederhersteller der Burg, Herrn Bürger­meister Schneider und den Redner des Tages, Herrn Dr. Schwarzkopf. Der liebenswürdige Spuk bereitete allen eine herzliche Freude. Für das leibliche Wohl der Gäste hatte der unermüdliche Bürgermeister in der weitgehendsten Weise ge­sorgt. Und so entfaltete sich gar bald ein fröhlicher Trubel auf der alten Feste, wie in jener Zeit, da noch die starken Wedelsberg hier oben hausten. Ach zu bald tönte das Signal zur Abfahrt. Gegen 1 Uhr mittags langte man wieder in Wolfhagen an. Die Mehrzahl der Erschienenen trat nun die Heimreise an. Auf dem Bahnhof erhielt ein jeder noch als Angebinde einen der berühmten Wolfhagener Zwiebäcke, denen

Kleines Feuilleton.

Es zogen Drei Burschen wohl über den Rhein!" Aus Ilmenau wird derFrkf. Z." geschrieben: Man kennt die Thüringer Waldgemeinde Gabelbach, die sich 'cen Luxus leistet, einen Gemeindepoeten anzustellen, ein Amt, M nur an Dichter von Rang und Namen verliehen wird. So war Scheffel Lis zu seinem Tode der Gemeindepoet von Gabelbach, Rudolf Baumbach wurde sein Nachfolger. Aber auch von unbekannten Poeten wird die Gemeinde Gabelbach gelegentlich mit poetischen Sendungen bedacht. So ging ihr dieser Tage von einem Touristen folgendes Gedicht zu:

Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein,

Bei einer Frau Wirtin da kehrten sie ein.

Frau Wirtin, bringt's kalten Aufschnitt herein,

Wo ist denn Emilie, Ihr Töchterlein?"

Mein Aufschnitt ist kalt und scharf der Senf,

Emilie studiert Medizin jetzt in Genf!"

Ftan Wirtin, den Mosel nnd Rheinwein uns bring'.

Wo ist denn die Alma, das schmuckrige Ding?"

Mein Mosel ist süffig, gar süß ist der Most,

Die Alma telephoniert bei der Post!"

Da fragten die Burschen, sehr traurig gesinnt:

Wo ist denn das Aen nch en, das drittälteste Kind?"

Das Aennchen amtiert als Buchhalterin, Ist Typewritcr-Mamsell auf der Schreibmajchin!"

Da schimpften die Burschen. Nicht fein war es grad',

Und traten in Stücke den Bicrautomat.

Sie fluchten auf solch ein unwirtlich Dach

Und sprachen: Nun geh'n mev nach Gabelbach!

Da bringt Marie das Bier noch mit Spaß,

Da bringt uns die Rosa die Wurst und den Kas.

Und sagt ihr zu Fanny, sie solle studieren, Bauz, bau;, da würde ein Unglück passieren.

An Poesie ist die Welt jetzt so leer!

Auf Gabelbach nur geht es ehrlich noch her!"

Freitag den 21. August

die Bewohner des Städtchens ihren Spitznamen verdanken. Herr General Eisentraut dankte nochmals dem Kreise und der Stadt Wolfhagen und denen, die an ihrer Spitze stehen. Er schloß mit einem Hoch auf den Bürgermeister, worauf dieser durch ein Hoch auf den Verein und seinen Vorsitzenden er­widerte.

Die Klänge des LiedesMuß i denn" begleiteten den Zug zum Bahnhof hinaus.

Hus Stadt und £and.

Hanau, 21. August.

* Auf Grund des neuen Fürsorge-Erzlehungs- gesetzes, durch welches die Altersgrenzen wie die sonstigen Bedingungen für das Eintreten der staatlich zu überwachenden Erziehung wesentlich erweitert worden sind, wurden im Be­richtsjahre, dem ersten seiner Geltung, 7787 Minderjährige, darunter 2838 Mädchen, der Fürsorge-Erziehung überwiesen, das sind 6283 mehr als im Jahre 1900 nach dem früheren Zwangs-Erziehungsgesetze in staatliche Erziehung genommen wurden. Vom Hundert der Gesamtzahl waren 6,5 noch nicht 6, 36,1 6-12, 57,4 12-18 Jahre alt. Ferner gehörten 62,6 v. H. der evangelischen, 36,8 der katholischen, 0,5 der jüdischen und 0,1 einer anderen Religion an. Noch nicht schulpflichtig waren 7,0, schul­pflichtig 61,1 und schulentlassen 31,9 v. H. Aus Preußen stammten 97,2 v. H., aus anderen deutschen Staaten 2,4, aus dem Auslande 0,4. Unehelich geboren waren 17,3. gerichtlich bestraft 26,3 v. H. Vom Hundert der Ursachen der Überweisung folgte. 31.5^ , oher leiblichen Wohles des Kindes durch schuldhaftes Verhalten der Eltern, 14,0 Begehung einer strafbaren Handlung seitens eines dieserhalb strafrechtlich nicht zu verfolgenden Minder­jährigen und 48,5 Unzulänglichkeit der erziehlichen Einwirkung der Eltern oder der Schule. Bei 1009 Zöglingen lagen je mehrere der gedachten Ueberweisungsursachen vor. Am Schlüsse des Berichtsjahres waren 6356 Ueberwiesene in Pflegestellen untergebracht, und zwar 69,6 v. H. in zumeist privaten Anstalten, 30,0 in fremden Familien und nur 0,4 in der eigenen Familie.

* Erhebungen über die Kinderarbeit. Im Zusammenhangs mit der Beratung des Kinderschutz- g e s e tz e s ersuchte der Reichstag den Reichskanzler, Er­hebungen über den Umfang und die Art der Lohnbeschäftigungen von Kindern im Haushalt, sowie in der Landwirtschaft und ihren Nebenbetrieben anzustellen, dazu mit den Landesre­gierungen in Verbindung zu treten und die Erhebungen dem Reichstage mitzuteilen. Wie dieTâgl. Nundsch." hört, sind die Erhebungen eingeleitet.

Friedrich Dieteriei f. Der bekannte Orientalist Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Friedrich Dieteriei, der älteste Dozent

Friedrich Licwrflc:.

der Berliner Universität, der durch 57 Jahre der philosophischen Fakultät angehört hat, ist gestorben. Er wurde in Berlin als ältester Sohn des Nationalökonomen Wilhelm Dieteriei ge­boren. Er besuchte das Friedrich-Werdersche Gymnasium und kam, gleich vielen anderen, erst auf dem Umwege von der Theologie zum Studium, der orientalischen Sprachen. Sein Hauptgebiet war von jeher die Arabische. Er besuchte die Universitäten seiner Vaterstadt, sowie von Halle und Leipzig. Vor 55 Jahren führte sich Dieteriei als Privatdozent in Berlin ein und unternahm hierauf eine Studienreise nach dem

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

1903

* Der Kaiser in Mainz. Der Kaiser trifft nächsten Montag, vormittags kurz nach 8 Uhr, über Alzey kommend am Bahnwärterhäuschen bei der Gastell'schen Fabrik in Mainz ein, wo er den Zug verläßt und sein bereit gehaltenes Pferd besteigt , um sofort nach dem großen Sand zur Truppenschau zu reiten. In die Stadt begibt sich der Kaiser nach Beendi­gung der Uebung über die Wallstraße, Bingerstraße und Große Bleiche nach dem Großherzoglichen Palais.

* Hoftafel. Die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebe- s ch u s und Handelskammer-Präsident C a n t h a l sind zum 28. ds. nach Cassel zur Hoftafel geladen.

* Militär-Personalien. Aly, Leutnant im 71. Feldartillerie-Regiment, in dem Kommando zur Dienstleistung von der Pulverfabrik bei Hanau zur Geschsßfabrik übergetreten. Vom 1. Oktober d. I. ab auf ein Jahr zur Dienstleistung kommandiert: Schwacke, Leutnant im 10. Fußartillerie- Regiment, zur Pulverfabrik bei Hanau. Zu Leutnants wurden befördert die Fähnriche: Fischer im Inf.-Regt. Nr. 166 und Riedesel Frhr. zu Eisenbach imUlanen-Regi- ment Nr. 6.

* Ein Liebesdrama hat sich vorgestern abend in der Nähe der Offenbacher Schleuse abgespielt. Am Fechenheimer Mainufer hatte sich schon den Nachmittag über ein junges, gutgekleidetes Liebespaar aufgehalten und die Aufmerksamkeit des Schleusenwärters sowie eines Schäfers, der dort seine Herde weidete, erregt. Plötzlich bei Einbruch der Dunkelheit, etwa um 3/48 Uhr, bemerkte man, wie sich die beiden in das Wasser stürzten. Da sofort Hilfe zu Stelle war, gelang es bald, zunächst den jungen Mann zu retten; dagegen dauerte dieBerguug des Mädchens, welches bereits etwas abseits ge­trieben war, einige Minuten länger. Leider erwiesen sich die Versuche, sie ins Leben zurückzurufen, als vergeblich. Die Leiche des etwa 23jährigen Mädchens, einer Friseuse namens Maria Romjuweit aus Berlin, wurde auf den Oberräder Fried­hof verbracht. Der gerettete junge Mann, der Friseur Georg Majunke aus Berlin, der gleichfalls erst 23 Jahre alt ist, wurde nach Frankfurt verbracht. Derselbe gab an, daß sie beide durch Erwerbslosigkeit und Krankheit zu dem Entschluß gekommen seien.

* Mainwasserwärme vom 20. August: Morgens 13, mittags 131/«, abends 14 Grad.

* Das Scklufzkapitel einer romantischen Reife. (Eingesandt.) Wie uns mitgeteilt wird, beruht das verbreitete Gerücht, Herr W. habe mit der Einnahme des Sommerfestes der freiwilligen Feuerwehr Kolonie-Kesselstadt das Weite ge­sucht, gänzlich auf Unwahrheit, indem der angeblich fehlende Betrag von der Gattin des Betreffenden bei diversen Vereins- Utensilien mit den nötigen Belegen vorgefunden und sofort an das Kommando abgeliefert wurde. Wir empfehlen daher jeder-

Orient. 1850 wurde er zum außerordentlichen Professor er­nannt; er war zuletzt der Senior unter den Extraordinarien der philosophischen Fakultät und übte noch rüstig seine Lehrtätigkeit aus. Der Schwerpunkt seiner Wirksamkeit lag nicht so sehr im Lehren wie im Forschen. Das hat seinen Grund in dem Sondergebiete, worin Dieteriei zu lehren berufen war. Als Forscher aber.hat Dieteriei auf seinem Gebiete Namhaftes ge­leistet. Mit Bienenfleiß lag er der Erforschung des arabischen Schrifttums ob. Die Hauptarbeit Dietericis wurde die Er­forschung der arabischen Philosophie.

Kleine Gewächshäuser. Es ist nicht jedem Gärtner oder Gartenfreunde vergönnt, sich große Gewächshausanlagen, die wir oft bewunderten, anzulegen. Der eine hat kein Geld dafür, der andere keinen Platz und keinen Bedarf, und der dritte möchte sich nicht unnötig mit fremden Leuten herum­ärgern. Ja, ein kleines Gewächshäuschen, das man selbst be­sorgen kann, darüber ließe sich reden. Zwei solcher Gewächs- häuschen sind in der neuesten Nummer des praktischen Rat­gebers im Obst- und Gartenbau Frankfurt a. O. ab­gebildet. Das Geschäftsamt genannter Gartenzeitung hat sich zu kostenloser Zusendung dieser Nummer an diejenigen unserer Leser erboten, die auf einer Postkarte einen bezüglichen Wunsch ausdrücken. Das erste der beiden preisgekrönten Gewächs­häuser gehört einem Berufsgärtner und ist von ihm selbst mit einfachsten Mitteln erbaut. Das zweite Gewächshaus ist Eigentum einer begeisterten Gartenfreundin, die sehr richtig sagt, daß ein Berufsgärtner andere Forderungen an ein Ge­wächshaus stellt als der Gartenfreund, und die eingehend Einrichtung und Behandlung ihres schmucken Hauses schildert. Genaue Zeichnungen und Abbildungen ermöglichen jedem, nach diesen beiden Vorbildern zu arbeiten und sich an ihnen zu erfreuen.

0 Die Erbse im Volksuiundc.

Die Erbse, deren wohlschmeckende Frucht Garten und Markt in dieser Zeil liefern, war in Deutschland schon sehr