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anauer G Anzeiger

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General-Anzeiger

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Für Stadt- und Landkreis Hanan 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg.,

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, cv Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ sm Stadt- and Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Är» 182 Fern -re i aus tnß dir. 605»

Freitag den 7. Auaust

Ferns-rechanschlnß Nr. 605,

1903

Anttliches.

Landkreis Danau.

Bekanntmachunsien des Kömql. Landratsamtes.

Ergibt sich im Laufe einer Bauausführung die Notwendig­keit, von dem genehmigten Plan abzuweichen oder wird be­absichtigt, Aenderungen vorzunehmen, so ist für diese Ab­weichungen oder Aenderungen in derselben Weise die Genehmi­gung nachzusuchen, wie es hinsichtlich des bereits genehmigten Baurisses geschehen ist. Hierbei ist es gestattet, sofern es sich nur um geringe Abweichungen oder Aenderungen handelt, den bereits genehmigten Bauriß verwenden zu dürfen. Indes ist es unstatthaft, diese Abweichungen oder Aenderungen in dem Bauriß selbst zu bewirken, da hierdurch nicht allein die Deut­lichkeit der ganzen Zeichnung leidet, sondern auch das Bild des ursprünglich genehmigten Planes verwischt wird. Die Ab- weichuugen sind vielmehr stets auf besonderen Klappen darzu­stellen und auf den Bauriß so aufzukleben, daß es ersichtlich ist, auf welche Stellen des letzteren sie sich beziehen.

Anträge, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen, sind von den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern fortan ohne weiteres zurückzuweisen. Die Interessenten ersuche ich, in geeigneter Weise auf diele Bekanntmachung hinzuweisen.

Hanau den 31. Juli 1903.

Der Königliche Landrat.

B 1554 v. Beckerath.

NM Stadt und £and*

Hanau, 7. August.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Herleshausen nebst Ortsbereich ausgedehnt worden.

* Gustav Adolffest in Langenselbold. (Einge­sandt.) Von berufener Seite wird sicherlich nicht versäumt werden, über den schönen Verlauf des am 4. und 5. in Langenselbold abgehaltenen Gustav Adolffestes des Casseler Hauptvereins ausführlich zu berichten. Einsender können es sich aber trotzdem nicht versagen, auch hier noch auf einige erhebende Momente bei dieser Feier besonders hinzuweisen. Trug schon die plötzlich cingetreiene günstige Witterung gewiß viel zur guten Gemüts- und Feststimmung bei, so berührte doch besonders angenehm das allseitig freundliche Entgegen­kommen, die gute Ausnahme seitens der Bewohner, die fast ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses es sich nicht hatten nehmen lassen, auch durch überaus reiche Ausschmückung der Häuser je. ihr Interesse an der Sache zu bekunden. Für einen ländlichen Ort war wirklich sehr viel geboten worden und möchten wir aus der Fülle desselben nur die schöne Aus­schmückung des Schwestern- rc. Heims mit den beiden großen

Feuilleton.

Der Freischütz."

(Tichümg von F. Kind, Musik von C. At. v. Weber).

Ein Geleitwort zu den im August 1903 im Hanauer Theater stattfindenden Aufsührungen dieser Oper von Karl Fr. Appel.

(V Fortsetzung.)

IV.

Ueber die Bedeutung der Oper.

Webers Freischütz ist bahnbrechend geworden. Sein Erscheinen bildete einen Wendepunkt für die deutsche B ü h n e n in u s i k. Neues und Eigenartiges hat der Komponist gebracht, und zwar in allgemein must* k a ljscher Hinsicht, als auch dadurch, daß Weber seiner ^ouschöpfung ein ausgesprochen deutsch-nationales E e p r â g e verlieh.

Reden wir zunächst von dem ersten Punkt.

Schon die Ouvertüre wandelt in eigenen, neuen Bahnen; allerdings nicht in der äußeren Form, wohl aber nach ihreni uumkalljchen Inhalt. Bisher waren die Opern-Ouvertüren so Stallen, daß sie im allgemeinen, im Gesamtcharakter ihres ^unmiungsgehaltes eine Oper einleiteten, wie etwa das erste Präludium eines Organisten den Gottesdienst in seiner Ge- amt^eit vorbereitet. Weber hat seine Freischütz-Ouvertüre ll"nz anders gestaltet. Sie erscheint wie eine zusammen- gedrangte Skizze der ganzen nachfolgenden Oper. Max, SaW, Agathe, Samiel, die Wolfsschlucht, fast alle Personen und alle wichtigen Szenen der Oper tauchen bei den Klängen dcr Ouvertüre vor dem geistigen Auge des Hörers auf. Da­durch ist ein enger, innerer Zusammenhang zwischen Ouvcr- lüre und Oper hergestcll^, wie er vor Weber von keinem

Reformatoren Luther und Melanchton erwähnen. Entzückend und selbst von hohen Geistlichen bewundert wurde auch die sinnreiche Ausschmückung des Kaufmann Oehlschlâger'schen Schaufensters, in dem wir, umgeben von Palmzweigen ra, das bekannte Gemälde vom großen Schwedenkönig Gustav Adolf erblickten, wie er hoch zu Roß am Tage der Schlacht bei Lützen, morgens beim Durchbruch der Sonne, kurz vor Be­ginn der Schlacht mit seinen Getreuen den Schöpfer in innigem Gebet um seinen Beistand anfleht. So könnten wir noch einige ergreifende Bilder aus dieser schönen Feier malen, doch genug damit. Zweck dieser Zeilen sollte ja vor allem sein, den lieben Bewohnern von Langenselbold auch an dieser Stelle öffentlich unseren innigsten Dank für das Gebotene auszusprechen. Mehrere auswärtige Festteilnehmer.

* Nach Falb. Der August soll uns nach Falbs Prog­nose im großen und ganzen trockenes Wetter mit nur verein­zelten Niederschlägen bringen. Der 8. August wird von Falb als ein Termin 3., der 22. aber als ein solcher 1. Ordnung bezeichnet. Dem hundertjährigen Kalender nach müßte der August vom 1.10. warm, dann bis zum 17. kalt, trüb und regnerisch, vom 18. ab bis zum Schluß aber heiter und warm werden.

* Handelsschule für Mädchen zu Frankfurt a. M. Die staatlich konzessionierte und beaufsichtigte Han­delsschule für Mädchen zu Frankfurt a. M. hat soeben ihren 13. Jahresbericht ausgegeben. Wie wir demselben ent­nehmen, wurde die Leitung der Anstalt durch Dekret Königs. Regierung zu Wiesbaden Herrn G. Koch übertragen, der schon seit mehreren Jahren als Lehrer und Stellvertreter des Direktors an der Anstalt tätig ist. - Vorher wirkte er als Lehrer an der Kaufmännischen FortbildWgWâ der Stadt und an der König!. Webschule zu Mühlheim a. Rh., nachdem er sich in jahrelanger praktischer Tätigkeit im Bank- und im Genossenschaftswesen und in Warengeschäften eine gründliche Kenntnis der kaufmännischen Praxis angeeignet hatte. So wird die Schule auch unter der neuen Leitung zweifellos die angesehene Stellung behaupten, welche sie im kaufmännischen Unterrichtswesen alsbest geleitete Anstalt" dieser Art ein- nimmt. Der Jahresbericht enthält auch den Lehrplan der An­stalt, so daß sich jeder Interessent genau über die vortreffliche Organisation der Anstalt, die sich jetzt auch die Stadt Frank­furt für ihre Anstalten zum Muster nimmt, genau orientieren kann. Er wird von der Direktion (seilerstraße 29) unent­geltlich versandt.

* Stenographisches. In der Zeit vom 1. bis 3. August tagte in Colmar i. E. der VJ. südweftdenlsche Ver­band für Nationalstenographie: Am Samstag fanden die Ver­handlungen statt, die jedoch interner Natur waren. Aus der Statistik sei erwähnt, daß der Verband, welcher erst 5 Jahre

Komponisten konstruiert wurde. Sieht man sich nun genauer danach um, wodurch dem Komponisten dieser Fortschritt ge­lungen ist, so stößt man auf eine weitere Eigenart in derFreischütz-Musik": auf die ausgiebige Verwendung kleiner, scharf charakterisierender Tonmalerei. Düstere, zitternde Akkorde mit drei (in kurzen Pausen aufeinander folgenden) dumpfen Paukenschlügen das ist das musikalische Kleid des Samiel. Zwei scharfe, hohe Triller mit je zwei nachfolgenden, kurz abgebrochenen Achtellönen damit stattet die Musik die Person des Caspar aus. So oft diese zwei Bösewichte auf- treten und sich an ihr sauberes Handwerk begeben, erscheinen diese vorher beschriebenen Klänge. Sie geleiten gewisser­maßen diese Personen auf die Bühne und zu ihren Hand­lungen; deshalb nennt man diese musikalischen Begleiter­scheinungen die Leit motive. Aber nicht nur Leitmotive der Personen und Charakteure sind von Weber gebildet worden, sondern auch Leitmotive der Situationen. Da­durch ist es dem Komponisten gelungen, inhaltlich verwandte Szenen in musikalische Beziehung zu einander zu dringen. So liegt das Motiv zum Bauerntanz schon versteckt im Nachspiel zum Viktoria-Chor, Mclodieteile der Arie des Max,Doch mich umgarnen finst're Mächte", erscheinen kurz angedeutet verschiedene Male in der Wolfsschluchtsszene wieder, auch an den Spottgesang des Kilian wird Max deutlich erinnert, wenn er oben am Eingänge zur Wolfsschlucht steht und zögert, hinunierzusteigen. . Der Jubclgesang Agathes bei der Heimkunft des Max im 2. Akt taucht am Schluffe der Oper' wieder auf, wenn. der Geliebte von neuem und für immer an ihre Seite zurückgekehrt ist. Weiter verweise ich auf das, was bei der Besprechung der ersten Szene des zweiten Aktes über den Charakter des Duetts gesagt wurde.

Diese Beispiele mögen genügen, um darzutun, daß das bei Richard Wagner in größter Vollendung erscheinende8 e i t - m o t i v" schon vorher durch Weber erfunden und in die Opern­musik eingeführt worden ist. Wagner hat dies ja auch an­erkannt.

besteht, jetzt 20 Vereine mit 484 Mitglieder zählt. Am Sonn­tag vormittag fanden 3 öffentliche Veranstaltungen statt, darunter eine einstündige Musterlektion mit einer 8. Volksschul- knabenklasse, die noch keine Stenographie kannte. In dieser wurde Vs des ganzen Lehrganges durch Herrn Reallehrer Götz- Heidelberg vorgeführt und bot den Anwesenden einen Einblick in die verblüffende Einfachheit des Systems. In der daran anschließenden Festsitzung, in welcher die Vertreter der Schule und Handelswelt zahlreich erschienen waren, hielt der Vertreter der Stadt, Herr Assessor Cosmann, eine längere Ansprache, in der er mitteilte, daß die Stadt Colmar ihr leb­haftes Interesse an der Nationalsienographie durch Stiftung eines Ehrenpreises und durch Einführung derselben an der städtischen Fortbildungsschule bekunde. Im Preiswettschreiben erhielt Herr Hugo Beller, Kaufmann in Heidelberg, den Ehrenpreis der Stadt Colmar, bestehend in einer goldenen Taschenuhr. Der Sonntag Abend sowie brr Montag waren geselligen Veranstaltungen gewidmet.

* Der Verein für Handlungs-Commis von 1858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg ver­sendet seinen 44. Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen: Unter der Herrschaft der neuen Satzungen, die am 1. Januar 1902 in Kraft getreten sind, hat sich der Verein befriedigend entwickelt. Er hat es seiner festen Organisation zu verdanken, daß er durch die andauernde Ungunst der auch im Berichts­jahre herrschenden Verhältnisse nicht allzu sehr in Mitleiden­schaft gezogen worden ist. Die rückläufige Konjunktur macht sich natürlich in erster Linie bei der Stellenvermittlung be­merkbar und es ist erklärlich, daß damit die Zahl der zu be- setzku'deu Stellen Mückgeht. Trotzdem sich die Anzahl der Aufträge gegen das Vorjahr um 353 verminderte, konnte der Verein 69 Stellen mehr besetzen, als im Jahre 1901; im ganzen wurden 5475 Stellen besetzt. Die Stellenvermittlungs- Abteilungen in Berlin, Breslau und Frankfurt a. M. ver­mittelten insgesamt 1060 Stellen, 351 mehr als im gleichen Zeitraume des vorhergegangenen Jahres. Im Frühjahr 1903 ist in Düffeldorf die vierte Stellenvermittlungs-Abteilung er­öffnet worden, deren Wirkungskreis sich auf Rheinland und Westfalen erstreckt. Der Beitritt zum Verein ist im verflossenen Jahre recht lebhaft gewesen; am Schluffe des Jahres 1902 gehörten dem Vereine 66 811 Mitglieder, einschließlich 2146 Lehrlinge, an und diese Zahl ist heute schon auf über 68 000 gestiegen. Durch die verschiedenen Unterstützungs-Abteilungen, für deren Inanspruchnahme kein besonderer Beitrag erhoben wird, wurden im letzten Jahre etwa 13 000 M. ausgezahlt. Die übrigen Wohlfahrtseinrichtungen des Vereins, wie die Kranken- unb Begräbniskaffe, e. H., die Pensionskasse, die Hinterbliebene)!- und Alters-Derforgungskaffe und die Spar- und Darlehuekaffe, e. G. m. b. H., haben ihre Aufgaben voll

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Andere zeitgenössische Musikgrüßen wollten jedoch von Webers Neuerungen und seiner Eigenart nichts wissen. Spohr z. B. konnte den ungemein großen Erfolg desFrei­schütz" nur dadurch begreiflich finden, daß Weber es verstehe, für den großen Haufen" zu schreiben. Dieses allgemein auffallende absprechende Urteil des Casseler Hofkapellmeisters und später so bewährten Vorkämpfers der Weber-Wagner'schen Richtung fand nachher seine Erklärung: Spohr hatte selbst schon angefangen, unter dem TitelDer schwarze Jäger" eine Freischütz-Oper zu schreiben, und mußte nach dem Erscheinen der Weber'schen Komposition seine Arbeit aufgeben.

Zelter, die Berliner Musikautorität, verwarf denFrei­schütz" vollständig. In einem seiner Briefe an Goethe schreibt er: Weber hat ein kolossales Nichts aus dem Nihilo*) erschaffen.

In einen grellen Gegensatz zu Spohr und Zelter setzte sich Beethoven mit seiner Ansicht über denFreischütz." Er äußerte:Das sonst so weiche Männel, ich hätt's ihm nimmermehr zugetraut! Nun muß der Weber Opern schreiben, gerade Opern, eine über die andere und ohne viel daran zu knaupeln. Der Kaspar! Das Untier! Steht da wie ein Haus! Ueberall, wo der Teufel die Tatzen reinstreckt, da fühlt man sie auch!" Bezüglich derWolfsschlucht" sagt Beethoven:Ja, damit ist's freilich auch so; aber mir geht's dumm damit. Ich sehe freilich, was er (Weber) will; aber hat auch verteufeltes Zeug hineingemacht! Wenn ich's lese wie da bei derk wilden Jagd so muß ich lachen und es wird doch das Rechte sein. So was muß man hören, nur hören!"-----------

Nachdem bisher von den Neuerungen Webers allge­mein-musikalischer Natur die Rebe war, »löge nun­mehr noch im Folgenden auf den spezifstch d e u tsch-natro- nalen Charakter derFreischütz-Musik" hi'ngennesen werden.

Als "derFreischütz" dasLicht der Buhne erblickte, waren diè klassischen Opern, die Bühnenwerke M o z a r t s und

*) Nichts.