Erstes Blatt.
Hanauer U Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- RMtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ str Mt- und Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrücknngsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
33ttantroortl. Redakteur: G. Schrecker in Han Gi,
Rr. 179
Fern -re.i aus ''luß Nr. 605*
Dienstag den 4. August
Fernsprechanschlnß Nr. 605«
1903
Amtliches.
Stadtkreis Danau«
Belattulmachungen des Oberbürgermeisieramles.
Auf Grund der Beschlüsse des Magistrates vom 24. März 1903 und der Stadtverordneten-Versammlung vom 23. April 1903 wird hierdurch in Gemäßheit des § 13 der Städte- Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 für den Bezirk der Stadt Hanau nachstehende die Ordnung betreffend die Abfuhr des Haus- und Straßenkehrichts vom 29. März 1900 abändernde Ordnung erlassen.
I.
Der § 7 der angezogenen Ordnung lautend:
Die Kosten der Abfuhr des Haus- und Straßenkehrichts werden auf die Stadtkasse übernommen,
wird wie folgt abgeändert :
Die Kosten der Abfuhr des Haus- und Straßenkehrichts werden nach Maßgabe eines besonderen Gemeinde-Beschlusses erhoben.
II. .
Die Ordnung tritt mit dem 1. April 1903 in Kraft.
Hanau den 4. Mai 1903.
Der Magistrat.
Bode.
-â-M-^ .....
Genehmigung des Bezirks-Ausschusses vom 16, Juli 1903.
A. 2244.
-----—
Wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß der in Ausführung des § 1 der vorstehenden Ordnung erlassene Gemeinde-Beschluß bereits unter dem 19. Mai d. Js. veröffentlicht worden ist.
Hanau den 30. Juli 1903.
Der Magistrat.
Bode. 13522
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Acetylen-Fahrradlaterne, 1 kleines gestricktes Portemonnaie ohne Inhalt.
Verloren: vom Ostbahnhos bis Auheimerweg 1 Portemonnaie mit 41 Mark Inhalt.
Hanau den 4. August 1903.
Feuilleton.
Geschichts-Kalender.
4. August.
1628. Wallenstein muß nach vergeblicher Belagerung (seit 24. Mai) von Stralsund abziehen.
1758. Die Preußen besiegen die Oesterreicher bei Nachod.
1791. Friede zu Sistowo an der Donau zwischen Oesterreich und der Türkei.
1796. Die Franzosen unter Jourdan besetzen Würzburg, Schweinfurt und Bamberg.
1863. Preußen lehnt die Teilnahme an dem Fürstenkongreß zu Frankfurt a. M. ab.
1866. Mitteilung des Entwurfs zum norddeutschen Bundestage an die beteiligten deutschen Regierungen.
1870. Schlacht bei Weißenburg; General Douay fällt.
1877. Gustav, Prinz von Wasa, der Letzte seines Geschlechts, gestorben.
Bor neunzig Jahren.
10. Die Völkers chlacht bei Leipzig.
Der 18. Oktober.
, Am Abend des 17. Oktober war endlich die Nordarmee Breitenfeld eingetroffen und war für den 18. kampfbereit, mit gesammelter Kraft ins Gefecht treten zu können, zog Napoleon seine Truppen dichter zusammen, räumte die vor- geschobene Stellung von Wachau und stand am Morgen östlich der Pleiße mit dem rechten Flügel bei Connewitz, mit der Mitte, seinen Garden, bei Probstheyda, Holzhausen und Jukfaii, mit dem linken Flügel bei Schönfeld. 1.50000 Franzosen hielten die Stellungen bei Leivzig besetzt und waren umschlossen von 290 000 Verbündeten.'
Hue Stadt und Cand,
Hanau, 4. August.
* Bauernregeln für August. Wenns im August stark taut, dann bleibt das Wetter traut. — Jsts hell am St. Laurentiustag, viel Früchte man sich versprechen mag. — Bringt Rosamunde Sturmeswind, so ist Sybille uns gelind. — Tau ist für den August so not, als jedermann das liebe Brot. — Ist Nordwind im August nicht selten, so wird er schönem Wetter gelten. — Im August muß braten, was im Herbst soll geraten. — Bleiben die Störche noch nach Bartho- lomä, so kommt ein Winter, der tut nicht weh. — Mariä Himmelfahrt Sonnenschein, der bringt uns viel guten Wein. — August-Anfang heiß, Winter lang und weiß. — Schlechten Wein gibts heuer, wenn Sankt Lorenz ohne Feuer. — Je dicker der Regen im August, je dünner der Must. — Was die Hundstage gießen, muß die Traube büßen.
* Adreß- und Handbuch für das deutsche Goldschmiedegewerbe. Herausgegeben von der Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Zeitung" (Verlag von Wilhelm Diebener-Leipzig) erschien soeben: „Adreß- und Handbuch für das deutsche Goldschmiedegewerbe 1903", ein Ratgeber für den gesamten Geschäftsverkehr des Juwelen-, Gold- unb Silberwaren-Faches. — Dem Goldschmiedegewerbe wird hiermit eine allerdings kurzgefaßte Encyklopädie seiner Branche, soweit der Geschäftsverkehr derselben in Frage kommt, geboten. Alle gewerblichen Branchen haben ihr eigenes Adreßbuch — nur für die deutsche Edelmetallindustrie gebrach es bisher an einem solchen. Diesem Bedürfnis wurde hiermit abgeholfen, die Lücke ausgefüllt.
* Verliehen. Dem Gendarmerie-WachLmeistèr B e s ch o r- r e n e r in Großauheim wurde das „Allgemeine Ehrenzeichen" verliehen.
** Gold- uud Plattuadiebstöhle. Wie schon kurz berichtet, fand gestern die Verhandlung in der obengenannten Affäre vor der Ferienstrafkammer des hiesigen Landgerichts statt. Zu Anfang des Jahres bekam ein hiesiger Platinafabrikant Kenntnis von mehreren Platinaangeboten, die an verschiedenen Stellen der Umgegend, insbesondere in Offenbach und Frankfurt gemacht waren, wozu das Material zweifellos durch Diebstahl erworben war. Er übergab die Angelegenheit der Polizei, welche die Gesellschaft bald am Kragen hatte. Die nächsten Spuren wiesen auf den Trödler Simon Roman in Frankfurt a. M. hin, bei welchem dann auch entdeckt wurde, daß er eine rege „Geschäfts"verbindung mit dem Kaufmann Jakob Föll hier unterhielt, der gestohlene Goldwaren bei ihm absetzte. Dadurch kam die Affäre Föll auch mit den Platinadiebstählen zur Verhandlung, obwohl sie im Grunde genommen mit denselben nichts zu tun hat. Der Angeklagte Föll, in
Sieben Uhr morgens war die für den gemeinsamen Angriff festgesetzte Stunde; Schwarzenberg sollte mit 145 000 Mann in drei Kolonnen gegen den rechten Flügel des Feindes vorgehen, Bernadotte, der das Korps Langeron von Blüchers Armee zur Verstärkung erhalten hatte, sollte mit 100 000 Mann auf Holzhausen und Schönfeld vorstoßen, Blücher mit den ihm noch bleibenden 25000 Mann von Norren her am linken Flügel des Feindes anfassen, endlich der österreichische General Gyulai mit 20000 Mann sich wieder auf Lindenau werfen, um Napoleon womöglich den Rückzug nach Westen zu verlegen.
Etwas später, als geplant war, begannen die Angriffe von Süden her. Auf dem rechten Flügel warf Bennigsen mit seinen Russen den Feind über Zuckelhausen und Holzhausen zurück. Auf dem linken Flügel, wo auf französischer Seite der tapfere Polenfürst Poniatowsky kommandierte, hatten die Oesterreicher heiße Kämpfe zu bestehen, bis sie dem Feinde Dölitz entrissen und bis Connewitz vordrangen.
Am heißesten geht's her in der Mitte der französischen Schlachtstellung bei dem stark verschanzten Probstheyda. Dort kämpfen die Russen unter Wittgenstein und die Preußen unter Kleist gegen die aus Kerntruppen bestehende napoleonische Hauptmacht. 150 Geschütze vereinigen ihr Feuer auf die austürmenden Kolonnen. Unter den Augen der verbündeten Herrscher wetteifern die Angreifer, ihr Bestes zu tun. Prinz August von Preußen und General von Pirch entreißen dem Feinde die östliche Hälfte von Probstheyda, die junge Garde Napoleons geht zum Gegenstoß vor; viermal wird das Dorf von den Verbündeten genommen, viermal geht cs wieder verloren. Noch einmal setzen Preußen und Russen alle Kraft an, um diesen Schlüsselpunkt der Franzosenstellung zu erringen; da läßt Napoleon seine letzte Reserve, die alte Garde, vorgehen; die Kraft der Verbündeten beginnt zu erlahmen, und Kaiser Alexander und König Friedrich Wilhelm geben den Befehl/ vorläufig von weiteren Angriffen auf das heißumstrittene Dorf abzulassen, damit die tapferen Angreifer sich nicht völlig verbluten.
vollem Umfange geständig, güt seine Verfehlungen wie folgt an: Er kam im Herbst 1897 nach Absolvierung seiner einjährigen Dienstzeit' zu der Firma H. in Stellung. Er hatte von seiner Dienstzeit her noch einige hundert Mark Schulden und zur Deckung derselben will cr sich zum Diebstahl haben verleiten lassen, weil er der Mutter von den Schulden nichts sagen wollte. Das große Vertrauen, das er bei H. genoß, erleichterte F. die Diebstähle ganz bedeutend. F. entwendete zuerst im Juni 1899 einen ganz bedeutenden Posten der in der Fabrik hergestellten Bijouterieerzeugnisse sowie lose Brillanten. Die Firma konnte sich die großen Abgänge nicht erklären und vermochte 2 Jahre keinen Bücherabschluß zu machen, auf F. hatte sie aber keinen Verdacht. Ende 1901 wurde F. bei H. entlassen und kam Anfang 1902 als Kabi- netimeister zu der Firma O. u. B., woselbst er die Stehlereien sogleich fortsetzte. Hier wurden die Abgänge jedoch bald bemerkt und gegen F. Verdacht geschöpft, weshalb er zu Anfang d. I. entlassen wurde. In seiner letzten Stellung entwendete F. neben fertigen Schmuckgegenständen auch ganze Stücke Rohgold und zuletzt auch zweimal ein Quantum Platina. Die Verwertung der Diebstähle geschah in folgender Weife: I. versetzte die ersten entwendeten Schmuckgegenstände bei den städtischen Leihhäusern in Berlin und Hamburg und ließ sie hier, obwohl er natürlich kaum ein Drittel des Wertes dafür erhalten hatte, einfach verfallen. Dann las er im „Frankfurter Generalanz." eine Annonce, wonach der oben bezeichnete Simon Roman Pfandscheine ankaufte. Bei diesem setzte er die Pfandscheine ab und R., der sah, daß hier eine ergiebige Quelle sich erschlossen. hatte, sagte zu F ö l l, er brauche die Sachen gar nicht erst nach Hamburg und Berlin zu schicken, er solle sie ihm gleich verkaufen, er gebe mehr dafür wie die Pfandhäuser. Infolgedessen wurde R. direkter Abnehmer. Durch die bei R. von anderer Seite abgesetzten Platinaabfälle kam die Polizei dann diesem Hehlernest auf die Spur und hob es aus, und dabei traten auch, wie schon erwähnt, die Verbindungen mit Föll zu Tage, der zu Anfang Februar verhaftet wurde. Die Firma H. hat den Wert der bei ihr gestohlenen Waren auf über 11000 Mk. beziffert, die Firma O. & B. auf 2100 Mk., wofür F. aus seinem Vermögen Deckung leistete. Der Hang zum Leichtsinn und zum Geldausgeben hat ihn, der einer angesehenen Familie entstammt, auf die abschüssige Bahn gebracht. Bezeichnend für seinen Leichtsinn ist, daß F. in demselben Jahre, in welchem er sich hier verheiratete, mit einem Büffetfrâulein im Frankfurter Hippodrom ein Verhältnis anknüpfte, das JV* Jahr dauerte und das ihn viel Geld kostete. Zum Schluß, als sie ihn verklagen wollte, zahlte er allein 450 Mark zur Mfin- dung. — Der Angeklagte Fabrikarbeiter Johann Born, war bei der Platinfabrik Eisenach & Co. in Offenbach beschäftigt
Erfolgreicher gestaltete sich der Angriff im Norden von Leipzig, wo neben Blücher nun auch die Nordarmee zur Stelle war, vor allem Bülow mit seinen Preußen. Blücher geht vorwärts über die Partha. Nur eine Brücke ist gangbar für seine Streiter; das geht zu langsam; entschlossen sprengt er in den Fluß hinein mit der fröhlichen Ermunterung: „Kinder, hier wollen wir uns den Straßendreck von den Beinenspielen!" Alles ihm nach und durch und drauf! Der Feind leistet hartnäckigen Widerstand bei Mockau, bei Alt-Naundorf; _ Ney bedroht mit frischen Truppen die Flanke der Angreifer.— _ba erscheint Bülow mit seinen erprobten Schaaren, bemächtigt sich in kühnem Ansturm des Dorfes Paunsdorf, seine Artillerie räumt furchtbar auf unter den französischen Kolonnen; weiter führt er seine Infanterie vorwärts zu siegreichem Augriff, und endlich, uls den Franzosen auch Stüntz und Sellerhausen entrissen ist, kann die Nord-Armee, nachdem sie ihre rechte Hand Blücher gereicht hat, die linke dem General Bennigsen und seinen Russen bietet. Nun ist die so tapfer und hartnäckig verteidigte Franzosenstellung von Probstheyda unhaltbar geworden, der umfassende Eingriff von Norden und Nordssten hat die siegreiche Entscheidung herbeigeführt. Die frühzeitig eintretende Dunkelheit macht dem Kampf allmählich ein Ende. „Schade", meint Blücher mit Recht, „ein fortgesetztes allgemeines Vorgehen hätte die endgiltige Niederlage Napolons her- beigeführt." Leipzig hätte das Sedan Napoleons I. werden können, wenn am 18. Oktober von allen Seiten mit vollem Nachdruck der Angriff bis zu Ende durchgeführt worden wäre.
Nun aber blieb die Straße nach Weißenfels für die Franzosen frei, und Napoleon säumte nicht, in der Nacht zum . Oltober auf dieser Straße mit dem Rückzug seines Heeres zu beginnen, während Macdonald mit etwa 50,000 Mann die Stadt Leipzig zur Deckung des Abmarsches besetzt halten un verteidigen sollte. Die Sachsen und Württemberger, die als ■ ipcin- bundtruppen und Verbündete Napoleons der Nordarmee gegenüber- gestanden hatten, waren, aus eigne Hand sich losmachend von dem verhaßten Bundesgenossen, zu den Verbündeten über« gegangen.