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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, Waisenhauses in Hanau. V -

Erstes Blatt

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uriger

SerantwortL Redakteur: T. Schrecker in Hanau,

Nr. 163.

Fernsprechanschluß Nr. 605»

Donnerstag den 16. Juli

Ferns-rechanschlnß Nr. 605.

1903

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Bekannjmachnngen des Oberbiirgermeisteramtes.

Steuererhebung.

Wir ruachen darauf aufmerksant, daß die Zahlurrg der Steuern und des Schul­geldes re. für die Monate Juli/September 1903 für diejenigen Steuer pflichtigen, deren Steuerzettel eine der Nrir. 1 bis 3000 auf­weifen, irr der Zeit vom 13. dis 23. Juli er. stattzufinden hat.

Im übrigen verweisen wir auf die auf den Stenerzetteln aufgedruckten Be ftimmungerr.

Hanau den 13. Juli 1903.

Stadtkaffe. 12410

Im Nameu des Königs.

In der Strafsache gegen den Metzgermeister Jakob Rückert in Wiesbaden, geboren daselbst am 29. Dezember | 1868, evangelisch, einschlägig nicht vorbestraft, wegen Be­leidigung hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 7. Juli 1903, an welcher teilgenommen haben:

Amtsrichter Bohnü, als Vorsitzender,

Bijouteriefabrikaut D in t el m ann in Hanau, Bürgermeister Kümmel in Niederissigheim, als besitzende Richter, Amtsanwalt Engler, als Beamter der Staatsanwaltschaft, Justizanwärter Möller, als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung des Stationsassistenten Schnupp in Hanau Ostbahnhof aus 88 185, 200 des St.-G.-B. zu 25 Mark Geldstrafe, hilfs­weise für je 5 Mark ein Tag Haft sowie in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Zugleich wird der vorgesetzten Behörde des Beleidigten, der Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. die Befugnis zu­gesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils durch einmalige Einrückung innerhalb 2 Wochen nach Rechtskraft imHanauer Anzeiger" auf Kosten des Verurteilten zu veröffentlichen.

gez. Bohub.

Ausgefertigt unter Bescheinigung der Rechtskraft.

Hanau den 15. Juli 1903.

Schlitt, Aktuar. 12509

Feuilleton.

Skizzen mnn Konklave.

Bon Dr. Hans Hasselkamp.

(Nachdruck verboten.)

Das Konklave ist die ehrwürdigste aller bestehenden Wahl­körperschaften. Man kann sein Alter auf beiläufig 850 Jahre beziffern, da es in seinen Ursprüngen auf jenes Wahldekret des Papstes Nikolaus II. zurückgeht, dessen Verfasser der da­malige päpstliche Kanzler Hildebrand, der spätere Papst Gre­gor VII., war. Ein Konklave im eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. eine eingeschlossene Wahlversammlung, gibt es allerdings erst seit dem Jahre 1274, seit jener Konstitution, i Ne bestimmte, daß in demselben Palaste, in dem der Papst ge- 1 erben ist, ein Gemach als Wahllokal hergerichtet, die Kardi- : näle darin eingeschlossen und so lange von der Außenwelt i völlig abgesondert werden sollen, bis die Neuwahl erfolgt ist. - Diese eigentümliche und strenge Form der Wahlhandlung war das Resultat bitterer Erfahrungell, die man mit der Freiheit dcr Papstwahl gemacht hatte. . Hatte doch der kühne Heerführer Odoaker, dann der mächtige Ostgotenkönig Theodorich, später i endlich mancher deutsche Kaiser den Papst nach seinem Ermessen j ernannt; und zuletzt noch, bei der Wahl eben jenes Gregor X., | der die Konstitution über das Konklave erließ, war j e2 geschehen, daß die Kardinäle sich beinahe drei Jahre lang nicht über die Wahl des Papstes einigen konnten und schließ- lich von den Bürgern von Viterbo, wo sie tagten, durch das drastische Mittel zur Entscheidung gezwungen wurden, daß man das Dach des Palastes über ihrem Haupte abtrug und sie so, Sonne und Regen bloßstellte.

Seit jener Zeit sind die Päpste unablässig darum bemüht gewesen, das Konklave zu sichern und nach allen Seiten hin auszubauen. Wie es heute ist, ist jedes Detail der Wahlhand­

Hue Stadt und £and.

Hanau, 16. Juli.

Jnbiläiimsgabe Hammer Bürger zum Erweiierungsbau ves Evangelischen Diakonissenherms.

Voriger Betrag M. 5063.80

Juli 11.Gesundheit ist das höchste irdische Gut"

(zur Erinnerung an eine teure Verstorbene.) 20.

13. Elisabeth Nöll, Dienstmädchen . . 1.*

14.Zum Gedächtnis an Achilles Hein­

rich Rödiger, gewesenen Kantor u. Lektor der Wallonischen Gemeinde, beim 50jâhr. Jubiläum der von ihm in Genf gegründeten Anstalt La ChLtelaine, Eingesandt" . . 30.

Zusammen Mk. 5114.80

Für die obigen freundlichen Gaben alle sage ich im Namen des Diakonissenhauses meinen herzlichsten Dank l Die letzte von den dreien wird bei vielen älteren Hanauern mancherlei Erinnerungen wachrufen, denn es leben noch manche Schüler des Achilles Heinrich Rödiger, und viele, die ihn persönlich gekannt haben, und von ihm erzählen können. Im Hause A la Ville de Milan (zur Stadt Mailand) Franzos. Allee 5, dessen Schild auf Betreiben unseres Herrn Stadtbaurats I. P. Thyriot renoviert und wieder am Hause angebracht worden ist, hatte Herr Rödiger eine Pensions-Anstalt und Prioatschule für Knaben und junge Leute eröffnet. Die angesehensten Hanauer Familien vertrauten ihm ihre Söhne an, denn Rö­diger verstand seine Sache; er war der geborene Schulmann und Pädagog, und auch von auswärts kamen viele junge Leute in sein Pensionat. Aber politisch hatte er sich sehr kompro­mittiert, er hatte an dem bekannten Zug der Turner nach Baden teilgenommen und war deswegen mit vielen andern des Hochverrats angeklagt worden. Der Prozeß endigte zwar mit der Freisprechung aller Angeklagten, aber noch lange vor­her wurde die Schule Rödigers von der Polizei gewaltsam geschlossen. Man kann den Bericht des Hanauer Chronisten über die Schließung nicht ohne Bewegung lesen. Rödiger mußte fliehen, seine Familie und sämtliche auswärtigen Schüler und Pensionäre folgten ihm nach. Die Reise ging in die Schweiz, nach Genf, und dort beschloß der aus seiner Heimat gewissermaßen Verbannte eine neue Anstalt zu gründen. Ha­nauer Freunde halfen ihm in jeder Weise. Das nötige Geld wurde ihm vorgestreckt, und tiack kurzer Zeit blühte die Schule auf fremdem Boden wieder auf. Noch mehrere Jahre war Rödiger ihr Leiter und übergab sie dann seinem Schwiegersohn Hrn. Prof. Thudichum, der sie fortwährend auf der Höhe der Zeit erhielt, und auch heute, da die Schülerzahl größer ist

lung auf das genaueste festgelegt und für alle möglichen und unmöglichen Eventualitäten ist Vorsorge getroffen. Gesetzt z. B., daß alle Kardistäle während des Konklaves stürben, ohne einen Papst gewählt zu haben, so ist sestgesetzt, daß für diesen Fall das Wahlrecht an die Kanoniker von S. Giovanni am Lateran übergeht, der ehrwürdioflen, der menüidi'n Bischoss-

Kardinal Orealia, päpstlicher GtellDerireln während des Konklave.

kirche von Rom. Viele der heut gütigen Formen des Kon­klaves haben eine eigene Entstehungsgeschichte. Es ist z. B. bekannt, daß heute die Abstimmung 'schriftlich und geheim durch Wahlzettel erfolgt. Diese Form mürbe eingeführt, um die bis dahin übliche Wahl durchAdoration" zu ersetzeu. Es ge­schah nämlich, daß die Anhänger eines Kandidaten ihn plötz­

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I denn je, da die Schule sich zu einer wahren Muster-Anstalt entwickelt hat, an ihrer Spitze steht. Am letzten Splvester- Abend waren cs gerade 50 Jahre, daß die Anstalt gegründet wurde, und ein früherer Schüler derselben, ein begabter und fleißiger Studiosus der Philologie, hat ihre Geschichte verfaßt, und in einer äußerlich wie innerlich gediegenen Festschrift nie­dergelegt. Er nennt stch mit keinem Worte, hat aber das Vertrauen seiner Mitschüler, welche ihn mit der Abfassung be­auftragt haben, völlig gerechtfertigt. Mir war beim Durch­lesen des Buches besonders interessant die Stelle, wo Frau Rödiger mit den Pensionären ihrem Manne nachgereist kommt, wo sie in dem kleinen, einsamen Landhäuschen La ChLtelaine sich treffen, dasselbe mieten und die Schule für neu eröffnet erlllâren. Nachdem Rödiger in französischer Sprache seinen Entschluß kundgegeben, seinen Dank für die Eltern der mitgeksmmenen Schüler ausgesprochen, fuhr er in deutscher Sprache fort und gedachte der alten Heimat, Hanaus, woraus sie fliehen gemußt, das sie aber nie vergessen, das sie immer lieben würden'. Der folgende Taz war der 1. Januar 1853, und jenes Jahr sah die ersten Anfänge des seit­dem so schön aufgeblühten College: La ChLtelaine. Am 1. Oktober 1863 legte Rödiger die Leitung nieder und zog sich nach Hanau zurück, wo er am 26. November 1868 einem Schlaganfall erlag. Er war erst 56 Jahr alt. Aus seinem Grabstein stehen folgende Worte:

Hier ruht ein Mann, der seine Pflicht getan! Mit tiefem höchsten Preis des Mannes Lohnen

Ihm tausend Söhne der verschied'nen Zonen, Tie in dem Lehrer ihren Vater falfn ! Hier ruht ein Mann, der seine Pflicht getan!*

Ich verr-ist nun auf vierzehn Tage; während dieser Zeit ersuche ich alle Gaben direkt an Herrn Superintendent Sopp gelangen zu lassen. Wenn ich zurückkomme, werde ich alsbald melden, wie weit das Werk steht, und ist das Glück mir hold gewesen, und habe ich etwas Hübsches erlebt, dann will ichs meinen Lesern nicht vorenthalten, sondern gerne erzählen. Auf baldiges Wiedersehen also!

Hanan den 16. Juli 1903.

C. Neßler, Pfarrer.

Beamtenpersonal-Nachrichten.

Ernannt: die Referendare Tromp, Poth, Fabarius und Dr. Weber zu Gerichtsassessoren, die Rechtskandidaten Ruhl, Lange und Stoll zu Referendaren.

Angestellt: der Postpraktikant Höring aus Konstanz als solcher in Cassel, die Postanwärter Bellebaum in Hanau, Höser in Hünfeld, Homuth in Treust (Bez. Cassel) und Vollmer in Hanau als Postassisienten.

Verliehen! den Landmessern Hellwig zu Rinteln, Köh­ler III. zu Hünfeld, Müller IV. zu Marburg und MntmflaramMQKMnHBm^^

lich nnd lärmend in die Wahlkapelle rissen und dort auf dem Wege der Adoration wählten.Man setzt, so berichtet ein Zeitgenosse über dies Verfahren den zu wählenden Kardinal auf den Altar der Wahlkapelle und sodann treten die übrigen Kardinäle der Reihe nach vor ihn hin und machen ihm eine tiefe Verbeugung. Sobald es bekannt wird, daß sich die genügende Anzahl von Wählern zu einer derartigen Adoration vereinigt habe, pflegen alle übrigen fast tumultarisch hcrbei- zueilen, da jeder besorgt, es könne bemerkt werden, das er der In? te sei ober etwa nicht bereitwillig mitwirke." Das jetzt gütige Wahlverfahren hatte also den Zweck, eine Wahl durch Ueberrumpelung zu verhindern. Bei der Jahrhunderte alten Geschichte des Konklaves hat es ein eigenes Interesse, der alb mäölieben Entwickelung seiner Formen nachzuspüren und das Emst dem Jetzt gegenüberzustellen. Werfen wir z. B. einen Blick auf die Wahlzellen. Als das Konklave zusammentrat, das Nikolaus V. wählte (1447), da waren die Zellen nicht aus Holz, sondern nur aus Tuch, und man konnte in ihnen jeben Atemzug des Nachbarn hören. Die Erleuchtung erfolgte durch Kerzen und war spärlich genug. Heute dagegen, z. B. bei dem Konklave, aus dem Leo XIII. als Papst hervorging, werden solide und geräumige Zellen mit elektrischen Klingeln und Gasbeleuchtung (diesmal vielleicht schon mit elektrischem Lichte) hcrgestellt. Die Kosten, die diese Bauten des Kon­klaves crsordern, sind durchaus nicht geringe. Sie betrugen für das letzte Konklave etwa 77 000 Franken. Ebenso er- fordert die Beköstigung der Kardinäle im Konklave nicht uner­hebliche Ausgaben. Beim letzten Konklave bestand-bas Menü des Mittagsmahles jedes Kardinals in einer Suppe, zwei Fleischgerichten, reichlichem Dessert und ausgezeichnetem -Peip- mein, und abends bekamen sie dasselbe Mahl ohne die Suppe. Freilich haben es die Kardinäle nicht immer J» jut ' Die Verfassung des Konklaves schreibt ausdrücklich vor, daß den Kouklaoisten, wenn sie die Wahl zu tange hmauszig , die Nahrung beschnitten werden kann. ^as ist auch gar |o jcltcn Ce^chehen. ^o wurde bei bem ^Hu^ane^ ^a2 S0