Zweites Blatt
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ sm Stadt- nnd Landkreis Kanan.
Waisenhauses in Hanau,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau,
Nr. 161. gernfUreitiinfW 91r. 605.
Dienstag den 14. Juli
Ferusprechanschlnß Nr. 605
1903
Rom, 13. Juli. Im Laufe des Tages traten beim Papst zeitweilig Anfälle von Schwäche und Unruhe auf. Das Befinden verschlimmerte sich sichtbar. Lapponi verweilte stundenlang am Krankenbett. Im Vatikan ist man wegen der Schwäche des Papstes lebhaft beunruhigt. Sobald die Nachrichten von der Verschlimmerung bekannt wurden, konnte man einen lebhafteren Verkehr von Kardinälen, Prä' laten und Neugierigen nach dem Vatikan beobachten. Den Wachen usw. ist das Verlassen des Vatikans wieder verboten. Die „Tribuna" meldet: Es herrschte heute große Unruhe. Als Lapponi aus dem Zimmer des Papstes in das Vorzimmer trat, hatte er mit dem dort anwesenden Oberstkämmerer Bisleti eine erregte Unterhaltung. Vrisleti begab sich darauf zu dem Substitut des Staatssekretärs Chiesa und zu Rampolla. Im Kabinett Nampollas fand dann eine Besprechung statt. Gerüchtweise verlautet, die von Lapponi mitgeteilten Nachrichten über das Befinden des Papstes seien derart, daß sie Anlaß gäben, schleunig die notwendigen Maßregeln zu ergreifen. Wie die „Tribuna" weiter meldet, begab sich der Chefkommissar der Polizei in Rom nach dem Polizeikommissariat, in dessen Bezirk der Vatikan liegt, um für den Fall des Eintritts der Katastrophe, die unmittelbar bevorzustehen scheine, die nötigen Ordnungsmaßregeln zu treffen.
Rom, 13. Juli. Nach dem „Gioruale d'Jtalia" verließen die Aerzte den Papst heute ziemlich beunruhigt. Am Vormittag wurde zum ersten Male ein Nachlassen der Geisteskräfte festgestellt. Die „Tribuna" verzeichnet das Gerücht, die Krankheit des Papstes sei der Leberkrebs. „Patria" zufolge äußerte Mazzoni, der Papst atme ruhiger. Die Anschwellung der Beine nahm zu. Die Nierentätigkeit ist sehr beschränkt. „Italic meldet: Die Aerzte geben jede Hoffnung auf. Eine eben erschienene Ausgabe der „Tribuna" meldet auch ein Ab- nehmen der Geisteskräfte des Papstes. Das Sprechen unzusammenhängender Sätze sei der Anfang vom Ende. Wenn man mit dem Papste spreche, schrecke er zusammen, dann kehre bei ihm das Bewußtsein zurück. Man glaubt, daß der Papst den nächsten Morgen noch erlebe. Der „Voce della Verita" zufolge befinden sich die Neffen des Papstes, die Grafen Ludwig Camillo, Richard Pecci und Marquis Canabe, im Vatikan.
Rom, 13. Juli, 6 Uhr abends. Der Papst blieb den ganzen Tag in dem Zustande beunruhigender Depression. Ein Anzeichen, welches den Aerzten besonders zu Besorgnis Veranlassung gibt, ist der fast vollständige Harnmangel, indes besteht kein Anzeichen einer Blutvergiftung. Der Gehalt des Harnes an Harnstoff ist weit unter normal, während man ihn in dem ausgeschiedenen Harn in sehr geringer Menge vermehrt finden sollte. Der Umstand zeigt an, daß die Nierentätigkeit fast vollständig versagt. Die Lage ist ernst geworden.
Rom, 13. Juli. Der Papst empfing heute abend um (. Uhr die Kardinäle Vincenzo Vannutelli, Satolli, Respighi, Sanminiatelli, Casetta, Martinelli Nocella, Pierotti und Vives. Dieselben fanden den Papst sehr niedergeschlagen. Er sprach mit großer Schwierigkeit. Er konnte nur mit großer Anstrengung die Hand heben, um sie zu segnen. Einer der empfangenen Kardinäle äußerte, seit gestern trat eine große Aenderung im Zustande des Papstes ein. Das Ende könne nicht fern sein.
Rom, 13. Juli. Krankheiisbericht von heute abend 8 I der schwach ist, 92 Schläge in der Minute. Der Zustand ist Uhr: Der Kräfteverfall hält an. Die Atmung ist etwas noch immer ernst. Unmittelbare Gefahr besteht nicht. Rossoni, häufiger und beträgt 36, die Temperatur 37 und der Puls, Mazzoni, Lapponi.
Der erste Leibarzt des Papstes, dem die verantwortliche Sorge für das Wohlbefinden des greisen Kirchenfürsten seit langen Jahren anvertraut war, ist Professor Dr. Lapponi. Die diesem bei dem hohen Alter des Papstes gestellte Aufgabe ist eine solche, wie sie in gleicher Art sicher noch selten im Laufe der Jahrhunderte einem einzelnen Arzte anvertraut war. Allerdings unterstützte die vorzügliche Natur des Papstes seinen gesundheitlichen Berat r glänzend genug, aber das Verdienst an der wunderbaren Rüstigkeit des hohen Herrn darf darum feinem Arzte, dem er blindlings gehorcht, nicht geschmälert werden. Vor einiger Zeit hatte Lapponi eine Blinddarmentzündung schwer daniedergeworfen und eine gefährliche Operation nötig gemacht. Sie wurde mit Er
folg von Dr. Mazzoni ausgeführt. Dieser, der zweite Leibarzt des Papstes, und jetzt aus dem Sterbebette desselben zur Behandlung mit herangezsgen, ist Professor der klinischen Arzneikunde und Spezial-Pathologe der Universität von 9tout. Er besitzt einen großen Ruf als kühner und geschickter Operateur und sein Name ist in den internationalen Aerztekreisen wohlbekannt. Dr. Mazzoni ist der Verfasser zahlreicher wert
Das bevorstehende Ableben des Papstes lenkt unwillkürlich die Blicke auf die Residenz des Papstes, weshalb wir unseren Lesern in beistehender Abbildung eine i Darstellung des päpstlichen Palastes, der Vatikan, nebst einem Grundrisse desselben bieten.
Der Palast befindet sich auf dem Monto Vatikans und seine erste Anlage soll bereits» zu Anfang des 6. Jahrhunderts entstanden sein. Seit der Rückkehr der Päpste von Avignon im Jahre 1377 blieb der Vatikan die päpstliche Residenz und wurde in der Folge durch Anbauten vergrößert. Infolge der vielen Erweiterungsbauten bildet der Vatikan kein regelmäßiges Gebäude, sondern einen Baukomplex von ca. 28 qm Fläche, welcher sich in der Form eines og.Reuten Rechteckes in schiefer Richtung nördlich an die St. Peterskirche anlehnt. Er zählt nicht weniger wie 20 Höfe und über 200 Treppen.
Die Leibärzte des Papstes Leo Xin.
voller Bücher, und eines davon erfreute den Vater des gegenwärtigen italienischen Herrschers dermaßen, daß er den Verfasser mit einer hohen Ordensauszeichnung bedachte. Vom Papste hat der gefeierte Chirurg mehrere Handschreiben empfangen, in denen Dankeskundgebungen niedergelegt sind. Beide Aerzte führen wir unseren Lesern beistehend im Bilde vor.
In dem unteren Teil unserer Zeichnung ist ein Grundriß des Vatikans gegeben, welcher die Gestalt desselben, brzw. eint ge der inneren Räumlichkeiten deutlich wiedergibt. Ein Teil des Vatikans bildet die im Jahre 1473 erbaute sixtinische Kapelle, in welcher Papst Leo XIII. am 3. März 1878 gekrönt wurde. Der Vatikan enthält eine außerordentlich reichhaltige Bibliothek, zahlreiche Gemälde von höchstem Kunstwert, du zum Teil in einer großen Gemäldesammlung in dem 3. Stockwerk untergebracht sind, zum Teil die» anderen Räume schmücken. Außerdem enthält er ein berühmtes Antiken« Museum. ' : '^-«-^^