10. Juli.
Freitag
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pelz aus dem Schranke, setzte die Mütze auf und verließ mit einem Segensspruch sein Haus. Frau Ravika genas, und nun war endlich strahlende Fröhlichkeit ständig in ihren Augen. Von ihrein Gatten erhielt sie nur noch die Mitteilung, daß er sie frei gebe und sich in das Kloster auf dem Berge Athos zurückgezogen habe. Bald war denn auch die Lösung der alten und die Schließung der neuen Ehe durchgeführt, und niemand dachte mehr an den starken Nikolai Macedou. Als Ravika aber dieser Tage früh morgens in i^ven Garten hinaus ging, fand sie, wie dem Neuen Wiener Tagblatt geschrieben wird, unter einem Rosenstrauche die Leiche eines Mönches, in dem sie ihren ersten Gatten erkannte. Nikolai Macedou war vom Berge Athos hergemandert, um auf heimatlicher Erde, im Schatten seines eigenen Hauses, in dem er einst das Glück gesucht hatte, zu sterben.
Sternberg i. Mecki. Das hiesige städtische Technikum bildet in fünf Semestern Maschinen- und E'ektro-Jngenieure, in vier Semestern Techniker und in zwei Semestern Werkmeister aus. Außerdem ist dem Technikum eine Baugewerk- und Tiefbau-Schule angegliedert, welcher vom Jnnungsver- bande Deutscher Baugewerksmeister die gleichen Rechte wie den preußischen Staatsschulen verliehen sind. Solche Absolventen der hiesigen sowie anderen Bauschulen, welche eine über das Ziel der Baugewerkschule hinausgehende sachliche Ausbildung erhalten wollen, werden in einem fünften Semester in derAr- . chiktektur bezw. im Bauingenieurwesen ausgebildet. Da nur eine beschränkte Zahl junger Leute ausgenommen werden, um eine individuelle Unterrichtsweise zu ermöglichen, welche allein im stände ist, die jungen Leute in gehöriger Weise auszubilden ' und da ferner nur hervorragend nichtige Lehrkräfte an der Anstalt wirken, so sind die Erfolge der seit 1895 bestehenden Anstalt stets außerordentlich gute und werden unsere Absolventen stets sehr gern von Behörden und Privaten genommen. Ferner ist mit der Schule ein Vorbereitungskursus sür solche jungen Leute verbunden, welche beabsichtigen, auf Grund des § 89,6 b der D. W.-O. die Berechtigung für den Einjährig- ' Freiwilligen Militärdienst zu erlangen.
Verlosungen.
Prämien-Anleihe der Stadt Wien vom Jahre , 1874» Ziehung vom 1. Juli 1903. Serien: 115 143 309 387 807 1042 1139 1179 1208 1233 1245 1262 1327 (1382 1444 1494 1663 1718 1960 2298 2302 2475. Hauptpreise: Ser'e 1327 Nr. 54 zu 400 000 Kr. Serie 2475 Nr. 69 zu 40 000 Kr. Serie 1042 Nr. 1 zu 10 000 Kr. Serie 1042 Nr. 28 72, Serie 1139 Nr. 26, Serie 1444 Nr. 19, Serie 1663 Nr. 53 je 2000 Kr. Serie 115 Nr. 27 71, Serie 143 Nr. 83, Serie 1179 Nr. 49, Serie 1245 Nr. 26, Serie 1262 Nr. 16, Serie 1382 Nr. 6, Serie 1444 Nr. 5, Serie 1663 Nr. 63 97, Serie 2302 Nr. 97, Serie 2475 Nr. 95 je 500 Kr. Auf alle übrigen hier nicht aufgeführten Nummern fällt der kleinste Gewinn oon je 300 Kr. Auszahlung am 1. Oktober d. J.
Standesamt Groß-Anheim.
Verzeichnis der im Monat Juni vorgekommenen Eheschließungen.
Am 5. Juni. Philipp Karl Waßmutb, Weißbindergeselle, mit Alwine Christine geb. Heiliger. 13. Peter Frisch, Witwer, Pulverarbeiter, mit Witwe Eva Riegler geb. Bauer. 13. Otto Klassert, Zimmermann, mit Maria Wilhelmina geb. Kircher. 22. Karl August Steigler, Gastwirt und Ziseleur, mit Mathilde geb. Weißmüller. 23. Heinrich Koob, Eisen- bahnarbeiter, mit Auguste Julie geb. Guth. 28. Otto Kurz- schmkel, Schreinergeselle, mit Maria geb. Koch.
Geburten.
Am 6. Juni. Katharina Pauline, T. des Zigarrenarbeiters Friedrich Wilhelm Hofmann. 9. Wilhelm Heinrich, S. des Glasergehilfen Jakob König. 13. Eugen, S. des Etuisarbeiters Wilhelm Peter. 15. Elisabetha, T. des Maurers Johann Heinrich Kern. 15. Anna Martha Elise, T. des Schuhwarenhändlers Gottfried Schwalm. 16. Johann Berthold Edgar, S. des Fahrkartenausgebers Karl Frei. 17. Emma, T. des Taglöhners Heinrich August Guth. 19. Otto Ludwig, S. des Taglöhners Johann Schneider. 27. Rudolf Hermann, S. des Graveurs Hermann Albert Börner. 28. Rosa, T. des Goldarbeiters Otto Gadhof. 29. Alfred Balthasar, S. des Taglöhners Heinrich Ferdinand Herzberger. 29. Martha Elisabeth, T. des Telegraphenvorarbeiters Konrad Martin.
I
Todesfälle.
Am 5. Juni. Eva, Ehefrau des Privatiers Peter Sebastian Huth, alt 70 J. 8. Anna Monika, Ehefrau des Kaufmanns Heinrich Jörg jr., alt 40 I. 9. Klara, Ehefrau des Gastwirts Christoph Arnold Wieger, als 36 I. 20. Magdalena Lenz Wwe., alt 62 I. 2 M. 21. Elisabetha Eich, alt 72 J.
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Vom Sterbelager des Papstes
Nom, 9. Juli. Heute nachmittag um 5 Uhr wurde folgender Krankheitsbrricht veröffentlicht: Da sich das Allgemeinbefinden Les hohen Kranken verschlechierte, fand um 4 Uhr nachmittags eine Konsultation statt, an der Professor Nossoni teilnahm. Die Untersuchung ergab, daß sich die Flüssigkeit im Brustfell neuerdings schnell vermehrt hat und daß die Herztätigkeit schwach ist, aber ohne Anzeichen einer Herzklappen- störung. Der Puls ist leicht zummmendrückbar. Die Anzahl der Putsschläoe beträgt neunzig. Die Atmung ist oberflächlich und wenig häufig. Die Harnentleerung ist gering. Der Zustand des Papstes wird als ernst angesehen.
Rom, 9. Juli, 5 Uhr abends. In einer Sonderausgabe bestätigt dw „Osservatore Romano", daß der Papst mit dem Kardinalstaatssekretär Rampolla eine längere Unterredung hatte. Der Papst sprach dabei von seiner Krankheit, deren verschiedene Phasen er aufzählte und drückte die Hoffnung aus, die noch bestehende Schwäche überwinden zu können. _ Der Papst fragte darauf Rampolla, ob er mit ihm über Geschäftliches zu sprechen habe. Er ging mit großer Klarheit auf die Angelegenreiten ein, die Rampolla vorlegte und gab entsprechende Befehle. Beim Abschied erklärte der Papst, daß er heule gerne noch den einen oder den anderen Kardinal empfangen hätte.
■ Rom, 9. Juli. Im Lause des Nachmittags verschlechterte sich das Befinden des Papstes und stellte sich Diarrhoe ein, an der der Papst entgegen allen anders lautenden Gerüchten bisher niemals litt. Infolgedessen wurde die Konsultation beschlossen, die um 4 Uhr stattfand zum größten Erstaunen der zum päpstlichen Hofe gehörigen Personen, die hoffnungsvoll waren und befriedigende Nachrichten gaben. Ehe Rosioni das Gemach des Papstes betrat, gab Lapponi unter vieler Vorsicht dem Papste die nötige Aufklärung. Der Papst war sehr schwach, aber bei voller Geistesklarheit. Er verstand alles, was Lapponi sagte und nahm es ruhig auf. Hierauf traten Rosioni und Mazzoni ein. Rosioni richtete einige ermutigende Worte an den Papst, der mit äußerst schwacher Stimme dankte. Die Untcrmchung, bei welcher vermieden wurde, den Papst zu sehr anzustrengen, dauerte ungefähr zwanzig Minuten. Es wurde festgcstell', daß es wahrscheinlich nötig sein werde, den Brust- höhlenstich zu wiederholen, was eventuell morgen geschehen werde. Als Rosioni das Gemach verließ, sprach er dem Papst wieder ermutigend zu. Der Papst reichte ihm mit Anstrengung die Hand und dankte ihm. Um 8Vi Uhr abends war der Zustand des Papstes unverändert.
Rom, 9. Juli. Als der Pap st heute die Kardinäle Oreglia, Gotti und della Volpe empfing, sprach er ihnen den Wunsch auS, daß ihn jeden Tag drei Kardinäle besuchen möchten Im Gegensatz zu den KrankheitSberichlen scheinen die Kardinäle beim Empfange keinen ungünstigen Eindruck von dem Befinden des Papstes erhalten zu haben. Dies veranlaßte mehrere geistliche Persönlichkeiten zu der Aeußerung, die Nachrichten über den Verlauf der Krankheit seien nicht mehr zu begreifen.
Rom, 9. Juli. In einer dritten Ausgabe teilt die „Trlbuna" mit: Zwischen 8 und 9 Uhr abends ging in der Stadt das Gerücht, der Papst sei gestorben. Mehrere Theater wollten die Vorstellungen abbrechen. Es herrschte überall große Bestürzung, doch wurde die Nachricht alsbald dementiert. Die Verschlimmerung in dem Zustande des Papstes wird durch die Tatsache bestätigt, daß Mazzoni um 9 Uhr abends nach dem Vatikan gerufen wurde. Nach der Konsultation der Aerzte empfing der Papst die Kardinäle Oreglia, Gotti, Pierctti, della Volpa, Creteni und Cavicchieni. Eine Abordnung aus Carpinelo wollte der Papst ebenfalls empfangen, verzichtete aber darauf, um nicht ju ermüden. Um 10 Ubr abends finden sich die Aerzte wieder im Vatikan ein.
Rom, 9. Juli. Mazzoni traf um 10 Mr 45 Min. abends im Vatikan ein und schickte seinen Wagen fort, sodaß zu vermuten ist, daß er längere Zeit im Vatikan verweilen wird. Man glaubt daß der Brusthöhlenstich nicht gemacht wird, doch hält Mazzoni sich dazu bereit. Abends war der Petersplatz belebter als an den vergangenen Abenden. Auch in der weiteren Umgebung des Vatikans herrscht regeres Leben.
Rom, 9. Juli. „Gioruale d'Jtalia" meldet: Aus allen Weltteilen gehen Lapponi und Mazzoni unzählige Depeschen und Schreiben zu, in denen sie angefleht werden, den Papst zu retten, oder in denen Heilmittel aller Art angeboten werden. So schreibt ein Familienvater, einer seiner Söhne litt 10 Jahre an Hepatisation der Lunge. Er sei durch ein Kraut geheilt worden, von dem er eine Probe schickte. Ein Amerikaner sandte eine Flasche mit einer nährenden Flüssigkeit. Ein anderer Amerikaner sandte eine Salbe u. s. w.
Mazzoni, daß er es nicht für nötig fand, eine Operation zu machen, er werde sie aber vielleicht morgen früh vornehmm. Eine unmittelbare Gefabr wird deshalb für ausgeschlvsien gehauen. Während der Anwesenheit Mazzonis nahm der Papst einige Nahrung. Der Papst ist vollständig geistesklar. Er sagte, als ihn Mazzoni den Kampfer einatmen ließ, lächelnd: Wir kommen ja zu Raspails Zeiten zurück.
Die griechische Kabinettskrise.
Athen, 9. Juli. Ralli erklärte in der Vereinigung delpannistischer Abgeordneter, die Bildung des Kabinetts sei schwierig wegen der Unmöglichkeit, das Finanzprogramm D e I y a n n i s' beizubehallen, da die Majorität der Kammer dagegen sei. Er sagte ferner, die parlamentarische Erledigung des K o r i n t h e n m o n o p o l s sei unmöglich, bevor die Verhandlungen mit den beteiligten Mächten beendigt seien. D.e.I $ an n i § erklärte iu einem Interview, die Kammer niüsse aufgelöst werden, da das Kabinett sich nicht einer feindlichen Majorität vorstellen könne. Wenn die Meinungsverschiedenheiten zwischen Delpannis uud Ralli andauern sollten, würden sie das Scheitern der Kabinettsbildung ober eine völlige Trennung zwischen Ralli und Delpannis herbeiführen können.
Vorsichtsmatzregeln in Peking.
London, 10. Juli. Die „Morning Post" meldet aus Washington: Ich erfahre, daß die Regierung mit den Vertretern der Vereinigten Staaten in Peking in einem Meinungsaustausch steht über die Frage der Verteidigung der dortigen Gesandtschaft. Während den letzten Berichten über die Gefahr eines neuen fremdenfeindlichen Ausbruchs im Staatsdepartement weniger Bedeutung beigelegt wurde, nahm die Möglichkeit der Erneuerung der Unruhen die Aufmerksamkeit der Regierung seit einiger Zeit in Anspruch. Man fängt an, Vorsichtsmaßregeln für notwendig zu halten.
Stadt-Anleihe.
Christiani», 10. Juli. Die Stadtgemeinde beschloß die Aufnahme einer städtischen Anleihe von 13 Millionen Kronen, von denen 5 Millionen zur Schuldentilgung verwendet werden.
Wettersturz.
Berlin, 10. Juli. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Wien: In ganz Oesterreich tobt seit etwa 48 Stunden ein Wettersturz von seltener Stärke. In Wien regnet es ununterbrochen. In Lemberg richtete ein furchtbarer Orkan großen Schaden an. Viele Menschen sind verletzt.
Fortdauer des Streiks.
Berlin, 10. Juli. Der „Berliner Lskalanz." berichtet aus Hamburg: Eine gestern abend abgehaltene Versammlung der Maurer und Zimmerleute lehnte die von der Innung geforderte sofortige Aushebung aller Bausperren ab, was die Fortdauer des Streiks bedeutet.
* * *
London, 16. Juli. Der König hatte gestern die Offiziere des vor Portsmouth liegenden amerikanischen Geschwaders im Buckinghampalast zu Gaste. Der Prinz von Wales und die meisten Minister waren zugegen.
Oran, 9. Juli. Hier verlautet, Kriegsminister Menebhi sei in Taz za eingezoge«.
Vardoe, 10. Juli. Die Ziegler 'sche Polarexpe- d i t i o n sei gestern von Archangelsk, wo Hunde an Bord genommen wurden, hier eingetroffen.
Schistsberichte.
Hamburg, 6. Juli. Der Dampfer „Adria" von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in Philadelphia eingetroffen.
Bremen, 8. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Bremen" ist gestern in New-York und der Dampfer „Roon" vorgestern in Colombo eingetroffen.
New - York, 7. «Juli. Der Dampfer „Nordam" von der Niederländisch - Amerikanischen DampfschiffahrtsGesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
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Rom, 10. Juli. Mazzoni verließ den Vatikan um 12 Uhr 15 Mm.nachls. Das Befinden des Papstes verschlimmerte sich nach seiner Ansicht seit dem letzten Bulletin nicht. Auf das Gerücht, ein Brusthöhlenstich sei gemacht worden, erklärte
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