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Bezugspreis:
vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betressenden Posiaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Anzeiger
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei bc3 verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- «ad Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einruckungsgebühr;
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petirzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
DcrantworN. Redakteur: G. Schreckcrin Hanau,
Nr. 158
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Ferns-retbansKluß Nr. 605
Freitag den 10. Juli
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
Amtliches.
Bekanntmachung.
Es wird ersucht, Anschlüsse an das allgemeine Fernsprechnetz, deren Herstellung in der Zeit vom 1. August bis Ende Oktober gewünscht wird, spätestens bis MM 1. Attgttst bei den zuständigen Fernsprech-Vermittelungsan- stalten anzumelden.
Auf die Herstellung später ângemeldeter Anschlüsse kann vor dem 1. April 1904 nicht mit Sicherheit gerechnet werden.
Cassel, 7. Juli 1903.
Kaiserliche Ober-Postdircktion.
I. V.: Buchholz. 12121
Candhreis Banau. Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.
Auf dem Hof Vreitenhaide (Gemarkung Lißberg, Kreis Büdingen) ist die Schweinepest sestgestellt worden.
Hanau den 8. Juli 1903.
Der Königliche Landrat.
V. 5599 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Politische Rundschau.
Kaiser Wilhelm nnd König Oskar. Wie die Berliner „Börsenzeitung" erfährt, dürfte die Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm mit dem König Oskar von Schweden sicher Mitte Juli in Tromsö stattfinden. König Oskar wird am 14. Juli die transstandinavische Nordbahn in Galivara eröffnen und in Narwik am Ausgang der Galivarabahn an Bord seiner Jacht „Drott" gehen und von hier nach Tromsö fahren. Hier würde die Zusammenkunft der Herrscher statt- finden, wobei Kaiser Wilhelm nicht verfehlen werde, seinem Freunde den Dank für die glatte Erledigung der Wismarer Angelegenheit auszusprechen. Es dürfte ein Besuch auf beiden Jachten stattfinden, aber auch eine Landung ist nicht ausgeschlossen.
. Die kaiserliche Familie wird auch in diesem Jahre auf Wilhelmshöhe bei Cassel residieren. Nach Beendigung ihres und der kaiserlichen Âr der Aufenthalt in Kadinen wird die Kaiserin mit diesen am 15. August in Wilhelmshöhe eintreffen und zwei bis drei Wochen dort weilen. Der Kaiser gedenkt, von der Nordlandreise heimgekeyrt, mit dem Kronprinzen ebenfalls dort Aufenthalt zu nehmen.
Der nette Reichsetat. In den Reichsâmteru wird jetzt an der Aufstellung der Etats für das nächste Haushalt- jahr^ gearbeitet. In etwa sechs bis acht Wochen sind die ersten Aufstellungen beim Neichsschatzamt einzureichen. Der Heeresund der Flottenetat treffen erfahrungsgemäß später ein. Für die Einberufung des neugewählten Reichstages ist ein Termin noch nicht in Aussicht genommen. Es versteht sich aber von selbst, daß die Dispositionen der Leitung der Reichsgeschäfte so getroffen sind, um, sofern es nötig sein sollte, den Zusammentritt des Reichstags jederzeit herbeizuführen.
Vom preussischen Landtage. Bei dem im nächsten Landtage zur Vorlage gelangenden preußischen Schulunterhaltungspflichtgesetz wird nach der „Nationalliberalen Korrespondenz" auf die Verschiedenheit der Durchschnittspreise für die Lebenshaltung in einer Reihe von Pèovinzen gebührende Rücksicht genommen werden.
Eine Konferenz der preutzischen Landwirt- schaftskammern hat am Tienstag in Danzig begonnen. Mehrere Vortragende Räte aus dem Landwirtschafts-Ministerium nahmen an der Konferenz teil. Auch der Oberpräsident Delbrück war anwesend. Rittmeister v. Arnim - Güterberg und Freiherr v. Wangenheim berichteten über die in Berlin geplante Errichtung einer Versuchsmüllerei und -Bäckerei. Hieran schloß sich eine Debatte über die Kostenverteilung der einzelnen Kammern für derartige gemeinsame Unternebmungen; zu der Versuchsmüllerei und -Bäckerei hat der Landwirtschaftsminister einen Zuschuß bewilligt. Ferner wurde beschlossen, dahin zu wirken, daß der Militärfiskus bei Pferdemusterungen die Unfallhaftnng übernimmt.
Privatbeamten Penstonsverstcherung. Die Bestrebungen auf Errichtung einer staatlichen Pensionsversicherung für Privatbeamte werden von der Düsseldorfer Kommission besonders eifrig verfolgt. Jetzt hat die Kommission beschlossen, sämtliche westdeutschen Kommissionen zu einem großen Aus- 'chuß zu vereinigen. In den übrigen Provinzen und den Bundesstaaten sollen gleiche Ausschüsse zusammentreten tlnd aus deren Mitte sich dann wieder ein großer Zentralausschuß bilden. Auf diese Weise hofft man, das von der Regierung gewünschte Material, welches die Forderilng nach Errichtung
einer Privatbeamten - Pensionsversicherung begründen soll, schneller und in umfangreicherem Maße zu erlangen.
Die sächsischen Landtagswahlen. Bei den diesjährigen Ergânzunoswahlen zum sächsischen Landtage handelt es sich um die Neuvergebung von 31 Mandaten. Davon waren bisher 19 konservativ, 8 nationalliberal, 3 kammerfortschrittlich, 1 wild. Drei Kandidaten verzichten auf eine Wiederwahl.
Loubets Dank an König Eduard. Bevor Präsident Loubet an Bord des „Guichen" Dover verließ, sandte er an König Eduard ein Telegramm, in dem er seine tiefste Dankbarkeit ausdrückt für den warmen Empfang, der ihm als dem Vertreter Frankreichs, des Freundes Englands, bereitet worden sei. Präsident Loubet ist Donnerstag mittag l^1/! Uhr auf seiner Rückkehr von England in Calais eingetroffen.
Die indirekten Steuern in Frankreich. Pariser Blätter weisen mit Befriedigung darauf hin, daß die Einnahmen aus den indirekten Steuern in Frankreich im Juni den Voranschlag um mehr als zwölf Millionen übersteigen und die Gesamt-Mehreinnahmen aus den indirekten Steuern in der ersten Hälfte 1903 über 44 Millionen betragen. Dies sei die beste Widerlegung der ungünstigen Gerüchte, die die Opposition über die Finanzlage Frankreichs verbreitet habe.
Der Prätendent von Marokko macht Fortschritte. Ein französischer Dampfer ist gestern mit etwa 1000 Mann marokkanischer Truppen nach Lemours abgegangen ; dieselben sind zur Verstärkung der in Oudja befindlichen Truppen bestimmt, Der Prätendent soll in diesem Gebiete oroße Fortschritte machen.
Weiße und eingeborene Arbeiter in Süd- asrika. Der seit dem 2. d. Mts. unter dem Vorsitz Lord Milners in Johannisburg tagende Kolonialrat nahm einen Beschlußanirag an, durch welchen das Ersenbahnkomitee angewiesen wird, in Kontrakten über den Bau neuer Bahnlinien die Bestimmung zu treffen, daß als Arbeiter Weiße zu verwenden sind und daß die Gesamtzahl der Eisenbahnbauten neben weißen Arbeitern beschäftigten Kaffern die Zahl 10 000 nicht überschreiten darf.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 10. Juli.
Jiibiläumsgabe Hanauer Burger
3itm Erweiterungsbau des Evangelischen Diakoniffenheims.
Es sind weiter folgende Gaben bei mir eingelaufen: Juli 3. Von Fräulein Leontine Scupin . . Mk. 3.— „ 5. Von Herrn E., der sich überhaupt
viel um das Wohl seiner Mitmenschen
und Mitbürger bekümmert. , . . „ 10.—
„ 5. Von Frau Güngerich ...... 10.— Hierzu voriger Betrag „ 5040.80
Zusammen Mk. 5063.80
Auch für die obigen Gaben echter und rechter Menschenliebe sage ich meinen innigsten Dank und hoffe, daß die freundlichen Geber einen rechten Gotteslohn davon haben werden, andererseits aber das Werk einen guten Fortgang nehmen werde. Wir, nämlich diejenigen, die sich bis jetzt für die Sache interessiert haben, können mit dem Fortgang durchaus zufrieden sein, und mit der Zeit werden sich auch alle die anschließen, welche nur ein platonisches Interesse an der Sache hatten, und ich werde einen Satz Gustav Fressens in seinem berühmten Roman Jörn Uhl Lügen strafen können. Auf Seite 370 jenes übrigens großartigen Buches ist von einem Pastor die Rede, der unter die Leute geht, uiy seine Gedanken und Taten an die harten Menschen zu bringen, und zu erreichen, so viel ein Hund erreicht, der gegen einen vorbeifahrenden Lastwagen bellt! — Wenn dieser Herr Pastor, der ein ganz famoser Mensch sein muß, hier in Hanau wirkte, bekäme er gewiß eine andere Meinung von den Menschen; da würde er merken, daß seine Worte und Taten doch mehr Beachtung finden, als das lästige Gebell eines Köters. — Der ganze Satz steht sonst, zu meiner Freude kann ich es sagen, in offenbarem Widerspruch zu der ganzen Tendenz des Buches, das einen herrlichen' Optimismus offenbart. Ich will aber keine Kritik Jörn Uhls schreiben, sondern eine Empfehlung des Diakonissenhauses. Zwar heißt das auch Eulen nach Athen tragen, wie die Gelehrten sich ausdrücken, oder Wasser in den Rhein, wie meine Landsleute, die Elsässer sagen; denn das Diakonissenheim loben ist nichts anderes als zu sagen, daß die Sonne warm macht, und daß der Regen nach sengender Hitze wohltätig ist. Aber man darf niemals ermüden, das Allergewöhnlichste zu sagen, denn gerade das Allergewöhnlichste und das Allerselbstverständlichste wird doch
oft am wenigsten beachtet. Es ist ja gewiß viel Geld notwendig für die Wissenschaft, für die Kunst, für die Politik, für das Vergnügen und viele andere schöne Dinge, aber für die Wohltätigkeit sollte doch am meisten übrig sein, und ist im Grunde am wenigsten da. Darum heißt eS nicht ermüden, sondern weiter werben. Und da ich meinem Grundsätze, nie
manden persönlich anzusprechen, treu bleiben will, so bitte ich diejenigen alle, die schon gegeben haben, nun auch 'mal bei ihren Freunden die Frage zu stellen: „Hast du auch schon etwas fürs Diakonissenheim gegeben?" Ich glaube, wenn diese Frage von ein paar Hunderten gestellt würde, ich auch ein paar Hunderte — und vielleicht Tausende — zählen dürste. Wenn ich wieder eine Gelegenheit haben werde, meinen Dank auszusprechen, hoffe ich auch über die Inangriffnahme der Arbeiten berichten zu können. Sollte dies jedoch auch noch nicht der Fall sein, sollte sich der Beginn der Fundamentierungsarbeiten wegen leidiger Formalitäten bis zum Herbste verzögern, so bitte ich freundlichst das zu übersehen und trotzdem Beiträge einzusenden. — Einstweilen habe ich folgende Quittung
vorzulegen:
„Für den Erweiterungsbau des Evangelischen Diakonissen- heims durch Herrn Pfarrer Neßler:
Von Herrn Pfr. N. in Berlin und Frau . . Mk. 10.— „ einem ungenannten Ehepaar .... „ 20.—
„ einem Ungenannten mit politischen Gedenk
worten ........... „ 5.—
„ Herrn Friedrich Rumpf, Bauunternehmer „ 40.—
„ Herrn I. W., Fabrikant ..... „ 20.—
„ P. P. einen Finderlohn...... „ 1.— „ einer armen Witwe . „ 2.—
„ Frl. L. Scupin ........ „ 3.—
„ Herrn „E." ......... „ 10.—
„ Frau Güngerich, Witwe . . . . .__„ 10.— zusammen Mk. 121.—
empfangen zu haben, bescheinigt,
Hanau, den 8. Juli 1903
mit herzlichem Dank
gez. Sopp, Superintendent."
Hierzu voriger Betrag Mk. 4942.80
Zusammen Mk. 5063.80 C. Neßler, Pfarrer.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Dietesheim (Kreis Offenbach) ausgedehnt worden.
* Zum Tode des früheren Oberbürgermeisters Westerburg wird mitgeteilt, daß derselbe nicht in einer Heilanstalt gestorben ist, sondern in seiner Wohnung in Stuttgart, wo er mit seiner Gemahlin lebte und von ihr gepflegt wurde.
* Mitteilung der Handelskammer. Hanau nebst Ortsbereich ist zum Sprechverkehr mit Breslau nebst dem Vorort Deutsch-Lissa zugclassen. Sprechgebühr 1.50 Mk.
* Goldene Hochzeit. Die Eheleute Jean Langenheim und Frau, Körnerstraße 3, feiern morgen den 11. Juli in voller Rüstigkeit das Fest ihres fünfzigjährigen Ehejubi- läums.
Im Laufe des Monats Schlachthause geschlachtet:
Monat Juni 1902 — Stück
II „ ff 7 tf
tf ff if „
ff ff ff 86 „
ff f/ ff 41 „
ff ff ff 86 „
* Verbrauchsabgaben. Juni 1903 wurden im hiesigen 104 Ochsen, — gegen den 125 Kühe, weniger „ „ 29 Rinder, „ „ „ 909 Schweine, mehr „ „ 367 Kälber, weniger „ „ 75 Hämmel, „ „ „
Die Accis-Einnahme hiervon beträgt . Mk. 4049.30 An eingcführten Fleischwaren rc. wurden
versteuert: 22 542 Kilogramm, weniger gegen
den Monat Juni 1902: 1846 Kilogramm.
Hiervon die Accis - Entnahme mit . . Mk. 736.49
Summa Mk. 4785.79
Gesamt - Accis - Einnahme im Monat Juni 1902 . . . ’ .
Mithin weniger gegen den Monat Juni 1902 ....... Accis - Einnahme vom 1. April 1903 bis 30.
Juni 1903.....
Accis - Einnahme voin 1. April 1902 bis 30.
Juni 1902.
Mk. 4794.59
Mk. 8.80.
Mk. 15 098.41
„ 15 483.38
Mithin weniger gegen die gleiche Zeit des ^ Vorjahres . . . . . Mk. 384.9 s-
* Mainwasserwärme vom 9. Juli: Morgens 13,
mittags 13, abends IS1/» Grad.
* Sommerfeft. Am nächsten Sonntag, von nachmittags 4 Uhr ab, hält der Klub „Amicitia" im Gartenrestaurant „zum Elefanten" ein Sommerfest, bestehend m Koncert, Tanz,