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Erstes Blatt.

anauer

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General-Anzeiger.

Amtliches OM« für Stadt- md Landkreis Kanan

Eiurückungsgebühr:

? L'tadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene P-Urzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 155

Fernspreckanschluß Nr. 605

Dienstag den 7. Juli

Fernsprechanschlnß Nr. 605

1903

Amtliches.

Bekanntmachung.

Zum Ausbau des Grünenweges in der Stadt Hanan sind von den nachbezeichneten Grundstücken die dabei angegebenen Flächen zu enteignen.

Gemarkung Hanau, Kartenblatt D D Parz. Nr. 455 zum grünen Weg," Weg in Größe von 1 ar 70 qm.

Von dem Herrn Regierungs-Präsidenten zum Enteignungs­kommissar ernannt, habe ich zur kommissarischen Verhandlung mit den Beteiligten zur Feststellung der Entschädigung für die zu enteignende Grundfläche gemäß § 25 Abs. 1 des Enteig- nungsqesetzes vom 11. Juni 1874 Termin auf Samstag den 11. Ä. Mts., vormittags 10 Uhr, Zusammen­kunft im Rathauie anberaumt.

Zu diesem Termin werden alle Beteiligten gemäß § 25 Absatz 4 a. a. O. mit der Aufforderung geladen, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.

Diese Ladung erfolgt unter der Verwarnung, daß beim Ausbleiben der Geladenen obne deren Zutun die Entschädigung festgestellt und wegen deren Auszahlung oder Hinterlegung ver­fügt werden wird.

In dem Termin ist jeder an dem zu enteignenden Grund­stücke Berechtigte befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Entschädigung, sowie ihrer Auszahlung und Hinterlegung wahrzunehmen.

In dem Termin hat der Grundeigentümer auch seine etwaigen Anträge auf vollständige Uebernahme eines teilweise in Anspruch genommenen Grundstücks anzubringen. Spätere Anträge dieser Art sind unzulässig.

Im Falle der Notwendigkeit einer örtlichen Besichtigung der zu enteignenden Flächen wird diese sofort vom Termin­lokale aus vorgenommen werden.

Cassel den 4. Juli 1903.

Der Enteignungskommissar. Rötger, Regierungsrat.

Eandhreie Danau.

Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.

Bei Rohbauabnahmen ist wiederholt beobachtet worden, daß die Bestimmungen des § 47 Abs. 12 der Baupolizei-Ord­nung II vom i. November 1902 und des § 38 Abs. 12 der Baupolizei-Ordnung III vom 3. November 1902 betreffend die Einrichtung von Rsinigungsöffnungen an rmbssteigbaren Schornsteinen nicht beachtet werden. Ich, mache die Interessenten hierauf besonders aufmerksam und weise auch die Ortspolizei-Behörden und die Feuerdeputierten an, bei Bauabnahmen auf die genaue Befolgung der ange­

Feuilleton.

Vor neunzig Jahren.

6. Die Nord-Armee. Groß-Beeren und Dennewitz.

Bernadotte mit der Nord-Armee hatte, nach dem Trachen- berger Operationsplane, die Aufgabe, seine Streilkräfte bei Treuenbrietzen zrr versammeln, die Sicherung von Berlin zu übernehmen und demnächst gegen die Elbe vorzurücken.

Der französische Marschall Oudinot sollte nun auf Berlin vorgehen, die Nord-Armee über die Oder zurückwersen und die von den Verbündeten belagerten Oder-Festungen entsetzen.

Oudinot vereinigte seine Streilkräfte, etwa 80000 Mann, bei Baruth und trat den Vormarsch auf Berlin an. Auf diesem Wege mußten die Franzosen die Ruthe und Rotte passieren, die mit ihren sumpfigen Wiesen Berlin gegen Süden schützten; dort, meinte General von Bülow, müsse man um jeden Preis kräftigen Widerstand leisten. Bernadotte freilich zuckle geringschätzig die Achseln und entgegnete auf Bülows Vorstellungen:Pah, was ist Berlin! eine Stadt 1" Er hatte schon einen Befehl zum Rückmarsch durch Berlin hindurch ausgeben wollen. Doch Bülow erklärte entschlossen:Lieber sollen unsere letzten Knochen auf dem Tempelhofer Berge bleichen, als daß ich Berlin aufgebe." Da mußte Bernadotte sich fügen und neben Bülow aushalten, der eine Stellung bei Grebbin besetzen und dort Oudinots Angriff erwarten wollte, ^ach mehreren kleineren, aber hitzigen Gefechten mußte die Stellung bei Trebbin aufgegeben werden, da es den Fran- zoim gelungen war, an anderen Uebergangspunkten die Ruthe ZU überschreiten.

.... 'l'n Morgen des 23.August war die Nord-Armee zwischen Gutergotz und Heinersdorf, zwei Meilen südlich von Berlin, in Schlachtordnung ausgestellt, auf dem linken Flügel Tauentzien

gebenen Bestimmungen zu achten und etwaige Mängel zur Sprache zu bringen.

Zwangssicherbeits-Verschlüffe im Sinne dieser Vorschriften sind nach einer Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten nur doppelte Türen mit einer Verschluß-Einrichtung an der äußeren Tür, aus der der Schlüssel nur nach vollständigem Verschluß abgezogen werden kann.

Hanau den 2. Juli 1903.

Der Königliche Landrat.

8Nr.4318 J. A.: Conrad, Kreissekreiär.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Langen­diebach belegenen, im Grundbuche von da Artikel 469 Abt. I Nr. 4 und 2 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs- vermerkes auf den Namen des Handelsmanns Bernhard David und dessen Ehefrau, Vettè geb. Schönfeld zu Langendiebach, vertreten durch ihren Generalbevollmächtigten Kaufmann Julius Grünebaum zu Langendiebach ein­getragenen Grundstücke:

Krtbl. 22 Nr. 242, Karlstraße Nr. 4,

a. Wohnhaus mit 4,78 ar Hofraum und

Krtbl. 22 Nr. 211, Hausgarten 80 ar

Krtbl. 22 Nr. 212, b. Stall mit Keller (A),

c. Holzschuppen, rechts, (8), am 23. September 1903, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Der Versteigerungsvermerk ist am 4. Juni 1903 in das Grundbuch eingetragen.

Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Dersteigerungsvermerkes aus dem Grund­buche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungs- termine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten an­zumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Ver­steigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.

Diejenigen, welche ein der Versteigerung eutgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Verstei- gerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.

Langenselbold den 27. Juni 1903.

Königliches Amtsgericht. 11955

mit 42 000 Mann bei Blankenfelde, Bülow mit 35 000 bei Heinersdorf. Endloser Regèn strömt hernieder, unparteiisch Freund und Feind mit seinen Fluten überschüttend, sodaß die Steinschloßflinten versagten. In drei mächtigen Kolonnen gingen die Franzosen zum Angriff vor, Tauentzien auf dem äußersten linken Flüge! hatte den ersten Anprall zu bestehen. Tapfer hielt er stand mit seinem kleinen Korps, Linie und Landwehr taten ihre Schuldigkeit und wichen nicht vom Platze, sodaß gegen 2 Uhr nachmittags die Franzosen vom Angriff direkt abstanden. Run brach Reynier gegen Bülow vor und verdrängte seine Vortruppen aus Groß-Beeren. Bernadotte, anstatt Tauentzien und Bülow zu unterstützen, schickte an Bü­low den Befehl, sich in der Richtung auf Berlin zurückzu­ziehen. Hätte Bülow diesen Befehl befolgt, so hätte nichts mehr das Vordringen der Franzosen aufhälten können, die Hauptstadt wäre rettungslos in Feindes Hand gefallen. Das erkannte Bülow klar; nach kurzer Beratung mit seinen Unter­führern steht es bei ihm fest, der unheilvollen Anordnung Ber­nadottes nicht zu gehorchen und auf eigene Rechnung und Gefahr standzuhalten. Die beste Verteidigung aber ist der Angriff, zumal man sich nicht mit Gewehrfeuer verteidigen kann. Also vorwärts mit allen Kräften, vorwärts auf den Feind! Während 60 preußische Geschütze ihr Feuer auf den Feind eröffnen, gehen die Brigaden Krafft und Heffen-Hom- burg auf Groß-Beeren vor, ihnen folgen Thümen und Borstell. Soldaten", ruft Bülow den pommerschen Regimentern zu, Schweden und Russen sehen auf uns, hinter uns liegt Ber­lin; vergesset nicht, daß ihr Pommern seid. Ohne einen Schuß zu tun, in strammer Ordnung, geht das Kolbergsche Regiment, an seiner Seite die neumärklsche Landwehr, unaufhaltsam vor­wärts; mit dem Bajonett brachen sie sich Bahn und die Kol­ben der Landibehrleute schmetterten auf die Franzosen; Groß- Beeren wird genommen und behauptet. Die Brigade Hessen- Homburg wirst den Feind aus Reu-Beeren, Brigade Thümen erobert eine französische Batterie, Borstell stürmt von Klein- Beeren her, gegen die linke Flanke der Franzosen vor, die

Hue Stadt und Eand,

Hanau, 7. Juli.

* Preisausschreiben für ländliche Bauten. Der Verein für Förderung des Arbeiterwohnungswesens und ver­wandte Bestrebungen hat zur Erlangung von Entwürfen für den Bau von ländlichen Anwesen für Kleinbauern und In­dustriearbeiter in der Provinz Hessen-Nassau einen Wettbewerb ausgeschrieben. Das Programm ist gegen Einsendung von 4 Mark Schreib- und Portogebühren von Dr. Ph. Stein-Frank­furt, Börsenstraße 19, zu beziehen. Die Entwürfe sind bis zum 4. Oktober d. Js. an den Genannten einzusenden. Zur Verteilung tommeu drei Preise von 500, 300 und 200 Mk. Das Recht, weitere Entwürfe für je 100 Mk. anzukaufen, wird Vorbehalten. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Landwirt Bartmann-Lüdicke -Frankfurt, Kreisbau - Inspektor Engel-Montabaur, Profeffor Luèhmer-Frankfurt, Oekonomierat Rexerodt-Cassel, Landesrat Dr. Schröder-Cassel, Dr. Stein- Frankfurt und Banrat Wohlfarth-Hanau.

* Manöver der 21. Division. Das hiesige In­fanterie-Regiment Nr. 466 verläßt am 26. August seine Garnison und fährt per Eisenbahn in das Manövergelände nach Hadamar, woselbst zunächst vom 27. August bis 3. Sep­tember Regiments-Exerzieren und Prüfungsschießen abgehalten wird. Das Brigade-Exerzieren der 42. Infanterie - Brigade (466er, 80er und 84er) erfolgt vom 4.-9. Sepibr. ebenfalls bei Hadamar, die 41. Infanterie-Brigade hält ihr Exerzieren vom 3.-8. September bei Mainz ab. Die Brigade-Manöver der 42. Infanterie-Brigade werden in der Zeit vom 44.-44. September bei Hadamar, die der 41. Infanterie - Brigade in derselben Zeit bei Westerburg stattfinden. Für die Manöver der 24. Division (45.-49. September) ist das Gelände zwischen Limburg und Marienberg vorgesehen. Die Korps­manöver erfolgen im Gelände zwischen Limburg und Mengers­kirchen vom 21.23. September. Am 23. September manö- veriert das ganze Korps gegen einen markierten Feind. Die Rückbeförderung der Truppen erfolgt noch am 23. September aus der Gegend von Limburg und zwar soll Vorsorge getroffen werden, daß alle Truppenteile noch am 23. September ihren Standort erreichen. Der 42. Jnfanterie-Br'gad: ist zugeteilt der Stab der 24. Kavallerie-Brigade, das Ula ien - Regiment Nr. 6, das Feld-Artillerie-Regiment Nr. 13, die 4. Pionier- kompagnie, die 41. Infanterie-Brigade er! ält noch die Unter- offizierschule Biebrich, Stab der 21. Feld - Artillerie - Brigade, Hufaren-Regiment Nr. 13, Feld-Artillerie-Regiment Nr. 27, die 1. Pionierkompagnie. Während der Korpsmanöver wird ein Halbbataillon schwerer Feldhaubitzen zusammengezogen. Die Formierung desselben erfolgt am 24. September in Limburg.

überall weichen müssen und deren Rückzug alsbald zur Flucht wird. Ein Vorstoß der feindlichen Kavallerie zerschellt an den preußischen Bataillonen, und rasch ist die preußische Reserve- Kavallerie zur Stelle, den französischen Geschwadern den Rest zu geben und in die fliehenden Feindesscharen einzuhauen.

Das war die ruhmvolle Schlacht von Groß-Beeren, ein Sieg von 35,000 Preußen über 80,000 Franzosen. Denn Bernadotte hatte keinerlei Anteil an diesem Siege; nur seine Artillerie hatte in letzter Stunde dem fliehenden Feinde Kugeln nachgeschickt. Der Verlust der Preußen betrug nur 1000 Mann, während die Franzosen neben ihren sonstigen Verlusten 2000 Gefangene und 26 Geschütze in den Händen der Sieger ließen.

Wer war nun glücklicher und dankbarer als die Berliner! Scharenweise strömten sie nach dem Schlachtfelds, um ihren Befreiern zu danken. Wagenzüge mit Lebensmitteln fuhren hinaus, und beladen mit Verwundeten, die in der Stadt die liebevollste Pflege finden sollten, kehrten sie zurück. Freilich, eine Abordnung des Magistrats erschien vor Bernadotte und pries ihn als Retter. Der ließ sich das ruhig gefallen, ob­wohl er keinen Finger gerührt hatte. Wäre sein Befehl aus­geführt worden, so hätten die Franzosen Berlin widerstandslos besetzt. Der Sieger von Groß-Beeren war Bülow.

Ein französischer General, der von Magdeburg her zur Unterstützung Oudinots vorgerückt war, traf in der Gegend von Belzig auf die preußische Landwehr-Division Hirschfeld. Anfangs in Unordnung und Verwirrung stürzten sich die Laudwehrmänner alsbald kampfmutig auf die Franzosen, drängten sie in das Dorf Hagelberg hinein und schlugen nun mit so rasender Wut auf die Feinde los, daß von den Kolbenschlägen ganze Reißen niedergeschmettert wurden. An 4000 Franzosen lagen mit zertrümmerten Schädeln auf dem Kampfplätze, 5000 wurden gefangen genommen. Kräftig unter­stützt wurde die Landwehr von 600 Kosaken. Mit kläglichen Resten seiner Division kehrte der französische General, nach