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Zweites Blatt

Hanauer U Anzeiger

Bezugspreis :

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- »artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Geruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau,

Amtliches Organ fit Stadt- md FandKms Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Pcèirzcüe oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Vnantwdrtl. Redakteur: G. Schreck er in Hanau.

Nr. 147

Fernspre^ansikiluß Nr. 605

Samstaa den 27. Juni

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Milteibuchen belegene, im Grundbuche von Mittel­buchen Band XI Artikel 572 Abt. I Nr. 3 zur Zeit der Eintragung des Versteiqerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Reinhold Opisteins zu Bockenheim, jetzt in Hanau, eingetragene Grundstück: Kartenblatt 4, Parzelle Nr. 139/25 - 3 ha 86 ar 18 qm,

Acker auf dem Wolfsacker, jetzt wie folgt bebaut:

Roßdorferweg Nr. 144, G.-St.-R. 149,

a) Arbeiterwohnhaus,

b) Derwalterhaus,

c) Pferdestall mit Knechiesiube (B),

d) Ringofen mit Halle (C) und Schornstein (D)

am 21. August 1903, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz 18 Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Das Grundstück ist in der Grundsteuermutterrolle der Ge­meinde Mitielbuâen unter Art. 360 mit 208 Mk. 38 Pfg. Reinertrag zur Grundsteuer und in der Gebäudesteuerrolle der genannten Gemeinde unter Nr. 149 mit 1185 Mk. Nutzungs­wert zur Gebäudesteuer veranlagt.

Hanan den 10. Juni 1903.

Königliches Amtsgericht 2. 11316

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge­markung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 241 zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Ackermanns Wilhelm Pfeiffer in Langenselbold eingetragenen Grundstücke

Krtbl. 6 Nr. 10, die 20 Morgen, Acker, 2,49,6 t ha, Krtbl. 76 Nr. 35, zwischen den Wegen, Acker, 37,34 ar am 16. September 1903, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Der Versteigerungsvermerk ist am 28. Mai 1903 in das Grundbuch eingetragen.

Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit, der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grund­buche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungs­termine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten an­zumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu

Feuilleton.

Vor neunzig Jahren.

3. Möckern und Groß-Görschen.

Schon vor der Ueberreichung der preußischen Kriegserklä­rung hatten die französischen Heeresabteilungen, welche unter dem Oberbefehl Eugens, von Napoleons Gnaden Viz°könig von Italien, Preußen besetzt hielten, allmählich den Rückzug nach Westen angetreten, gefolgt von den Russen.

Am 20. Februar erschienen die ersten Kosaken in dem noch von den Franzosen besetz'en Berlin. Wackere Berliner Bürger machten alsbald gemeinsame Sache mit den russischen Be­freiern, so ein Grobschmied an der Spitze eines Trupps hand­fester Gesellen, der zwei an der Kurfürstenbrücke aufgesahrene Kanonen vernagelte; so die in Berlin sich versammelnden freiwilligen Jäger, von denen einer, Alexander von Blomberg, als erstes Opfer des Befreiungskrieges, den Heldentod starb. Zunächst mußten die Kosaken wieder abziehen; aber am 4. März räumten die Franzosen Berlin, und alsbald zog General von Tettenborn an der Spitze der Russen ein, jubelnd empfangen von der Bevölkerung. Ganz wild vor Freude war die Berliner Straßenjugend; an den Steigbügeln der ^owten hingen sich die Jungens fest und waren nicht abzuschutteln.

Am 17. März neuer Jubel: Jork mit seinem preußischen Korps rückte in die Hauptstadt ein; doch ernst und unbewegt blickte er auf die freudig erregte Menge, denn das schwere Werk sollte erst beginnen.

Zunächst waren für den sofortigen Angriff nur vier preußi'che Heeresabteilungen verfügbar, das Korps Blücher mit 26 000, das Korps York mit 13 500, das Korps Bütow mit 11500 Mann und die Truppen des General Borstell mit 5500 Mann. Die verbündeten russischen Streitkräfte mochten

machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Ver- steigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.

Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Verstei­gerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.

Langenselbold den 19. Juni 1903.

Königliches Amtsgericht. 11346

Politische Rundschau.

Der Kaiser in Kiel. Der Kaiser nahm gestern abend an dem von dem amerikanischen Botschafter Tower im Saale der Seebadeanstalt gegebenen Festmahl teil. Zu demselben waren 72 Einladungen ergangen. Der Kaiser saß zwischen dem Prinzen Heinrich und dem amerikanischen Botschafter in Rom, Meyer, und dem Oberhof- und Hausmarschall Graf zu Eulenburg zur Rechten, dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Tower, und dem Hausminister v. Wedel zur Linken. Gegenüber dem Kaiser nahm der amerikanische Admiral Cotton zwischen dem Reichskanzler Grafen Bülow und dem Admiral Köster Platz. Ferner nahmen an der Tafel teil von deutscher Seite die Herren der Umgebung des Kaisers und des Prinzen Heinrich, Vizeadmiral Staatssekretär v. Tirpitz, Vizeadmiral Büchsel, die hiesige Admiralität, der preußische Gesandte v. TjÄirschky und Bögendorff, sowie Graf Thiele-Winkler, von amerikanischer Seite die Kommandanten der Schiffe des Ge­schwaders, die Herren der amerikanischen Botschaft, der amerika­nische Generalkonsul in Berlin, Mason, und der amerikanische Konsul in Hamburg, Pitcairn.

Der Kaiser an den König von Schweden. Aus Anlaß des Abschlusses der deutsch-schwedischen Verein­barung, betreffend die Stadt Wismar, hat Kaiser Wilhelm am 21. Juni an König Oskar folgendes Telegramm gesandt: Ich erhalte soeben die Nachricht von der Unterzeichnung des Wismar-Vertrages. Euerer Majestät und Schweden sage Ich Meinen Dank für die bei dieser Gelegenheit erneut betätigte freunvnachbarliche Gesinnung." König Oskar erwiderte mit folgendem Telegramm:Ich sende Euerer Majestät meinen herzlichen Dank für das freundliche Telegramm, welches ich soeben empfangen habe. Ich selbst und mein schwedisches Volk haben gewünscht, in diesem Falle unsere aufrichtigen und freund­schaftlichen Gefühle an den Tag zu legen. Indem ich dies bekräftige, spreche ich die Hoffnung aus, daß auch in kommen­den Zeiten immer gegenseitiges Vertrauen herrschen möge."

wohl über 100000 Mann stark sein, kamen aber nach Blüchers Meinung gar zu langsam vorwärts.

Napoleon, in höchster Wut über die preußische Kriegs­erklärung und überrascht von der ' " Preußenvolkes, erklärte:Und wenn Montmartre von Paris ständen, wurde

Kraftemfaltung dcs die Feinde auf dem ich doch kein Dorf

der preußische Name

von meinen Eroberungen heransgeben; v« ^««öu^c ^««m aber soll völlig ausgelöscht werden aus der Reihe der Völker."

Einstweilen räumten die Vortruppen der Verbündeten in Norddeutschland auf. Tettenborn besetzte am 18. März Ham­burg, Preußen und Russ-n am 2. April Lüneburg, wobei sich zwei preußische Bataillone besonders auszeichneten. Auch Hannover und Oldenburg wurden von den Franzosen ge­räumt.

Inzwischen rückten die verbündeten Heere in der Richtung auf Dresden vor. Blücher stand am 27. März in der sächsischen Hauptstadt, wo demnächst auch der Kaiser Alexander von Rußland und König Friedrich Wilhelm ihr Hauptquartier aufschlugen. Doch der König von Sachsen hielt am Bündnis mit Napoleon fest; auch derAufruf an die Deutschen", der am 26. März von Kalisch aus erlassen war, hatte den deut­schen Michel nicht zur Tat erweckt; zumal die Rheinbund- staaten wollten sich nicht von ihrem französischen Schirmherrn trennen. So war Preußen zunächst nur auf seinen russischen Verbündeten angewiesen; nicht zum ersten und nicht zum letzten Male mußte es für Deutschland die Kastanien aus dem Feuer holen.

Jetzt galt es, den Franzosen zu Leibe zu gehen, bevor Napoleon mit neuer Heeresmacht heran war, und den Vize- I röntg Eugen, der mit 37 000 Mann bei Möckern in der Nähe von Magdeburg stand, über die Elbe zurückzuwerfen. Dork, Borstell und Bülow vereinigten sich zum ersten siegreichen I Vorgehen: Gefecht bei Möckern am 5. April. Die Brigade I Hünerbein vom Nordischen Korps ging mit unwiderstehliche: I Kühnheit vor und entriß nach heißem vierstündigem Kampfe I y<s$ Olf £»$;{ ODWk»' ' ^"ti- ? '>¥*<* f-* Hq

Kaiser Wilhelms Glückwunsch an den König von Serbien. Die Thronbesteigung des Königs von Serbien ist den europäischen Mächten nunmehr amtlich zur Kenntnis gebracht worden; Kaiser Wilhelm hat, wie aus Belgrad berichtet wird, als ester der Souveräne der Groß­staaten die Mitteilung mit einem Glückwunsch erwidert. Seine in französischer Sprache abgefaßte Depesche hat in deutscher Übersetzung folgenden Wortlaut:

Ich habe die Anzeige, durch welche Eure Majestät mir die Mitteilung von Ihrer Thronbesteigung machten, empfangen und. nehme von dieser Mitteilung Notiz. Ich hege die Hoffnung, daß Eure Majestät Ihr Bemühen darauf richten werben, daß die guten Beziehungen, welche seither zwischen Deutschland und Serbien geherrscht haben, in Zukunft aufrecht erhalten und sich weiter entwickeln werben. Ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung Eurer Majestät eine Periode des Friedens und des Fortschrittes für Ihr König­reich inauguriren möge. * Wilhelm."

Der deutsche Kaiser richtete an den Präsidenten Roosevelt folgendes Telegramm: Bei meiner Ankunft in Kiel wurde ich von dem schönen amerikanischen Geschwader begrüßt und hatte das Vergnügen, den Admiral Cotton und die Kapitäne zu empfangen. Es war Ihrerseits ein sehr glück­licher Gedanke, das Geschwader nach Kiel zu senden, und ich bin dank diesem Umstande in der Lage gewesen, das prächtige FlaggschiffKearsarge" heute zu besichtigen, wobei ich den Kapitän zu dem außerordentlich hohen Maße von Tüchtigkeit und Eleganz des Schiffes und zu dem guten Aussehen der tapferen Mannschaft beglückwünschen konnte. Mit dem Aus­druck meines wärmsten Dankes versichere ich Ihnen, daß das Geschwader hier herzlich willkommen ist und hoffe, ihm seinen Aufenthalt angenehm machen zu können. Jedermann wird sich darum bemühen, daß es sich hier heimisch fühle in Erwiderung des freundlichen Empfanges, der meinem Bruder von den Bürgern Amerikas zu Teil geworden ist. Wilhelm I. R.

Die Sozialdemokratie nach der Stichwahl. Durch die Stichwahlen ist die sozialdemokratische Fraktion durch einige interessante Persönlichkeiten bereichert worden. Auf der anderen Seite' verschwinden einige Mitglieder, die in den Debatten des verflossenen Reichstages wiederholt hervorgetreten sind. Als Neuling tritt in die parlamentarische Arena Dr. Heinrich Braun ein, ein bekannter Sozialpolitiker, der Heraus­geber desSozialpolitischen Zentralblattes". Dr. Braun ist der Bruder des früherenVorwärts"-Redaktem8 Adolf Braun und seit einer Reihe von Jahren in Berlin ansässig. Er ist Gatte der bekannten Vorkämpferin für Frauenrechte Frau Lilly Braun, eine Tochter des Generals v. Kretschmann, die in erster Ehe mit dem Profeffor v. Gizyki vermählt war. Dr. Braun ist in der Stichwahl gegen den Landtagsabgeordneten

I den Franzosen das Dorf Daunigkow. Ebenso fest griffen Borstells Pommern zu, sie nahmen mehrere feindliche Geschütze, es zerschellte an ihnen die französische Kctdallerie, und im Sturm nahmen sie das Dorf Dehelitz. Auf dem rechten Flügel bei Zehdenik kämpfte Bülow. Als ein starkes feindliches Reitergeschwader dem Vorgehen seiner Infanterie Halt ge- I bieten wollte, stürzte sich Major von Platen, dertolle Platen" genannt wegen seiner Verwegenheit, an der Sp'tze von 200 Littauffchen Dragonern auf die weit überlegenen Feinde und jagte sie in die Flucht. Das gab dem preußischen Angriff neues Leben, überall drangen die Preußen siegreich vor und Vizekönig Eugen mußte das Feld räumen und auf das linke Ufer der Elbe zurückgehen.

_ Das war ein glückverheißender Anfang des Feldzuges. Wären die Russen ebenso rasch zur Hand gewesen, wie diese preußischen Heeresabteilungen, so hätte man die Franzosen aus dem Land geworfen, ehe Napoleon mit seinem neuen Heere heran war.

Die Franzosen nahmen zwischen der Elbe und dem Harz Aufstellung, während der russische General Wittgenstein mit einer kleinen Heeresabteilung die Elbe überschritt; aber die russische Hauptmacht stand noch weit zurück, und der Sieg von Möckern wurde nicht ausgenutzt.

Inzwischen hatte Napoleon mit großer Tatkraft und Um­sicht die Neubildung feines Heeres betrieben. Am 23. April überschritten seine heranziehenden Streitkräfte den Thüringer Wald, und schon zu Ende des Monats erfolgte westlich von Leipzig die Vereinigung Napoleons mit dem Korps des Vize- önigs, sodaß jetzt 150 000 Franzosen bereit standen, um es mit den Verbündeten aufzunehmen, die nur über 96 000 Mann geboten, wenn sie auch an Kavallerie und Artillerie den Fran-

zosen bedeutend überlegen waren.

" kam es zur Schlacht bei Groß-Görschen oder

Am 2. Mai Lützen.

Am 1. Mai der Verbündeten

hatten die Franzosen, ohne von der Stellung genaue Kenntnis zu haben, ihren Vormarsch