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iBebel, Erfolg haben wird und darum greifen sie jetzt ungeniert zu den verwerflichsten Mitteln. Die „Vo'ksstimwe" vom letzten /Freitag appelliert ganz unverfroren an die kleinen Geschäftsleute, welche Arbeiter als Kunden haben und bringt ihnen in Erinnerung, daß es sehr in ihrem Interesse liegt, mit den Arbeitern Frieden zu halten. Darin liegt eine versteckte, aber sehr deutliche Drohung. Also nicht die politische Ueberzeugung soll den Geschäftsmann bei der Wahl des Kandidaten bestimmen, sondern die Angst vor der Nacke der Genosten. Also so sieht die berühmte Meinungsfreiheit des Zukunftstaates aus? Aber die geheime Wahl ist den Herrn Genosten sehr im Wege, sie können ja nicht kontrollieren w i e der Geschäftsmann abgestimmt hat und darum geht die Wahlbeeinflussung noch einen Schritt weiter. In Hanau soll einem Geschäftsmann durch einen Genossen direkt verboten worden sein, überhaupt zu wählen bei Strafedes Geschäftsboykotis. Also dieselben Herren, die ihrem Gegner wieder besseres Wissen vorwarfen, die Beseitigung des geheimen Wahlrechts anzustreben, wenden hier einen ganz gewöhnlichen Trick an, dem geheimen Wahlrecht ein Schnippchen zu schlagen. Sollte es denn wirklich unter den Geschäftsleuten in Stadt und Land solche Waschlappen geben, welche einen „Genossen", der ihnen mit einem ähnlichen Ansinnen kommt, nicht prompt vor die Türe setzen? Sollte es aber solche geben, so muß ihnen eine einfache Ueberlegung sagen, daß sich die Genossen wohl hüten wurden, die Drohung in die Tat umznsetzen, denn dieses wäre eine regelrechte Erpressung. Solche Machenschaften können nur das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung haben. Kann denn jetzt nach diesen Vorkommnisten ein Geschäftsmann -überhaupt noch von der Wahlurne fern bleiben? Jeder Ge- schâftsmann, der morgen Donnerstag nicht wählt, denunziert sich ja nur selbst vor seiner bürgerlichen Kundschaft und der ganzen Welt als verkappter Sozialdemokrat. Darum Ihr Ge- /schäflsleute in Stadt und Land, beantwortet diesen Terrorismus der Genosten dadurch, daß Ihr am 25. Juni Mann für Mann zur Wahl schreitet und Eure Stimme Dr. Lucas gebt!
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Die Sozialdemokratie auf dem Stimmenfang.
Nach Katholiken steht ihr Sinn. In einem ungeschickt angelegten Flugblatt macht sie den Versuch, katholische Wähler gegen Nationalliberale scharf zu machen. Nach dem blindwütigen fanatischen Kampfe, den die «Sozialdemokratie gerade in unserer Gegend gegen die katholische Kirche und ihre Einrichtungen geführt hak, wird kein katholischer Wähler auf derartige Machinationen hereinsallen! Die Parole des Centrums lautet für morgen:
Nieder mit Hoch!
♦ * ♦ Eingesandt.
Bei der Stichwahl heißt's: für die bestehende Ordnung stimmen oder dem U m st u r z Handlangerdienste leisten.
Ein Drittes gibt's da nicht.
Diese einfache Wahrheit pfeifen die Spatzen von den Dächern.
Herr Dr. Lucas vereinigte im ersten Wahlgang die meisten Stimmen der staatserhaltenden Parteien auf sich.
Ihm gilt es morgen eine durchschlagende Mehrheit zu sichern.
Jeder Wähler, dem die Wohlfahrt des Staales am Herzen liegt, tue am 25. seine Pflicht und Schuldigkeit.
Herunter mit Hoch!
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Altenmittlau, 22. Juni. Gestern Abend fand im Kempf- schen Saale dahier eine zahlreich besuchte Versammlung der Wahlmänner von Altenmittlau statt, um Stellung zu nehmen zu der bevorstehenden Stichwahl. In klaren, nachdrücklichen Worten legte unser Herr Curatus Ewald die schwerwiegenden Gründe dar, die es uns nach Lage der jetzigen Verhältnisse zur Pflicht machen, nachdem Herr Dr. Lucas hinreichende Zusage in religiöser und sozialer Hinsicht gegeben, am kommenden Donnerstag Mann für Mann an der Wahlurne zu erscheinen und die Stimme abzugeben für Herrn Dr. Lucas. Herr Lehrer Bilz enlkräftigte darauf noch einige Einwände, welche sich bezüglich der Wahl in den letzten Tagen erhoben hatten und dann wurde einstimmig beschlosten: Altenmittlau tritt am 25. geschlossen für Herrn Dr. Lucas ein. Möge der Komproniß der Ordnungsparteien in den Wahlkreisen Hanau-Gelnhausen- Orb und Höchst Homburg-Usingen von segensreichem Erfolge begleitet sein, mögen die Namen der beiden Sieger im Wahlkampfe lauten: hier Lucas, dort Jtschert.
Hue Stadt und Cand»
Hanau, 24. Juni.
* Dienstjttbiläum. Heute blickt der Bureaudiener Herr Heinrich Trabandt ununttrbrochemn auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Königl. Preußischen Staats- eisenbahn-Derwaltung zurück.
♦ Konzert. Nächsten Mittwoch den I. Juli konzertiert im „Konzertgarten Bürgerbräu" die rühmlichst bekannte und bei uns noch vom nötigen Jahre in gutem Andenken stehende Kapelle des 5. Feld-Art.-Reg. aus Landau unter Leitung des Kgl. Musikmeisters Herrn Schneider. Das Programm ist wieder ein durchaus gewähltes und wollen wir nur hoffen, das nun auch der Wettergott ein Einsehen hat und uns die ersehnten warmen Abend bringt, um endlich einmal in dem schönen Garten des „Bürgerbräu" die lang entbehrten Klänge unserer, sowie fremder Militärkapellen wieder hören zu können.
* Die Sterbekaffe des Deutschen Werkmeist« t Verbandes, die etwa 41000 Milglieder zählt, wmoe seitens des Kaiserlichen Aufsichtsamtes für Privat-Versicherung im ganzen Deutschen Reiche zum Geschäftsbetriebe zugelassen. Während die alten, jetzt vorhandenen Mitglieder Durchschnilts- beitrâge zahlen, zahlen neu zugehende Mitglieder versicherungstechnisch nach dem Lebensalter berechnete Beiträge. Die Beiträge selbst können dem Vergleich mit denen jeder sonstigen Versicherungsanstalt stand halten. Der Verband selbst, dem
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die Mitglieder der Sterbekasse zugleich angehören, unterhält überdies noch eine Reihe von Wohlfabriseinrichtungen.
* Als besondere Beilage geben wir heute das amtliche Wahlresultat vom 16. Juni mit besonderen Rubriken, die morgen am Stichwahltage in Gebrauch genommen werden können.
* Zentrums WahlvereinHanau. Heute, Mittwoch den 24. Juni er., abends ’/»9 Uhr, findet im Saale der Centralhalle eine Zenrrumswästterversammlung statt, in welcher die Stellungnahme unserer Partei zur bevorstebenden Stichwahl näher beleuchtet und begründet werden soll. Alle Wähler, die am 16. Juni für Herrn Richard Müller ihre Stimme abgegeben haben, sowie die Mitglieder der übrigen Parteien mit Ausnahme der sozialdemokratischen, werden zu dieser Versammlung höff. eingeladen. Als Redner sind zwei auswärtige tüchtige Kräfte gewonnen.
* Kaufmännischer Arbeitsnachweis. Wohl keiner der von kaufmännischen Vereinen geschaffenen Einrichtungen wird vom Handelsstande so viel Interesse entgegengebracht, wie gerade der Stellenvermittelung. Nicht bloß die Gehilfen, sondern auch die Prinzipale würdigen immer mehr den Nutzen, den gut geleitete Arbeitsnachweise zu bieten vermögen. Der Verband Deutscher Handlungsgehilfen hat seiner Stellenver- mittellung von jeher größte Sor statt zugewendet, alljährlich werden bedeutende Beträge zum Ausbau dieser Einrichtung bestimmt, durch die zahlreiche Mitglieder Lebensstellungen erhielten. Von Firmainhabern wurden dem Verbände im vorigen Jahre 10389 offene Stellen zur Besetzung gemeldet, in den abge- laufemn 5 Monaten dieses Jahres gingen schon wieder 4600 Besetzunqsaufträge ein, es ist somit stellensuchenden Kaufleuten im Leipziger Verband reichlich Gelegenheit zu gutem Unterkommen geboten. Vermittelungsgebühren werden nicht erhoben, weder von den Auftraggebern, noch von den Mitgliedern. Der Leipziger Verband schließt zur Zeit 59000 Berufsgenossm zusammen, er verfolgt weder religiöse noch parteipolitische Bestrebungen, tritt aber für gerechte sozialpolitische Forderungen der Haudelsangestellten jederzeit energisch ein. Neben dem Arbeitsnachweis sind noch die gutfundierte Kranken- und Be.râb- nißkasse (jetzt 23000 Mitglieder) mit Freizügigkeit über ganz Deutschland, der kostenlose Rechtsschutz, reichausgestattete Pen- sionsmssm, ferner Stellenlosenunterstützun;, sowie ein Genesungsheim im sächsischen Erzgebirge hervorzuheben. Der Leipziger Verband bittet also viel bei mäßigem Jahresbeitrag, der Anschluß kann daher aufs wârm'te empfohlen werden.
* Spaziergänge nach dem Wolfgang sind zur Zeit für jeden Naturfreund nicht genug zu empfehlen. Der herrliche Wald und seine frohlockenden gefiederten Sänger sind die schönste Abwechslung auf die arbeits- und sorgenreichen Wochentage. Unterwegs bietet uns das Forsthaus die erste Station und Herr Mangold läßt es an nichts fehlen, was zur Stärkung und Erfrischung dient. Im Walde selbst ist allionntaglich Herr Gastwirt Linkmann aus Niederrodenbach mit der Bewirtung der Gäste betraut. Neffen Niederlassung an der altbekannte» Klosterruine, wo Tische und Bänke ausgestellt sind, ladet ganz besonders zur Rast ein. Es ist wirklich ein guter Gedanke gewesen, daß man auch hierdurch den Besuch und Aufenthalt in unserer schönen Bulau so angenehm zu machen verstanden hat und gebührt dem Herrn Forstmeister Fenner für fein freundliches Entgegenkommen der herzliche Dank vieler Hanauer, welche hiermit diese Dankespflicht erbringen und zum regen Besuch unserer herrlichen Waldungen einlaben.
* Der Ulan Immel von der 2. Esk. 6. Thür. UL« Regts. ist nicht von Zivilisten, sondern von Ulanen der 1. Esk. verletzt worden. ’ Die Verletzungen sind nicht tödlich. Die Schlägerei ist durch Frauenzimmer veranlaßt worden. Leber und Zwerchfell des Ulanen waren durchstochen und mußten vernäht werden.
* Mainwafferwärme vom 23. Juni: Morgens 14, mittags 141/», abends 15 Grad.
< 3- Bruchköbel, 22. Juni. Gestern hielt die im Jahre 1894 gegründete Turngesellschaft Bruchkö bei ihr Fabnenweih-Fest ab. Schon am Abend zuvor setzte sich bei eintretender Dunkelheit ein Fackelzug in Bewegung und mit Trommel- und Trompetenschall führte uns der Zug durch den Ort bis zu dem herrlich gelegenen Festplatz am nahen Walde. Hier konzertierte die Hanauer Manen-Kapelle und auch der Gesangverein „Mânnerchor" in Bruchköbel unter Leitung des Herrn Lehrers Hinkel wußte durch Vortrag einiger recht gefälliger Chöre den Abend zu verschönern. Gestern, als am Haupssestiaqe stellte sich nach Empfang der auswärtigen Vereine um 2 Uhr der Festzug auf. Nachdem unter den Klängen der Musik die neue von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahne abgeholt war, bewegte sich der Festzug durch die durch Ehrenpforte, Fahnen usw. wunderschön geschmückten Straßen nach dem Festplatz. Hier ergriff Herr Lehrer Schuhmann als Mitbegründer des feiernden jungen Vereins das Wort zu einer begeisterten, wohldurchdachten, von Herzen zu Herzen gehenden Festrede. Er führte etwa folgendes'aus: ES ist nicht die Absicht des Redners, eine lang ausgesponnene, künstlich aufgebaute Rede zu halten, vielleicht über die Entwickelung und Bedeutung des deutschen Turnwesens und ihre eifrige Arbeit auf den verschiedensten Gebieten der Ausbildung des menschlichen Körpers. Das sei schon oft aus viel berufenerem Munde geschehen. Die Bedeutung des heutigen Tages und der Wert des Kleinods, das heute übergeben wird, darüber muß gesprochen werden, damit die Feier auch einen nachhaltigen, guten Eindruck hinterläßt. Der heutige Tag, an dem gutgesinnte Freunde aus nah und fern herbeigeeilt sind, muß wie ein heller Stern am Lebenshimmel begrüßt werden. Nicht eine Vermehrung der Vereinsfestlichkeiten, nicht leichter Sinn, Eitelkeit oder Prunksucht haben das Fest hervorgerufen, sondern das ernste Streben nach Kräftigung und Festigung des jungen Vereins. Darum allen herbeigeeilten Turnern für ihre Teilnahme und Mitfreude freundlichste« Dank und herzlich Willkommen. Aller Freude aber gilt dem Angebinde, von zarter Jungfrauenhand dem festgebenden Verein überreicht, die prächtige, neue Fahne. Das Kleinod soll vorbildlich dem Ver-
24. Juni.
ein fein, ein Bild des inneren Zusammenhanges, der Einheit.
Die Fahne sucht das Auge, wenn getrennt werden, die zn- sammengehören, und alles folgt dem Zeichen in einiger Gesinnung. „Uns alle treibt ein reiner, freier Sinn, nach einem Ziele streben wir alle hin." Auf der einen Seite der Fahne der Duer Jahn in ernstem Gesichte, der einst mit glühender Begeisterung hinauszog zum Kampf für Einigkeit und Freiheit. Auf der anderen Seite die kraftvolle Gumania, ein Bild der Einheit und Größe unseres geliebten Vaterlandes. Sie sollen allzeit mahnen: Ein Arm, ein Geist, ein einziger Leib, ein Wille sind wir heut. Deutsche Söhne deutscher Erde, bleibt vereint in edlem Streben, bleibt vereint in gleichem Sinn. Die Fahne ist vorbildlich ferner, denn sie flattert hoch im Wind. Sie flattert aufwärts zum reinen Blau, ein Symbol des Strebens zur Höhe; sie flattert vorwärts, ein Symbol des Strebens nach fernen Zielen. Auch der Turner hat diese hohen edlen Ziele, niât allein Stärkung des Körpers für des Lebens Arbeit und Mühe, sondern auch die Seele muß ans dem Staube des Alltäglichen emporgezogen und zu hohen Zielen begeistert werden. Wenn die neue Fahne auch keine Kriegesfahne ist, so bat sie aber doch dieselbe Bedeutung; im Kampf gegen alle Bequemlichkeit und Gleichgiltigkeit, im Streben nach dem edlen Ziele soll sie den Folgenden zum Siege verhelfen. Scherz und Frohsinn sind ja immer muntere Gesellen der Turner, aber haltet Wacht, daß nichts einschleicht, was daS Band lockert, bleibt treu geschart nur euer Banner im ernsten Streben, und so wird die Turn- gesellschaft Bruchköbel gedeihen und ihr neues Banner in Ehren gehalten. In dem Sinne: „Gut Heil!" Hierauf überreichte eine Jungfrau dem Verein die neue Fâe, wofür der Vorsitzende des Vereins in herzlichen Worten seinen Dink aussprach. Der Verein aber kann stolz sein auf den Belitz einer solchen Fabne, denn letztere ist durch die großartige Stickerei ein wahres Kunstwerk und macht der Lieferantin die größte Ehre. Nun entimcMte sich auf dem Festplatz ein reges munteres Treiben und ohne jegliche Disharmonie verlief der Festtag zu Ehren des festgebenden Vereins. Erst in später resp, früher Stunde trennten sich die Festgenossen mit dem Beivußtsein, ein schönes, wohlgelungenes Fest gefeiert zu haben. Am heutigen Tage fand die Nachfeier bestehend in Tanzbelustigung )c. statt. Tänzerinnen und Tänzer tarnen wiederum zu ihrem vollen Rechte und man sah manches liebäugelnde Pärchen zärtlich umarmt den Walzer über den groß angelegten Tanzboden walzen.
<5* Langenselbold, 23. Juni. (Gustav-Adolfs- Fest.) Am 4. und 5. August d. J. wird in unserem Orte die Feier des diesjährigen Gustav-Adolf-Festes abgehalten werden. Dasselbe soll folgenden Verlauf nehmen: Am ersten Festtag (Dienstag) findet um 4 Uhr e ne Vorstandssitzung statt; um 51/» Uhr Versammlung der Delegierten und Geistlichen, um 8 Uhr Familienabend. Von 7—8 Uhr abends wird das eigentliche Fest eingeläutet. Am zweiten Festtage (Mittwoch) morgens von 6—7 Uhr werden wiederum alle G ockm geläutet. Der Hauptgottesdienst nimmt seinen Anfang um ‘MO Uhr. Zu diesem stellt sich auf dem Marktplatze ein Festzug^^^ auf, der unter Glockengeläute zur Kirche zieht. Nach dem Gottesdienste findet ein Festessen statt und um 3 Uhr nachmittags versammeln sich die Festteilnehmer zu einer Nachfeier im Freien. — Zwecks Bildung eines Festkomitees soll nächsten Sonntag den 28. d. M. in der Gastwirtschaft des Herrn Hamburger eine Versammlung abgehalten werden, zu der noch besondere Einladungen ergehen werden.
Treber-Schmidt vor den Geschworenen.
@»M 23. Juni.
Das Verhör Schmidt's wird fortgesetzt. Der Angeklagte meint, seine Buchungsmanöver möchten wohl ungewöhnlich erscheinen, er habe aber durchaus nichts getan, was auf eine tatsächliche Täuschung berechnet war. Es sei ihm vielmehr nur um eine flüssigere Gestaltung der Bilanz zu tun gewesen, um die schlechte Lage der Gesellschaft nicht kund zu tun. Er habe nach Angaben seiner Fachtechniker die zu erwartenden Gewinne aus Lwenzverkâufen und Maschinenlieferungen auf 5 Jahre verteilen lassen. Wäre er ein Betrüger gewesen, so hätte er, da er als erster den Mißerfolg des Bergmann'schen Patentes erfuhr, sein Geld herausziehen und davongehen können. Daß er sich und die anderen Herren der Trebergesellschaft weiter so großartig engagierte, beweise am besten die Ehrlichkeit seiner Absichten und seines Wollens.
Die Vernehmung Schmidt's füllt die ganze Vormittags- sitzung aus. Der Angeklagte gibt bei der weiteren Vernehmung zu, daß er der Börsenzahlungsstelle in Berlin falsche Angaben gemacht habe. Der zur Anklage stehende Hauptpunkt des be- lrügeritchen Vankerotts besteht in der Eintragung einer Hypothek von 250 000 Mk. auf sein, des Angeklagten, Grundstück Grindelhof in Hamburg. Der Angeklagte bestreitet, die Absicht gehabt zu haben, irgend jemand zu täuschen. Er habe sich damals für durchaus gut gehalten, müsse allerdings zugeben, daß er mit der Eintragung der Hypothek Veränderungen plante, welche er seiner Frau in einem Briefe zustellen ließ, den er durch einen Mitgefangenen durchschmuggeln wollte.
Als erster Sachverständiger wird hierauf Ingenieur Bergmann vernommen, der Erfinder des bekannten Parentes. Dieser sagt, daß sich nach seiner Ansicht Schmidt im guten Glauben befunden habe. Der Zeuge äußert sich sodann über verschiedene Geschäftszweige der Trebergesellschaft, deren Ertragsfähigkeit Schmidt überschätzt habe.
Der nächste Sachverständige, Fabrikant Rüggeberg-Neheim, spricht sich ungünstig über das Bergmann'sche Patent aus. Rüggeberg hält Schmidt für einen großartigen Optimistin, dem aber betrügerische Absicht unbedingt fern gelegen habe.
Die Verhandlung wird um 3 Uhr nachmittags auf Mittwoch früh vertagt.