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Donnerstag

18. Juni.

Zur Wahlbcwcgnng.

* Hanau, 18. Juni. In einer besonderen Beilage bringen wir heute die Zusammenstellung über die Wahl vom 16. Juni noch einmal zum Abdruck. Namentlich verweisen wir auf die Resultate des Kreises Gelnhausen, da durch ein Versehen des Setzers die gestrige Zusammenstellung einige Un­richtigkeiten enthalten hat. Die von uns gegebene Berechnung der Wahlbeteiligung zeigt, daß die bürgerlichen Wähler in er­freulich starkem Maße an die Wahlurne getreten sind. Der erste Ansturm der roten Internationale ist zurückgeschlagen, der Entscheidungskampf steht nun bevor und auf diesen Kampf muß die ganze Kraft der bürgerlichen Parteien konzentriert werden, das so glücklich begonnene Werk darf kein halbes blei­ben. Jeder einzelne muß zum Agitator in Freundeskreisen werden und dafür sorgen, daß in der Stichwahl am 25. Juni kein anderer gewählt wird als der

Amtsrichter Lucas in Langenselbold, der für seine Person Gewähr bietet für eine wirksame würdige Vertretung unseres schönen hessischen Wahlkreises Hanau-Geln­hausen-Orb.

Q Langenselbold, 17. Juni. Die Beteiligung an der gestrigen ReichStagswahl war in unserer Gemeinde dies­mal eine sehr lebhafte, nicht allein seitens der Sozialdemo­kraten, sondern auch erfreulicher Weise seitens der vereinigten Nationalliberalen und Konservativen. Von 1000 Wahlbe­rechtigten haben 879 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Von den abgegebenen Stimmen entfielen auf Lucas 454. Hoch 398, Küstner 24, Müller 3 Stimmen. In 1898 haben von 904 Wahlberechtigten nur 492 gewählt. Damals ent­fielen auf die nationalliberale und konservative Partei nur 118, diesmal 454 Stimmen, mithin ein Zuwachs von 336 Stimmen.

0 Langendiebach, 17. Juni. (W a h L) Die Be­teiligung an der Reichstagswahl war hier diesmal eine äußerst lebhafte. Der Vorgang der hiesigen Sozialdemokraten vor dem Dückhardt'schen Lokal steht allen noch in lebhafter Erinnerung. Sowohl die bürgerlichen Parteien, als auch die Sozialdemo­kraten gaben sich die größte Mühe, alle Säumigen herbeizuholen. Von 487 Wahlberechtigten haben 434 gewählt. Wie ver­lautet, haben die Sozialdemokraten auf ca. 325 Stimmen ge­rechnet, bekamen jedoch nur 291. Ueber dieses Resultat sollen sie sehr enttäuscht gewesen sein. Hoffentlich werden alle Wähler der bürgerlichen Parteien auch am Tage der Stichwahl an der Wahlurne erscheinen.

)-( Marköbel, 17. Juni. Eine rege Wahlbeteiligung machte sich dahier diesmal erfreulicherweise geltend; von den Wahlberechtigten kamen etwa 850 ihrer Pflicht nach. Der Landwirt J. Uhrig zu Hirzbach hatte es sich sogar nicht nehmen lassen, die dortigen Wähler auf einem Erntewagen hierher zu fahren und so erschienen' diese mittags 1 Uhr Mann für Mann an der Wahlurne. Gewiß verdient beides rühmend heroorgehoben zu werden. Das Resultat der Abstimmung war ein verhältnismäßig günstiges; es zeigte vor allem, daß unsere hiesigen Landwirte trotz desBauernfreund" ihren wahren Feind erkannt haben. Möchten doch alle Landwirte und alle rechtdenkrnden vaterlandsliebenden Männer unseres Wahlkreises bei der bevorstehenden Stichwahl so treu zusammenstehen im Kampfe gegen die Partei des Umsturzes, dann wird der Sieg gewiß errungen werden.

Fortfetzurg aus dem 2. Blatt.

Neustadt Earth aus Jauta-Polcynski (Pole) gewählt.

Offenbach Stichwahl zwischen Ulrich (Soz.) und Becker (nat.-lib.).

Ohlau Stichwahl zwischen Rother (kons.) und Schütz (Soz.).

Osterburg Heimburg (kons.) gewählt.

Oldenburg (1) Stichwahl zwischen Bargmann (frs. Vp.) und Hug (Soz.)

Oldenburg (3) Burlage (Ztr.) gewählt.

Oppeln Szmula (poln. Zentr.) gewählt.

Oschersleben Stichwahl zwischen Rimpau (nat.) und Bartels (Soz.).

Osterrode Stichwahl zwischen Oertzen (kons.) und Gün­ther (nat.) ,

Osthavelland Stichwahl zwischen Pauli (wild) und Liebknecht (Soz.).

Ottweiler Fuchs (Ztr.))mit 19 Stimmen Majorität ge­wählt.

Parchim Stichwahl zwischen Pachmcke (fr. Bgg.) und Große (Soz.).

Plauen Gerisch (Soz.) gewählt mit 16 396 Stimmen, Zeidler hatte 8194, Schwarze 6993 Stimmen.

Pfarrkirchen Bachmeier (Bauernbund) gewählt.

Pinneberg v. Elm (Soz.) gewählt.

Pletz Rhbnik Stichwahl zwischen Faltin (Ztr')und Ko- walzcki (Pole).

Plön Stockmann (Rp.) gewählt.

Pyritz Stichwahl zwischen Nicolai (kons.) und Kroesel (Antis.).

Querfurt Stichwahl zwischen Winkler (kons.) und Mittag (Soz.)

Ragnit Graf Kanitz gewählt.

Natibor Frank (Ztr.) gewählt.

Rastenburg-Gerdauen Rautter (kons.) gewählt.

Regensburg Pfetten (Ztr.) gewählt.

Rinteln Muller-Fulda (Ztr.) gewählt.

Ruppin Stichwahl zwischen Dietrich (k.) u. Kiesel (S.)

Rügen-Stralsund ». Riepenhausen-Crangen (kons.) gewählt.

Randow (Pommern) Koerstm (Soz.) mit 6 Stimmen gewählt.

Rinteln Stichwahl zwischen Reventlow (Rfpt.) und Vetterlein (Soz.).

Rosenberg-Löbau Walzer (Reichsp.) gewählt.

Schlochau Stichwahl zwischen Böckler (Antis.) und Komierowjkt (Pole).

; Schweinfurt Stichwahl zwischen Holzapfel (Ztr.) und Schäfer (nai.-lib.).

Schwerin Stichwahl zwischen Dröscher (kons.) und Groth (Soz.).

Stolp Will (kons.) gewählt.

Stuhm Marienwerder Witt (Reichsp.) mit knapper Mehrheit gewählt.

Straubing Mitiermeier (Bauernbund) bisher 6829, Echinger (Ztr.) 7783 Stimmen. 35 Bezirke fehlen.

Sagan Kuntze (kons.) in Stichwahl mit Müller-Sagan (frs. Vp.)

Salzwedel Kröcher (kons.) gewählt.

Samter Graf Mielzynssky (Pole) gewählt.

Saarburg Roeren (Ztr.) gewählt.

Saargemünd Baron Schmidt (Wilder) gewählt.

Sensburg Bieberstein (kons.) gewählt.

Siegen Stöcker (chr.-soz.) gewählt.

Schleswig Stichwahl zwischen Mattsen (nat.) und Hoff­mann (Soz.)

Siegkreis Becker (Ztr.) gewählt.

Schrimm Glebocki (Pole) gewählt.

Schwarzburg-Rudolstadt Hofmann (Soz.) gewähli.

Schopfheim Schuler (Ztr.) gewählt.

Schweiz Stichwahl zwischen Holtz (Reichsp.) und Ja­worski (Pole).

StaÜupönen Sperber (kons.) gewählt.

Ost- und West-Sternberg Stichwahl zwischen v. Wal­dow (kons.) und Fröblich (Antis.)

Landkreis Straßburg Stichwahl zwischen Blumen­thal (D. Vp.) und Hauß (Eis.).

Striegau-Schweidnitz Stichwahl zwischen Richthosen (kons.) und Faldma.m (Soz.).

Tecklenburg Herold (Ztr.) gewählt.

Teltow Zubeil (Soz.) mii 71,000 Stimmen gewählt.

Tondern Stichwahl zwischen Tonnies (natl.) und Leon­hardt (frs. Vp.).

Thorn Stichwahl zwischen Graßmann (nat.-lib.) und Brejski (Pole).

Usedom Stichwahl zwischen Böhlendorf (kons.) und Kunze (Soz.).

Varel Stichwahl zwischen Träger (Volksp.) und Hug (Soz.).

Berden Stichwahl zwischen Baron Arnswalde (Welfe) rmd Held (natl.).

Waldeck Stichwahl zwischen Müller (Resp.) und Pott­hoff (frs. Mr.).

Waldenburg Sachse (Soz.) gewählt.

Wanzleben Stichwahl zwischen Schmidt (natl.) und Silberschmidt (Soz.).

Wertheim Zehnter (Ztr.) gewählt.

Wetzlar Stichwahl zwischen Krämer (natl.) und Breiden­bach (Ztr.).

Wiesbaden Bartling (natl.) 7575, Crüger (frs. Vp.) 6200, Im Walle (Ztr.) 7410, Lehmann (Soz.) 10,950;

Stichwahl zwilchen Bartling und Lehmann.

Wirsitz Czarlinski (Pole) gewählt.

Wolfenbüttel Stichwahl zwischen Kaufmann (natl.) und Rieke (Soz.).

Wrefchen Chlakowski (Pole) gewählt.

Warburg Schmidt (Ztr.) gewählt.

Wartenberg Oels Stichwahl zwischen Kardorff (Rchp.) und Strumpf (Antis.).

Wasserburg Bauer (Ztr.) gewählt.

Weilheim Stichwahl zwischen Thuenfeld (Zir.) und Hofmann (Bauernbund).

Weimar Stichwahl zwischen Baudert (Soz.) und Zwehn (Bd. d. L.).

Zschopau Rosenow (Soz.) gewählt.

Aus dem Gkricht-saal.

Sitzung der Strafkammer II vom 17. Juni.

Schlägerei.

Am 13. Juli v. I. fand in einer Wirtschaft in Oberkal­bach eine Vereinsfestlichkeit statt, zu der auch viele Teilnehmer aus den umliegenden Orten gekommen waren. Als das Fest im schönsten Gange war, entstand auf der Straße ein Streit, an dem Mittelkalbacher und Heubacher Burschen beteiligt waren. Dieser kleinere Anfang war das Geplänkel zu einem großen Streit und Faustkampf, der sich in den verschiedenen Räumen der Wirtschaft forlsetzte und wobei die Teilnehmer sich gehörig verprügelten. Ein Heubacher Bursche hatte das Messer gezogen, was besonders unter den Oberkaibachern Entrüstung erregte. Doch konnte dem Störenfried das Messer abgenommen werden, bevor er damit Unheil angerichtet hatte. In dem tollen Durcheinander, der nun entstand, konnte sich Freund und Feind nicht mehr unterscheiden, man sah nur noch einen Knäuel, aus dem die zum Schlagen erhobenen Fäuste emporragten. Der Teilnahme an diesem kleinen Dreschvergnügen sind 5 Angeklagte beschuldigt und zwar die jetzt in Frankfurt beschäftigten Taglöhner Möller und Maurer Bitter, ferner der Gastwirt Jost, Auszüger Faust und Schneider Jost von Oberkalbach. Die Angeklagten berufen sich zum Teil auf Notwehr, zum Teil wollen sie gänzlich unschuldig sein. Es ist ein umfangreicher Zeugenbeweis aufgeboten, doch gelingt es nicht, die einzelnen Vorfälle so aufzuklären, daß eine Verur­teilung erfolgen könnte. Die Angeklagten werden daher sämt­lich freigesprochen.

Diebstahl.

Der Maurer Bildhäuser hat Berufung gegen ein verur- teilendes Erkenntnis des Fuldaer Schöffengerichts eingelegt. Der Angeklagte entwendete von einem fremden Grundstück 2 Diehlen. Die Berufung wird verworfen.

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Sitzung des Hanauer Schöffengerichts vom 17. Juni.

Der Kutscher W. logierte sich vor einigen Jahren hier ein und gab an, er sei in einem Geschäft als Kaufmann ange­stellt. Dies war erfunden, denn W. besaß überhaupt keine

Stelle. Er machte nachher den Ehinafeldzug mit und konnte setzt erst zur Verantwortung gezogen werden. Die Strafe gegen den schon vorbestraften Angeklagten lautet auf einen Monat Gefängnis. Der TaUöhner R. von Großauheim beleidigte in gröblicher und nnflätigcr Weise zwei Schntzlente und leistete seiner Fortbringung Widerstand. Strafe: 1 Mo­nat Gefängnis. Der Arbeiter M. Halte sich hier einlogiert und war ohne Bezahlung verschwunden. Er schrieb aber Postkarten von seinem Aufenthaltsorte und versprach Bezahlung, sobald er in der Lage sei. Die betrügerische Absicht ist daher nicht zu erweisen und der Angeklagte wird freigesprochen. Der Schuhmacher K., der in der Schirnstraße urinierte, leistete den Schutzleuten, die ihn aufschreiben wollten, Widerstand. Strafe: 1 Woche Gefängnis und 4 Mk. Geldstrafe. ^- Drei Bettler erhalten je 6 Wochen Haft.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 18. Juni,

9 Uhr 35 Min.

Hochdruckgebiete über 760 mm lagern über Nord- und Südeuropa, ein Minimum unter 748 mm westlich von Jüd- land. In Deutschland wehen schwache südliche bis südwestliche Winde, das Wetter ist kühl und vielfach heiter, vielfach ist Re­gen gefallen.

Prognose für den 19. Juni: Kühles, meist trübes Wetter mit Regenfällen wahrscheinlich.

die

Hue ptab und fern,

Friedewald, 16. Juni. Eine schwere Bluttat hat hier Gemüter in Aufregung gebracht: Der Kaufmann Rudolph

Peter ist gestern abend im Streit durch den Förster Fischer (früher auf Forsthaus Mönches bei Hersfeld) erschossen wor­den. DieHerèf. Ztg." ist in der Lage, über dies schreck­liche Vorkommnis folgende Einzelheiten mitteilen zu können: Peter war Jagdpächter, seine Jagd grenzte an das Fischer'sche Revier. Aus mancherlei Gründen, besonders auch dadurch, daß Peter vor einiger £eit die Grenze seines Jagdbezirks über­schritten hatte und deshalb von Fischer zur Anzeige gebracht worden war, herrschte zwischen beiden erbitterte Feindschaft. Gestern abend von 8-9 Uhr begegneten sie sich zwischen Friedewald und Lautenhausen, es kam zunächst zu einem Wort­wechsel, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Hierbei hat nun Fischer den rötlichen Schuß abgegeben. Derselbe drang dem Peter in der Magengegend in den Leib. Gegen halb 12 Uhr wurde der Geschossene noch lebend hierher gebracht, nachdem sich vorher Gericht und Polizei an die Stelle des Verbrechens begeben hatten. Heute morgen um 7 Uhr erlag Peter der erhaltenen Verwundung. Fischer wurde heute vormittag verhaftet.

Frankfurt a. M., 17. Juni. Heute nachmittag kurz nach 4 Uhr ereignete sich im Hause Niddastraße 111 eine blutige Affaire. Der 25 Jahre alte Fahrbursche Ernst Schuster bewohnt dort seit einigen Wochen bei der Familie Herchen eine Mansarde. Um die angegebene Zeit fielen mehrere Schüsse. Gleich danach sprang in wilder Hast Schuster die Treppe herunter. Man durchsuchte den Mansardenstock und fand das in den 20er Jahren stehende Dienstmädchen Margarethe Dotter- weich tot vor. Sie lag auf dem Bette des Schuster; vier Revolverschüsse hatten ihrem Leben sofort ein Ende gemacht. Das Mädchen war auf der Bockenheimer Landstraße bedienstet und wurde seit gestern vermißt. Offenbar hat Schuster das Mädchen, mit dem er ein Verhältnis unterhielt, schon seit gestern abend beherbergt. Seinen Koffer hat er im Parterre des Hauses zur Aufbewahrung gegeben mit der Bemerkung, er müsse zu einer Uebung einrücken. Das Gepäck wurde von seinem Bruder abgeholt. Schuster ist in Westerburg im Wester­wald gebeten und befand sich in einer hiesigen Fahrradhand­lang in Süllung; er ist flüchtig.

Hus aller Welt

Wegen Beleidigung der Kaiserin wurde lautPost" der Riltergutsbesitz-'r Moritz von der Strafkammer in Neiden­burg (Ostpreußen) zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Eine Sängerfahrt. Wie aus Eisfeld in Meiningen gemeldet wird, stürzte bei der Heimfahrt eines Gesangvereins von einem Sängerfest ein Wagen um; zehn Personen trugen hierbei erhebliche Verletzungen davon.

Ein Mann in Frauenkleidern. Unter der Spitz­marke:Ein Mann in Frauenkleidern" schreibt man der FrankfurterOberleitung" aus Spremberg: Verschiedenen Personen unserer Stadt ist in letzter Zeit eine weibliche Per­son aufgefallen, Witwe Hedwig Fischer geb. Adler aus Königs-

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die Agentur in Groß-Auheim Herr Hch. Jörg sen., Auktionator.