Einzelbild herunterladen
 
  

Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für mi3= Bärtige Nboimenten mit dem betressenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Gluckt und.verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. v Waisenhauses in Hanau.

' Organ für Stadt- nnd Fanddreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

&ü Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg, die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., int Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

DcrantworN. Redakteur: G. Schre «ker in Hanau,

Nr. 133. FernsprechanMnß Nr. 605.

>j^^g^^^«^»g^ llflll MM*B

Mittwoch den 10. Juni

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1903

Amtliches.

Candkme Ranau«

Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.

Die Wahlberechtigten mache ich daraus aufmerksam, daß die Wahl zum Reichstage am

16. d. Mts., von vormittags 10 Uhr bis abends 7 Uhr,

in den bereits bekannt gegebenen Wahllokalen des Landkreises stattfindet, und daß jeder Wähler, der von seinem Wahlrecht giltigen Gebrauch machen will, folgende neuen Bestimmungen des Wahlreglements in der Fassung vom 30. April d. Js. genau zu beachten hat:

Der Wähler, welcher seine Stimme abgeben will, nimmt von einer durch den Wahlvorstand in der Nähe des Zuganges zu dem Nebenraum oder Tisch aufzu­stellenden Person einen abgestempelten Umschlag zu sich. Er begibt sich sodann in den Nebenraum oder an den Nebentisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag steckt, tritt an den Vorstandstisch, nennt seinen Namen sowie auf Erfordern seine Wohnung und über­gibt, sobald der Protokollführer den Namen in der Wählerliste aufgefunden hat, den Umschlag mit dem Stimmzettel dem Wahlvorsteher oder dessen Vertreter, der ihn sofort'uneröffnet in die Wahlurne legt.

Wähler, welche durch körperliche Gebrechen verhindert sind, ihren Stimmzettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und diesen dem Wahlvorsteher zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Vertrauensperson bedienen.

Stimmzettel, welche die Wähler nicht in dem abge­stempelten Umschlag oder welche sie in einem mit Kenn­zeichen versehenen Umschlag abgeben wollen, hat der Wahlvorsteher zurückzuweisen, ebenso die Stimmzettel solcher Wähler, welche sich in den Nebenraum oder an den Nebentisch nicht begeben haben.

Der Wahlvorsteher hat darauf zu halten, daß die Wähler in dem Nebenraum oder an dem Nebentisch nur so lange verweilen, als unbedingt erforderlich ist, um den Stimmzettel in den Umschlag zu stecken.

Ich bemerke dazu noch, daß die WahlzettelUMschläge nichè geklebt abgegeben werden dürfen.

Hanau den 8. Juni 1903.

Der Königliche Landrat.

<7 V Nr. 4477 v. Beckerath.

Hanauer Ortskrankenkaffe.

Des Lamboyfestes wegen werden die am 13. Juni zahl­baren Krankengelder und sonstigen Unterstützungen am Frei-

Feuilleton

Moderne Rosenzucht.

Bon Dr. Paul Lange.

(Nachdruck verboten.)

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat man zur Römerzeit nur die vier jetzt noch im Orient heimischen Rosenarten: die Heckenrose, die Hagebutte mit der aus ihr gezüchteten, beson­ders in Kyrene gebauten edlen Moschusrose, die Pimpernell- rose und die vermutlich erst zur Zeit Alexanders des Großen aus Persien nach Europa gebrachten Centifolien gekannt, die in großer Vollendung in Campanien, namentlich aber bei Pästum gezüchtet wurden, wo der Reisende zwar heute noch die großartigen Ruinen des Neptuns- und Cerestempels, aber keine Rosen mehr findet. Diese Rosenkultur ging jedoch in den Stürmen des Mittelalters zu Grunde, und es verflossen nunmehr mehrere Jahrhunderte, aus denen uns nichts über die Pflege der Blumenkönigin erhalten ist. Ihre Geschichte beginnt eigentlich erst mit Karl dem Großen, der bei seiner umfangreichen staatsmännischen Tätigkeit doch Zeit sand, um einen Erlaß herauszug-ben, indem er seinen Franken die An­pflanzung und Pflege der Rosen dringend anempfiehlt. Mehr noch als Carolus magnus haben die Benediktiner für die Verbreitung. der Rosenkultur getan. Wo immer eine Nieder­

lassung dieser gelehrten, bildungsfreundlichen Mönche entstand, da wuchs neben dem Kloster auch ein Rosarium, ein Rosen­garten empor, aus denen Ableger, Wurzelschnittlinge, Aus­läufer und Stecklinge in die Dorfgärten der Bauern hinaus- wanderten. Verständnisvolle Pflege fanden die Rosen auch bei den Arabern, von denen das erste, von dem gelehrten Ewe el Awam verfaßte Rosenbüchlein stammte. Neue Arten, dar­unter die liebliche Damascenerrose, kamen während der Kreuz­zeuge nach Europa, dagegen verschwand hier fast vollständig

tag den 12. Juni, von 9 Uhr vorm. bis 3 Uhr nachm., zur Auszahlung gelangen.

Am 13. Juni bleibt die Kasse geschloffen.

Hanau, 40. Juni 1903.

Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.

Müller,

Vorsitzender. 10337

Dienslnachrichtcn aus dem Kreise.

Der Taglöhner Wilhelm Stürz aus Wachenbuchen ist zum Nachtwächter der dortigen Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 8. Juni 1903. V 4390

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 weißes Kinderschürzchen, 1 kleines roteS Kinderportemonnaie mit 95 Pfg. Inhalt.

Verloren: 1 goldenes Medaillon mit Photographie, 1 Monats-Nebenfahrkarte 2. Kl. Hanau-WestFrankfurt-Ost, 1 blaue Arbeitsschürze, auf der Messe ein Portemonnaie mit über 13 Mark und einem goldenen Ring.

Zugeflogen. 1 Kanarienvogel mit schwarzem Kopf.

Hanau den 10. Juni 1903.

Zur Wnhldcwcgung.

Zu letzter Stunde.

Nur wenige Tage noch trennen uns von dem Termin der Reichstagswahl. Da erscheint es geboten, nochmals einen kraftvollen Appell an die Wähler der ucsironalgesinnten und staatserhaltenden Parteien zu richten. Eine große Zahl von Versammlungen wird in den letzten Tagen noch abgehalten, Flugblätter werden in Masse verteilt, und alle rednerischen und agitatorischen Kräfte, welche den einzelnen Parteien zur Ver­fügung stehen, werden in der Oeffentlichleit zu entfalten ge­sucht. l^as ist gewiß gut und löblich. Infolge wohlgelungener öffentlicher Veranstaltungen, zündender Ansprachen, rednerischer Erfolge, siegreicher Debatten ist sicherlich noch so mannet Schwankende und Unsichere zu gewinnen. Aber damit allein ist eS nicht getan. Gerade auch im gegenwärtigen vorge­schrittenen Stadium der Wahlbewegung muß die Kleinarbeit sich mit aller Macht geltend machen und der öffentlichen Par- teitätigkeit helfend und fördernd zur Seite treten. Jedes Mit­glied der staatserhaltenden Parteien muß in diesen Tagen zum Agitator werden. Jeder sollte sich eine bestimmte Anzahl von Personen, Bekannten, Freunden, Nachbaren, Berufs- oder Er- werbsgenossen und dergleichen zur Bearbeitung auswählen, sie persönlich aufsuchen und ihnen gegenüber alle Mittel der Ueber-

die Centifolie, sodaß der Botaniker Charles l'Ecluse (Clusius) im Jahre 1589 es als eine besondere Rarität erwähnen kann, daß es in holländischen Gärten und bei vornehmen Leuten in Frankfurt a. M. hundertblättrige Rosen gebe.

Von dieser Zeit an, also etwa seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wird das Interesse an den Rosen allgemein. Sie finden in dem Botaniker Jakobs I. von England, Lobel, ihren ersten Geschichtsschreiber, der 10 damals in England kultivierte Rosengattungen beschreibt. Bauhin nennt im Jahre 1629 schon 19 Spezies und Parson zählt in seiner 1789 herausgegebenen Synopsis plantarem schon 46 Arten auf, darunter auch die kurz vorher aus China importierte benga­lische Rose und den zweimal blühenden Damastener Rosier des quatre saisons. Im Anfang des 19. Jahrhunderts werden dann zahlreiche neue Arten aus anderen Ländern, be­sondern aus Südasien eingcführt. Gleichzeitig beginnt jedoch in größtem Maßstabe die Züchtung neuer Formen durch Selek­tion und Kreuzung. Einzelne französische Gärtner rühmen sich schon um das Jahr 1810 mehr als 1000 Rosensorten (oder richtiger Abarten) zu besitzen. Während aber von den Varietäten jener Zeit heule kaum mehr 220 kultiviert werden, ist die Zahl der Arten und Abarten seitdem ins Ungemessene gestiegen. Ein Rosenbnch aus dem Jahre 1854 zählt deren schon gegen 3000 auf und die Roseuzüchter der Gegenwart verfügen über mindestens die dreifache Zahl von Formen, wogegen freilich die streng-wissenschaftliche Botanik für die nördliche Erdhalbkugel nur etwa 100 Arten als solche anerkennt.

Die Erklärung dieses ungeheuren Reichtums an Formen führt uns mitten in die Geheimnisse der modernen Rosenzucht. Eine große Zahl Rosenarlen ist ohne menschliches Zutun durch sogen.Sportzweige" entstanden, indem sich näMich die Natur spontan das Vergnügen macht, an einem Rosenstrauch Zweige zu treiben, deren Blüten nicht nur eine ganz abweichende Gestalt zeigen, sondern auch hinsichtlich der Blütezeit und des grünen Blaitlanbes verschieden sind. Auf diese Weise sind hochgeschätzte I

Die üeutiae Nummer umfakt außer dem Unter haltitttgshlatt 13 Seiterr

redung und Werbung zur Anwendung bringen. Die Zeit, die jemand dadurch seinen augenblicklichen Geschäften entzieht, wird durch einen günstigen Ausfall der Wahl hundertfältig wieder eingebrachl; denn die Interessen aller derjenigen, die auf dem Boden der bestehenden Gesellschafts-Ordnung stehen, werden durch den revolutionären Ansturm der Sozialdemokratie gleich­mäßig bedroht.

Niemand, der es wirklich ernst meint mit der Erhaltung der Nelig'on, Monarchie und Vaterland, sollte am 16. Juni der Wahlurne fernbleiben. Die Todfeindin aller Güter unseres Volkslebens, die rote Internationale, wird, wie mit Bestimmt­heit zu erwarten ist ihre sämtlichen Anhänger bis auf den festen Mann zur Stelle bringen. Sie ist wirksam nur mit­telst der gleichen Rührigkeit und Energie zu bekämpfen. Be­denke jeder, daß ihm das hohe Recht, durch seine Stimmabgabe mitzuwirken an den Geschicken des Vaterlandes, nicht gegeben, um es ungenutzt zu lassen; dem Wahlrechte steht vielmehr die Wahlpflicht gegenüber. Diese Pflicht ist so hehr und heilig wie nur irgend eine und muß ohne Rücksicht auf Erfolg oder Miß­erfolg ausgeübt werden. Auf darum zur Wahl! Fort alles Zweifeln und Zagen!Kein Volk hat Golt verlassen, das sich nicht selbst verließ." Den wackern Streitern gehört der Sieg.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 10. Juni.

* Der Ehrenpreis des Landgrasen. Den von Seiner Königlichen Hoheit dem Landgrafen von Hessen. für den soeben stattgehabten 2. Wettstreit Deutscher Mannergesang­vereine zu Frankfurt a. M. gestifteten Ehrenpreis hat der K ö l n e r Männer-Gesang-Verein als ersten Preis nach dem Wanderpreis Seiner Majestät erhalten. Dieser Ehrenpreis, ein gothischer Pokal in Silber mit reicher Gold­verzierung, trägt vorn ein Schild mit dem Hessischen Gesamt- Wappen und auf der Rückseite ein solches mit musikalischen Emblemen in bunter Emaille, sowie auf dem Deckel den hessischen Löwen mit dem Mittelschild des Wappens in Emaille, in reich ornamentierter Ausführung. Der Pokal, welcher den besonderen Beifall Seiner Majestät des Kaisers und Königs, sowie die ungeteilte Anerkennung aller höchsten und hohen Persönlichkeiten gefunden hat, ist von der Firma I. D. Schleißner Söhne (der Herren Rodde) zu Hanau gefertigt worden und bildet ein hervorragendes Kunstwerk.

* Der Telephondienst an den Wahltagen. Vom Reichspostamt ist verfügt worden, daß am 16. Juni und am Tage der Stichwahl sämtliche Telegraphen- und Telephon­stationen im Deutlchen Reich bis 10 Uhr abends von jeder­mann zum Nachrichtendienst benutzt werden können.

Arten wie die weißen Zentifolie, die Unicamoosrose, die Kron­prinzessin Viktoria, die amerikanischethe Queen", ferner aus der Hybride Baronne de Rothschild die beinahe weiße Mabel Morrison, endlich auch eine weiße Marèchal-Nielrofe entstanden, und den Gärtnern, die auf solche Naturspiele scharf aufpassen, blieb es nur übrig, dieselben festzuhalten und auf dem Wege der Veredelung fortzupflanzen und zu vermehren.

Weitaus die meisten neuen Rosenarten und Abarten ent­stehen jedoch dadurch, daß Sämlinge sehr zur freiwilligen Form­veränderung neigen und daß keine Blume in so hohen: Grade wie die Rose die fruchtbare Kreuzung (Hybridisierung) der differenzierlesten Formen gestattet. Diese Möglichkeit, die für den Botaniker zur Quelle großen AergerS wird, weil sie immer wieder an seinen wissenschaftlichen, systematischen Einteilungen rüttelt, gewährt dem Rosenzüchter die Möglichkeit, die Resultate feiner Zucht mit mindestens derselben Sicherheit vorauszu­berechnen, mit welcher der Tierzüchter bei seinen Kreuzungs­versuchen zu arbeiten gewohnt ist. Geht die Natur dabei auch immer noch oft genug ihre eigenen Wege, so ist dies doch die einzige Methode, um Rosenarten zu erzielen, die bestimmte, vom Züchter gewünschte Eigenschaften aufweisen. So sind, um konstante Beispiele anzuführen, die vielbegehrten, mehrmals blühenden Moosrosen nur dadurch entstanden, daß man die gewöhnlichen Moosrosen mit Remontantrosen ,gekreuzt hat, und eine sehr gelungene Kreuzung zwischen der chinesischen Gönäral Allard, einer mehrmals blühenden Hybride und der Remon­tantrose Madame Laffay ist nur zu dem Zwecke vorgenommen worden, um den schwachen Habitus der ersteren durch die robusten Formen der letzteren zu verbessern und gleichartig eine im Herbst blühende Art zu erhalten.

Bei wilden, verwilderten und edlen Rosen, über denen nicht die korrigierende Hand des Gärtners waltet, besorgt be­kanntlich die Natur die" Befruchtung dadurch, daß der reife Pollen der Staubgefäße durch den Wind oder durch Insekten auf die weiblichen Teile der Blumen, die Narben, gebracht werden. Der Züchter darf es natürlich darauf nicht ankommen