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Montag
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Ausgaben für Wissenschaft, Knnst, Unterricht jährlich pro Kopf der Bevölkerung in Mark:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterr.-Ung.
7,86 6,63 6,30 3,60 4,15
Ausgaben für den D o l k s s ch u I u n t e r r i cht jährlich pro Kopf der Bevölkerung in Mark:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterr.-Ung. 6,20 5,10 5,83 1,64 2,77
In den Leistungen für Volksunterricht, höheren Unterricht, Wissenschaft, Kunst marschiert Deutschland an der Spitze aller Kulturstaaten. Ebenso hat Deutschland die verhältnismäßig größte Anzahl von Volkèschülern. Der Kostenaufwand für einen Volksschüler beträgt pro Jahr in Mark : Deut'chland Frankreich England Italien Oesterr.-Ung. 35,4 31,6 48,32 16,28 23,72
England, das erheblich weniger Volksschulen hat als Deutschland, erscheint nur deshalb mit einer größeren Summe, weil die in England vorherrschende Prioatschule selbstverständ
lich teurer ist als die Staatsschule.
Auch in Bezug auf Universitäten steht an erster Stelle. Es beträgt die
Deutschl. Frankr. Engl. Italien Anzahl der
Universitäten 22 19 11 2 t Studenten . 26 680 13 360 13 400 9000
Professoren 1 920 568 34,4 600
Deutschland
Oest.-Ung.
10
18 600
1 430
Für die Sicherheits- u n d I u ft i z p f l e g e werden ansgegeben pro Kopf der Bevölkerung in Mark: Deutschland Frankreich England Italien Oesterr.-Ung. 6,09 4 03 7,86 5,32 4,05
Hier wird Deutschland von England nur um weniges übertroffen.
Was die Ernährung des deutschen Volkes betrifft, so sind folgende Ziffern von Interesse:
Es verzehren jährlich und pro Kopf der Bevölkerung an Getreide und Fleisch in Kilogrammen:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterr.-Ung.
252,8 273 218 187 216
Hier also wird beim Verzehr der kräftegebenden Nahrungsmittel Deutschland lediglich von Frankreich übertroffen; allen anb'ten Kulturstaaten steht es weit voran.
Betrachten wir nun die Genußmittel und ihren Konsum jährlich und pro Kopf der Bevölkerung. Anzahl der Liter
Bür, Wein
Deutschl.
Frankr.
Engl.
Italien
Oest.-Ung.
u. Schnaps
124 5
121,6
123,5
92,2
64,2
Tabak. . .
1,5
0,8
0,67
0,68
1,7 kg
Kaffee, Tee
25
1,8
2,5
0,6
0,9 „
Im Bier-, Wein- und Schnapstriukeu steht Deutschland allen anderen Ländern voran, den meisten leider weit voran, im Tabakgenuß nimmt es die zweite Stelle ein.
Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß Deutschland bei niedrigster Belastung seiner Bevölkerung durch Steuern und Zölle den h ö ch st e n A u f w a n d für die materielle Lebenshaltung, für die Schulbildung und für sonstige Kulturaufgaben leistet. Es geht daraus hervor, daß die Schilderung der heimischen Zustände in sozialdemokratischen und freisinnigen Blättern Phantastegemälde sind, nur dazu bestimmt, die Bevölkerung unzufrieden und mißtrauisch zu machen.
Hue Stadt und £and.
Hanau. 8. Juni.
• Bestich des Königs von Dänemârk in Hanau. Nächsten Mittwoch wird Se. Maj. König Christian IX. von Dänemark dem hiesigen Ulanm-Regiment einen Besuch abstatten.
Berliner, die wir übrigens in unserem ersten Berichte als gefährliche Konkurrenten der Kölner bezeichnet hatten. Namentlich wunderte man sich über die Zurückstellung der Bremer wie andererseits über die hohe Nummer von Potsdam. Nachdem die Preisverteilung beendet war, wurde das offizielle Kaiserhoch ausgebracht, das auS 10,000 Kehlen brausend durch die riesige Halle erklang: ebenso machte die von der ganzen Versammlung gesungene Nationalhymne einen geradezu imposanten Eindruck. Damit war der zweite W'ttstreit in feinem gesanglichen Teil beendet und der Menschenstrom ergoß sich in die Restauratiouszelte, während eine Kompagnie Soldaten Tische und Stühle für den großen Kommers am Abend ausstellte.
Aus der Rede des Kaisers am Mittag an die Dirigenten wurde noch bekannt: Er sei erstaunt, was vielfach einfache Arbeiter hier geleistet hätten; aber wie viel Mühe und schlaflose Nächte müsse es anch bereitet haben, ehe diese technischen Schwierigkeiten überwunden gewesen seien. Man solle nicht die Schwierigkeiten der Jnstrumentalkompo- sitionen auf den Männergesang übertragen. Der Vortrag von Mendelssohns „Wer hat dich du schöner Wald" hätte wie eine Erlösung wirken müssen auf das viele Geschraubte und Verschrobene, was wir zu hören bekommen hätten. Diesen Worten des Kaisers wird man sich im großen und ganzen anschließen können. Es war erstaunlich was geleistet wurde im Hinblick auf die Verschiedenartigkeit der Sängerkräfte. Aber erfreulich war es vielfach nicht. Vor allem sollten Chöre gesungen werden, die für menschliche Kehlen, nicht aber für Instrumente im Orchester geschrieben erscheinen. Die Säugerwettstreite sindfwohl imstande, erzieherisch zu wirken, wenn man mehr auf edlen Vortrag, schönen und reichen Ausdruck, kraftvollen Rhythmus bedacht ist, als technische Fertigkeiten in den Vordergrund zu schieben. Dann werden Kunstfreudigkeit und mit ihr Hebung der Sitten und des Geschmackes immer weiter in alle Kreise unseres deutschen Volkes dringen und danach laßt uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand l
* Zum Ableben des Fürsten Ferdinand Maximilian von Ysenburg Büdingen zu Wächtersbach. Aus Anlatz des am 5. d. M. erfolgten Ablebens des Fürsten Ferdinand Maximilian zu ^'enburg und Büdingen in Wächtersbach findet gemäß § 8 des Kurhessischen Ediktes vom 29. Mai 1833 in dem standesherrlichen Bezirk Wächtersbach, nämlich in den Gemeinden Wächtersbach, Hesseldorf, Weilers, Neu nschmidten, Schlierbach, Hellstein, Udenhain, Wiltgenborn, Waldensberg, Leisenwald, Spielberg, Streichern, Helsersdors, Breitenborn, Wolferborn eine öffentliche Trauer für 6 Wochen von heute ab statt. Oeffentliche Lustbarkeiten dürfen während dieser Zeit nicht stattfinden.
* Prüfung der Quittungskarten. Sicherem Ver- nehmen nach findet von heute Montag dem 8. d. Mts. ab im hiesigen Stadt- und Landkreis eine Prüfung der Quittungs- kartcn statt, welche von einem Bureanbeamten der Landes- Versicherungsanstalt Hessen-Nassau in Cassel ausgeführt werden wird. Für Arbeitgeber, welche mit der Verwendung der fälligen Beitragsmarken noch im Rückstände sind, empfiehlt es sich daher, zur Vermeidung von Strafen und Weiterungen alsbald das Versäumte nachzuholen. Auch empfehlen wir, die Quittungskarten in der nächsten Zeit bereit zu halten, damit dieselben auch bei etwaiger Abwesenheit des Arbeitgebers oder Versicherten von den Angehörigen und Beauftragten ^em Kontrollbeamten alsbald vorgelegt und dadurch öftere Störungen und Zeitverluste für beide Teile vermieden werden können.
* Hanauer Geschichtsverein. (Sommer-Ausflug.) Die Mitglieder werden hierdurch auf die Anzeige in der heutigen Nummer hingewiesen. Dazu wird noch bemerkt, daß diejenigen Teilnehmer, welche nicht schon 7 Uhr 19 früh mitfahren wollen, auch noch nachkommen können, indem sie folgende Züge benutzen: Ab Hanau-Ostbahnhof 10 Uhr 46 über Offenbach (bezw. Ab Hanau-West 10 Uhr 54 über Mainkur!) — Ab Frankfurt-Hauptbahnhof 11 Uhr 55 (Schnellzug !) in Homburg 12 Uhr 23. — Von Homburg- Bahnhof würde dann der fahrplanmäßige Zug der elektrischen Straßenbahn — 12 Uhr 30 — zur Saalburg zu benutzen sein. — Bei den Anmeldungen zur Teilnahme müßte evtl, angegeben werden, wenn die Betreffenden nachkommen wollen.
* Konzert im Kaiserhof. Morgen Dienstag abend 8 Uhr findet im Kaiserhof das 2. Abonnementskonzert der Ulanenkapelle unter Mitwirkung des vom vorigen Jahre her bekannten ausgezeichneten Cornet a Pistonvirtuosen Herrn L. Kümmel vom Hoftheater in Darmstadt statt. Somit steht unserem musikliebenden Publikum ein ausgezeichneter Genuß bevor. Bekannt ist, daß die Kapelle des Ulanenregiments auf der Höhe der Zeit steht, daneben wird noch ein trefflicher Künstler als Solist Mitwirken. Ueber ein Auftreten desselben, des Pistonvirtuosen Herrn Kümmel, in Köln schreibt die „Kölnische Zeitung" vom 17. August vorigen Jahres: In der Flora fand vorgestern das philharmonische Konzert unter Mitwirkung des Großh. Hessischen Hofmusikers Kümmel wegen ungünstiger Witterung im Konzertsrgle statt, wodurch die Leistungen des verstärkten Streichorchesters zur vollen Wirkung gelangten. Herr Kümmel, einer der besten Piston-Virtuosen, zeigte gleich in dem ersten Stücke, dem Violm-Konzerte Nr. 7 von Büriot, seine glänzenden Eigenschaften; die schwierigsten Läufe überwand der Künstler mit einer Leichtigkeit und Sauberkeit, welche das Publikum zu großem Beifgll veranlaßte; tadellos gelang der schwierige Schlußsatz. Dir Romanze aus Mignon trug Herr Kümmel mit edler Empfindung nnd wei- chem Tone vor, und gerade auf diesem Gebiete sprachen die künstlerischen Leistungen mehr an, wie bei dem Vortrage der sclbstkompon'erten Fantasie - Poska, welche hinsichtlich der technischen Leistung allerdings sehr hohe Ansprüche stellt. Durch dm stürmischen Beifall seiner Zuhörer veranlaßt, entschloß sich Herr Kümmel zu zwei Zugaben.
* Sommertheater. Den guten Ruf, den sich das Ensemble des Herrn Theaterdirektors H e n ß auf Beck's Felsenkeller durch die Vorstellungen an den Feiertagen erworben hat, konnte die gestrige gut besuchte Aufführung nur befestigen. „Hufarenliebe" oder „Ihr Korporal" nannte sich die fünfaktige Posse mit Gesang, die man gestern abend zur Aufführung brachte und die dank eines recht flotten Zusammenwirkens aller Kräfte und der hübschen Einzelleistungen einen lebhaften Heiterkeitserfolg erzielte. In leichter belustigender Weife behandelt die Poffe das ausgebeutete Thema von der singenden Allgewalt des bunten Rockes, der selbst das sprödeste Mädchenherz auf die Dauer nicht zu wiederstehen vermag. Vorwiegend aus Humorischen Rollen bestehend mit eingefügten Knplets liegt der Erfolg des Stückes bei den Darstellern und die Vertreter des Humors bei dem Ensemble haben denn auch ihre Partien so amüsant wie möglich gestaltet. Allen voran stand Herr Direktor Henß, der sich als Wendelin durch seine drollige Darstellungsweise und seinen urwüchsigen Humor beim Kupletsvortrag besonders auszeichnete. Auch Herr Kraus- Hönig gab mit prächtiger Laune seinen Gottfried Lampel und Herr Eberhard Quester stellte einen recht schneidigen ungarischen Husarenkorporal auf die Bühne. Auch die wèib- lichm Mitwirkenden leisteten durchweg recht gutes, so Frau Lola Henß als energische Therese, Frau Kraus-Hönig als Baronesse Rumpelsburg und Camilla Matiasch als Susi. Wir können den Besuch des Sommertheaters nur empfehlen.
* Rudersport. Der Meldeschluß der Frankfurter Regatta ist nun heran gekommen, leider jedoch für unsere Mannschaften noch etwas zu früh, denn diejenigen, die dorthin gemeldet und entsandt werden sollen, wurden durch ein herbes Mißgeschick betroffen, indem sich einer der tüchtigsten Leute so erheblich an der linken Hand verletzte, daß derselbe bereits schon 3 Wochen nicht mitrudern kann. Wohl wurde diese empfindliche Lücke im Senior-Vierer und -Achter, so gut es eben möglich war, durch einen Ersatzmann ausgefüllt, aber von einer erusten Entwickelung konnte von da ab nicht mehr die Rede sein. Erst heute wieder will der Betreffende, obgleich die Wunde noch nicht ganz geheilt ist, und um das Starten in Frankfurt möglich zu machen, einen schwachen Versuch wagen. Diese Störung ist umsomehr zu bedauern, da die Mannschaft auf das gewissenhafteste ausgesucht und auch zu den schönsten
Hoffnungen berechtigt war. Ein Junior-Vierer kann vorerst nicht kompiliert w rdm und wird ein solcher auf einer späteren Regatta noch binansgcsckickl werden.
* Dom Gisenbahnzuge zermalmt. Samstag abend ereignete sich auf der Bahnstrecke Friedberg—Hanau ziw'chcn den Sta ionen Assenheim und Erb adt-Ka chen ein gräßlicher Unglücksfall, bei dem e;n pflich treuer Beamter, der in Frndberg sta ionierte Lokomotivführer Hilgenberg, s in Leben einbüßt'. Der 8 Uhr 20 Min. von Friedberg in der Richtung nach Hanau abgehende Personenzug 836 wurde mit 2 Lokomotiv u gefahren, die zweiteLokomo ive führte der vorgenannte Hilgenberg. Unweit der Station Erbstadt beugt- sich derselb' s itnerts hinaus und bückte sich hinunter, jedenfalls in der Absicht, nach der. Gange seiner Maschine zu seifen. Das sollte ihm zum Ve - hänrnis werden, denn im selben Augenblicke sanfte auf dem zweiten Geleise aus entgegengesetzter Richtung kommend der 7 Uhr 36 Min. von Hanan-Ost abfahrende Personenzug heran, der etwas Verspätung hatte und sonst in Windecken tri 1131. Der seitlich etivas hervorragende Wawngriff eines Personnr- wagens 4. Klasse rannte wieder den Kopf des sich herunter- beugenden Lokomotivführers Hilgenberg und zerschmetterte ihm die Hirnschale. Jedenfalls augenblicklich toi, fiel der Verunglückte herunter, kam unter die Räder unb routje zermalmt. Er hinterläßt eine Witwe mit 7 Kindern, welch letztere im Alter von 11 bis herunter zu 1 Jahre stehen.
* Gefährlicher Passant. In der Schulstraße wurde gestern der schon öfters von Geistesstörung befallene Wkiß- binder K. mit einem Dolche in der hinteren Rocktasche betroffen. Ein Schutzmann nahm ihm die gefährliche Waffe ab.
* Unfall an der Schiffsschaukel. Gestern nachmittag kroch ein 4jâhriges Kind unter der die Schiffsschaukeln umfassenden Kette hindurch und wurde von einer in Bewegung befindlichen Schaukel am Kopfe getroffen bezw. gestreift. Aerzt- liche Behandlung war erforderlich.
* Das wilde Rasen der Radfahrer ist in letzter Zeit wiederum geradezu zu einer Epidemie ausgeartet, die für Straßenpassanten in hohem Maße gefährlich ist. So wurde am Samstag abend in der Krämerstraße ein in der Glockeustraße wohnender junger Mann von einem fremden und unerkannt gebliebenen Radfahrer überrannt und zu Boden geworfen, sodaß er einen Armbruch erlitt.
* Trinkerheilftätte „Burgberg-Bieber". Mr vorgenannte so segensreich wirkende Anstalt wird Herr Heinr. Stein aus Hochstadt von heute ab im Stadtkreise Hanau eine Kollekte erheben, welcher die Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten erteilt wurde.
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandteu Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.
Badeanstalt Langenselbold. Wohl das größte Bedürfnis Selbolds — natürlich mit Ausnahme eines Lachm- stegs — ist eine Badeanstalt. Wenn auch vor einiger Zeit schon die Rede von dem Bau einer Badeanstalt war, so ist es bis jetzt noch nicht dazu gekommen, und wohl hauptsächlfchWsM deshalb, weil man glaubte, das Geld besser anwenden zu können, was aber auf keinen Fall möglich ist, denn eine Badeanstalt ist für Seibold im Sommer so nötig, wie es im Winter ein Lachensteg ist. Aber könnte denn eine Gemeinde, die so viele Tausende für andere Bauten hingibt, kaum 200 Mk. für eine so nötige und gerade für Seibold so nötige Einrichtung hergeben? Ich sage kaum 200 Mk., denn mehr bedarf man sicher nicht dazu, d. h. wenn es keinen Pracktbau geben soll. Was für einen Zweck haben noch die alten Balken und Bretter des Bahnstegs? Sie können sehr gut als Pfähle und Abgrenzungsbalken zur Badeanstalt benutzt werden, die alten Bretter werden Zugänge zu den Zellen geben, zu denen wieder einige neue Dielen (Bretter) genügen und von denen (Zellen) etwa 5—7 Stück vollständig hinreichend sind. Eine Auskleidehalle mit ein paar Bänken und einigen Treppen ins Wasser vervollkommnen die Badeanstalt. Die Zellen müßten den Badenden gegen Entgelt znr Verfügung stehen, während der Zutritt zu der Ankleidehalle für jedermann frei wäre. Wo nun den Platz für eine Badeanstalt nehmen? Die schönste und geeignetste Stelle ist auf alle Fälle die Biegung der Kinzig am Ausgange des Bocksgehörns, denn es muß daselbst nichts ausgegraben werden, da sich dort seichte Stellen für Nichtschwimmer und tiefe für Schwimmer befinden; ein gutes, festes Ufer, zu dem allerdings noch ein kleiner Fußpfad — etwa 10 m — angelegt werden müßte, bietet einen bequemen Eingang. So wären mit einem Schlage all' die Uebelstände, die bis jetzt mit dem Baden in Seibold verbunden sind, beseitigt. Den Bauern würden nicht mehr die Wiesen zertreten, da die meisten ja doch durchs Bocksgebörn zum Baden gehen; denn eine Menschenplagerei, oder besser Rücksichtslosigkeit, ist es, zu »erlangen, den langen Weg bis zur Kinzigbrücke und von da bis zum Badeplatz — etwa 25 Minuten — in der glühendsten Hitze, fast ohne in Schatten zu gehen, zurückzulegen. Außerdem muß sich ein anständiger Mensch schämen, bei den Schuljungen, die sich gewöhnlich sehr unanständig betragen und meistens ohne Badehosen herumlaufen, zu baden; auch Sachen sind schon gestohlen oder in dem Grafe verloren worden. Mit einem Wort: das Baden in Seibold ist kein Vergnügen und kaum eine Erholnng, denn durch das Herausklettern an den steilen Ufern der Kinzig wird man gewöhnlich schmutziger, als man hincinkam. Und wie sehr haben es doch die vielen Arbeiter, die den ganzen Tag in glühender Hitze gearbeitet haben, nötig, sich abends tüchtig zu waschen, und welch' eine Erholung muß es für sie sein, sich abends durch ein Bad stärken zu können. Langenselbold, ein Ort von über 4000 Einwohnern, sollte sich schämen, noch keine Badeanstalt zu besitzen, während viele kleinere Ortschaften als Selbold die Vorteile einer Badeanstalt erkannt und sich eine solche unter großen Kosten gebaut haben. Eigentlich ist es unnötig, überhaupt über eine Badeanstalt etwas zu schreiben, denn ich glaube: Selbold bekommt weder einen Lachensteg (der alte scheint als Sehenswürdigkeit stehen bleiben zu sollen), noch eine Badeanstalt!
Ein junger Selbolder.