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Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis:

Biertelsährlich 1,80 Mk., monatlich GO Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

General-Anzeiger

Geruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einriickungsgebiihr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Psg. die fünf­gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

D-rauiwortl. Nedakieur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 123.

Ferns-rechanMnir Ar. 605»

Donnerstaa Den 28. Mai

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1903

AiiitUches.

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachung.

Der am 24. Januar 1853 zu Rotenburg a/Fulda ge­borene Schreiner Kranz Polykarp Riemenschneiver hat sich am 14. März 1900 unter Zurücklassung seiner Familie in hilfsbedürftiger Lage von hier entfernt.

Es wird ersucht, nach p. Riemenschneider zu fahnden und im Betretungsfalle mir Mitteilung zu machen.

Hanau den 26. Mai 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 3654 v. Beckerath.

Candhrels Dan au.

Bekauntmachrulsten des Kömgl. Landratsamtes.

Der Ortsdiener und Ortspolizeidiener Elsässer in Rüdigheim ist auch zum Ortspolizeidiener für den Guts­bezirk Rüdigheimerhof auf Widerruf bestellt und ver­pflichtet worden.

Hanau den 22. Mai 1903.

Der Königliche Landrat.

V 4175 v. Beckerath.

Der Ortsschützer August Börner I in Oberrodenbach hat sein Amt freiwillig niedergelegt. An seine Stelle ist der Ackermann Eduard Adam LI. daselbst zum Ortsschützer der Gemeinde Oberrodenbach auf Widerruf bestellt und verpflichtn worben.

Hanau den 23. Mai 1903.

Der Königliche Landrat.

V 4315 v. Beckerath.

UttmickW (ton OkkoiiltmitZebiiukttl.

Krettag den 29. d. Mts., vormittags 10 Uhr, werden die Oekonomiegebäude (Zehntscheuern re.) des Fürstlichen Hofes zu Langenselbold öffentlich meistbietend auf 6 Jahre vermietet.

Zusammenkunft bei den Hehntsâeuern,

Offenbach a. M., 26. Mai 1903.

Fürstlich Jsenburg-Birstein'sche Domänenverwalumg.

O t t e r p o h l. 9507

Kleines Feuilleton.

Z»ui Sängerwettstreit in Frankfurt a. M.

Die Spalierbildttng.

Für die Ankunft des Kaiserpaares am 3. Juni, abends 7 Uhr, ist folgende Spalierbildung in Aussicht genommen: Von der Scharnhorststraße bis zur Wilhelmsbrücke nehmen Aufstellung auf der rechten Seite die dem deutschen Krieger­verband angehörigen hiesigen Kriegcrvereine, auf der linken Seite der Verein ter Telegraphen-Uyterbeamten. Die Wil­helmsbrücke selbst bleibt unbesetzt, um dem Kaiserpaare einen Ausblick auf den Handelshafen und dir Parade-Ausfahrt der hiesigen Ruder-Vereine zu gewähren.

In der Wilhelmstraße bis zur Einfahrt in den Festplatz nehmen 2600 Mädchen aus den hiesigen städtischen Lehran­stalten Ausstellung. Die Mädchen ziehen, damit sie nicht in ein Gedränge kommen, sofort, nachdem das Kaiserpaar das Spalier passiert hat, in den Festplatz ein und marlâreren durch diesen und die Vogelweidstraße, Gartenstraße, Wilhelmsbrücke zum Bahnhofsplatz, von wo aus die Schülerinnen alsdann entlassen oder nach ihren Schulen zurückgeführt werden.

Abends 9 Uhr zur Abfahrt des Kaiserpaares findet aber­mals eine Spalierbildung statt, und zwar nehmen Ausstellung die älteren Schüler hiesiger städtischer Knabenschulen in einer Zahl von annähernd 3000 Knaben. Sämtliche Knaben tragen Lampions, und zwar jede Schule eine besondere ,^a:be.^ An die Schulen anschließend nehmen di- Schützen-, Turn-, Spori- und sonstige Vereine Aufstellung, daran anschließend die ver­schiedenen Beamten-Dereine, namentlich der kgl. Elfenbahn- direktion, endlich die gesamte Garnison. Die Spalierbildung findet statt längs des Schaumainkais bis zur Unlermambrucke, welch letztere frei bleibt, dann Neue Mainzerstraße bis zum Schauspielhaus, Gallusanlage, Kaiserstraße bis zum Bahnhöfe.

Hus Stadt und EancL

Hanau, 28. Mai.

Beamtenpersonal-Nachrichten.

Ernannt: der Professor Dr. Engelmann in Leipzig zum außerordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Universität Marburg, der Gerichtsosfissor Schreiber zum Amtsrichter in Wetter, der Referendar Hücker zum Gerichts­assessor, der Rechtskandidat Kaestner zum Referendar, der Pfarrer Höchst et ter zu Erfurt auf Vorschlag des Vorsteher- amtes zum 5. Pfarrer an der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Cassel, der Pfarrer Bro mm zu Eimelrod zum Pfarrer in Botten'k orf, luth. Klasse Frankenberg.

Übertragen : dem Forstassessor P f l a n z zu Guttstadt die kommissarische Verwaltung der Obersörsterstelle Brotterode vom 1. Juli d. J. ab.

Uederwiesen: der Regierungsassessor Kutter zu Aurch dem Landrat des Kreises Fulda zur Hilfeleistung in den land- rätlichen Geschäften.

Versetzt: der Amtsrichter Dr. Wege in Crossen a/O. an das Amtsgericht in Cassel, der Steuersekretür Falkenthal von Hersfeld an die Einkommensteuer-Veranlagungskommission des Kreises Schlüchtern und der Steuersekretür Friederici von Schlüchtern an dieEinkommensteuer-Veranlagungskommission des Kreises Hersfeld. -

Pensioniert : der Forstmeister Müller zu Wildeck zum 1. Juli d. I.

* Sonder-Personenzüge. Aus Anlaß des Psingst- fèsies werden außer den sonst an Sonn- und Feiertagen zur Beförderung kommenden Zügen eine Anzahl Sonderzüge ge­fahren. Näheres ist aus den Aushängen an b:it Bahnhöfen zu ersehen. Arbeiterzüge, welche sonst Mon lags verkehren, werden am Dienstag den 2. Juni gefahren.: Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst die Vorzüge zu benutzen, weil diese Züge auf den Abzweigungsstattonen die Anschlüsse an andere Züge sicherer erreichen, als die nachfolgenden Haupt- zugk.

* Psarrstellen. Zur Erledigung gekommen ist infolge Versetzung die Pfarrsielle zu Eimelro.d, Dekanat Vöhl, weiterhin infolge Ablebens ihres seitherigen Inhabers die Pfarr- stelle zu Eberschütz, Klasse Trendelburg. Bewerbungen sind an das Königl. Konsistorium in Cassel zu richten.

* Goldene Hochzeit. Der Ehrenbürger und frühere Vizebürgermeisfir unserer Stadt, Herr Wilh. Heraeus sen., feiert heute im Verein mit seiner Gemahlin das seltene Fest der aoibeuen Hochzeit.

* Die 26. Versammlung des Hessischen Forst- Vereins findet am 6. und 7. Juli d. J. in Cassel im Saale

' Unter den Platanen des Schaumainkais zieht sich eine Kette bunter Lampions hin, während der Main, belebt von ge­schmückten Booten und mit bunten Lampions beleuchtet, ein farbenprächtiges Bild bieten wird, da auch die den hiesigen Hafen besuchenden Reedereien den Besuch zahlreicher Schiffe in Aussicht gestellt haben und dw Ruder- vereine und Sachlenhänser Fârchcr AuifMp halten. Tw Knaben werden nach Vorüberfahrt der knserücheu Herrschasien nicht an Ort und Stelle entlassen, sondern marschieren wieder in geschlossenen Kolonnen zn bestimmten Plätzen ab, von welchen ans sie entlassen werden, um jedem Gedränge 31t entgehen.

Während der Fahrt der kaiserlichen Herrschaften über die vorgenannte Strecke findet bengalische Beleuchtung des rechten. Mainuiers bis zu der Alten Brücke statt, ebenso des Domes, desLangen Franz" und der andern Türme, sowie btr Kuppel des Schauspielhauses.

Für die Uniermainbrücke, die nicht unmittelbar in dem Zuge der zum Festplatze führenden Hauptstraßen liegt, ist ein bescheidener Schmuck vorgesehen. Herr Prof. Lnthmer, dir mit den Kräften der Kunstgewerbeschule diesen Teil der Straßen­dekoration übernahm, hat demselben die Verherrlichung des heutigen Männergesangs zu Grunde gelegt. An den beiden Brückenaufgüngen erheben sich in Nischen von lebendigem Grün die doppelt-lebensgroßen Büsten von Brahms und Schumann (Frankfurter Seite) und Mendelssohn und Schubert (Sachin- Häuser Seite). Auf der Länge der Brücke werden die großen Masten der elektrischen Straßenbahn durch kräftige Guirlanden untereinander verbunden. Jeder Mast, an der Spitze mit einer Fahuengruppe geschmückt, erhält ein großes Banner aus goldfarbigem Stoff, aus dessen brokatartiger Musterung sich eine Leier abhebt; über dieser zeigt ein Rundbild den Kopf je eines um den deutschen Männergesang besonders verbiethet Komponisten. Die Reihe der Tonfitzrr enthält die Name/.: Franz Abt, Max Bruch, J. Brainbach, Peter Cornelius, ?.-. Hegar, Konradin Kreutzer, Kremser, Franz und Vincenz Lachn: r,

Die beutiße Nummer umfaßt außer dem ttuterhaUungsblatt 10 Seiten

des Evangelischen Vcreiushauses statt. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. Grundsätze und Ergebnisse des Durch- forsinngsbetriebes im Hessischen Buntsandsteingebiete. Bericht­erstatter: Forstmeister Sellheim in Münden und Forstmeister Sprengel in Melsungen. 2. Die Schütte und deren Be­kämpfung. Berichterstatter: Oberförster Cordemann in Tier­garten. 3. Mitteilung von bemerkenswerten lehrreichen forst­lichen Beobachtungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen.

4. Mitteilung von forstgeschichtlichen Notizen, wichtigen statischen und statistischen Zahlen. 5. Welche Mittel und Wege führen zur Erhöhung des Reinertrages des forstlichen Gewerbes? Ani Montag den 6. Juli, nachmittags: Gesellige Vereinigung im Grand-Hotel Wilhelmshöhe. Dienstag den 7. Juli Hauptausflug in die Königlichen Oberförstereien Gottsbüren und Hofgeismar, sowie Besichtigung des Haupt- gestüts Beberbeck.

* Fuyballsport. Das am vergangenen Sonntag statt- ge fundene Wettspiel zwischen der I. Mannschaft des Hanauer FußballklubsViktoria 94" und der I. Mannschaft des Frank­furter FußballklubsHermania" endigle nach scharfem fairen Spiel zu Gunsten der ersteren mit 3:2 Goal. Ferner sei bemerkt, daß sich die I. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs Viktoria" an den beiden Pfingstfeiertagen nach Stuttgart be­gibt, um dort zwei größere Wettspiele auszufechten.

VI. Abonnements - KonzertCentralhalle". Das 6. Abonnements-Konzert findet heute abend 8 Uhr in derCentralhalle" statt. Als mitwirkende Künstler find ge­wonnen : Fräulein Jeanne Blijenburg, Konzert-Sängerin aus Holland; Herr K. Fr. Appel, Bariton von hier; Herr Pianist Gustav Niederm ann aus Frankfurt a. M.

* Warnung. Von einemBankinstitut Union", das in Haag in Holland seinen Sitz hat, kann gewarnt werden. Dasselbe preist Serienlose an, der Leiter dès Instituts hat es aber nur auf das Geld derjenigen abgesehen, die nicht alle werden. Also die Taschen zu!

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung der Strafkammer II vom 27. Mai.

Körperverletzung.

Der Fabrikarbeiter K. von Rückingen wurde öfters bei der Fahri nach Hanau auf der Kleinbahn von seinen Kame­raden geneckt. Eines abends trieben sie es wieder ziemlich stark mit ihm; er wurde von hinten mehrfach gestoßen und als er sich umsah, lachte ihm der Arbeiter H. ins Gesicht. K. glauoie, dieser sei der Täter gewesen, und gab dem H. eine Ohrfeige. Ais ihn später ein Kamerad darauf aufmerk­sam machte, daß er den Unrechten geschlagen habe, da nicht der H., sondern ein Anderer der Täter gewesen sei, antwortete

Jos. Rheinberger, Fr. Silcher, Magnus Böhme, C. M. v. Weber, Karl Goldmark, Julius Rietz mnd Heinr. Zöllner. Diese Porträtköpfe sind von Herrn Maler Heinrich Wetzel ausgesührt; die vier Büsten hat Herr Bildhauer Georg Bäumler modelliert.

Kunst und Leben.

Was der Hind« über ven europäischen Tanz denkt. Zu einem sehr abfälligen Urteil über die europäischen Tanzsilten kommt ein indisches Blatt, Amrita Bazar Patrika, das über den Ball beim Dehli berichtet:Wir sind stolz, so wenig Rassenvorurteile zu haben," schreibt das Blatt.Viel­leicht sind die Bälle in jeder Beziehung gut; aber wir haben ein Recht zu sagen, was uns bei die'er Art Vergnügen nicht einwandfrei 31t sein scheint. In Europa sind die Frauen in eine untergeordnete Stellung versetzt worden. Hier lieben, dienen und opfern die Frauen. In Europa sind sie wie Puppen, die für das Vergnügen nutzbar gemacht werden. Die Toilette beschäftigt fast ganz die Seele der Abendländerin, und wir glauben, daß sie sich ihren Gatten in vieler Be­ziehung sehr angenehm erweisen müssen. Und wenn ein Ball angekündigt ist, so fürchten die Männer oder die Eltern un­verheirateter Mädchen ihn, weil er eine zu kostspielige Sache ist. Wie kostspielig sind die Frauen im Westen ihren Be­schützern! Und dies hauptsächlich wegen ihrer Sucht nach Kleidern. In Indien tanzen die Leute nur unter dem Ein­fluß der Begeisterung, die aus der Frömmigkeit abgeleitet wird. Und sie haben auch ihre Berufstânzerinnen, die sie zu ihrer Belustigung engagieren. In Europa tanztman, um ein Vergnügen zu verlängern. Als Indien unabhängig war, batten die Frauen hier die Freiheit, vor den Männern zu er- iHeinen, und Mann und Frau tanzten auch zusammen. Aber Mädchen durften nicht tanzen, und Frauen nur mit ihren Männern. Mädchen sollten nach unserer Meinung nicht auf Bällen tanzen, ausgenommen mit ihren Brüdern oder zukünf-