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Seite 2.____________________________________ lichkeit. Wie hübsch sitzt es sich da in schattigen Gärten tu in guten Glase Bier, wenn die lieblichen Klänge guter Militär- musik das lauschende Ohr schmeichelnd umrauschen und der säuselnde Frühlingswind mit den grünen Zweigen lost und tändelt. Es ist daher nur anerkennenswert, wenn Herr Kilian in dem so vorzüglich hierzu geeigneten Kaiserhof­garten wieder häufiger Gelegenheit zu solch angenehmem Dolce far niente geben will und mit nächsten Dienstag die noch in bestem Andenken stehenden Abonnementskonzerte für dies Jahr wieder beginnen läßt. Morgen findet außerdem ein Konzert der Ulanenkapelle statt, das sich sicherlich eines guten Besuches zu erfreuen haben wird.

* Aus Furcht zum Fenster hinausgesprungeu ist in verflossener Nacht die in der Lamboystraße 19a im 1. Stock wohnende Ehefrau deS Goldarbeiters H. Der Vorfall ereignete sich kurz vor 1 Uhr. Um diese Zeit war die Frau, die ein krankes Kind zu pflegen hatte, aufgestanden. Plötzlich öffnete sich die Tür und ein uniformierter Mann stand vor ihr, nämlich ein Ulan. Die Frau wurde jedenfalls von einem derartigen Schrecken befallen, daß sie wohl die Besinnung ver­lor und aus dem Fenster in den Hosraum hinab sprang, wo­durch sie sich schwer verletzte. Der Ulan, der sich auf seiner nächtlichen Wanderung geirrt hatte, entfernte sich und ergriff dann, als er, unten angekommen, wohl merkte, welches Unheil er durch seinen Irrtum angestiftet, scheunigst die Flucht.

* Reichstagswahlei» Die Wählerlisten liegen vom 18. Mai d. J. an 8 Tage lang, auch Sonntags, während der Stunden vormittags von 8 12^ und nach­mittags von 86 Uhr im Neustädter Rathaus, Sitzungssaal gleicher Erde zu jedermanns Einsicht aus.

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( Fechenheim, 23. Mai. (G e s a n g s w e i t st r e i t.) Der hiesige GesangvereinHeiterkeit" begeht am 31. Mai, 1. und 2. Juni die Weihe einer zweiten Fahne und verbindet damit einen an denselben Tagen hier stüttfindenden nationalen GèsaNgswktistrcit. Zu dem letzteren haben im ganzen 25 aus­wärtige Vereine ihre Beteiligung zugesagt, welche in 4 Klassen im Wettbewerb singen werden und zwar in Klaffe I (50 und mehr Sänger) 1.Germania"-Mühlhe!m, 2.Männerchor"- Heusenstamm, 3.Concordia"-Bieber; in Klaffe 11 (35 bis

50 Sänger) 1.Harmonie"-Hechtsheim, 2.Teutonias- Sprendlingen, 3.S ä n ger l ust" - N i ed err od e n b a ch, 4.Sonntagsvcrein"-Mühlheim; in Klasse III (20 bis 35 Sänger) 1.Lied erlust" -Bischofsheim, 2Masckünen- bauer-Gesangverein"-Gießen, 3.Liederzweig"-Walldorf, 4. Sângerlust"-Dieburg, 5.Liederzweig"-Wkißknchen, 6.Con- cordia"-Niederrad, 7.Eintracht" -Langenselbold, 8. Männergesangverein Elsheim", 9.Liederkranz"-Diktzenbach, 10.Sângerlust"-Roßdorf, 11.MânNerquartet!"-Krnmm- stadt; in Klaffe IV (weniger als 20 Sänger, jedoch nicht unter 8) 1.Fr o h s i nn" -H o ch stad t, 2.Liederkranz"- Darmstadt, 3.Concordia" -Roßdorf, 4.Teutonia" - Kelsterbach, 5.Sängerlust" -Somborn, 6.Liederkranz" - Groß-Karben, 7.Frohsinn"-Nffenheim. Jede Klaffe singt einen vorgeschriebenen Kunstchor, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Das Preisrichterkollegium besteht aus den Herren Fritz Baselt, Komponist, Frankfurt a. M., Ferreau, Königl. Seminar-Musiklehrer, Schlüchtern, Jakobi-Wiesbaden, R. Kern, Musikdirektor und Komponist aus Frankfurt a. M., Kretsch, Komponist aus Frankfurt, E. Parlow, Kgl. Musik­direktor-Frankfurt, I. Pauli, Lehrer und Komponist-Fechen­heim, I. Werth, Chordirektor-Donn und Wolfram, Königl. Musikdirektor-Dillenburg. Die ersten Preise sämtlicher Klaffen find außer je einer silbernen Medaille vom festgebenden Ver­eine gestiftete Geldbeträge von 400, 300, 200 und 100 M., während alle übrigen Preise mitunter sehr wertvolle Kunst- gegenstände sind, die vom Ehrenausschuffe, hiesigen Vereinen, Brauereien u. s. w. gestiftet sind. Nach dem nun vorliegen­den Programm findet am Pfingstsonntag den 3l. Mai abends im Saale zumKaiser Friedrich" ein Festkommers statt, zu welchem verschiedene hiesige Vereine ihre Mitwirkung zugesagt haben und die Kapelle der hiesigen Feuerwehr konzertieren wird. Nm Pfingstmontag den 1. Juni findet bereits von 7 Uhr morgens ab Empfang der auswärtigen Vereine statt, welche von 10 Uhr ab in den vier größten Sälen im Wett­bewerb singen werden. Nach demselben erfolgt dann auf dem Festplatz die Weihe und Uebergabe der neuen Fahne an den festgebenden Verein und nachmittags von 1/*4 Uhr ab das Ehrenklaffensingen der drei ersiprämiterten Vereine aus jeder Klasse. Von besonderer Wirkung wird wohl der um Vs2 Uhr nachmittags stattfindende Festzug sein, der 70 Nummern zählt und an welchem sich außer 44 auswärtigen Vereinen 27 hiesige beteiligen werden. Zum Abschluß des Festes wird am 3. Feiertage Frühkonzert auf dem Festplatze und nachmittags ein Volksfest fein. Es war eine Fülle von Arbeit, welche die verschiedenen Festausschüffe zum Gelingen des ganzen zu be­wältigen hatten, aber dank der unermüdlichen und selbstlosesten Hingabe jedes einzelnen, dank auch dem bereitwilligen Ent­gegenkommen der hiesigen Vereine und der gesamten Bürger­schaft, deren Beliebtheit sich der festgebende VereinHeiterkeit" zu erfreuen hat, läßt sich schon jetzt ersehen, daß die kommen­den Festtage schöne und erhebende und für unseren Ort ehrende und auszeichnende sein werden, mehr noch, wenn schönes Wetter dieselben begünstigen.

Bergen, 23. Mai. (Neuer Amtsrichter.) Der Gerichtsaffeffor Dr. Heldmann in Fulda wurde zum Amtsrichter dahier ernannt.

4, Enkheim, 24. Mai. (Pfarrstelle.) Bei der gegenwärtigen Vakanz der Pfarrstelle Bergen-Enkheim erachtet die hiesige Bürgerschaft den richtigen Zeitpunkt gekommèn, die so lange von beiden Gemeinden gewünschte kirchliche Trennung endlich herbeizuführen und für unsere Gemeinde eine eigene selbständige Pfarrei zu erwirken. Enkheim, das gegenwärtig über 1600 ausschließlich evangelische Einwohner zählt, deren Zahl bei der günstigen Lage unseres Ortes gewiß in Zukunft rasch zunehmèn wird, fühlt sich bei dem Fortbestand der kirch­lichen Vereinigung mit Bergen immermehr in Jeinem Anspruch auf seelsorgerische Arbeit an seinen Gemeindegffedern beeintrâch-

EamStag

tigi, abgesehen von den vielen Unbequemlichkeiten. die diese Vereinigung sowohl für den Geistlichen, als auch für die Ge- meinde naturgemäß zur Folge hat. Unsere Gemeinde besitzt bereits ein eigenes Gotteshaus und auck die Mittel, die zur Dotierung einer eigenen Psarrstelle nötig seih werden und w rd, w.'nn erforderlich, gern èin weiteres leisten. Ein dal, n gehendes Bittgesuch an Königliches Konsistorium in Cassel ist bereits unter der hiesigen Bürgerschaft in Umlauf und trägt zahlreiche Unterschriften. Hoffen wir, daß dasselbe Gehör finden und damit ein wohlbegumdeter und lang ge­hegter Wunsch unserer Gemeinde, gewiß zu deren Segen, end­lich erfüllt werde.

^ Dörnigheim, 22. Mai. (Lehrerkonferenz-) Am kommenden Mittwoch den 27. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet imFrankfurter Hof" dahier eine Konferenz der Lehrer des Bezirks Bergen statt. Herr Lehrer Werner-Fechenheim hält einen Vortrag über Turnen.

Langendiebach, 22. Mai. (Unfall.) Heute vor­mittag vwunglückie der Fabrikarbeiter Kaspar Mendel dahier dadurch, daß er mit der linken Hand in eine Säge kam; Men'.el, btffen Fran gegenwärtig bei ihren Eltern in der Ge­gend von Schlüchtern weilt, hat zwei Finger eingebüßt und noch sonstige starke Verletzungen an der Hand erlitten.

Sur Wahlbewegliiig.

Hana«, 23. Mai. Obwohl wir von jeher an starke Dinge bei dengeistigen Waffen" der Sozialdcmokraiie ge­wöhnt sind, kann doch agt werden, daß von ihr Noch nie so viel in Schmähungen, Verleumdungen Und anderen Gehässig­keiten geleistet worden i t, wie bei der derzeitigen WahlbkwegUNg. In der rücksichtslosesten Weise wird bei den von den bürger­lichen Parteien veranstalteten Wahlversammlungen von der Sozialdemokratie der Versuch gemacht, diese Veranstaltungen zu stören, ein Uebermut dokumentiert sich bei diesen Heraus- fordèrunaen, als ob dieGenossen" bereits Herren der Lage wären und sich den Gegnern gegenüber alles er­lauben dürsten. Wer noch an eine Mauserung der Sozial­demokratie g'aubt, hätte z. B. der gestrigen Versammlung in Langendiebach anwohnen müssen; die aller Beschreibung spottenden Vorgänge vor dem Versammlungslokale hätten ihn sicher eines anderen belehrt. Nicht nur, daß man in der gewohnten pöbelhaften Weise sich betrug, auch di- aufsicht­führenden Beamten wurden verhöhnt und bedroht, Steinwürfe fielen u. bergt m. Allen voran stehètt Natürlich die unreifen Burschen als Schreihälse erster Klasse. Ueber die Wahl- ver'ammlung in Lanoettdiebach geht uns folgender Vorbericht zu:

O Langendiebach, 23. Mai. Gestern abend fand im Saale des Gasthauseszum Schwanen" die bereits ange­kündigte Versammlung der bürgerlichen Parteien, mit Ausschluß der Sozialdemokraten, statt. Notgedrungen sah man sich ver­anlaßt, 15 hiesige Sozialdemokraten einzu'aden und den Zu­tritt zu gestatten, während eine mehrere hundertköpfige Sozia­listenschar, darunter eine größere Anzahl halbwüchsiger Burschen, auf den Säumen und auf den frisch gestrichenen Gartenmöbeln des Dückhardt'fchkN Gartens sich plaziert hatten. Diese Menge betrug sich in der pöbelhaftesten Weise. Wir werden in der nächsten Nr. dieses Blattes noch etwas eingehender über den Verlauf der Versammlung berichten.

Hanauer Uereins- u. UerANngungsnachrichten

für SamStag den 23, Mat.

KuNstverelU: In der Aula der König!. Zeichttiakademic: Ausstellung von Gemälden ic.

Kirchenchot der Marienkirche Abend- präcis 7 Uhr: Probe in der Marienkirche.

Tulngefillschast: Abends von 79 Ubr: Vorturnerstunde.

Turngem-lnde: Van 6'/«7'/, Uhr: Turnen der Damenabteilun ; von 7'/« 9 Uhr: Turnen ber Jngendabieilung

Hyrmg Männer- u. Iüng ingSverrtN: Unterhaltung lEv. Ber einshaus). Evangelischer Arbeiterverein: VereinSabend und Mitgliederaufnahme im VeremSloküle ZurBrauerei WeiSmantel'.

Vergnii gunos-Verei«Germania": VereinSabend imschwarz. Bären". GesangvereinSnnGr" : VereinSabend in derStadt Bremen". GesangvereinTonblüthe": VereinSabend in derStadt Bremen". GesangvereinGeiman'a": VereinSabend imLöwengärtch n". GesangvereinMelomanir' : VereinSabend in derKarthaune". Kiu')Saxonia": KlublokalFrankfurter Bau'.

KlubEameratia": Klubabend imGroßen Kurfürsten". V.rqnügvnoSaeseÜschaftFidelio": VereinSabendzum Teich". Gesellige Verbindung ,Melitta": VereinSabend .zur Karthaunc'. KasinoEintracht" (Verein-lokalzum BraustüS'l'): Vereinsabend. VereinEinigkeit": VereiuSabend in dergroßen Krone". Verein Merkur (e. V): Außerordentliche Generalversammlung. V'.rein ,Frohsinn 1903": VereinSabend im .Elephanten". AthtetenklubGermania' Vereinsabend (Restauration Wasenvach). «Hanauer Fußhallgesellschast 1899 1 VereinSabend in derAllemania". FußballklubVMoria": Vereir.Sabmd in derBrauerei Weismantel". Radfahrer-Verein 1898: VereinSabend auf Beck's Fersenkeller. Radsport .Avler": Vereinsabend imRürnberaerhof". StammtischBürgerdrau": Jeden Samstag Abend: Uebung. Kegel-KlubD- H. V."rur guten Quelle"; Anfang 9 Uhr Rauch- und VcrgnügunxS-GesellschMtSechs Bund" zum feuchten Eck: Zafammeiikunft am runden Tisch in dergoldnen Feder'.

für Sonntag den 24. Mai,

Vormittag-, von 11-1 Uhr: UebungSstunde der Tilchgesellfchasten im Nürnberger Hof' und auf Beck's Felscukeller.

Nachmittags Uhr: Übungsspiele auf dem Ex-rzterplatz: Fußball- klubViktoria",Honauer FußballgesellschaU 1899", Hanauer , FußballklubWacker' und Hanauer FußballklubHanovia". Erster Hanauer Fußballklub 1893; Nachmittags 3 Uhr: Ueounüssprel » ffvortvlatz an derSchönen Aussicht". Feuchies-Eck: Gasthauszur guten Quelle'.

Bandel, Gewerbe und Verkehr.

DieBerlinische Lebcns-Versicherunns-Gesell' zchaft", deren 66. Geschäfts Bericht wir heute im Znscralkn- teil veröffentlichen, ist die älteste Preußische Lrbens-Ver- sicherungs-Aktien-Gesellschaft. Auf Grund ihres bedeutenden Sicherheitsfonds zählt diese Anstalt zu den am besten fun- bierten beulten Lebens - Versicherungs, Gesellschaften; ihre liberalen VrrfichclUNgs-BkdiNglinßen (Zahlung der vollen Ver­sicherungssumme im Selbstmordfalle nach dreijähriger, bei Tod infolge Duells nach einjähriger Versicherungs-Dauer können als äußerst günstig bezeichnet werden.

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Drahtnachrichten.

Wahlbeweauttg.

Berlin, 23. Mai. DemB. T." zufolge, wurde in einer gestern abend abgehaktenen Wählerversammlung bet Ober- finanzrat a. D. Löhnung, zum freisinnigen Reichstagskandidaten im 4. Berliner Wahlkreis proklamiert.

Antittngarische Demonftration.

Berlin, 23. Mai. DerVoss. Zlg." zufolge, wurden in Kroatien bei anliungarischen Demonstrationen zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Militär mußte in vielen Orlen einschrcilen, wobei es To!e und Verwundete gab. Ueber mehrere Orte wurde das Standrecht verhängt.

Kefielexplostott.

Budapest, 22. Mai. In der Altofer Blaufärbefabrik von Goldberger fand eine Ke ff elexp lo si ou statt. Ein Arbeiter wurde getötet, einer lebensgefährlich verletzt.

Import pon Typhusbazillen nach England.

London, 22. Mai. Ein fast unglaublich klingender Vorfall erregt peinliches Aufsehen. Wie sich herausstellt, sind Tausende aus Südafrika zurückgesandte Armeedecken meist­bietend versteigert und über ganz England hin weiter verkauft worden, obwohl die Mehrzahl von ihnen in südafrikanischen Lazaretten gebraucht worden war, und mit Typhusbazillen be­haftet ist. Die Angelegenheit ist durch Typhuserkrankungen, wfihe dyrch derartige Decken an Bord des Schulschiffes Cornwall" in Purfleet erfolgte, ans Licht gefommen, und bildete den Gegenstand der Verhandlungen bei einer Sitznng der Londoner City-Körperschaft. Hier berichtete der Präsident des sanitären Komitees des Hafens von London Dr. Collins folgendermaßen:Der Ausbruch des Typhus auf demCornwall" habe Anfang April stattgefunden. Als der Sanitätebeamle desHafeus das Schiff inspizierte, fiel ihm eine Anzahl schmutziger wollener Decken auf, die mit Klumpen von Pfeilwurz, einem gewöhnlich Typhuspatienten gegebenen Gericht, sowie mit Blutspuren und anderen Flecken behaftet waren. Dieie Decken wurden sofort dem Bakteriologen Dr. Klein über­sandt, welcher gutachtlich berichtete, daß 75 pCt. der Decken von Typhusbazillen wimmelten. Dr. Klein telegraphierte dem Direktor beim Kriegsministerium, er möchte die Veräußerung von Decken, die vom Kap zurückkamen, sofort inhibieren. Es sei bekannt sagte Dr. Collins weiter daß viele der Decken von City-Firmen weiter verkauft worden seien. Der Sanitälsbcamte hatte auch dem Präsidenten des Lokalverwal­tungsamtes alle Tatsachen bekannt gegeben. Man werbe die größte Mühe aufwenden, die Epidemie zu lokalisieren und zu unterdrücken. Auf demCornwall" sind bisher sieben Knaben erkrankt, einer ist gestorben. Die Behörden forschen jetzt in etwa 150 englischen Städten fieberhaft nach dem Ver­bleib der gefährlichen Decken. Wer sür die verbrecherische Nachläsnqkeit verantwortlich ist, läßt sich vorläufig nicht sagen. Die Sache soll in nächster Zeit im Parlament zur Sprache gebracht werden.

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Danzlst, 23. Mai. Zum Stapellauf am 26. Mai trifft noch der russische Militärattache, Fürst Dolgorucki, und der Chef des Marinekabinets, v. Senden-Bibran, hier ein.

Christiania, 22. Mai. Das Befinden Ibsens ist un­verändert.

Vigo, 22. Mai. Die Offiziere des hier liegenden deutschen Geschwaders gingen an Land, um den deutschen Konsul und die spanischen Behörden zu besuchen. Das Linien­schiffWittelsbach" machte ein hier ausgelaufenes Dampf­boot flott.

Belgrad, 22. Mai. Der exlremrabikaleOdjck", welcher wiederholt konfisziert wurde, stellte endgiltig sein Erscheinen ein. D.r verantwortliche Redakteur des Blattes wurde wegen Beleidigung der Behörden zu zwei Monaten Gefängnis ver­urteilt.

Buenos Aires, 22. Mai. Die chilenischen Kreuzer Cbacabuco" undBlanco Encalada" trafen mit einer chile­nischen Abordnung hier ein, welche den Freundschaltsvertrag überreichen soll. Zum Empfange werden glänzende Feste ver­anstaltet, welche 10 Tage dauern sollen.

Algier, 22. Mai. Aus Beniunif wird gemeldet: Der Posten bei Bousfarma wurde in der letzten Nacht von einer Bande angegriffen, die die Schildwache fortzuschleppen suchte. Die Bande beschoß die ganze Nacht den Posten von allen Seiten. Eine Schützenabteilung erwiderte das Feuer und trieb die Angreifer in die Flucht.

Die Völker und die Liebe.

Von Dr. Franz Lichtenberg.

(Nachdruck verboten )

Es ist eine mißliche Sache, über die Liebe zu philosophieren, nnd dennoch wird man nie aushören, es zu tun. Man wird nie aufhören, das große Problem zu ergründen, das in alle anderen Probleme unseres Lebens mehr oder minder entschei­dend hineinspielt, dem Rätsel nachzusinnen, das jedes Volk und jeder Mensch auf seine eigene Weise löst. Auch gibt es eine Wissenschaft der Liebe; nur muß man sie nicht bei den Philosophen suchen, sondern bei den Dichtern, die ihr Ent­stehen und Vergehen, ihre Kraft und ihre Schwäche, ihre Schleichwege, ihren Heldenmut, ihren Humor immer wieder geschildert haben. Und wenn ein Philosoph sich je in frucht­bringender Weise mit der Liebe beschäftigt hat, so war er zu­gleich ein Stück Dichter.

Ich weiß nicht, ob man nicht anettennen muß, daß die echte Liebe in den höheren Klassen der modernen Gesellschaft seltener geworden ist. Die Menschen dieser Klasse sind zu kompliziert, zu bewußt, zu zerstreut, zu vernünftig geworden, um sich von einfachen elementaren Leidenschaften ganz hinreißen zu lassen. Die Liebe verlangt Originalität, den Mut, sich unkonventionell und hüllenlos zu zeigen, sie verlangt Unge-