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Mittwoch

6. Mai

Sprechsaal.

Wr die unter dieser Rubrik eingesandten Notken übernimm die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Lerantwortung.

Der neue Unterrichtsplan an den städtischen höheren Lehr­anstalten gibt zu Beschwerden mancherlei gerechte Veranlassung. Alle Neuerungen bedürfen der Zeit, bis man sich daran ge­wöhnt hat, daS ist wohl richtig. Wenn es aber jetzt bei dem prächtigen Frühling, ws sich jeder Mensch neu gekrâfiiat und gestärkt fühlt, vsrkommt, daß in der 5. Lehrstunde 11 ^ bis 1220 absolut keine Aufmerksamkeit selbst bei technischen Fächern zu erreichen ist und daß namentlich nervöie Unruhe sich vielfach geltend macht, wie anders muß dies in der heißen Jahreszeit ausfallen? Auch zu dem technischen Unterricht ge­hört Geistesfrische und Aufnahmefähigkeit, und die ist nach 4 Stunden Unterricht, man bedenke Mathematik, Englisch, Aufsätze, Religion bei Kindern nicht gut denkbar.

Auch die Herren Lehrer sind auf das höchste angespannt. Kurz es sind viele ungünstige Momente in dieser Neuerung, die auch vom pädagogischen Standpunkt vielfach Kopfschütteln erfährt.

Wir wollen nur unter anderem anführen, wie aufgeregt die Kinder, klein und groß, ihre Eltern morgen? schon Stun­den vorher es nötig ist, aufwecken, wie die Auswärtigen, oft­mals Trab laufend, erschöpft in der Schule ankommen, wie andrerseits die Hausordnung auf den Kopf gestellt ist und überhaupt über die ganze Neuordnung eine Unzufriedenheit herrscht, die man doch nicht so einfach übersehen darf! Die Eltern befinden sich in einer Art Zwangslage, denn was sollen, was können sie tun? Ja die Wenigen, welche mit irdischen Güteril gesegnet sind und Gärten rc. haben, sind viel weniger geniert, aber der weitaus größere Teil ist doch nicht so gestellt. Was mit den Kindern den ganzen lieben langen Nachmittag anfangen, wenn Beaufsichtigung fehlt? Es sind doch Kinder, die alle zu Allotria aufgelegt sind!

In vielen Generationen hat sich der geteilte Unterricht be­währt, warum mit einemmnle so einschneidende Aenderungen, dir aber auch nach keiner Seite irgend welche Vorteile ge­währen und versprechen. Man verlege auf den Nachmittag technische Fächer und lasse die Kinder ihre Aufgaben erledigen. Damit wäre den Eltern und Kindern in Wirklichkeit gedient und wenn dann etwa um 5 Uhr Schluß gemacht strird, so bleibt freie Zeit genügend, um den Körper und Geist durch Baden, Spazierengehen, Spielen und dergl. zu erfrischen.

Es scheint die ganze Sache unserer nahen Großstadt nach­geahmt zu werden; wenn in den Großstädten überhaupt zu dem Vormittags-Unterricht leider gegriffen werden muß in Anbetracht der großen Entfernungen, so ist doch bei uns ab­solut kein Grund dazu vorhanden, da die Schulen in 1520 Minuten im allgemeinen zu erreichen sind.

Wir sind in der glücklichen Lage, den Unterricht auf den ganzen Tag zu verteilen, sodaß auf die Stunden der Arbeit eine entsprechende Ruhepause eintreten kann und auch auf diese Weise eine geordnete Arbeitseinteilung für die Kinder erzielt wird. Es wird von der sonst so einsichtsvollen Schul­behörde gehofft, daß die Neuerung schon nach den Sommer- ferien eingeht und zu dem alten und bewährten System zurück­gekehrt wird, wie dies tatsächlich an anderen Orten in der Größe von Hanau auch geschehen ist.

Mehrere Bürger.

Telegraphischer Wetterbericht Der deutsche» Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 6. Mai,

9 Uhr 35 Min.

Ein Hochdruckgebiet über 760 mm lagert über Südosteuropa, eine Depression von 745 mm an der Nordsee. In Deutsch­land wehen schwache, meist südliche bis westliche Winde, die Witterung ist warm, vorwiegend heiter, doch ist auch vielfach Regen gefallen.

Prognose für den 7. Mai: Ruhiges, warmes, vielfach heiteres Wetter wahrscheinlich.

Barometerstand

Hanauer Uereins- u. UergnSsungsnachrichtrn

für Mittwoch den 6 Mai.

Ev. Männer- u. JÜnglulgSverein: Pofauneirblaien (Ev. VereinShaus.) Kaufmännischer Verein Hanau: VereinSabend im Restaurant Mohr-

Turn- u. Fechtklub: 9 Uhr- Fechten; von 910 Uhr: Turnen der Männerabteilung.

Turngesellschaft: Abends von */s910 Uhr; Turnen der Männerabteil. Gewerbe- und Handwerker-Verein- Bereinsabend in derAllemania". Thaler-Slub : Zusammenkunft in den ,3 Hasen".

Gesangverein .Tonblüthe": Singstunde in derStadt Bremen." GesellschaftTreu beim Alten": VeremSabend (Brauerei Orschler). Kegel-Klub: Gasthauszur guten Quelle",

VereinGeselligkeit": Monatsversammluug in dergroßen Krone". Hanauer Radsport 1895: VereinSabend in derStadt Bremen".

ArmdS'scher StenographenvereinApollobund" (Gasthausz. Grasen Philipp Ludwigs - VereinSabend.

National -Stenographenverein: Uebungsstunde für die Praktiker-Ab­teilung (Lokal:Zur großen Krone").

Zimmerstutzengesellschaftz, Mainlust'-Keffelstadt - Zimmerstutzenschießen.

Hanauer Scküüenberein - VereinSabend imRestaurant Mokr."

Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp. imgolönen Hetz"' @Mcr=&ori?: in erBrauerei Beck'.

Hanauer FußballklubWackct": VereinSabend (Reltaur. EmlSbcr-i.t Raum- und BergnüflungS-GesellschaitSechs Bund* zum feuchten Eck: Zusswnièiikuuft am runden Tisch in derooldnen Feder*.

Hue JNab und fern,

Fulda, 4. Mai. Der Bauer Otto Vogler aus dem be- nachbarten Dörfchen Harbach ist am Sonntag abend auf eine schreckliche Weise ums Leben gekommen. Auf dem Heimwege von Eckwrièbach wurden die Pferde an seinem Wagen scheu und Vogler fiel von demselben herunter. Die Pferde rasten mit dem Geschirr weiter und die herbeieilenden Nachbarn fan­den den Vogler mit zerschmettertem Schädel entseelt vor; wahr­scheinlich ist der Tod durch ein Ausschlagen der Pferde ver­anlaßt worden. Vogler hinterläßt eine Frau und 6 Kmder.

Elm, 4. Mai. Der BahnhofSarbeiter Lotz suchte und fand heute den Tod in dem hinter dem Stationsgebäude lie­genden Dasserbasstn. Ein Kind sah ihn in das Bassin hinein- springen; ehe es Hilfe geholt baue, war Lotz bereits ertrunken. Krankheit Soll den Mann zu dem Schritte veranlaßt haben.

Schmalkalden, 4. Mai. Ein gemeiner Schurkenstreich ist in der vergangenen Nacht in dem am Rötberg beim Bahn- Übergang belegenen Obstgarten des Herrn Wilhelm Erbe verübt worden. Von rmflojer Hand wurden 35 Bäume teils abge­brochen, teils durch Messerstiche io beschädigt, daß sie wohl mit wenigen Ausnahmen ein gehen dürsten. Dem Täter ist man auf der Spur.

Wabern, 4. Mai. In der Gegend von Obermöllrich, Niedermöllrich, Obervorschütz u. s. w. bat ein schlimmks Hagel­wetter gehaust. Namentlich bei Obermöllrich lagen die Schlossen fußhoch.

St. Frankfurt a. M., 5. Mai. Die gestrige Ge­samtprobt der Sängervereinigung zum Gesangwettstreit verlief geradezu grastdios; heute abend folgt die Gesamtprobe des Sängerbünde?. Nächsten Montag werden beide Verbände erstmals zusammen singen. Das auf 80 Musiker verstärkte Theaterorchester wird die Begleitung übernehmen. Am 7. ds. beginnt der Verkauf der Emzelkarten und zwar nur an den Stellen, welche seither Dauerkarten zum Gesangswetistreit aus- gaben.

Hochheim, 5. Mai. H-mte morgen gegen 10 Uhr hat sich ter s^on länger erkrankte Wringulsbesitzer Heinrich Papst- mann in einem Anfälle von Schwermut erschossen.

12 Offenbach, 6. Mai. Seit dem 4. d. M. wird die 26jährige Ehefrau eiues hiesigen Packers, 9tnna Best, ver­mißt, die sich an diesem Tage mit ihrem 6jährigen Knaben aus ihrer Wohnung entfernt hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß jich' dieselbe ein Leid angetan hat.

Hus aller Welt.

Das Ende eines jungen Künstlers. Am Fried- Hof erschossen hat sich d-r junge Maler Behrendt, der Sohn oeS Pnvâtlkr-s Nathan Behrendt aus her Passauersiraße 38 in Berlin. Der junge Mann, der erst kürzlich von einer Kunst- reise durch Italien zurückkehrte, hatte den Lebensmut verloren, weil er an Lungtnbluirn litt und sein Leiden für unheilbar hielt. Dicht an der Mauer des jüdischen Friedhofes wurde er tot aufgesunden. Er hatte sich dort mit einem Revolver erschoffen.

Der Erbschaftsprozeff der Gräfin Lonyay gegen ihren Vater, König LeopsId von Belgien, wegen des Nachlasses der Königin Marie Henriette steht in kurzem bevor. Gräfin Lovyqy behauptet, die Ehe ihrer Eitern sei auf Grund der Gütergemeinschaft abgeschloffen. Sie beansprucht deshalb von dem gemeinsamen elterlichen Vermögen im Betrage von ein­hundert Millionen Francs ein Drittel der auf die Mutter ent­fallenden Hälfte, also etwa siebzehn Millionen Francs. König Leopold bestreitet die Gütergemeinschaft. Ec behauptet, feine Ehe mit der früheren österreichischen Erzherzogin in Wien sei nach österreichischem Hiusrecht auf Grund der Gütertrennung abgeschloffen worden. Prinz Philipp von Koburg hat sich noch nicht entschieden, ob er sich der Aktion der Gräfin Lonyay namens seiner Gemahlin Louise anschließen soll.

Totschlag. Gestern morgen hat in Göttingen der Ar­beiter Burscheid seine Frau nach voraufgegangenem Streite mit einem Beile erschlagen. Während der Tat und bei seiner Ver­haftung hat er das Gesangbuch, aus dem er vorher gelesen, nicht aus der Hand gelegt.

Selbstmord. Mit einem Militärdienstgewehr erschoß sich der Zahlmeisterapplikant Scholz vom Füsilier-Regiment Nr. 73 in Hannover.

Ein Tourifterruufall wird wieder von der Raxalpe in Oesterreich berichtet, die schon so viele Opfer gefordert hat. Der jetzt Verunglückte ist der 25jährige Maschinenarbeiter Johann Machacek, ein gewandter Bergsteiger und Kletterer, der häufig Touren im Rax- und Schnerbrrggebirt unternahm. Machacek wählte unmarkierte Steige in der Nähe der Teufels- badstube und achtete in der Anstrengung des Kletterns so wenig auf die Umgebung, daß er sich in den steilen Wänden vollständig verstieg.Um halb 9 Uhr morgens", fo erzählt er selbst,war ich zu einer jäh aus der Wand vorspringenden Felszacke gekommen. Von dort konnte ich nicht mehr vorwärts denn die Wand stieg steil vor mir auf, und jede Möglichkeit, hinaufzukommen, war ausgeschlossen. Aber auch nach rückwärts, konnte ich nicht, die Wand stürzte fast senkrecht ab, und es ist mir ein Rätsel, wie ich dort hinaufgekommen bin. Es gab keine andere Rettung, als auf eine zu meinen Füßen liegende, mit Geröll bedeckte Wand abzuspringen, um von dort weiter nach abwärts zu kommen. In meiner Verzweiflung wagte ich den Sprung in die Tiefe, Ich hatte aber die Ent­fernung von dem Abhang, zu dem ich gelangen wollte, unter# schätzt, sie muß mindestens fünfzig Meter betragen haben. Unten angekommen, kollerte ich mit dem Steingeröll, das sich mit mir sofort in Bewegung, setzte noch ein gutes Stück nach abwärts, bis ich endlich liegen blieb." Was dann mit ihm vorging, dessen kann sich der Verunglückte nicht mehr erinnern. Als er nach einiger Zeit das Bewußtsein wieder erlangte,

I stand die Sonne schon ziemlich hoch nm Himmel. Machacek war unfähig, sich zu bewegen; einen schwachen Versack, auf Händen und Füßen von der Stelle an kommen, mußte er wegen heftiger Schmerzen im qanzen Körper outgeben. Aus dem reckten Oberarm drang Blu«, das Mackaeek notdürftig mit einem Taschentuch füllte. Alle Hilkmrst netlmlltcn unac- hört in den Sleinwânden. Sa lag der junge Mann mehr als drei Stunden, ^egen 12 Uhr mittags wurde er endlich von zwei anderen Touristen außrefunden. Unter unsäglichen Mühen schafft n die beiden den Verletzten zu Tal; wie später ein Arzt feststellm, hatte Machacek den linken Fuß und die reckte Hand aebrochen und die reckte Hüfte verrenkt.

Der Knopf als Verräter. Wie bereits mitgeteil-, wurde in Christiania ein Engländer verhaftet, der in einem Kopenhagener Inwciier'cidm Schmuckfacken für mehr als 1000 Kronen gekauft itnb mit einer falschen Anweisung bezahlt hatte. Da der Juwelier ein reckt gutes Signalement von dem Beirüger geben konnte, gelang es der Polizei, schnell das Hotel, in welchem der Fremde obgeft legen war, zu finden, und dort erfuhr man, daß er an dem'e'ben Tage nach Christiania gereift sei. Nach telegraphischer Anzeige der Kopenhagener Polizei wurde der Schwindler im Grand .votel zu Christiania verhaftet. Anfangs leugnete er alles. Auch ergab eine in seinem Zimmer Dörgenommene Untersuchung kein Resultat. Aber man wußte, daß dw Mann außer einer sehr kostbaren diamanlbesctzten Brosche auch einen kleinen goldenen Kragen­knopf gekauft batte. Dirseii entdeckte der norwegische Polizist im Hemd des Fremden, und bei genauerer Untersuchung sand man den Namen der betrogenen Firma eingraviert auf dem Knopfe. Nun gab der Engländer sein Leugnen auf und legte ein volles Geständnis ab. Er nennt sich Ce'ario aus Malta, man zweifelt jedoch, daß dies sein wahrer Name sei. Er ist in fast allen Großstädten unter den verschiedensten Namen ausgetreten und hat überall große Betrügereien verübt. Die englische Polizei, die über den Fang sehr froh ist und den Beamten in Kopenhagen eine größere Belohnung zugesagt hat, ist der Meinung, daß der verhaftete Hockstapler der Chef einer internationalen langgefuchien Bande gefährlicher Juwelen­diebe sei.

Eine ergreifende Szene. Die Handarbeiterin Jo­sepha Martinek in Wien lebte mit ihren drei kleinen Mädchen, die 11, 8 und 3 Jahre alt sind, in den ärmlichsten Verhältnissen und litt an einer Gemülsdepression. Sie konnte die Miete nicht zahlen und sollte aus ihrer Wohnung ent­fernt werden. Da kaufte sie von ihrem festen Gelde einen Revolver und gab den Kindern gekochten Wein, damit sie fester schliefen. In der Nacht erhob sie sich, um die Kinder und dann sich selbst zu erschießen. Das älteste Mädchen er­wachte indes, sah den Revolver in der Hand der Mutter, ahnte das Vorhaben und bat so rührend um ihr Leben, daß die Muster sich nicht entschließen konnte, sie zu töten. Auch das zweite Töchterchen tröstete die Mutter, die dann allein zu sterben und die Kinder zu schonen beschloß. Die älteste Tochter war indes zur Großmutter geeilt, welche die Polizei' mobil machte. Der in einer nahen Stadt arbeitete wter wurde herbeigeholt und nahm sich dann der Kleinen an, während die Mutter dem Gericht bezw. dem Krankenhaus ein­geliefert wurde.

Amerikanische Gemütlichkeit. Aus Solingen wird unterm 1. Mai berichtet: In der heutigen Sitzung des Schöffengerichts wurde der amerikanische Konsul Langer, der in einer von ihm gegen dieArbeiterstimme" angestrengten Beleidigungsklage als Zeuge geladen worden war, wegen Un« gebühr vor Gericht zu 30 Mark und später wegen wieder­holter Ungebühr zu einem Tage Haft verurteilt. Langer ver­wahrte sich gegen die Strafe und erklärte, er könne als Amerikaner wegen einer Uebertreiung von einem deulschen Ge­richt nicht bestraft werden. Als er zur Verbüßung der sofort zu vollstreckenden Haftstrafe festgenommen werden sollte, entlief er aus dem Gerichtssaale. Konsul Langer machte schon kürz­lich hier viel von sich reden. Eines Tages prangte im Fenster des Konsulats ein dreibeiniger Stuhl, dem das vierte, aus dem Leim gegangene Bein alsBeilage" beigefügt war, nebst folgender Inschrift:Solche Ware kauft man bei Gebr. Alsberg in Solingen". Der Stuhl war schon seit Jahr und Tag im Besitze des Herrn Langer, aber noch nicht bezahlt. Die Firma Gebr. Alsberg, die eine Anzahl Wechsel Langers besaß, stellte diese Wechsel in ihrem Schaufenster mit der An­zeige aus, daß sie billig zu haben seien. Ganz Solingen lachte, und der dreibeinige Stuhl verschwand aus dem Fenster des Konsulats.

Das spkrittstische Medium des Boatlandes, die Schmiedskhefrau Luise Frenzel in Meerane, ist in Haft ge­nommen worden. Sie hat ihren auf die Dümmsten der Dummen berechneten unglaublichen Hokuspokus jahrelang be­trieben und viel Geld damitverdient". Sie hatte es vor­nehmlich auf die Rettung der Seelen Verstorbener abgesehen, drohte denUngläubigen" mit den furchtbarsten Qualm im Jenseits, hatte immer Geisterschrist zur Verfügung und behaup­tete, aus ihr fprâchen und durch sie fchrieben die Geister Ab­geschiedener. Ihre Macht über die Geister benutzte sie auch zur Erlangung von Darlehen in Höhe von ca. 4000 Mark. Zinsen haben die Betreffenden nur ein einzigesmal zu sehen bekommen, dann nicht mehr. Wer zinsfrei leihe, fügte sie, tue éin gutes Werk an dem Heiland, wer Zinsen nähme, werde von Gott verachtet und müsse schreckliche Qualen erdulden.

Kunst und Leben.

Neber unsere Kraft. Aus Böhmen wird dem Neuen Wiener Tageblatt berichtet: Viel Heiterkeit erweckte ein amü­santes Histörchen, das jüngst in Holeschowitz passiert ist. Dort hat in der Jut- und Baumwollenweberei Wolf Pick Söhne ein Langfinger fein mißglücktes Experiment mit einer Wendung entschuldigt, die einige Vertrautheit mit Bjèrnsons Werken ver­riet. Als nähmlich die einbruchsichere Kasse trotz der ange­strengten Bemühungen nicht nachgeben wollte, schrieb der Ein­brecher mit rotem Stift auf die Kasse:Ueber unsere Kraft." Dann trat er vermutlich wenig vergnügt den Rückweg an.