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Zweites Blatt

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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- partige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein,. Waisenhauses in Hanau.

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Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Fernspreclians-lilus; Nr. 605»

Freitag den 1. Mai

Fernsprechanschluß Nr. 605*

1903

Gewerbliche Fortbildungsschulen.

Der preußische Staat hat sich schon seit Jahren zur Förde­rung des kleinen und mittlern Gewerbe- und Handelsstandes die Begründung von Fortbildungs- und Fachschulen äußerst angelegen sein lassen. Eine kürzlich erschienene Denkschrift gewährt einen lehrreichen Einblick in den Stand dieser Be­strebungen.

Nach der Aufnahme vom 2. Januar 1902 gab es m Preußen 1684 gewerbliche Fortbildungsschulen. Diese 1684 Schulen wurden von 203 250 Schülern besucht. Die Unter­haltungskosten betrugen im Rechnungsjahre 1901:4,6 Millionen Mark/ wobei die stellenweise nicht unerheblichen Aufwendungen für die Beschaffung und Unterhaltung der Unterrichtsräume nicht mitgerechnet sind.

Die Vorschriften für das Lehrverfahren an den vom Staate unterstützten gewerblichen Fortbildungsschulen, die seit dem Jahre 1897 in Kraft sind, regeln dieses Verfahren in durch­aus zweckentsprechender Weise. Es wird bei dem Unterrichte in den Fortbildungsschulen davon ausgegangen, daß er vor­zugsweise für das bürgerliche Leben von Nutzen sein und den Lebens- und Berufsinteressen der Schüler dienen soll, dabei aber die örtlichen gewerblichen Verhältnisse zu berücksichtigen und auch den religiösen Sinn und die Vaterlandsliebe zu pflegen hat. Unterrichtsgegenstände in allen gewerblichen Fort­bildungsschulen sind Deutsch, Rechnen und Zeichnen. In den Lehrplänen der gewerblichen Fortbildungsschulen größerer Städte werden auch noch andere Unterrichtsgegenstünde berücksichtigt, z. B. Geometrie, Physik, Chemie, Französisch, Englisch, Steno­graphie, Wechsellehre u. s. w. Besondere religiöse Unter­weisungen finden in 250 Schulen statt; an 63 Anstalten sind Lehrlingsheime eingerichtet.

Große Schwierigkeiten verursacht die Gewinnung ge­eigneter Lehrkräfte für den Unterricht in den Fortbildungs­schulen, namentlich für den Zeichenunterricht. _ Der Fort­bildungs-Unterricht muß an den weitaus meisten Schulen in die Hände der Dolksschullehrer gelegt werden, die ihn neben­amtlich erteilen und dabei auch regen Eifer zeigen, aber nach ihrer Vorbildung zu wenig mit der Eigenart desselben ver­traut sind, um ihn dem Bildungsgrad und den praktischen Bedürfnissen der Schüler durchweg richtig anzupassen. Um sie mit der Methodik des Unterrichts bekannt zu machen, haben daher wiederholt zwanglose Besprechungen stattgefunden, wo die beim Unterrichte in der Fortbildungsschule zu beachtenden Lehrgrundsätze erörtert worden sind. Ferner sind seit dem Jahre 1886 bereits Zeichenkurse abgehalten worden.

Diejenigen Handwerker und sonstigen Gewerbetreibenden, die sich eine umfassendere und gründlichere Fachbildung an­eignen wollen, besuchen die Handwerker- und Kunstgewerbe-

Feuilleton.

Niemand entgeht seinem Geschick.

Skizze von Sigurd.

Aus dem Schwedischen von B. Mail«.

(Schluß.) (Nachdruck verboten.)

Eine Zeit verging und der Gutsbesitzer Warmerquist kam wieder nach Stockholm und wohnte einer Vorstellung meinem der kleinen Theater bei. Plötzlich erblickte er vor sich auf der Bank eine kleine wohlgeformte Hand mit einem blauen Stein in einem einfachen goldenen Ring, und im Zwischenakt sprach seine Besitzerin ziemlich laut mit ihrer Gesellschaft, so daß er die entzückende Stimme wieder erkannte, die er so deutlich im Gedächtnis hatte.

Da fuhr ein Freudenschimmer über sein junges, frisches Antlitz und es war ihm unmöglich, sich zurückzuhalten. Er mußte grüßen. Aus einer flüchtigen Röte und einem noch flüchtigeren Blick aus einem Paar schwarzer Augen ersah er, daß er wiedererkannt war. Aber eben so schnell wurde das Antlitz, das jung und dunkel und hübsch war und gut und freundlich dreinschaute, kalt, fremd und sehr ernst.

Verzeihung. Es war mir aber unmöglich, ganz fremd zu tun," sagte er halblaut.

Sie irren sich, mein Herr!" flüsterte sie.

Wollen Sie wirklich behaupten, daß Sie mich nicht kennen?"

Ich weiß ja nicht einmal Ihren Namen.

Die Dame, die sich in ihrer Gesellschaft befand, zuckte be­leidigt die Achseln und murmelte dann etwas, was etwa wie Unverschämtheit" klang, und beide wandten sich nicht wieder nach ihm um.

Wie fein und hübsch sie doch aussah, dieses Mädchen mit den kurzen, entschiedenen Antworten. Es klang, rls sei sie

schulen, sowie die für die einzelnen Gewerbe bestehenden Spezialfachschulen. Die preußischen Fachschulen sind nicht nur für die gewerbliche Ausbildung künftiger Generationen von Bedeutung, sondern sie bieten auch schon den gegenwärtig vor­handenen Gewerbetreibenden erhebliche Vorteile, indem sie ihnen nicht nur ein leistungsfähiges Arbeits- und Betriebsversonal erziehen, ihnen mustergiltige Vorbilder, technischen Nat und Belehrung zur Verfügung stellen, sondern ihnen auch die Mög­lichkeit bieten, sich durch Teilnahme an dem Unterrichte, teils gemeinsam mit den übrigen Schülern, teils in besondern Kursen, fortzubilden. Einen nicht unerheblichen Prozentsatz der Fach­schüler, namentlich in größern Städten, bilden daher ältere Gehilfen und auch Meister.

Ueberblickt man demnach das gesamte Fortbildungs- und Fachschulwesen in Preußen, so macht sich allenthalben auf diesem Gebiete ein frisches Emporblühen und rüstiges Vorwärtsschreiten bemerkbar. Auch hier zeigt sich aufs klarste, wie töricht und ungerechtfertigt das Gerede von den leidenden oder darnieder­liegenden Kultur-Aufgaben ist.

Deutscher Reichstag, y

(Sitzung vom 30, April.) Krankenversicherrmgsnovelle.

Am Bundesratstisch Kommissare. Der Präsident eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 25 Minuten. Das Haus ist gut be­sucht. Die Abgeordneten sind gruppenweise in lebhafter Unter­haltung begriffen. Abg. Trimborn (Ztr.) zur Geschäfts­ordnung: Ich habe namens meiner Freunde die Erklärung abzugeben, daß wir bei der dritten Lesung einen Antrag ein­bringen werden, der die Erledigung der heutigen Tagesord­nung wesentlich erleichtert. Wir werden beantragen, die Worte grobe Pflichtverletzung" zu ersetzen durchgrobe Verletzung der Amtspflicht in Bezug auf die Kassenführung". Ich habe weiter zu erklären, daß wir für den Fall, daß von irgend einer Seite die Streichung des Absatzes 7 der Kommissions­Vorlage (Dienstordnung der Krankenkassen) beantragt werden sollte, wir solchem Anträge zustimmen werden. Abg. Richter (fr. Vpt.): Ich verkenne nicht die wohlmeinende Absicht des Vorredners, möchte mich aber für die Zukunft dagegen ver­wahren, daß mitten in der Abstimmung eine solche Erklärung abgegeben wird. (Sehr richtig!) Präsident Graf Balle- strem: Es stellte sich gestern bei der namentlichen Abstimmung über den ganzen Paragraphen die Beschlußunfähigkeit des Reichstages heraus. Wir befinden uns daher im Stadium vor dem Beginn der namentlichen Abstimmung. Abg. Singer (Soz.): Ich ziehe meinen Antrag auf namentliche Abstimmung zurück. Für den Fall aber, daß der vom Abg. Timborn angekündigte Antrag nicht angenommen werden sollte,

fest dazu entschlossen, nie wieder mit dem Mann zu sprechen, dem sie unter dem Schutz der Maske manche Empfindung ihres inneren Herzens anvertraut hatte.

Indessen entschloß sich Warmequist, den Schluß der Vor­stellung abzuwarten und dann einen letzten energischen Ver­such der Annäherung zu machen. Als die fünf langen Akte zu Ende waren und das Publikum das Theater verließ, trat der Gutsbesitzer an seine Karnevalbekanntschaft heran und fragte höflich:

Mein Fräulein, gestatten Sie mir . . ."

Haben Sie die Güte, uns nicht aufzuhalten", lautete die kurze, aber entschiedene Antwort.

* *

*

Wilhelm Warmerquist war an das Krankenlager seiner alten Tante geeilt und hatte die Dame damit überrascht, daß er unter den Beweisen der eifrigsten Teilnahme eine ganze Woche, wie ein treuer Sohn an ihrem Bett zubrachte und sie nur verließ, um in Gesellschaft der Krankenpflegerin vom Roten Kreuz" die Mahlzeiten einzunehmen. Diese hatte sich dem jungen Manne gegenüber anfänglich sehr kühl gezeigt, hatte ihm nur einsilbig geantwortet, ihm nicht recht in die Augen sehen wollen und war auch häufig bei den Mahlzeiten nicht erschienen.

Warmerquist tat aber so, als merke er nichts. Er war stets artig und korrekt und drückte seine Freude darüber aus, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben und dankte ihr namens der Familie für die treue Pflege, die sie der Kranken zu teil werden lasse.

' Jetzt waren sie beim letzten Abendessen. Am nächsten Morgen mußte er reisen und die Unterhaltung ging wohl noch schleppender, als sonst. Da blickte er ihr plötzlich gerade in d:e Augen, lachte und flüsterte:

Machen Fräulein Lundyven noch häufiger Masken­feste mit?"

Lie fuhr zusammen und ihr Gesicht wurde blutrot.

Wie können Sie nur glauben... Ich beimeiner Tätigkeit?"

behalten wir uns alles weitere vor. Präsident Graf Ballestrem: Da die namentliche Abstimmung noch nicht begonnen hat, so trage ich keine Bedenken, die Zurückziehung des Antrages für zulässig zu erklären. Hierauf wird in ein­facher Abstimmung der Paragraph 42 im ganzen angenommen.

Abg. Albrecht (Soz.) bittet, sämtliche noch vorliegenden sozialdemokratischen Anträge gemeinsam begründen zu dürfen. Redner tut dies, da sich das Haus damit einverstanden er­klärt. Staatssekretär Graf Posadowsky ist inzwischen erschienen. Der Rest des Gesetzes wird in zweiter Be­ratung unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge, die auf größere Zentralisation der Krankenkassen hinzielen, nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Die Kom­mission empfiehlt folgende Resolution zur Annahme: Die ver­bündeten Regierungen um die Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, durch den die reichsgesetzliche Krankenversicherungs- pflicht auf die Hausindustrie, auf alle Handlungsgehilfen und -Lehrlinge, auf die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und auf die Dienstboten ausgedehnt wird, ferner a) dem Reichs­tage, wenn möglich in der nächsten Session einen Gesetzent­wurf zwecks eingehender, gründlicher Reform des Krankenver­sicherungsgesetzes vorzulegen, b) den Vorständen der Kranken­kassen, des Aerztestandes und Apolhekerstandes Gelegenheit zur Geltendmachung ihrer Anschauungen und Wünsche zu geben, c) insbesondere zu erwägen, ob sich nicht die Bildung einer ständigen Kommission empfiehlt, welcher die Regelung der ärzt­lichen Behandlung, der Arzneiversorgung und des Tarifs für die Honorierung obliegt. Ferner empfiehlt Abg. v. Savigny folgende Resolution zum Ersatz für den nunmehr gestrichenen seinerzeit auf seinen Antrag von der Kommission eingefügten Absatz 7 des Paragraphen 42, in den unter a) geforderten Gesetzentwurf zur gründlichen Reform des Krankenversicherungs- gesetzes Bestimmungen aufzunehmen, welche eine feste Regelung der Anstellungs- und Dienstverhältnisse der Angestellten den Krankenkassen zur Pflicht machen. Die Abstimmung über die Resolution I und die Resolution Savigny wird bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Die übrigen Resolutionen werden ange­nommen. Damit ist die zweite Beratung der Novelle beendet.

Graf Ballestrem setzt die nächste Sitzung auf l1/, Uhr an. Tagesordnung: Dritte Lesung der Krankenversichernngsnovelle. Schluß 12*/, Uhr.

Nachmittagssitzung.

Am Bundesratstische Graf Posadowsky.

Der Präsident eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 45 Min. Das Haus tritt in die dritte Beratung der Krankenver­sicherungs-Novelle ein. Abg. Trimborn (Ztr.): Ent­scheidend für die Stellung des Zentrums zur Novelle sei der bedeutende Fortschritt, den dieselbe auf dem Gebiete der Kranken­versicherung biete, deren größte Ausdehnung die Krankenunler­

A propos! Weshalb haben Sie eigentlich Ihren früheren Beruf aufgegeben?"

Sie blickte auf ihren Teller nieder und flüsterte mühsam:

Ich wußte ja, daß Sie mich wiedererkannten. Ich glaubte aber, daß Sie so ritterlich und nachsichtig sein würden. Ich ... ich habe ja doch nichts Böses getan."

Nicht? Meiner Ansicht nach haben Sie mich im Theater schlecht genug behandelt."

Verzeihung . . . Ihr Fräulein Tante erwartet mich", murmelte sie und erhob sich.

Lassen Sie sie nur so lange warten, bis ich eine Frage, die ich auf dem Herzen habe, ausgesprochen habe. Sagen Sie mir, Jagrid, wollen wir die MaSken jetzt ablegen? Wollen Sie meine kleine, liebe Frau werden? Können Sie dem Mann, der Sie so unendlich lieb hat, nicht auch ein wenig gut sein?"

Sie versuchte es, sich aus seinen Händen zu befreien, die ihre beiden umschlossen hatten, er ließ sie aber nicht los.

Sagen Sie mir, Jagrid, wie es mit Ihnen steht, können Sie mich lieben? Wollen Sie mir auf meinen alten Familien­sitz folgen? Oder lieben Sie einen Andern?"

Sie blickte errötend zur Erde, dann sagte sie leise und unsicher:

Was ich an jenem unglücklichen Abend auf dem Balle sagte, war ja alles Unsinn. Sie dürfen nicht mehr daran denken. Jetzt weiß ich, wie dumm eS war."

Wirklich, Jagrid", rief er entzückt aus.Täusche ich mich nicht, so kennst Du jetzt auch dasgroße Gefühl , ohne das nun einmal zwei Menschen mit einander nicht glücklich werden."

Ja", sagte sie leise und blickte errötend zu ihm auf.

Und Dein Herz gehört mir, wie das meine ganz und gar Dein Eigentum ist", jubelte er.

Sie konnte kein Wort mehr herausbringen, sie konnte es aber auch nicht verhindern, daß er sie stürmisch an sich zog und sie küßte.