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Freitag
1. Mai
Fasanenhähne dürfen in diesem Monat geschossen werden. Der Fischer beginnt mit dem Angeln und dem Krebsfang. Die letzten Zugvögel kommen an: unter ihnen der Pirol (Pfingstvogel), die Wachtel, Sirandlänfer, Turteltauben, und Nachischwalben. Die Bienen geben unter günstigen Umständen die ersten Schwärme; man pflegt zu sage»: „Ein Schwarm im Mak — ist wert ein Fuder Heu" Der Tag wächst von durchschnittlich 14 bis 15 Stunden auf etwa 1b'/« bis 16'/» Stunden. Der Mai steht unter dem Zwillingszeichen; man sieht nicht selten:
Zwei Rosen an einem Zweige stehn, Zwei Kirschen an einem Stiele, Und Vöglein kann man zu Paaren seh» In Bäumen und Hecken gar viele.
* Meisterprüfung. Die Meisterprüfung haben bestanden die Herren Bäckermeister Coust. Brill, Johann Kost, L. Mollenkopf und Friedrich Gagel, ferner Herr Schneidermeister Martin Hasselbaum.
* Jubiläum. Heute, am 1. Mai, sind 50 Jahre verflossen, seit die Firma Karl Müntzenberger Wwe., Kolonialwarengeschäft (Hospitalstraße) gegründet wurde.
* 40jähriges Jubiläum. ' Heute blickt Herr Kutscher Konrad Klapp auf eine 40jährige ununterbrochene Tätigkeit bei der Holzhandlnng Firma Georg Müller hier zurück.
* Jahresfest des Evangelischen Bundes, Haupt- verein Wiesbaden-Frankfurt. In diesem Jahre löst Frankfurt, die alte Kaiserstadt, die Einladung ergehen, zum 3. und 4. Mai. Das Programm ist folgendes: Sonntag den 3. Mai (Jubilate) 1903, abends 5 Uhr: FestgöNesdienst in der St. Paulskirche. Predigt: Herr Superintendent Dr. Meyer au8 Zwickau. Bericht: ^err Pfarrer Schlosser ans Wiesbaden, Mitwirkung des Paulskirchen Chors. Abends 7 Ui Uhr: Im evangelischen Vercinshause „W-stend" (Neue Mainzerstraße 41) Begrüßungs-Versammlung. Ansprachen von Herrn Superintendent Dr. Meyer, Pfarrer Dr. Bornemann tu a. Montag den 4. Mai: Vormittags 8 Uhr: Im evangelischen Vereinshause : Sitzung des Vorstandes des Haupl- vercins nnd des Lokalkomitees. Vormittags 9 Uhr: Hauptversammlung des nassauischen Hauptvereins : 1. Begrüßungen, 2. Jahresbericht, 3. Kassenbericht, 4. Wahlen. Vormittags ll1/« Uhr: Versammlung in Sachen der evangelische» Bewegung in Oesterreich. Nachmittags 2 Uhr: IM Hviël dn Nord, Große Gallusstrâße 17: Gemeinsames Mittagessen (Gedeck ohne Wein 2 Mk.); danach gemeinsamer Ausflug nach dem Oberforsthause. Am Abend wird voraussichtlich im Rechneisaal, Langestraße 29, eine Aufführung des Reformationsfestspiels von Pfarrer Dr. Dechent: „Luthertâge in Frankfurt a. M." stat-findrn.
* Verein der Spestartfrennde. Durch den Bescheid der Königs. Regierung von Untersranken und Aschaffenburg, Kammer der Finanzen, Forstabteilung, datiert vom 9. Februar 1892, betr. Erleichterung des Touristenverkehrs, hat der Verein der Spessrrtsreunde die Genehmigung erhalten, im Bereiche des bayerischen Spcssartgebietes Wege zu markieren, Wegweiser anzltbringen ik. s. w. AehnliG? GenebmigNngen wurden dem Verein auch auf preußischem Gebiete und im Bereiche fürstlichen Privatbesitzes zu Teil. Diese besonderen dem Verein erteilten Befugnisse waren nölig, um keine beliebigen Markierungen zu bestimmten Wirtschaften und bergt. die Oberhand gewinnen und ein wirres Netz markierter Linien entstehen zu lasten. Zn neuester Zeit wurden die erteilten Vollmachten wieder geltend gemacht, die alte Markierung, soweit Durchgangsrouten bestanden, erneuert, einige neue geschaffen und die Fürstverwaltungs- und Schulbehörden um den Schutz dieser einheitlich geschaffenen Wegezeichnung angegangen. — Der Zwèigklub Hanau macht seine Mitglieder noch daraus aufmerksam, daß der „Tourist" und die ^Touristischen Mitteilungen in der Restauration Kippert (Mohr) ausliegen.
* Müller-Herfurt-Theatcr. Wie schon gestern erwähnt, tritt heute abend der ehemalige Rechtsanwalt und berühmte Verteidiger Dr. Fritz Friedmann dahier im Saale der „Centralhalle" auf, begleitet von einem vorzüglich ausgewählten Ensemble. Im Vorverkauf sind Billets in den beiden Hofbuchhandlungen zu haben. Der Anfang ist auf 8U< Uhr festgesetzt.
* Zurückgekehrt ist der als vermißt gemeldete Schlosserlehrling B. von hier. *
H. Kesielftadt, 1. Mai. (Von der alten Kirche.) Bei Ausräumung und Abtragung der alten Kirche stellte es sich klar heraus, daß es die höchste Zeit war, den Abbruch des Gebäudes zu betreiben. Wo auch der Werkmann seine Hand anlegt, findet er alles Holzwerk gänzlich verwittert oder vermodert. Nun ist es erklärlich, woher der unerträgliche Modergeruch in der Kirche rührte, der so viele Ohnmachten, besonders bei den Gottesdienst besuchenden Frauen, verursachte. Als der Holzbodenbelag und die Wandverkleidungen abgenommen wurden, entstieg dem Boden und den Wândm ein mephitischer Geruch, dem die Werkleute sich eiligst entziehen mußten, um keinen Schaden zu nehmen. Das Mauerwerk des oberen Turmteiles, wohl eines späteren Ausbaues, ist größtenteils noch gut erhalten, während das des Unteren Stockes und besonders des Kirchenschiffes schlecht ausgeführt und im Lause der Zeit sehr defekt geworden ist. Daher müssen die Abbruchsarbeiten mit größter Vorsicht ausgeführt werden. Möge der Schutz des Allmächtigen die wackeren Werkleute bei ihrer gefahrvollen Arbeit behüten. — Hier mögen noch einige aufgefundene Daten angeführt werden: Die Steinumrahmung des mittleren Chorfensters zeigt die Jahreszahl 1471 eingemeißelt, der Taufstein die Zahl 1590 uns den Spruch Matth. 19: „Sinite parvutos et non defèndite ad me venire, etenim regnum dei eorum.“ (Lasset die Kindlein zu mir kommen rc,), sowie die Inschrift: Hoc baptisterium parvulis suis expensis fecerunt Johannes Piebran (?) et Kys (?) . . . Der alte Opferstock trägt auf seiner seither verdeckten Rückseite einen schön erhaltenen Reliesschild mit dem Wahrzeichen der ehemaligen Kesselstädter Fischerzunft, einen Fährbaum mit Hacken, darunter die Jahreszahl 1696. An der Wand neben dem mittleren Chorfenster sind ohne Jahreszahl die Namm Adam Stein, Pet. Meerbott II. und Johs. Krafft aus Höchst a./Main
angeschrieben, aber nicht, was die Träger dieser Namen gewesen sind. Eine fizeilige Inschrift neben dem Eckfenster der Nordwand ist früher leider gânzstch zernört worden, sodaß nur noch einzelne Buchstaben und Wortieile zu lesen sind, aus denen jedoch kein Zusammenhang se'tzustellen ist. Das gestern unter nicht geringen Schwierigkeiten niedergelegte Turmkrenz ist eine saubere schöne Schmiedearbeit, die gewiß aus der Zeit der Erbauung des Turmes (1581 ?) herstammt. Der Orgel wurde ein vortrefflich erhaltenes Wappen auf 3geteiltem Schild entnommen. Das obere Feld ist längs 2geteilt ; links ein rotes Doppelkreuz in weißem Feld, rechts sckwarz-weißes Feld mit einem Stern im Schwarz. Das Mittelfeld hat links einen roten, aufrecht stehenden gekrönten doppelfchwânzigen Löwen, in der Mitte einen weißen und rot gnergestrichenen gleichen Löwen, rechts auf rotem Feld 2 fortschreitende Leoparden in Goldfarbe. Das untere Feld hat in der linken Ecke auf geteiltem schwarz-weißen Felde 2 Sterne, in der Mitte auf großem roten Felde einen kleineren rot und weiß gestrichenen Schild mit schwarzem Querbalken in der Mitte, links und rechts oben und unten sind 3 goldene Balken und diesen entsprechend auf beiden Seiten je 3 übereinanderliegende Winkel, rechts auf rotem Feld eine Figur, die Schreiber dieser Zeilen nicht zu b stimmen vermag. Die Figur vt gekrönt und hat je links und rechts auch eine Krone. Vielleicht ist ein Wappen- kundiger in der Lage, uns diesen Schild zu dkntm, worum wir hiermit herzlichst bitten wollen.
Aus dem Gerichtslaa!.
Sitzung der Strafkammer II vom 29. April.
Der jetzt 80 Jahre alte Bauer Damian B. von Rauschelbach ist noch einmal wegen Bedrohung und Körperverletzung auf die Anilâgebank gefommen. Der Bauer G. war mit einem Wagen über sein Grundstück gefahren, was den alten B. in Zorn brachte, trotzdem der G. daS Fahrrecht über das fragliche Grundstück besitzt. Er rannte mit der SLippe auf den G. los und stieß sie ihm ins Gesicht, dabei eine harte Drohung ausstoßend. Der G. reagierte Nicht auf die Tat des alten B., sondern begnügte sich mit einer Anzeige. Das Schöffengericht verurteilte den B. zu einer Geldstrafe von 30 Mark, die Berufung hiergegen ist ohne Erfolg.
Rcgenstation Hanan des König!. Preußischen Meteorologischen Instituts zu Berlin.
Im Monat April wurden 16 Tage mit mehr als 0,2 mm Regenhöhe beobachtet. Die größte Niederschlagsmenge in 24 Stunden war am 4. April (gemessen am 5. April Morgens 7 Uhr), sie erreichte eine Höhe von 10,0 mm, was gleichbedeutend ist mit 10,0 Liter auf 1 Quadratmeter.
Die Monats-Menge der Niederschläge im April betrug 50,5 mm oder 50,0 Liter pro Quadratmeter.
Der Beobachter:
Jean Jobst.
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Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Prognose für den 2. Mai: Ruhiges, meist trübes Wetter mit geringen Regenfällen wahrscheinlich.
Hanauer Vereins- u. Uergniignngsnachrichten
für Freitag den 1. Mai
(Sh, Männer- u. IuvqliuMereiti! NnterhâttunoSabmd C^x VereinSh.). Erster Hanauer Kellnerverein: VrreinSabend int „Fân". Hanauer Kellnerverein BerOnsabend in der Restauration Utsamer. Turn- u Fechtk.ub: Von ’M- 10 llijri Fechten un) Turnen. Männerabteiluna der Turngemeinde - Turnen
Verein f. Homöopathie u. Naturheilkun^e - VereinSabend (Stadt Bremen ) Klub „Aniicftia" : VereinSabend im Gasthaus „zum Elephanten'. Klub der „Harmlosen": Gemütl. Zuiammenktlnit im ..Frankfurter Bau'. Klub „Schlaraffia": Vereinsabenü in der Restauration .Allunania". Klub „Fraternität": Klubabend in den „3 Schwanen" (Kirchstratze). Sänger-Quartett: VereinSab nd in der Brauerei Orschler. BicyUeklub „Hünbvia" ■ Klubabend in der .Restauration Earlsberg". Bicycle-Klub 1896: Klubabend im »Kaiser Friedrich". Gesellschaft „Scharfes Eck": MonatS^ersammluna.
Hanaue Schützenverein : Abends 9 Uhr: Zimmerstutzenschieben. Äthletenklub „Germania": Riegenstemmen und Ringen der 1., 2. und 3. Klasse (Restauration Wagenbach, Paradeplatz). MerkeS'scher Stenographen - Verein: Fortbildungskursus „zur Sonne" Stemm- u. Ring-Klub „Eiche": Abends von 9—10 Uhr: Ehrenpreisstemmen, von 10—11 Ringen (Restanration .Wiener Spitze".
Hue MK und fern,
X. Castel, 30 April. Unter der Anklage des y er* suchten Gattenmordes erschien heute vor den Geschworenen der Eisenbahnbremser Johannes Krohn, ein blljâhriger, seither unbescholtener Mann. Ueber den betr. Vorfall, welcher sich am 3. März d. I. nachmittags in einem Hause am Martinsplatz abspielte^ ist s. Zt. in diesem Blatte berichtet worden. K. hatte bei einer dort wohnenden Tochter seiner zweiten Frau, die er als Witwe geheiratet, diese, nachdem sie von ihm gegangen, ausgesucht. Die 48jährige Frau floh vor ihm die Treppe hinauf, während er ihr aus einem Revolver mehrere Schüsse nachsandte, von denen zwei trafen und sie leicht verletzten. K.'s erste Frau war im Frühjahr 1900, nachdem sie 25 Jahre mit ihm in glücklicher Ehe gelebt, gestorben. Er sowohl wie seine zweite Frau halten Kinder, durch die es oft zu Streitigkeiten kam. K. behauptet, der Unfriede sei hauptsächlich daher gekommen, daß seine Frau getrunken habe und auch bezüglich ihres Vorlebens nicht ein- lmndssrei gewesen sei, was er erst später erfahren. Sie wiederum behauptet, von ihm ungerechtfertigt mißhandelt worden zu sein, infolgedessen sie endlich am 17. Februar die gemeinsame Wohnung verlasien habe. An dem fragt 3. März nachmittags habe sie ihr Mann in der Wohnung ihrer Tochter Berta ausgesucht. Als sie sein böses Gesicht gesehen, sei sie erschreckt vor ihm geflohen, während er schoß. Der Angeklagte bestreitet, die Absicht gehabt zu haben, seine Frau zu töten; den Revolver hätte er gekauft, weil er sich mit Selbstmordgedanken getragen. Er habe nur losgefchoffen, weil er sich ärgerte, daß die Frau davonrannte. Die Verhandlung ent
rollte ein überaus trauriges Famiüenbild und führte dazu, daß K. nicht des Mordversuchs, wobl aber des versuchten Tottchlags schuldig gesprochen und zn 9 Monaten Gefängnis — bei Zubilligung mildernder Umstände — verurteilt wurde. Ein eigenes Geschick wollte es, daß seine Verurteilung gerade am Todestage seiner ersten Frau erfolgte.
-r. Makbuvst, 30. April. D e Wnlbnrgisfeier der hiesigen Studentenschaft nahm auch bitâmal wieder, trotzdem das Mailüftchen gerade nicht so angenehm wehte, einen schönet: Ver'anf. In den Vereinshäusern der Korporationen herrschte bei Musik und Becherklang eine fröhliche Stimmung und nach Anbruch der Dunkelheit zeigte sich das Schloß, der Spiegel- lustturm, die verschiedenen Kneipen prächtig beleuchtet. An den Bergen schlängelten sich die Lampionzüge der Studenten hin und her. Kurz ror 12 Uhr sammelte sich auf dem Marklplatze und in nächster Nähe eine große Menschenmenge, die der Nèaifeier des Korps „Nassovia" beiwohnen wollten. Um 12 Uhr fanden sie sich ritt ein und saugen mit kräftigen Summen unter MustlbegleiUltig das Mailied. Von hier aus gings mit den geleerten Glä ern und den brennenden Kerzen wieder nach der Kneipe zurück. Das fröhliche Treiben bauerte bis spät in die Nacht hinein.
Trcysa, 29. April. Einer hiesigen Bürgerslamilie wurde ein Mâdcken geboren, welchem beide Hände und Füße fehlen. Im Uebrigen ist das Kind durchaus Normal gebaut und nach ärztlichem Urteil lebensfähig.
Drahtnachrichten.
BernichtttNft einer Mirenstadt in Kanada.
Vancouver (Britisch-Columbia), 30. April. Nach den letzten aus ^rant hier eingetroffenen Nachrichten wird angenommen, daß die Katastrophe in Frank einem Bergsturz zuzuschreiben ist. Den vermeintlichen Vulkanausbruch hält man jetzt für Staubwolken, die dnrch die stürzenden Massen aufgewirbelt worden sind. Zwei von den 17 unter den Trümmern erstickten, die übrige i wurden gerettet. Die Gesamtzahl der in dem Städtchen oeiölkten Personen wird 6uf 95 geschätzt. Der durch den Ort fließende Fluß wurde durch einen fast 100 Fuß breiten Felsen eingedämmi. Es sind Arbeiten im Gange, den Fluß in ein neues Bett zu leiten. Die meisten Häuser sind infolge der Erschütterung, die durch den Niedersturz von Millionen Tonnen Gestein verursacht wurde, unbewohnbar. Die Eisenbahn wurde durch das Gestein gesperrt, die Telegraphenlinien sind unterbrochen.
Ottawa, 1. Mai. Im kanadischen Unterhaus verlas Premierminister Sir Wilfrid Laurier Depeschen, welche bestätigen, daß das Unglück in Frank auf einen Bergsturz und nicht auf einen Vulkanausbruch zurückzuführen ist. Die Zahl der Toten beträgt 87. Von den Bergleuten sind zwei umgekommen, 15 wurden gerettet.
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Berlin, 1. Mai. Die Ossiziere und höheren Beamten des KriegsmiWerittms versammelten geWM abend aus Anlaß der Roon-Feier zu einem Festmahl, bei dem der Kriegsminister ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte und eine Gedenkrede auf den Grafen Roon hielt.
Berlin, 1. Mai. Das „Berl. Tagebl." melbet aus Trier: Infolge der Straßenkrawalle in S t. Johann beorderte der Regierungspräsident telegraphisch die Gen d armerie des umliegenben Bezirks nach St. Johann.
Berlin, 1. Mai. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Wien : Die „Neue Freie Presse" berichtet aus Saloniki : Im Zentralgefängnis brach eine Meuterei aus. Militär drang in das Gefängnis ein und feuerte. Zwei Gefangene wurden hierbei getötet, zehn verwundet. — Das „Berl. Tagbl." meldet aus Kiel: Auf einer Uebungsfahrt ist ein Hochsee- iorpedoboot neuester Konstruktion bei dem Fort Stosch ausgelaufen. Nach mehrstündiger Anstrengung gelang die Flott- machnng. — Die „Voss. Zig." meldet aus Wien : Erzherzog Joseph Ferdinand, Bruder der Prinzessin Luise von Toskana, bisher Major bei den Salzburger Kaiser- Jägern, wurde auf Befehl des Monarchen unter Beförderung zum Oberstleutnant nach Laibach versetzt, angeblich strafweise wegen seines Verhaltens dem Hof gegenüber, besonders wegen sreundschaftlichen Verkehrs mit einet bürgerlichen Beamtenfamilie, wo die häufigen Besuche der Tochter des Hauses galten.
Hannover, 1. Mai. Der Kaiser traf mittelst Sonderzuges in der Nacht um 11 Uhr 40 Min. von Bückeburg kommend hier ein. Nachdem der Reichskanzler und Graf Waldersee den Hofzug bestiegen hatten, erfolgte 11 Uhr 50 Min. die Weiterfahrt.
Bttdapest, 1. Mai. Ungefähr 100 Studenten veranstalteten gestern abend vor dem National-Kasino eine Kundgebung. Sieben Studenten wurden wegen Widersetzlichkeit gegen die Polizei verhaftet.
Madrid, 30. April. Die Angestellten sämtlicher Straßen- bahngeskllschastkn beschloffen den Generalstreik, falls die Gesellschaftktt nicht die Löhne erhöhen. Die Gesellschaften lehnten die Forderung ab.
Konstantiuopel, 30. April. Infolge der Vorfälle in Saloniki ergriff die P f o r t e alle Maßregeln zum Schutze der dortigen fremden sind eigenen Untertanen. Die Garnison wurde gestern und heute durch 4 aus Smyrna kommende Bataillone verstärkt. Der Großvezier gab verschiedenen wegen der Vorfälle anfragenden diplomatischen Persönlichkeiten beruhigende Zusicherungen.
Washington, 30. April. (Reuter). Der russische Botschafter hatte heute eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär Hay, bei der, wie verlautet, die ganze Mandschureifrage mit voller Offenheit in freundschaftlichster und bc- friebiaenfter Weise besprochen würde.
Saint Lonis, 30. April. Henie fand hier die feierliche Uebergabe des Weltausstellungsgeländes an die Aus- stellungsbehörden statt. Der Feierlichkeit wohnten bei Präsident Roosevelt, der frühere Präsident Cleveland, Mitgliedor beider Häuser des Kongresses, die fremden Ausstellungs- kommissare, das diplomatische Korps und eine etwa 60 000 Personen zählende Zuschauermenge.