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letzten Sommers, noch mehr aber die allgemeine wirtschaftliche Lage und die damit Hand in Hand gebende Arbeitslonakeit, sowie Betriebseinschränkungen haben den Barverkauf ungünstig beeinflußt. Wenn trotzdem viele Brauereien eine Steigerung ihres Absatzes verzeichnen konnten, so ist hierbei zu berück­sichtigen, daß die Erweiterung des Absatzes in den meisten Fällen mit Kreditgewährung und Zugeständnissen aller Art erkauft werden mußte. Die Ansprüche wegen Kapitalbeleihungen werden seitens der Kundschaft immer größer. Das Erzielen eines höheren Preises für steigende Ansprüche an die Qualität ist infolge der Konkurrenzverhältnisse ausgeschloffen. Eine Besserung der Verhältnisse ist in absehbarer Zeit kaum zu erwarten, denn die Steuer- und Zollerhöhungen, sowie die teueren Hopfenpreise werden voraussichtlich im kommenden Jahre von ungünstigem Einfluß sein. Die auch in der Ein­gabe der Handelskammer vom 13. November 1901 vertretenen Wünsche der deutschen BraNindnstrie bezüglich der Zollsätze des neuen Zolltarifs haben leider keine Berücksichtigung er­fahren. Die Erhöhung des Gersie- und Hopseuzolles wird vielmehr noch eine bedeutende Mehrbelastung bringen. Eine rapide Preissteigerung der einheimischen Gerste wird die un­ausbleibliche Folge sein. In den Arbeiterverhältnissen sind gegen das Jahr 1901 keine Veränderungen vorgekommen.

* Musterung. Mittwoch den 1. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Hüttengesâß, Hochstadt, Keffelstadt, Kinzigheimerhof und Kilianstädten.

* Aleischuntersuchttttgsstelle. In der letzten Sitzung des Bundesrats wurde dem Ausschußbericht über die Eingabe der Handelskammer Wiesbaden betr. Errichtung einer zweiten Untersuchungssielle für das im Zollinland eingehende Fleisch in der Provinz Heffen-Naffau zuaestimml.

* Mittelrheinischer Kreisturutag. In der Turn­balle der Turngemeinde Darmstadt wurde vorgestern der 65. Turntag des Mittelrheinkreises abgehalten. Den Vorsitz führte der erste Kreisvertreier, Turninipektor Schmuck-Darmstadt. Nach der Begrüßung leitens des Vorsitzenden und des ersten Vorsitzenden der Turngemeinde Darmstadt, Professor Friedrich, erfolgte zunächst eine Reihe von Mitteilungen und die Aufnahme einer großen Anzahl von Vereinen, darunter auch der Turngemeinde Urberach im Gau Offenbach-Hanau. Gegenwärtig umfaßt der Mittelrheinlreis 19 Gaue, *707 Ver­eine und 70,459 Mitglieder, von welchen 10,200 Zöglinge sind; es sind demnach gegen das Vorjahr mehr 25 Vereine mit 2975 Mitglieder. Die Zahl der eigenen Turnhallen be­trägt 121, die der eigenen Turnp'ätze 202. Der Kreisoer- treter und der Kreisturnwart erstatteten alsdann ihre ausführ­lichen Berichte. Die Einnahme 1902 betrug 8394 Mk., die Ausgabe 7208 Mk.; die Nechnungsablage ist von der Turn­gemeinde Darmstadt geprüft und für richtig befunden, weshalb die Entlastung ausgesprochen wird. Dre zahlreichen Anträge des Gaues Rheinhessen, betreffend die Abänderung der Satzungen, werden ohne weitere Besprechung ge­nehmigt. Die beiden Kreisvertreier, Schmuck-Darmstadt und Schat t-Hanan, werden einstimmig wiederoewählt. Die Wahl des ersten Kreistnrnwaries fiel auf A. Dolze-Franksurt, die des zweiten auf Münch-Hachenburg. Zum Kreisgeschästssührer wurde Kaminsky-Pfungstadt ernannt. Durch einstimmigen Beschluß des Turnloges wurde der seitherige Kreisturnwart Heidecker-Wiesbaden zum Ehrenkreisturnwort ernannt. Die vom Kreisausschuß vorgeschlagenen 29 Abgeordneten und Stellvertreter zum Deutschen Turntag werden ohne Debatte angenommen, mit kleinen Aenderungen auch die 14 Kampf­richter und deren Stellvertreter für das Deutsche Turnfest in Nürnberg. In den Turnausschuß werden gewählt: Meller- Bockenheim, Gräser-Frankfurt und Frey-Mainz, als Stellver­treter G e r h a r d t-yanau, Engel-Wiesbaden und Kleber- Biebrich. Beschlossen wird ein Sonderzug zum Deutschen Turnfest in Nürnberg ab Aschaffenburg am 18. Juli vor-

Nach dem Tode des Polenkönigs Mugust des Starken im Jahre 1733 machte Stanislaus Lescynski, der schon einmal einige Jahre den polnischen Thron innegehabt hatte, abermals Ansprüche auf die Krone und wurde dabei von seinem Schwiegervater, Ludwig XV. von Frankreich, dem sich Spanien und Piemont anschloffen, eifrig unterstützt, während Oesterreich und Rußland für den Kurfürsten August III. von Sachsen die Waffen röhrten. So kam es zum Pol­nischen Erbfolgekrieg. Zwar gelang es Ludwig nicht, seinen Schützling nach Polen zurückzuführen; dafür aber be­kam Stanislaus im Frieden von Wien vom 3. Oktober 1735 die Herzogtümer Lothringen und Bar, während Herzog Franz Stephan von Lothringen, der Sohn Leopolds und Enkel des Türkensiegers vom Kahlenberge, Grau und Mo- lüc's, nach dem Tode des kinderlosen Großherzogs von Tos­kana, Johann Franz, dieses Land al 3 souveränen Besitz er­halten sollte. Als Stanislaus im Jahre 1766 starb, kam dann, wie es Karl VI. schon 1735 gegen die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion Ludwig XV. verheißen hatte, Lothringen an Frankreich. Ein wenig rühmlicher Handel. Im Jahre 1710, während des Spanischen Erbfolgekrieges, hatte Kaiser Joseph I. dem Reichstag in Regensburg sagen laffen: Deutschlano müsse Elsaß und Lothringen (die Bistümer) for­dern, sonst sei kein Friede, keine Sicherheit zu erwarten. Eitler Traum! Lothringen, ebenso wie das längst verlorene Elsaß, blieb französisch bis zum Jahre 1870. Nicht Habsburg, nicht Lothringen-Toskana, sondern Deutschlands geeinte Kraft unter Führung eines Hohmzollernkönigs hat die alten Grenzlande dem Reiche heimgebracht.

Wie schon gesagt, war Franz Stephan seit dem Februar 1736 mit der habsburgischen Erbin Maria Theresia vermählt; auch sein Großvater, Karl V., hatte eine österreichische Erzherzogin, Eleonore Maria, zur Frau gehabt. Am 11. April 1736 unterzeichnete er schweren Herzens dir Abtretungsurkunde, und am 9. Juli 1737 starb der letzte Großherzog von Toskana aus dem berühmten Ge­schlecht der Medici. Mit diesem Tage beginnt in Toskana die Regierung des Hauses Lothringen, die, nicht ohne Unterbrechung freilich, bis zum Jahre 1860 dauern sollte, durchaus nicht etwa eine lästige Fremdherrschaft, im Gegenteil, für die Ent-

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mittags zwischen 9 und 10 Uhr oder auch vielleicht ab Mainz; den Vereinen wird Näheres hierüber noch zugehen. Der Antrag des gelchästssübrenden Turnausschusses: Vereine, die an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, ziehen sich eine Ver­warnung, im Wiederholungsfall den Ausschluß von den tur« nerischen Wettkämpfen des Kreises zu, wird zurückgezogen, der weitere Antrag, die Hälfte des jährlichen Ueberschussts der Kreiskaffe wird zur Gründung einer Unterstützungskaffe zur Ausbildung von Turnmarten und Vorturnern in besonderen Lehrgängen verwandt, wird einstimmig angenommen. Die Verhandlungen begannen um 10 Uhr und dauerten ohne Unterbrechung bis 31/* Ubr. Der Turntag war von 151 Vereinen und einschließlich deS geschäftsführenden Ausschuffes, des Turnausschufses, der Gauvertreter und der Gauturnwarte von 293 Vertretern beschickt.

* Bankfirma A. Sonneberg. Wir vernehmen, daß die hier und in Frankfurt a. M. bestandene Bankfirma A. Sonneberg, nachdem ihr Inhaber Herr Hochstädter durch Tod abgegangen ist, erlischt und ihr Geschäft mit allen Aktiven und Passiven auf die Bankfirma Gebrüder Stern in Hanau übertragen hat. Es freut uns, daß die hochangesehene alte Baukfirma A. Sonneberg, die in den 50 Jahren ihres Bestehens ihren Ruf begründet hatte, auf eine ebenso wohl- angesehene, seit 30 Jahren bestehende Firma wie das Bankhaus Gebr. Stern übergegangen ist.

* Oratorirnverein. Wir möchten nochmals auf das heute abend 7 Uhr im Saale der Turngemeinde stattfindende IIL Abonnementskonzert des Oratorienvereins (Paulus) emp­fehlend aufmerksam machen. Zugleich sei dem verehr!. Konzert­publikum hier die Mitteilung gemacht, daß an Stelle des er­krankten Herrn August Leimer Herr Rudolph Hellmrich anS Frankfurt a. M. die Partie desPaulus" gütigst über­nommen hat.

* Kunstnotlz. In der neu arrangierten April-Aus­stellung der Hermes'schen Kunstsäle in Frankfurt a. M., Goetheeck am Opernplatz, dominiert der Münchener Secessionist Hugo Freiherr v. Habermann mit einer Kollektion von Gemälden, die einen umfaffenden Ueberblick von dem Schaffen dieses interessanten Künstlers gewähren. Mit einer größeren Anzahl seiner oberbayrischen Genrebilder ist der hier wohl­bekannte und wohlgelittene Friedrich P r ö l n vertreten, während Rudolf Gud den-Frankfurt a. M. das Ergebnis seiner Winterarbeiten mit 6 neuen Gemälden ausstellt. In gewohn­ter Weise wird die reichhaltige Galerie außerdem komplettiert durch ausgewählte Werke unserer sonstigen bekannten Meister. So finden wir von Arnold Böcklin 3 seiner besten Schöpfun­gen, von Hans Thoma 5 Gemälde aus verschiedenen Epochen, von Franz v. L e n b a ch 8 Portraits, neben Werken von Stuck, Zügel, Schönleber, Spitzweg, Gabriel Max, Defregger, Uhde rc. rc.

Versammlung der freisinnigen Dslkspartei. Im Deutschen Haus fand gestern abend eine Versammlung der freisinnigen Volkspartei statt. Nachdem von den An­wesenden die Kandidatur des Herrn Küstner für die be­vorstehenden Reichstagswahlen gutgeheißen sind dieser sich zur Annahme der Wahl bereit erklärt hatte, hielt der Abgeordnete Kops ch-Berlin ein längeres Referat überDie Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahlen". Seine Rede war keine gar so grämliche Kritik an unsern inneren Zuständen, wie man sie von manchen linksstehenden Rednern zu hören be­kommt, vielmehr anerkannte der Redner das Dorwärtsschreiten des deutschen Reiches auf allen Gebieten des öffentlichen Le­bens. Er schilderte in humorvollen Worten die Kämpfe um den Zolltarif im Reichstage und ließ dabei die Sozialdemo­kratie besonders schlecht wegkommen, die durch ihr unkluges Verhalten dieMehrheit zusammengeschweißt" und eine we­sentliche Verschlechterung der parlamentarischen Freiheiten ver­schuldet habe. Herr Canthal, der als Vorsitzender fun­gierte, brachte zum Schluß noch ein Hoch auf Herrn Küstner au3.

Wicklung des Landes lange von segensvoller Bedeutung bis sie schließlich, in mancher Hinsicht erstarrt und fortschrittsfeind­lich, der nationalen Einheitsbewegung tu Italien zum Opfer fiel.

Der erste Großherzog von Toskana au3 dem Hause Lothringen war also Franz Stephan (173765), der aber als Mitregent seiner Gemahlin in den habsburgischen Erb­landen und als deutscher Kaiser wenig Zeit für Toskana übrig hatte. Nachdem er durch Diplom vom 14. Juli 1763 Tos­kana zu einer Sekundogenitur seines Hauses erklärt hatte, trat er am 2. Januar 1765 das Großherzogtum an seinen zweiten Sohn Leopold ab. Dessen 25jährige Regierung war für das Land in geistiger wie materieller Hinsicht von größtem Segen. Mit Hilfe seines Ministers Pompeio Neri entfaltete Leopold auf fast allen Gebieten des staatlichen und kirchlichen Lebens, in allen Zweigen der Gesetzgebung und Ver­waltung, ganz im Geiste seines Bruders Joseph, eine weise und überaus erfolgreiche reformatorische Tätigkeit. Das Grund­eigentum wurde freigemacht, die Selbstverwaltung der Gemein­den hergestellt, das Steuerwesen vereinfacht, Tortur und In­quisition abgeschafft, Handel und Gewerbe entfesselt, Monopole und Zunftwesen beseitigt, das Erbpachtsystem eingeführt, die Freiheit der Erziehung und des Unterrichts begründet, die kirchlichen Verhältnisse vom Standpunkt der staatlichen Autorität aus gründlich umgestaltet, Kunst und Wissenschaft gefördert; nur allein das Mltiiarwesen wurde weit über Gebühr vernachlâistgt.

Als Leopold 1790 deutscher Kaiser wurde, folgte ihm in Toskana sein zweiter Sohn Ferdinand HL, der in die Fußlapfen seines Vaters trat. In die Wirren der europäischen Koalitionskriege verwickelt, verlor er im Frieden von Luneoille (1801) sein Land, aus dem ein Königreich Etrurien gemacht wurde, an den Jnfanten Ludwig von Parma und erhielt zum Ersatz durch den Reichsdeputationshauptschluß (1803) das säkularisierte Kurfürstentum Salzburg und dafür im Frie­den von Preßburg (1805) das ehemalige Bistum Würz­burg als souveränen Besitz. Nach der Niederwerfung Napoleons kehrte Ferdinand 1815 nach Toskana zurück. Der Wiener Kongreß verwandelte sein Land aus einer Sekundo­genitur in ein österreichisches Nebenfürstentum, ver­größerte es durch die Insel Elba und stellte ihm die Erwerbung von Lucca in Aussicht, die sich allerdings erst 1847 verwirklichte.

_________________________ 31. März.

)( Stiftungsfest. Am Sonntag hielt der KlubCame- ratia" im Gasthaus zum Eleganten sein 2. Stiftungsfest ab. Der Vorsitzende '?err Marx begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, zugleich in seiner Rede auf die Bedeutung des Festes hinweisend. Daß der junge Verein es versteht, Feste zu feiern, wurde hinreichend bewiesen. Es wurde vieles und schönes gebo.en. Auf humoristischem Gebiete ernteten die Herren $ er tert und Loos lebhaften Beifall. Den musikalischen Teil vertrat die N o y e' sche Kapelle, meiste alle Musikstücke fein zu Gehör brachte. Theaterstücke, Ensemble-Szenen, Duette wechselten in bunter Reihenfolge ab, sodaß die Stunden der Unterhaltung nur zu schnell verflossen. Ein sich anschließendes Tänzchen hielt die Teilnehmer bis zu später Stunde zusammen. Küche und Keller des Herrn Geisel leisteten vorzügliches. Alles in allem genommen, kann berichtet werden, daß die Cameratianer mit ihrem Abend gut abgeschnitten haben.

* Radfahrer-Zusammenstotz. Unsere gestrige Notiz über den Unfall zweier Radfahrer ist dahin zu ergänzen, daß der Nachtwächter am Salisweg die Feuerwehr alarmiert hatte, zwei Mitglieder der Wehr, H. und W., sich auf das Rad schwangen, um die Brandstätte zu erforschen und in der Dunkelheit ineinanderfuhren.

* Viehmarkt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.

Ans dem Grrichtskaal.

Sitzung der Strafkammer I vom 30. März. *

Vergehen gegen die Konkursordnung.

Der Kaufmann N., der hier ein kaufmännisches Geschäft betrieben hatte, engagierte zur Büchführung einen Prokuristen H., der sein Amt so auffaßte, daß er zum Schaden seines Arbeitgebers allerlei Betrügereien und Unterschlagungen beging, sich um die Buchführung aber überhaupt wenig oder gar nicht kümmerte. Das Geschäft geriet nach 2jährigem Bestehen in Konkurs. Kurz vorher hatten N. und H. noch eine Bilanz aufgestellt, die einen Ueberschuß ergab, N. trug aber doch Be­denken gegen dieBuchführung" seines Prokuristen und be­auftragte einige Bekannte mit der Durchsicht der Bücher. Da stellte sich denn heraus, daß das Geschäft überschuldet war und die Bücher sich in einer beispiellosen Unordnung befanden. H. schüttelte schnell den Staub der deutschen Heimat von den Füßen und verschwand über daS große Waffer. Gegen N. ist jetzt noch Anklage wegen Vergehen gegen die Konkursordnung erhoben, weil er als Kaufmann, der ein offenes Handels­geschäft führt, für die ordentliche Führung seiner Bücher ver­antwortlich ist. N. wird unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von 50 Mk. verurteilt.

Gefährliche Spielerei.

Zwei junge Knechte auf dem WilhelmSbader Hof, B. und H., waren am 8. Januar in der Schweineküche mit Zube­reiten von Futter beschäftigt, als dem H. die Lust anwandelte, zu schießen. Er nahm seinen Revolver auS der" MW,' lnd i ihn und B. sah zu. Während des Ladens ging der Schuß los und drang dem B. direkt in den Unterleib. Er wurde ins St. Vinzenzkrankenhaus ausgenommen, wo er sich jetzt noch befindet; die Kugel konnte nicht entfernt werden. Der H. erhält wegen fahrlässiger Körperverletzung einen Monat Gefängnis.

Ein bissiges Pferd.

Der Landwirt A. von Ostheim hatte sein Fuhrwerk in der Eberhardstraße stehen nnd dem bissigen Pferd den Maul­korb ausgezogen, weil es fressen sollte. Als der Landwirt sich auf einige Augenblicke von dem Fuhrwerk entfernte, ging daS Tier an einige auf der Straße spielende Jungen heran und biß einem von ihnen in den Oberarm. Der Landwirt A. erhält wegen fahrlässiger Körperverletzung 20 Mk. Geldstrafe.

Als Ferdinand III. 1824starb, kam sein Sohn Leopold II. zur Regierung, der seinen Regentenpflichten im Geiste seiner Vorfahren zu genügen suchte, wobei er durch seinen Minister, den Grafen Foffombroni, trefflich unterstützt wurde. Aber die Feuerbrände der Pariser Februarrevolution von 1848 fanden, wie in andere Länder, so auch nach Toskana ihren Weg; trotz freiheitlicher Zugeständnisse kam es dort zu Aufständen, die erst im Frühjahr des folgenden Jahres mit österreichischer Waffenhilfe niedergeworfen wurden. Es folgte natur­gemäß eine Zeit der schlimmsten Reaktion in poli­tischer wie kirchlicher Hinsicht, wodurch Leopold das Vertrauen seines Volkes völlig verlor, und dieS zu einer Zeit, wo Italien,, seiner Jahrhunderte alten Zersplitterung müde, sich anschickte, seine Einheit um jeden Preis herzustellen. So kam das Jahr 1859 heran und mit ihm die Entscheidungsstunde. Am 21. Juli sah sich Großherzog Leopold genötigt, zu Gunsten seines ältesten SohneS, Ferdinands-IV., abzudanken. Zu spät. Am 16. August sprach sich die neu gewählte Nationalversamm­lung gegen das Verbleiben der Lothringer und am 20. August für den Anschluß an Sardinien aus. Das Plebiszit vom 11. und 12. März 1860 ergab 366,000 Stimmen für, 15,000 gegen den Beschluß vom 20. August des vergangenen Jahres, und am 25. März trat Viktor Emanuel die Regierung deS Landes an. Gleichzeitig kamen auch Parma samt Pia­cenza und Guastalla, wo seit 1815 die Kaiserin Maria Luise und seit 1847 daS spanische Haus Bourbon herrschte, Modena, wo seit 1815 eine lothringische Nebenlinie, Oesterreich - Este, regierte, sowie die päpstliche Romagna an Sardinien.

So worb' Toskana eine Provinz des Königreichs Italien. Großherzog Ferdinand ging nach Oesterreich, für das sein Herz immer warm empfunden hatte, und schlug seinen Wohn­sitz in Salzburg auf. Dort lebt er heute noch, trauernd um entschwundener Tage Pracht und Herrlichkeit, träumend von Florenz, der kunstgeschmückim Mediceerstadt, auch im Alter noch von bitterem Geschick verfolgt. Einer Tochter winkte eine Königskrone am Wettinerhofe; nun muß sie, fern von könig­lichem Glanz, landfremd, verstoßen und verfehmt, für schwere Schuld die harte Strafe zahlen.