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Erstes Blatt.

Hanauer

S

Bezugspreis :

Lierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für «ui» Artige Abonnenten mit dem betressendeu Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

bedruckt und verlegt in der Buchdrucker« deS verein, tv. Waisenhauses in Hanan.

Amtliches Organ fit Stadt- md Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EilirürkungSgcbiihr :

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

53eraHtmoi.il. Redakteur -. 6. Schrecker in Hanau,

Vit. 76. . Fernspreckanschlnß Nr. 605*

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Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Ausschreiben.

Am 21. März 1903 wurde im Rhein an der Main- Mündung die Leiche einer unbekannten Frauens­person gelandet, die etwa 46 Wochen im Wasser gelegen hat. Da die Verwesung bereits ziemlich stark vorgeschritten ist, kann die Person nicht nüber beschrieben werden. Festge­stellt wurde die Länge auf 1,57 Meter, die Farbe der Haare auf dunkelblond, das Alter auf ca. 20 Jahre. Die Zähne scheinen gut gebildet und gut erhalten zu sein.

Die Leiche war bekleidet mit einem modernen halblangen über die Taille reichenden schwarzen Jackett, einem schwarzen Rock (gerippter Stoff) mit einer Besatzborde von ca. 15 cm, schwarzen Strümpfen und Strumpfbändern, einem leinenen Hemd mit Einsatz, zwei Unterröcken einem roten und einem schwarzen einer blauen Bluse mit roten und grünen Streifen, sowie einsobligen Knopfstiefeln; mit Korsett und Unterhosen war die Leiche nicht bekleidet.

Die Kleider sind bei der Bürgermeisterei Kostheim anf- bewahrt.

Wir bitten um Recherchen nach den Personalien der un­bekannten Leiche und Mitteilung zu J 1562/03 und bemerken gleichzeitig, daß die richterliche Leichenschau keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer strafbaren Handlung ergeben hat.

Mainz den 26. März 1903.

Großh. Hess. Staatsanwaltschaft. Schneider.

Wird veröffentlicht.

Hanau dm 30. März 1903.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 2662 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarze Schürze, 1 Mark bar, 1 noch neue Sturmlaterne.

Verloren: 1 Brillantring, 1 braunes Portemonnaie mit 1,401,50 Mark Inhalt, 1 silberne Damenuhr mit Gold­rand (auf der Rückseite die Buchstaben E. F. eingraviert), 1 Handarbeit uch.

3 «gelaufen:! gelber Bastard in. Geschl.

3 it geflogen: 1 Fasanenhuhn.

Hanau den 31. März 1903.

Feuilleton.

Lothringen-Toskana.

Ein sattsam bekanntes Ereignis von euroväischer, nicht Be­deutung, aber Sensation hat seit einigen Wochen wiederum einmal in wenig liebsamer Weise die Aufmerksamkeit auf das fromme Erzbaus hingelenkt, das in Oesterreich die Geschicke dreier an Rasse, Sprache, Geist und Kultur durchaus ver­schiedenen Völker lenkt. Dabei begegnet man immer wieder der Ansicht, als handele es sich um ein Mitglied des Hauses H a b s b u r g,' um ein Wildreis an dem Stamme dieses alten Kaisergescklechts, das 1273 mit Rudolf I. zeitweilig, 1438 mit Albrecht II. dauernd auf dm deutschen Thron gelangte. Das Haus Habsburg hat längst aufgehört zu sein; Lothringen- Toskana heißt der Erbe.

Nachdem in Spanien das dort seit 1516 regierende Haus Habsburg schon am 1. November 1700 mit Karl II. im Mannesstamm erloschen war, starb der letzte deutsche Habs­burger, Karl VI., am 20. Oktober 1740, nicht ohne zuvor mit unsäglichen Mühen durch die sog. Pragmatische Sanktion für seine Tockter Maria Theresia die unbestrittene Nach­folge in Oesterreich, Böhmen und Ungarn hausgesetzlich, staats- und völkerrechtlich auf dem Papier! gesichert Xit haben. Er hinterließ seine Länder in der traurigsten Ver­fassung nach innen, in der bedenklichsten Lage nach außen hin über der Jagd nach der Anerkennung seiner geliebten Sanktion hatte er die wichtigsten Herrscherpflichten gröblich ver­säumt. Karls Elbiocher war seit 1736 vermählt mit^ Franz Stephan, Herzog von Lothringen, Großherzog von Toskana. Von seiner Gemahlin 1740 zum Mitregenien tn Oesterreich ernannt und nach der kurzen Regierung KarlsöII. von Bayern 1745 zum Kaiser gewählt, ward er der Begründer des Hauses L o t b r i n g e n (-Habsburg), das bis 1806 die

Dienstag den 31. März

Landkreis Ranau,

Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.

An der katholischen Volksschule zu Großauheim ist eine Lehrerinnenstelle zu besetzen.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1050 Mark, der Einheitssatz der Alterszulagen 110 Mark und die Mietsent­schädigung 200 Mark.

Bewerberinnen wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeug­nissen innerhalb 14 Tagen an den Herrn Ortsschnlinspektor zu Großauheim einreichen.

Hanau dm 27. März 1903.

Namens des Schulvorstandes. Der Könialiche Landrat.

V 2566 v. Beckerath.

Aus Stadt und Land.

Hanan, 31. März.

Aus dem Jahresbericht dcrHandclskammcr.

Zigarrenfabrikation.

Die Produktions-, Absatz- und Preisverbâltnisse in der Zigarrren-Branche stellten sich auch in diesem Jabre ungünstig; höchstens im ersten Halbjahr konnte der Geschäftsgang noch einigermaßen befriedigen. Der Absatz in Zigarren hat gegen das Vorjahr einen Rückgang erfahren, der teils auf die herrschende Neberproduktion infolge der überaus starken Kon­kurrenz, teils auf die in anderen Branchen bestehende flaue Geschäftslage zurückzUsühren ist und sich selbst durch vermehrte Spesenaufwendung nicht ausgleichen ließ. Das Bestreben, einerseits die Arbeiter möglichst in Beschäftigung zu erhalten, andrerseits für die anwachsenden Lagerbestände Absatz zu er­kämpfen, hat vielseitig zu Angeboten geführt, die schädigend auf das reguläre Geschäft einwirkten und dasselbe in Ver­bindung mit ungünstigen Konjunkturen im Rohtabakgeschäft äußerst mühsam und wenig nutzbringend machten. Außerdem hat auch die Zunahme des Zigaretten-Konlums infolge der starken Reklame dem Zigarrenverbrauch mancherlei Abbruch ge­tan. Die Schwierigkeiten für den Fabrikanten wuchsen noch vielfach durch das immer stärker werdende Verlangen der Raucher nach ganz hellfarbigen Zigarren. Die Beschaffung genügend hellfarbiger Tabake war für den Fabrikanten oft schwierig und kam es dadurch öfter zu Differenzen mit den Abnehmern. Trotzdem konnten einzelne Fabriken bei Aufrecht­erhaltung der vollen Produktion auch vollen Absatz ihrer Fabrikate erzielen, im allgemeinen jedoch führte das Bestreben, Arbeiterentlassungen nnd Verkürzungen der Arbeitszeit zu ver­meiden, zu unerwünschter Erhöhung des Lagerbestandes. Es

deutsche Kaiserkrone trug und seit 1804 den österreichischen Thron behauptet, gleichzeitig auch in Italien, in Toskana, Modena und Parma, die österreichische Fremdherrschaft aufrecht erhalten half. Von diesem lothringischen Fürstengeschlecht und seinen Schicksalen soll im folgenden kurz die Rede sein.

Nachdem durch den bedeutungsvollen Teilungsvertrag von Mersen vom 8. August 870 zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen Lothringen nebst dem Elsaß an Deutschland gekommen war, erlangte während der schwachen Regierung des letzten deutschen Karolingers, Ludwigs des Kindes (899911), ein Graf Reginar die HerzogSwürde von Lothringen. Seinem Sohne Giselbert, dem König Heinrich I. seine Tochter Gerberga zur Frau gegeben hatte, gelang es nicht, die Würde in seinem Hause erblich zu machen; er fiel im Kampfe gegen seinen Schwager, König Otto L, und im Jahre 959 teilte dieser Lothringen, das mehrere Jahre Ottos Bruder Bruno, Erzbischof von Köln, verwaltet halte, in zwei selbständige Herzogtümer, Ober - und Niederlothringen, die vor­übergehend allerdings, von 103344, unter Gozelo I. noch einmal vereinigt wurden, dann aber ganz. getrennte Wege gingen. Seitdem Herzog Heinrich I. von Niederlothringen, btr Ahnherr der Landgrafen von Hessen, 1190 den Titel eines Herzogs von Brabant angenommen hatte, wurde Ober­lothringen schlechtweg Lothringen genannt.

König Heinrich HL, der schwere Kämpfe zu bestehen hatte mit Gottfried dem Bärtigen, der sich beim Tove seines Vaters Gozelo I. (1044) mit Obèrlotbringen begnügen mußte, während sein jüngerer Bruder Gozelo IL Niederlothringen bekam, be­lehnte im Jahre 1049 mit Oberlothringen den Grafen Ger­hard aus dem Elmß. Dieser Gerhard, ein dem Kaiser treu ergebener Mann, ist der Stammvater des Fürstenhauses, das bis zum Jahre 1735 die Herzogswürde in Lothringen bekleidete.

Es soll hier nun keineswegs eine Geschichte dieser 0er« hardiner gegeben werden; nur die Wendepunkte in ihrem i Schickml interessieren uns. Es war eine ganze Anzahl streit- .

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1903

hat daher teilweise eine Verkürzung der Arbeitszeit um 1 bis 2 Stunden täglich stattgefunden, und es wurde vermieden, freiwillig abgegangene Arbeiter zu ersetzen. Ein Hauptübel­stand in der ganzen Tabak- und Zigarrenbranche ist die außerordentlich scharfe Konkurrenz, welche sich infolge des lieber« handnehmens zahlreicher kleiner Ladengeschäfte die Detailver- käufer machen. Namentlich in größeren Städten müssen die Ladeninhaber bei den außerordentlich hohen Mieten und den kostspieligen Ladeneinrichtungen die denkbargrößtenAnsirengungen machen, um den Tagesumsatz stets auf gleicher Höhe zu halten. Die Folge davon ist, daß viele derartige Geschäfte nur mühsam ihre Existenz fristen oder häufig ihren Besitzer wechseln. Diese ungesunden Verhältnisse tragen natürlich viel dazu bei, daß die Zigarrenfabrikanten über ungünstige Geschäflsergebnisse klagen. Die Versuche, möglichst billig einzukaufen, haben die Preislage für die Maffenkonsumware (5 bis 6 Pfg.) derart gedrückt, daß dem Fabrikanten bei ziemlich erheblichem Risiko ein den aufgewendeten Mühen und Kosten entsprechender Nutzen kaum verbleibt. Der Export ist infolge der Monopole und sehr hohen Zöllen für den deutschen Fabrikanten so gut wie ausgeschloffen. Ein großer Nebelstand ist auch die lange Aus­dehnung des Zahlungsziels, wodurch auch unsoliden Existenzen das Errichten von Geschäften außerordentlich erleichtert wird.

Fabrikation von Zigarrenwickelformen und

Zigarrenkistchen.

Die ungünstige Lage der Zigarrenfabrikation hat naturge­mäß auch auf die Fabrikation von Cigarrenwickelformen eine nachteilige Rückwirkung geäußert. Der schon im vorigjährigen Bericht erwähnte schleppende Geschäftsgang hat auch im laufen­den Jahre angehalten. Die Zigarrenfabrikanten entschließen sich nur in den dringendsten Fällen zu Neuanschaffungen in Fabrikations-Utensilien bezw. Einführung neuer Farons. Ein Rückgang im Absatz dieses Artikes verglichen mit dem Vorjahr ist jedoch nicht zu verzeichnen. Auch in fertigen Zigarrenkisten und in losen Fournieren zur Selbstverfertigung solcher Kistchen seitens der Zigarrenfabrikanten hat sich der Absatz auf der­selben Höhe gehalten wie im Jahre 1901. Exportordres gingen nur wenig ein. Die Preise haben eine nennenswerte Aenderung nicht erfahren; die Rohmaterialpreise waren hoch. Arbeits­zeit, Arbeiterzahl und Arbeitslöhne sind im großen und ganzen die gleichen geblieben wie im Vorjahre.

Bierbrauereien.

Die Produktions«, Absatz- und Preisverhältnisse in der Brauereibranche haben sich im Jahre 1902 nicht verbessert. Die Preise für die Rohmaterialien bewegten sich zwar in normaler Höhe, aber die Geschäftsunkosten zeigen eine stete Aufwärtsbewegung, welche die Herstellung des Produkts immer mehr verteuern. Die ungünstigen Witterungsorrhältniffe des

barer Männer und tüchtiger Regenten unter ihnen; Karls V« von Lothringen Name glänzt in Oesterreichs Kriegsgeschichte für alle Zeiten. Daß sie nicht imstande waren, ihr Herzog­tum für sich und daS Reich auf die Dauer zu behaupten, lag weniger an ihrer Schwäche, als vielmehr an der Ungunst der geographischen Lage und dem Widerstreit der Interessen Frankreichs und Deutschlands, des Hauses Bourbon und des Hauses Habsburg. Fast wie ein Akt weltgeschicht­licher Gerechtigkeit will es daher erscheinen, wenn Lothringen schließlich Habsburgs Erbe ward.

Seitdem durch die wenig rühmlichen Verträge von Lochau und Chambord (1551 und 52) Kurfürst Moritz von Sachsen in seinem und seiner protestantischen Bundesgenoffen Namen, freilich ohne dazu einen Schimmer von Berechtigung zu be­sitzen, die lothringischen Bistümer Metz, Toul und Ver­dun an Heinrich II. von Frankreich als Reichsvikariat ab­getreten und sich dadurch deffen Unterstützung gegen Kaiser Karl V. gesichert hatte, war die Geschichte des Herzogtums Lothringen nur eine fortgesetzte Abwehr französischer Erobe- rungsgelüste, während früher die lothringischen Herzöge fast stets auf der Seite Frankreichs zu finden waren. Gleich Heinrich II. benutzte die Minderjährigkeit Herzog Karls HL, dem er seine Tochter Claudia zur Frau gab, um deffen Ge­biet bis zu fernem Tode (1559) besetzt zu halten. Auch Karl IV. verlor im Dreißigjährigen Krieg 1632 sein Land an Ludwig XIII. von Frankreich und erhielt es erst 1659 im Pyrenäischen Frieden wieder; im Vertrag von Montmartre (1662) ernannte er Ludwig XIV. gegen geringwertige Zuge­ständnisse seitens dieses zu seinem Erben. Abermals nahm Ludwig XIV. 1669 Karl IV. das Land weg und gab eS erst im Frieden von Nymwegen (1678) Karl V. unter sehr beschränkenden Bedingungen, im Frieden von Ryswijk (1697) dessen Sohn Leopold bedingungslos zurück. Unter Lud­wig XV. wurde dann bas Schicksal des Herzogtums Loihringen unb seines angestammten Fürstenhauses endgiltig besiegelt.