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Fr-ttag
20, März.
Telegraphischer Wettelbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 20. März.
9 Uhr 38 Min.
Maxima über 776 mm lagern über Südwesteuropa und Jnnerrußland, ein Minimum unter 740 mm lagert über der nördlichen Nordsee. In Deutschland ist daS Wetter im Süden heiter und ziemlich kühl, im Norden sehr mild und regnerisch; es herrschen lebhafte Südwestwinde.
Prognose für den 21. März: Fortdauer der heutigen Witterung wahrscheinlich.
Hue stab und fern.
Warburg, 18. März. Auf dem hiesigen Bahnhöfe wurde gestern ein Rangierer von einer Maschine erfaßt und überfahren. Der Unglückliche hat so schwere Verletzungen davongeiragen, da er kaum mit dem Leben davon kommen wird.
Biedenkopf, 17. März. In der letzten Stadtverord- netenfitzung würbe die Errichtung eines Elektrizitätswerkes beschiessen. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 85,000 Mk.
St. Frankfurt a. M., 19. März. Für den Monat Mai steht die Hierherkunft des ZirkuS Cortp-Althoff bevor. Derselbe wird mit einem Personal von 150 Zirkus-Mitgliedern und einem Marstall von 90 edlen Pferden in seinem eigenen eleganten ZeltzirkuS am Hohenzellernplatz Vorstellungen geben. Irren wir nicht, so war Corty-Althoff Ende der 60er Jahre zuletzt hier und zwar damals in dem längst verschwundenen stehenden ZirkuS auf dem Klapperfelde.
Eisenach, 18. März. Gegen den Oberbürgermeister Dr. von Fewson soll nunmehr nach abgeschlossener Voruntersuchung daS Strafverfahren wegen eines Vergehens im Amte auf Grund des § 346 des Strafgesetzbuches eingeleitet sein. Die Verhandlung dürste in Kürze vor der Strafkammer des Landgerichts hier stattfinden. Dr. von Fewson hat es, wie bekannt geworden ist, unterlassen, die Angelegenheit eines jungen Eisenachers, welcher von der Polizei wegen Belästigung anständiger Damen auf der Promenade angehalten war, weiter zu verfolgen, und hat das betr. polizeiliche Aktenstück eigenhändig mit dem Vermerk „kassiert" versehen. In allen anderen Punkten, wegen denen die Untersuchung gegen Dr. von Fewson schwebte, scheint das Verfahren eingestellt zu sein. Dr. von Fewson wird den Gemeinderat ersuchen, die Zufiim- mnng zur vorläufigen freiwilligen Niederlegung seines AmteS zu geben. Diese wird zweifellos erteilt werden.
Siegen, 18. März. Infolge ihres großen Geizes Hungers gestorben ist die unverehelichte Katharina Sinz hierfelbst. Die Frau, deren Vermögen auf über 100,000 Mk. geschätzt wird, bewohnte allein ein großes Haus an der Sandstraße. Als dessen Läden vor einigen Tagen geschloffen blieben, erzwangen sich die Nachbarn gewaltsam Zutritt zur Wohnung unb fanden die Frau in bewußtlosem Zustande dem Tode nahe im Bette liegend vor. Man schaffte sie zum Krankenhause,
a» sie gestern an Entkräftung gestorben ist. In ihrer Wohnung fand sich nichts Genießbares vor.
— Die Durgbergskapelle im Biebergrunde. Aus Bieber bei Gelnbansen wird unS geschrieben: Wohl selten hat jemand den Biebergrund durchwandert, ohne von dem Zauber eines Bildes erfaßt worden zu sein, daS sich vor seinem Blicke entrollte, wenn er, talaufwärts schreitend, sich dem Orte Bieber näherte. Vor dem Wanderer liegt Bieber, mit Bichelbach, Gaffen und Röhrig scheinbar eine Ortschaft bildend, im Halbkreise um den Fuß des Burgbergs gelagert, der den oberen Biebergrund vom Lochborntale scheibet, eingeschloffen von einer zum Speffart gehörigen, dicht bewaldeten Gebirgskette. Hinter diesem Kranze von Ortschaften und hoch über ihnen erbebt sich ein Kirchlein, gebettet in den Sattel zwischen zwei mächtigen Berggipfeln, dem Burgberg und dem Galgenberg, die eS wie schützend zu beiden Seiten überragen. DaS ist die St. Mauritius- oder Burgbergs-Kapelle. Leider droht diesem altehrwürdigen Laudenkmal die Gefahr des Untergangs. Wenn es nicht gelingt, daS Verhängnis abzuwenden, wird man in naher Zeit die Stelle leer sehen, von wo noch heute das Kirchlein so freundlich winkt. Die Kapelle ist schon lange baufällig und durch die gewöhnlichen kleinen Reparaturen nicht mehr zu erhalten. Sie bedarf, wenn sie vor dem Abbruch oder dem Verfall bewahrt werden soll, einer umfassenden und kostspieligen Wiederherstellung. Hierzu aber reichen die Mittel der kleinen und armen katholischen Kirchengemeinde bei weitem nicht aus. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, das Interesse für die Erhaltung der Kapelle in weiteren Kreisen zu wecken und die vielen Freunde, Kenner und Gönner des schönen Biebergrundes zur Mithilfe anzuregen. Wer die Erhaltung deS Kirchleins mit Rat und Tat zu fördern geneigt ist, darf des Dankes der Bewohner des Biebergrundes sicher sein. Das katholische Pfarramt in Bieber, Kreis Gelnhausen, erteilt gern nähere Aufschlüffe und nimmt Gaben entgegen. Die Erhaltung der Kapelle ist keine lediglich konfessionelle Sache; es gilt, ein landschaftliches Kleinod und zugleich eines der ältesten kirchlichen Baudenkmäler der Gegend, historisch und architektonisch gleich interessant, vor dem Untergänge zu bewahren. — G. W.
Drahtnachrichten.
Venezuela will bar zahlen.
Washington, 19. März. Die Venezuela-Angelegenheit ist in ein neues Stadium durch das Bestreben des Präsidenten Castro getreten, die Schwierigkeiten zwischen Venezuela und den Mächten durch direkte Verhandlungen, ohne Anrufung des Haager Schiedsgerichts, zu erledigen. Castro bemüht sich um die Aufnahme einer Anleihe, die Venezuela hinreichende Mittel liefern würde, die gesamten Entschädigungsforderungen der Mächte auf einmal in bar zu zahlen, anstatt in monatlichen Raten. Dr. Salomonsohn, der Vertreter der Berliner DiSkontogesellschast, und der New-Iorker Bankier I Seligmann sollen bereits Schritte " getan haben, um in einer Unterredung mit dem Präsidenten Roosevelt dessen
Ansicht über den Vorschlag Seligmanns zu erfahren, der die erforderlichen Summen unter der Bedingung hergeben will, daß er als Bürgschaft für ihre Rückzahlung ein Pfandrecht auf die venezolanischen Zölle erhält. Sollte Seligmanns Plan angenommen werden, so würde die Anrufung des Haager Schiedsgerichts vermieden werden, die jedoch von der amerikanischen Regierung stark begünstigt wird. Castro hat bereits Vereinbarungen mit den fremden Gesandten in Caracas angebahnt.
Berlin, 20. März. Der Kaiser nahm gestern "abend am Diner bei dem italienischen Botschafter teil. Auch Reichskanzler Graf Bülow, die Minister Studt, Frhr. v. Hammerstein und Budde, Staatssekretär Frhr. v. Richthofen und Unterstaatssekretär Mühlberg waren zugegen.
Berlin, 20. März. Das „Berl. Tagebl." meldet: Das Befinden des Frhrn. v. Heeremann war auch in später Nachtstunde besorgniserregend, wenngleich er zeitweilig bei Bewußtsein war. Die Herzschwäche hält an und die Kräfte nehwei sichtlich ab.
Berlin, 20. März. Der „Lok.-Anz." meldet aus Hamburg: Auf der Seewarte fand die feierliche Verabschiedung des 77jährigen Direktors Geheimrats v. Neu - m a i) e r, welcher die goldene Verdienstmedaille der Seewarte erhielt, statt.
Marienburg, 20. März. Postassistent Klauß in Christburg wurde verhaftet, weil er Postanweisungen unterschlagen hatte.
Eisenach, 20. März. Oberbürgermeister Fewson, gegen den strafrechtliche Untersuchung eingeleitet wurde, weil er eigenmächtig ein gegen einen jungen Mann aus Eisenach wegen Belästigung von Damen schwebendes Polizeiverfahren eingestellt hatte, legte bis zur Entscheidung deS Strafverfahrens die Amtsgeschäfte nieder.
London, 19. März. (Unterhaus.) Nach weiterer Debatte wurde der für Südafrika geforderte Betrag von von 20,265,000 Pfb. Sterl, bewilligt.
Washington, 20. März. Der Senat genehmigte mit 50 gegen 16 Stimmen den Gegenseitigkeitsoertrag mit Kuba nach Annahme verschiedener Abänderungsanträge, darunter eines Antrags auf Ausschließung jeder ferneren Herabsetzung des Zuckerzolles für den Zeitraum von fünf Jahren und eines Antrags, die Genehmigung des abgeânderien Gesetzentwurfes durch das Repräsentantenhaus fordernd. Der Senat vertagte sich dann auf unbestimmte Zeit.
Bloemfontein, 20. März. Die internationale Konferenz drückte die Ansicht aus, die Eingeborenen im Süden von Zembast könnten den Bedarf an Arbeiten nicht decken, daher sei es dringend notwendig, im ganzen britischen Süd-, Mittel- und Ost-Afrika die Anwerbung von Arbeitern zu gestatten. Die Konferenz nahm eine Resolution an, nach der die weitere Einwanderung ungelernter asiatischer Arbeiter gestattet wird, nötigenfalls unter Aufsicht der Regierung, welche auch für die Zurückbeförderung der Arbeiter, ja die Heimat sorgen sollte. 1
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