Einzelbild herunterladen
 

Seite 2.

Donner-iag

5. März.

d. M. aus einer in einem unverschlossenen Zimmer hängenden Weste 40 Mk. in Gold gestohlen waren. Der Verdacht lenkte sich auf den Hausburschen R., der auf Vorkalt auch zugab, den Betrag entwendet und bis auf 85 Pf. für sich verbraucht zu haben. Da derselbe ohne Arbeit und Miitel, daher flucht- verdächtig erschien, wurde er vorläufig in Haft genommen.

* Erschossen. Wiederum hat sich hier eine Selbstmord' affâre unter tragischen Umständen ereignet. Der in der Dun- lop-Pneumatikreisen-Fabrik angestellte Kaufmann August W., . Schloßstr. 24 wohnend, erschoß sich heute morgen 71/» Uhr in seinem Bett. Als seine Frau damit beschäftigt war, das Kind für die Schule anzukleiden, ertönte im Schlafzimmer ein Schuß. In das Zimmer eilend, sah sie nur, wie ein Blut­strom aus der rechten Schläfe ihres ManneS emporschoß. Der­selbe hatte sich mittelst eineS Revolvers er'choffen. Ein stich- halliger Grund für die Tat ist nicht bekannt, nur wird er­zählt, daß der erst 39 Jahre alte Mann in der letzten Zeit sehr nervös war.

* Marktpreise. Im Monat Januar 1903 bc- nug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 14.86, Roggen Mk. 13.89, Gerste Mk. 16., Hafer Mk. 14.44, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 21.61, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 24., Linsen Mk. 28., Eßkartoffeln Akk. 4.65, Richtstroh Mk. 4.12, .Krummstroh Mk. 3.67, Heu Mk. 6.70, Rindfleisch im Großhandel Mk. 121; Rindfleisch im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.50, vom Bauche Mk. 1.30, Schweinefleisch Mk. 1.70, Kalbfleisch Mk. 1.30, Hammelfleisch Mk. 1.05, Speck (geräuchert) Mk. 2.10, Eßbutter Mk. 2.27, Eier 1 Schock 60 Stück 4.47 Mk.

* Ladenpreise. Im Monat Januar 1903 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speise- bereitung Weizen 34 Pfg., Roggen 22 Pfg., Gersten-Graupe 43 Pfg., -Grütze 43 Pfg., Buchweizengrütze Pfg., Hafer­grütze 45 Pfg., Hirse 39 Pfg., Reis Java (mittlerer) 49 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 40 Pfg., gelber (in ge­brannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pfg., Speisesalz 20 Pfg.

. *

* Ostheim, 4. März. (Ehrliche Finder). Der Metzgermeister Katz von hier begab sich gestern tiach Hanau, um eine Schlachtkuh zu holen, verlor aber auf dem Wege durch Roßdorf sein Portemonnaie mit 350 Mk. Der glück­liche, aber auch ehrliche Finder war der Landwirt Heinr. Goy 7er von Roßdorf, der den Fund dem rechtmäßigen Besitzer wieder zustellte.

K Langendiebach 4. März. (Darlehenskassen­verein.) Wie segensreich die Raiffeisen'schen Darlehenskaffen- vereine in den einzelnen Gemeinden wirken, ersehen wir aus dem Landwirtsckaftlicken Genossenschaftsblatt. Auch der Rech­nungsabschluß für 1902 des hiesigen Spar- und Darlehens- kaffenvereins ergibt einen ziemlich bedeutenden Umsatz. Es be­trägt die Summe der Aktiva: 143,047 Mk. 92 Pfg., Summe der Passiva: 142,094 Mk. 23 Pfg., mithin Gewinn: 953 Mark 69 Pfg. Die Mitgliederzahl ist im Laufe des Rech- nungsjahres von 173 auf 184 gestiegen. Der Rechner des kiesigen Vereins ist Herr Lehrer Heintz, welcher seit vielen Jahren die Kassengeschäfte in mustergiltiger Weile geführt hat. Die Raiffeisen'sche Kasse ist ein uneigennütziges Institut gerade für unsere Landbewohner, mögen die edlen Bestrebungen dieser Einrichtung auch fernerbin auf fruchtbaren Boden fallen.

-y. Langendiebach, 4. März. (Silberne Hoch- z e i t.) Heute feiert Herr Landwirt Jakob H e s s e m e r und Frau, geb. Bernges das Fest der silbernen Hochzeit. Der Jubilar erfreut sich wegen seines biederen Charakters allge­meiner Beliebtheit.

<*> Rückingen, 4. März. (Jubiläum.) Ein Jubiläum eigener Art wurde am vergangenen Montag dahier festlich begangen. Waren es doch an diesem Tage 25 Jahre, daß Herr Gastwirt Joh. Lach und FrauZum Anker" in ununterbrochener Reihenfolge ihr Bier von der Brauerei Karl Beck in Hanau bezogen haben. Letztere Firma ließ es sich denn auch nicht nehmen, ihre Abnehmer aus diesem Anlaß zu ehren und zu erfreuen. Ein Abendessen vereinte die Inhaber der Firma, eine Anzahl Freunde und die Familienangehörigen

schon fix und fertig angekleidet zu dieser frühen Stunde? Weiß sie, daß Randy ein Frühaufsteher ist und häufig zum Frühstück herüberkommt? Oder ist es gar ein Rendez-vous? Richtig, da kommt wirklich auch Randy von der anderen Seite! Dies ist doch zu arg*

Und ohne abzuwartm, ob die Beiden sich tatsächlich trafen, setzte Madge schnell ihren Hut auf und machte sich dann eben­falls auf den Weg nach der Lorbeerhecke.

Als um neun Uhr die Frühstücksglocke ertönte, fanden sich sowohl Randy Valmont wie Vera Demasque pünktlich ein. Doch beide traten durch verschiedene Türen ins Eßzimmer, sahen ganz ruhig und gefaßt aus und begrüßten sich wie zwei oberflächliche Bekannte.

Von Madge jedoch, der kleinen Eifersüchtigen, war nichts zu sehen. Es dauerte auch noch eine geraume Weile, bis sie, sehr erregt und erhitzt, erschien, als ob sie einen langen Spaziergang gemacht hatte.

Randy ging ihr besorgt entgegen unv rief:Aber, mein Lieb, wo hast Du bloß gesteckt? Ich warte schon mit der größten Sehnsucht auf Dich. Schon ganz früh kam ich herüber, um Abschied von Dir zu nehmen, da ich gezwungen bin, heute nach Berlin zu reisen in Staatsangelegenheiten. Aber Schatz, blick doch nicht so entsetzt ich werde in einer Woche zurück sein!"

Du wirft nicht fortgehen, Randy. Ich bestehe darauf, daß Du hier bleibst."

Mein liebes Kind," mischte sich nun Sir Eustace in das Gespräch,Du darfst nicht versuchen, Randy zurück­zuhalten. Im Dienst für das Vaterland ist ein Ruf einem Befehle gleich."

Ich gestatte aber nicht, daß er geht. Er muß hier bleiben." |

Noch nie in ihrem ganzen Leben war Magde so aufge­regt gewesen, und ihr Benehmen war jedermann ein Rätsel; sogar Randy schaute seine kleine Braut verständnislos an, denn er hatte bestimmt geglaubt, sie würde sich gerade fitzt,

des Herrn Lach, bei welcher Gelegenheit nebst einer sinnigen Blumenspende mit Widmung dem Nestor der Familie ein wohlverdienter eleganter Rubeseffel gespendet wurde. Nachher fand in dem geräumigen Saale ein Bier-KommerS statt, zu dem die Räume kaum ausreichten, die Festteilnehmer alle auf- zunehmen.

0 Fechenheim, 4. März. (W ählcrv er saM m- l u n g.) In einer gestern abend im Saale des Gasthauses Zum Schwan" dahier abgehaltenen größeren Versammlung nationalliberaler Wähler nahm der Vorstand der nationallibe- ralen Partei in Hanau Gelegenheit in Erwiderung der regen Beteiligung hiesiger Parteifreunde an die Versammlungen in Hanau durch sein Erscheinen auch diesen Rechnung zu tragen und u. a. vor allen den für die bevorstehende Reichstagswahl' ausgestellten Kandidaten, Herrn Amtsrichter Dr. L u c a 8 ans Langensilbold mit seinen Wählern hier bekannt zu machen. Der Vorsitzende Herr Dr. HeraenS-Hanan gab einleitend nach Begrüßung und Dank an die zahlreich Erschienenen den Zweck der heutigen Versammlung bekannt und erteilte zunächst unserem LandtagSabgeordneten Herrn Fabrikant E. Iunghe nn-Hanau das Wort zu seinem Bericht über die nun zu Ende gehende Legislaturperiode des Landtages. Der Herr Abgeordnete gab vorerst allgemeine Beweikungeu über dieStimmung" im Land­tage und die Finanzlage in unserem Vaterlands, um dann ein­gehender über die letzten Beratungen des EisenbahnetatS zu referieren. Hierbei gedachte er rühmend deS nunmehrigen Chefs dieses so umfangreichen und weilverrweigten Ressorts und dessen ausgezeichneter Begabung und rastlosen Strebens,das wer­bende Kapital des Rückgrats des ganzen staatlichen Betriebes" bei aller Fürsorge für die ihm unterstellten Arbeiter und Be­amten durch Erzielung höherer Einnahmen dem Wohle des Ganzen dienstbar zu machen. Der Herr Vorsitzende dankte hierauf den Referenten und, auf die bevorstehende Reichs- tazswahl hinweisend, betonte er die Notwendigkeit regster Wahlbeteilicung seitens der bürgerlichen Parteien, von denen ca. 4050% sich der Wahl gänzlich enthielten, um unseren Wahlkreis wied-r der Sozialdemokratie zu entreißen, deren oberstes Prinzip Klaffenhaß, der Dalerlandsliebe und Königstreue Unsinn sci, die das Feiern patriotischer Feste der Bourgeo sie überlassen und alles Gefühl für Religion und Fa­milie ersticke und ertöte. Er freue sich, daß cs gelungen sei, in der Perlon des Herrn Amtsrichter Dr. Lucas, im diesseitigen Kreise anfällig, einen sicherlich recht geeigneten Kandidaten ge­funden zu haben, der ohne Zweifel die Herzen aller in Stadt und Land gewinnen werde. Hierauf erteile er Herrn Amts­richter Dr. Lucas das Wort. Nicht sei es am heutigen abend so führte der Herr Redner aus seine Aufgabe, eine Programmrede zu halten oder eine agitatorische Rede, vielmehr nur im geschlossenen Kreise gleicher Gesinnungsgenossen die Grundsätze seiner politischen Anschauungen darzulegen. Gegen­über dem Vorwurf der Schwäche hinsichtlich der Weite und Freiheit des nationalliberalen Parteiprogramms erachte er es als einen Vorzug, frei von denFesseln des Parteifanatikers zu den herrschenden Tagesfragen und Gegenwartsbedürfniffen Stellung nehmen zu können, die das Wohl des Ganzen im Auge habe. Die Geschichte werde gewiß bas Verdienst der nationalliberalen Partei um das Zustandekommen des Zoll­tarifs anerkennen, der der Landwirtschaft, dem Handel und der Industrie in gleicher Weile Schutz biete. Nun schon 15 Jahre inmitten bäuerlicher Bevölkerung wohnend, habe er genugsam auch in seinem richterlichen Berufe Gelegenheit, die Not dèr Landwirtschaft und ihre Sorge kennen zu lernen und erkannt, daß Hilfe not sei, allerdings im Maße des Erreichbaren und zum Wohle des Ganzen, um den Jnlandsmarkt zu stärken, die Einfuhr zu erhalten und vor allem unser Vaterland un­abhängig zu machen im Kriegsfälle. Auch die Industrie, in, mit und von welcher wohl schon die größere Hälfte der Be­völkerung lebe, bedürfe des Schutzes, daß der Absatz im Aus­lande immer größer und unsere heimische Industrie konkurrenz­fähig bleibe. Eine leistungsfähige Industrie komme aber vor allem dem Arbeiter zugute, und wenn je ein Wort von sozialdemokratischer Seite Berechtigung habe, so sei es das einer ihrer Führer, für den Arbeiter seien teure Prei'e und hohe

während des Besuchs von Vera Demasque, über seine Ab­reise freuen.

Magde indessen verlangte immer wieder und wieder und jedesmal stürmischer, daß Randy dem Rufe nicht Folge leisten solle, ohne irgend einen Grund dafür anzugeben. Die ganze Zeit, während sie sprach, hielt sie die Augen auf das Fenster geheftet, und offenbar lauschten dieOhren nach derselben Rich­tung, denn ehe noch jemand von den anderen Anwesenden irgend ein Geräusch vernahm, rief sie erregt:

Räder da ist er!"

Erstaunen malte sich auf jedem Gesicht; doch auf keinem mehr, als auf dem von Vera Demasque; sie wurde feuerrot hinter ihrer Taffe, während sie sich den Anschein gab, den Tee sorglos hinunter zu schlürfen.

Eine Minute später wurde die Türe des Eßzimmers auf- geriffen.

General Paley!"

Weshalb war Madge über sein Kommen so erregt? Was in aller Welt bedeutete dies alles?

Vera Demasque setzte ihre Teetaffe hin und ihre Hand griff stützend nach einer Stuhllehne. Alle Farbe entwich ihrem Antlitz sie sah geisterhaft auS.

Die Ankunft des General Paley hatte offenbar mehr Be­deutung für sie als für die anderen.

Ohne irgend einen der Anwesenden zu begrüßen, schritt er auf Vera zu und sprach:

Sie sind eine Frau, und noch dazu eine schöne. Ich bin ein alter Soldat und als solcher nehme ich große Rücksicht auf das zartere Geschlecht. Mein Wagen steht vor der Tür. Steigen Sie hinein und reisen Sie ab, ehe die Polizei, welche auf Ihrer Spur ist, Zeit hat, Sie zu verhaften. Ihnen bleiben noch zehn Minuten nicht mehr. Es ist Unrecht von mir, sie Ihnen zu lassen. Aber wo eine Frau in Be­tracht kommt, ist Schwäche ja verzeihlich."

Vera Demasque hörte nickt mehr den Schluß der Rede, sie war fort. In der Halle ergriff sie noch schnell Hut und

Löhne besser, als niedere Preise und schlechte Löhne. Nach dieser sehr eingehenden Erörterung der wirtschaftlichen Frage verbreitete sich der Herr Redner ebenso ausführlich über die soziale Frage. Er bekämpfe die Sosialdemokratir, nicht die Anhänger der Partei, nicht die Arbeiter, denen zu helfen und die zu schützen und in ihrer Lebensstellung und -führung aufzubessern sei er von ganzem Herzen bereit trotz aller Anfeindung der Sozaildemokratie und nicht fragend nach Dank oder Undank, nur um seines Gewissens willen. Mit welch verwerflichen Mitteln kämpfe doch jene, wohl wissend, daß die Aussaat der Unzufriedenheit, des Neides und Haffes, der Verachtung aller Autorität in unerfahrenen, jugendlichen Gemütern Eingang finde. Neben den materiellen Interessen gelte ihm die Wahrung idealer Interessen: Liebe zum Vater­lande, zu Kaiser und Reich, Freiheit der Kunst und Wssen- schaft: die ide-tte Freiheit. In den Wahlkampf aber trete er ein mit dem Rufe:Mit Gott für König und Vaterland". Reicher Beifall lohnte diese klare und zündende Rede des Herrn Kandidaten, der durch seine Redegewandtheit, die Sach­lichkeit und Ruhe seiner Ausführungen so überzeugend und gewinnend war und bekundete, daß er ein warmes Herz für alle Erwerbs- und Berufsstände hat. Auch der Herr Vor­sitzende dankte dem Herrn Redner nochmals. Als hierauf ein Vertreter der Sozialdemokratie die Nichtzulassung einer Dis­kutston, wie die Einladung zur Versammlung bekannt gebe, bedauerte und in ironischer Weise die Zulassung im Interesse der guten Sache empfahl, wies Herr Baurat Wohlfahrt- Hanau den versteckten Vorwurf der Feigheit gebührend zurück, worauf Herr Dr. Heraeus erklärte, eine solche, wiewohl sie nicht in den Rahmen der heutigen Versammlung passe, zu- zulaffen, da der Herr Kandidat gern bereit sei, allen Ein­wänden und Fragen, auch von gegnerischer Seite, Rede und Antwort zu stehen, und eine dahingehende Aufforderung an die Anwesenden richtete. Niemand aber meldete sich und so sprach er die Hoffnung aus, in einer späteren eigentlichen Wahlversammlung noch Gelegenheit zu finden, sich mit den Gegnern abfinden zu können. Hierauf schloß der Herr Vor­sitzende die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf Se. Majestät unseren Kaiser, in welches alle aufs freudigste einstimmlen.

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung der Strafkammer II vom 4. März.

Körperverletzung.

In der Nacht vom 17. zum 18. August v. I. ging eine Partie junger Leute von Langendiebach nach Hause, welche in Ravolzhausen auf der Tanzmusik gewesen waren. Sie gingen in zwei Trupps geteilt, von denen der Hintere auf den vorne gehenden Spottlieder sang, was schließlich den Hermann R. veranlaßte, zurückzugehen und die immer anzüglicher werdenden Sänger zur Rede zu stellen. Letzteres waren der Zimmermann Friedrich R. und der Fabrikarbeiter Friedrich B.,^ die augen­scheinlich nur auf einen derartigen Anlaß gewartet hatten, um sogleich tüchtig eingreifen zu können. Sie waren nämlich sehr erbost auf ihre glücklicheren Nebenbuhler, weil diese die Mädchen nach Hause führten, auf welche sie selbst ein Auge geworfen hatten. Es entspann sich zunächst ein gegenseitiger Austausch von saftigen Schimpfwörtern und allerlei Tätlichkeiten, wobei der Hermann R. und seine Begleiterin, die Margarete D., am schlechtesten wegkamen. Dann ging es weiter in dem rustikalen Ton, bei dem auch die holde Weiblichkeit nicht zu­rückstand. Der Streit zog sich hin bis Langendiebach, wobei die zwei Eifersüchtigen immer der aggressive Teil waren und die vorne gehenden Paare mißhandelten. Das Schöffengericht zu Langenselbold hatte die grimmige Eifersucht des R. und des B. mit je 2 Monaten Gefängnis bewertet, diese haben aber Berufung eingelegt und bestreiten daS meiste, was ihnen zur Last gelegt wird. Zu einigen Stößen seien sie durch die Schimpfereien der andern gereizt worden. Es entspann sich eine lange Verhandlung, in welcher ebensoviel Zeugen zu Gunsten wie zu Ungunsten der Angeklagten aussagten. Das Gericht nahm die Schuld der Angeklagten in der Hauptsache

Handschuhe, die sie bei ihrem frühen Morgenspaziergange ge­tragen, und ehe noch die erstaunte Frühstücksgesellschaft Zeit hatte, irgend welche Fragen zu tun, rollte General Paleys Equipage der nächsten Eisenbahnstation zu, wohin der Kutscher beaufiragt worden, Miß Demasque zu bringen.

Inzwischen lag Madge in Randy's Armen, krampfhaft weinend, während sowohl auf Sir Eustace wie Lady Bough- tons'Lippen die Frage trat:

Was bedeutet dies alles? Warum ist unser Gast auf diese plötzliche und höchst seltsame Weise aus dem Hause ent­fernt ?"

Es bedeutet, daß diele Eure Tochter, mein Liebling Madge, Randy Valmont's Leben gerettet hat. Jene Teufelin, die sich durch ihre Schönheit und ihr liebenswürdiges Wesen in dies Haus geschmeichelt hat, ist eine Anarchistin schlimmster Sorte eine Spionin, welche sich ihre hübschen Kleider von dem Gelde kauft, daß sie für Informationen, die sie über die Leute austeilt, erhält. Ich wußte, daß sie nichts Gutes vorhatte, aber ich wußte nicht, was sie im Schilde führte. Madge jedoch hat eS ausfindig gemacht."

Großer Gott!" rief Sir Eustace entsetzt, dessen konser­vatives Herz in seinen tiefsten Tiefen ergriffen war.Großer Gott! Sie hätte uns alle in die Lüfte sprengen können ! Ihre Gnaden," wandte er sich spöttisch an seine Gemahlin, sollten doch vorsichtiger sein. Ich behaupte ja immer, daß Sie zu wenig wählerisch mit Ihren Einladungen sind."

%bo$ Lady Boughton war viel zu erregt, um den Tadel zu h) en.

Aber warum denn gerade Randy?" fragte sie.Er­zählen Sie uns alles, lieber General. Wie konnte Randy's Leben gefährdet sein?"

Er empfing heute morgen ein fingiertes Telegramm, welches ihn sofort nach Berlin beorderte. Doch würde er diese Stadt niemals erreicht haben, da er entführt und um­gebracht werden sollte."