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Dievstaq den 24. Februar 1903»
Politische Rundschau.
Kaiser Manöver. Die näheren Bestimmungen über größere T r u p p e n ü b u n g e n im Jahre 1903 lauten : DaS IV. und XL Armeekorps halten Kaisermanöver ab gegen die beiden kgl. sächsischen Armeekorps XII. u. XIX. Dem IV. Armeekorps wird eine Schwadron des kombinierten Jäger-Detachements zu Pferde in Langensalza zugeteilt. Zur Bildung von Proviantkolonnen unb zur Gestellung von Train-Aufsichtspersonal werden die Trainbataillone der Garde Nr. 2, 3, 5, 6, 9. 10 und 18 herangezogen. Die Kriegsgliederungen für das IV. und XL Armeekorps sind vom Chef des Generalstabes zu entwerfen und dem Kaiser zur Genehmigung zu unterbreiten. Es werden drei Kavalleriedivisionen aufgestellt, und zwar je eine beim IV., X. und XV. Armeekorps ; die Bestimmung der Führer bleibt Vorbehalten. Auch beim XIX. Armeekorps (Sachsen) wird eine Kavallerie-Division ausgestellt; wozu wegen Mangels an Kavallerie bei die'em Korps die 9. preußische Kavallerie-Brigade und die 11. Kavallerie-Brigade ohne das Husarm-Regiment Nr. 4 dem II. sächsischen Armeekorps zugeteilt werden. Das IV. Armeekorps, sowie XIX. Armeekorps erhalten je eine Lustschiffer Abteilung und je zwei Maschinengewehr-Abteilungen. Beim XIV. und XVI. Armeekorps werden Angriffsübungen mit Scharfschießen abgehaUen unter Beteiligung der schweren Artillerie des Feldheeres, wobei die schweren Feldhaubitzen Verwendung sin- den. Kavallerie-Nebungsreffen, zu denen künftig auch Hauptleute und Leutnants der reitenden Artillerie herangezogen werden können, finden statt beim I., II, III., V., VI., VJIL, XL, XIV. und XVI. Armeekorps. Die Fußtruppen müssen bis zum 30. September 1903, dem spätesten Eutlassungstage, in ihre Standorte zurückgekehrt sein.
Reichsiagswahlett. Wie die „Nordd. ,2111g. Ztg." hört, ist der Termin für die bevorstehenden Neichstags- w ah len noch nicht festgesetzt worden, da sich das Ende der Arbeiten des Reichstages noch nicht mit Bestimmtheit absehen läßt.
Herzog Nikolaus von Württemberg ist in Karlsruhe (Schlesien) gestorben.
Italienische Kammer. Die gestrige Beratung der Interpellationen über Makedonien in der Kammer bewies, daß alle Interpellanten ohne Unterschied der Parteien Mißtrauen gegen Oesterreich haben. Der Sozialist de Marinis glaubt, die österreichisch-russische Aktion werde zum Schaden Italiens eusschlageu. Rußland wolle Konstantinopel, Oesterreich neue Häfen am Adriatischen Meer. En wem (Ztr.) Beklagte die jetzige Haltung Italiens, die seine Inferiorität beweise. Guicciardini (Ztr.) meinte mit de Marinis, Italien sei unvorbereitet. Alle Redner erklärten die Rede des interimistischen Ministers des Auswärtigen Morin für unzureichend. Derselben Ansicht ist das konservatwr „Gioruale^ d'Jlalia". Es protestirt dagegen, daß Italien Tripolis als Schweigegeld annahm, während Oesterreich Albanien occupiere. Zwar sei Italiens Einfluß in Albanien gewachsen, dieser Umstand könne aber Oesterreich zu größerer Eile anspornen. Morin natürlich müsse als Jnterimsminister reserviert sein. Im Grunde habe er auch gute Ansichten, wenn er erkläre, daß Italien im Falle einer Katastrophe kein müßiger Zuschauer bleiben werde, aber Worten müßten Taten entsprechen. Die regierungsfreundliche „Tribuna" hingegen vertraut der Aktion Oesterreichs unb Rußlands, die auf Erhaltung des Territoriums der Türkei und auf Reformen gerichtet ist. Italien habe keine Ursache, sich aufzuregen.
Feuilleton.
Stadtthcater hi Hamm.
Hanau, 23. Februar.
Herr Richard F eist, der Vertreter des FaâeSdec Helden und Lieb- üaber unseres Bühnen-EmembleZ, hat an seinem Benefizabend am letzten Freitag den hiesigen Theaterfreunden eine qanz besondere Neberraschung gevoten, indem er Hermann Sudermanns Tragödie „Johannes" zum ersten Wal auf unsere Bühne brachte. Das Zensurverbot und dann die Eigenart des Stoffes hatten den: Werke bei seinem ersten Erscheinen aur den Brettern einst ein gant besonderes Interesse im Voraus ge- nchert, das sich bei seinen Aufführungen zwar zu keinem großen thea- trotmhen Erfolge steigern konnte, jedoch in dem eigenartigen Reiz seiner Handlung und der Art ihrer Bemeisterung durch den Dichter trotz mancher für die dramatische Wirkung offenbarer Schwächen sich doch zu einem dauernden gestalten konnte/ Die einfache Größe der Gestalt Johannes des Täufers, der den kommenden Messias verkündet, gibt der Ti agödic ihren schlichten Helden, in ihm verkörpert sich der Widerstreit zweier mächngen Empfindungen: der Lehre einer versinkenden Zeit und einer neu aufsteigenden. Den aliteäaiuentarischen Ueberlieferungen, die da geboten „Auge um Auge, Zahn um Zahn", setzte bic neue Lehre ein „Lieget eure Feiude, segnet, die euch fluchen und bassen" entgegen und die Wirkung dieses. alten und neuen Gesetzes offenbart unS diese Jöhannesirngödie. Mit seltener Einmütigkeit hatten die ersten kritischen Beurteiler der Tragödie gegen den Dichter den Vorwurf erhoben, daß in der Gestalt des Iohannes, dem grübelnden, zweifelnden und zaudernden Asket, nicht der rechte H°ld für ein Bühnendrama geschaffen sei. Dieses hat wohl seineBerechtigung, nur ist uns zweifel>aft,daß ein so gewiegrer und erfahrener Kenner der drammischen Bühnenwirkung wie Sudermann diese Schwäche seines Werkes nicht selbst vorher gekannt und damit gerechnet habe. Sein Drama embehri auch nicht des wirklichen Helden. Wenn dieser selbst auch auf der Bühne nicht sichtbar ist, aus allen Szenen des Stückes fühlt man seine machtvolle Gestalt heraus und die Handlung selbst klingt in seiner Verherrlichung aus; denn als Herodes draußen das Jauchzen und Frohlocken der Volksmassen hört, das immer inächliger und mächtiger anschwilli, und er dem Volle znrurcu will: „Hier ist euer Äöiiig", da fällt sein Blick auf den unten eingehenden Je>us von Nazareth, dem der Jubel des Volkes gilt, und ihn selbst beachtet keiner. Läßt sich deshalb für den Dichter aus dem undramauschen Helden femeS JoharnresdramaL »in Dorw-nf sebmieden, io ist doch "uch zu bedenkev, daß
Aus England. Dem Parlament ging eine Aufstellung der neuzubildenden Armeekorps vollständig mit Ausnahme von vier Kavallerieregimentern zu, die sich jetzt in Südafrika und anderen Kolonien befinden. Das fünfte und sechste Armeekorps ist noch nicht gebildet, doch sind die sämtlichen gur Bildung des vierten, fünften und sechsten notwendigen Unterabteilungen verfügbar, außer 17 regulären Batterien, die jetzt noch in Südafrika sind und von denen 14 dort noch gebraucht werden. 15 Hilfsbalterien sind noch nicht gebildet.
Die Schwester des Khedive von Egyptett hat ihren Gatten, den Prinzen Djemil Tussun, verlassen und sich nach Oesterreich begeben.
Deutscher Reichstag.
(S: Hung v o m 23. Februar.)
Etat des Reichsgesttndheitsamts.
Die zweite ELatsberatung wird beim Titel „GesundheiiZ- amt" fortgesetzt. T^s Haus ist schwach besetzt. — Abg. Antrick (Soz.): Der vorliegende Etatstitel gäbe Veranlassung, wieder auf den großen Mangel au Krankenhäusern und auf die darin vielfach vorhandenen Mißstände einzugehen. Trotzdem er zu wiederholten Malen auf die beklagenswerten Tatsachen hingewiesen habe, sei von der Regierung fast nichts zur Abhilfe geschehen. Den Sozialdemokraten sei auch in der Presse aller Parteien der Vorwurf gemacht, daß sie zuviel und zulange redeten, aber wenn ihre Klagen und Beschwerden unbeachtet blieben, so sei doch selbstverständlich, daß sie alle Jahre mit denselben Reden wiederkämen. Redner bringt daraus die einzelnen Zustände in den verschiedenen Krankenhäusern zur Sprache, namentlich in Berlin unb Vororten und in Köln, wo sich schon Stadtverordnete und Aerzte mit den Uebelständen beschäftigt hätten. Gerade dort träte ein Mangel in Erscheinung, wie fon't nirgends. Schlimme Zustände seien auch in den Krankenhäusern in Elberfeld, Altona und besonders in der Ohrenllinik zu Kiel. Völlig unzulängliche Einrichtungen herrschten in der Krankenanstalt von Dr. Ebel in Charlottenburg. Redner schildert, ivas dort das Pflegepersonal bei ungenügender Anzahl und täglich 15stündiger Arbeitszeit und Nachtdienst attszuhalten habe. Es beständen zwar Vorschriften über die Revision, diese werden aber immer drei Tage vorher angekündigt. Das Pflegepersonal stehe in Deutschland überhaupt auf sehr niedrigem Niveau. Wem sich noch irgend eine Möglichkeit anderen Erwerbs biete, der sehe zu, daß er schncll aus diesem Beruf wieder herauskomme. Aber auch da, wo Schwestern den Krankendienst besorgen, würde über zu lange Arbeitszeit und schlechte Bezahlung geklagt. Das würde nicht eher besser, bis ordentliche Pflegerfchulen eingerichtet seien. Beschwerden über das Institut für Infektionskrankheiten habe Redner am 2. Februar im vorigen Jahre vorgebracht. Die Revision durch Geheimrat Kircher sei dann am 5. April erfolgt. Da sei nicht einmal untersucht worden, ob Mißstände wirklich vorhanden waren, sondern wer vom Personal geplaudert hätte. Die Zustände in Kottbus seien noch immer gleich schlecht. — Staatssekretär Graf Posakowsky: Wenn Abg. Antrick erklärt, es sei ein öffentliches Geheimnis in Deutschland, daß in den Irrenanstalten die Kranken mißhandelt werden, darf das doch nicht unwidersprochen bleiben, denn unsere Irren- anstalten stehen auf hoher Stufe. Aber wenn man bedenkt, daß das Wärterpersonal ungebildeten Ständen entnommen wird, und daß es außerordentlich heimtückische Kranke gibt, die lebensgefährlich werden tonnen, ist es, wenn ein Wärter sich einmal hinreißen läßt, zwar nie entschuldbar, aber doch
er cs wohl so gewollt und auf eine eigentümliche Schönheit seines Werkes selbst im Interesse der Bühnenwirkung nicht verzichten wollte. Zur vollen Geltung gelangen nur wenige Szenen des Stückes, so das erste Begegnen der Herodias und Salome mit Johannes, die Szene vor Dem Tempel und dann der letzte Akt, der machtvoll und packend ausgcswltet ist. Dem Benefizianten des Abends Herrn Feist gebührt vor allem Dank, daß er dem Publikum - Gelegenheit bot, das Sudermannsche Drama auf der Bühne kennen zu lernen. Der modernste aller Theaterdichter, der seine Stosse bisher dem wirllichen Leben entlehnte, hat mit diesem Werke zu den Duellen zurückgegriffen,die vor hunderten von Jahren schon den Tichtcrufür die Schaubühne Anregung und Lièuutzung geboten. So weiß uns die Literaturgeschichte zu berichten, daß schon Hans Sachs ein Johaunesdrama versaßt hat. Herr Feist gab dem Johannes alles, ivas er erforderte, mit der äußeren Verkörperung paarle sich eine verständnisvolle geistige Beherrschung der Rolle, die alle die Eigenschaften, wie Eifer, Zorn, Beredsamkeir des Propheten zur rechten âvriualichen Wirkung kommen ließ unb auch den nach Aufklärung ringenden Zweifler und Grübler und endlichen Sieger und Ueberwinder gut charakterisierte, so daß die lebhast gespendete Anerkennung des Publikums selten eine größere Berechtigung hatte, als an diesem Abend. Auch hübsche Blumcuspenden wurden im Laufe des Abends dem Benefizianten auf die Bühne gereicht. Frl. Toran zeichnete die herrschsüchlige Herodias mit scharfer sicherer Charakteristik, und für die blonde Salome, beu verführerischen Dämon, trat Frl. Hohenfels mit dem ganzen Aufgebot ihrer schönen äußeren Hilfsmittel imb mit der überzeugenden Leidenschaft ihrer temperamentvollen Darstellnngswcise ein. Auch Herr Retzbach war bemüht, dem Herodes die scharf umriffene Gestaltung zu geben, die der Charakter verlangt. Tie weiteren zahlreichen kleineren Päricin wurden alle zum Vorteil des Ganzen durchgeführt.
Kunst und Leben.
Vom Millionär z«M Bettler. Auf der Kosla- flraße in Moskau sieht man täglich einen Beiiler, Namens Tortzsw, der vor etwa 30 Jahren einer der glänzendsten Kavaliere Rußlands war. Zu den 15 Millionen seines Vaters hatte ihn Fortuna mit allen Gaben des Geistes und Körpers ausgerüstet. Aber in Tortzows Herz hatte nur eine Leidenschaft Platz gegriffen: das Spieler!. Innerhalb weniger Jahre war am Spieltisch das ungeheure Vermögen in nichts zerronnen; in einer einzigen Nacht z. B. hatte er drei Mill. Franken an den Grafen Scheremtiew verloren. Nach seinem völligen Ruin fand er anfangs wohl Unterstützung bei feinen
menschlich verständlich. Die Verwaltung trage nur dann schuld, wenn ein solcher Wärter nicht sofort entlassen werde. Er habe die vorjährigen Klagen des Vorredners an die zuständigen Stellen weitergegeben. Es sind mir eingehende Berichte darauf zugegangen, die von den betr. Anstalten ein wèscmlich anderes Bild geben. Aber es ist unmöglich, hier auf alle Einzelheiten einzugehen. In dem' Bericht'über das Institut für Infektionskrankheiten wird gesagt, daß erhebliche Ausstellungen nicht zu machen seien, abgesehen davon, daß ein eigener Verbrennungsofen für die Kadav-r der benutzten Tiere fehle. Ein solcher ist inzwischen angeschafft. — Abg. Schrader (srs. Vgg.): Ich muß dein Abg. Antrick recht geben, daß auf den; Gebiete der Krankenhäuser noch vieles zu verbessern und auch noch zu vervollkommnen ist. Das Reich wird im einzelnen nicht eingreifen können, aber immerhin ist es nützlich, wenn solche Mißsiände hierzur Sprache gebrachtwerden. Namentlich Revisionen sollten Häufigerundgründlicherangestelltwerden. Die Ansprüche, die an die Leistungen des Pflegepersonals gestellt werden, sind außerordentlich hoch; dabei wird nicht genügend für das Personal gesorgt. Wenn man aber ein gut ausgebildetes Personal haben will, muß man es genügend besolden und sichern. Es^ wäre zu erwägen, ob man nicht dazu übergehen will, Prüfungen für Krankenpfleger einzuführen, die nicht nur von einzelnen Kommunen abgehalten würden, sondern nach einer bestimmten Form, sodaß man ersehen kann, daß auch gewisse theoretische Kenntnisse erworben sind. — Abg. Hoffmann- Hall (Vpl.): Was nützen alle Prüfungen und Neuorganisationen, wenn man die Leute nicht ausreichend bezahlt? Redner tritt vor allen Dingen für Besserstellung der Aerzte an Krankenhäusern ein. Das Krankenkassengesetz sei ein Fluch für die Aerzte geworden und hatte es dahin gebracht, daß der ärztliche Beruf der schwerste und zugleich unrentabelste sei. — Abg. Dr. LaNgerhan 8 (frs. Vpt.): Die Ber'iner Stadtverwaltung tue viel für die Ausbildung des Wärterpersonals, es würden nur bewährte Wärter angestellt. Für die Ausbildung von Schwestern bestehe eine Schwesternschule. Man mache die Anstellung zwar nicht von einer Prüfung abhängig, aber von der Tüchtigkeit. Es gäbe ein auskömmliches Gehalt und auch eine Pension. Die Berliner Anstalten seien musterhaft, das würde auch vom Auslande anerkannt. Er halte es für ganz verkehrt, wenn etwa hier Beschlüsse gefaßt würden, wieviel Kranke von einem Arzt behandelt werden sollen. Daß in den Berliner Krankenhäusern häufig Mangel an Betten herrscht, ist richtig. Aber wenn es sich um Schwerkranke handelt, wird jede Krankenkassen-Direktion Platz schaffen. Wieviel Krankenhäuser soll man denn bauen? Ost steht doch ein Drittel der Betten leer. Es besteht hier eine Filiale des Verbandes der Krankenwärter, deren Vorsitzender Herr Antrick ist. Da hierin sich sehr viele unzufriedene Ele- mettie befinden, kann man sich nicht wundern, wenn ihm solche Nachrichten zugeiragen werden. — Abg. Singer (Soz.) bezeichnet die Behauptung, daß Anirick Vorsitzender des Krankenwäriervereius sei, als ein Märchen. — Abg. Lenz m a n n (fr. Vpt.) bedauert die ausweichende Antwort der Regierung und gibt für den Abg. Müller-Sagan, der heute nicht anwesend ist, die Erklärung ab, daß dieser seine, dem Teltower Kreiskrankenhause und dessen Direktor, Professor v. Schwenninzer im Vorjahre gemachten Beschuldigungen gegenüber verschiedenen Aeußerungen der Presse und gegenüber einer Mitteilung des Landrais von Stubenrauch aufrechterhält. — Es folgen Bemerkungen der Abgg. Rntrick und Lange r h a n s. — Abg. Sachse (Soz.) begründet einen Antrag, der im Ruhrkohleugebiet bereits bestehenden Kommission
Verwandten, aber als sie sahen, daß er auch diese Unterstützung verspielte, sagten sie sich von ihm los. Doch ein Beschützer lebte noch für ihn; Graf Scheremtiew, an welchen er einst die drei Vèillionen verspielt halte. Aber auch dieser starb nach Kurzer Zeit. Tortzow griff zum Wutki und ergab sich deiir Lrchnapsteufel. Jetzt wälzt er sich im Kot der nämlichen Straßen, tvelche er einst hoch zit Roß ober in glänzender Equipage durcheilt batte.
Las reiche Marlottenhurg. Auf 960 Mill. Mk. schätzt der Eharloitenbnrger Magistrat den Wert der bebauten unb unbebauten Grundstücke der Stadt. Da der Magistrat diesen Wert jetzt mit 2,27 v. T. besteuern will, soll die Stadt daraus eine Einnahme von 2,178,000 Mark erzielen. Im Vorjahr war der Wert der Charlottenburger Grundstücke auf 906 Millionen vom Magistrat geschätzt worden, im Jahre 1901 auf 852 Millionen. In jedem der beiden letzten Jahre ist also der Wert des Charlottenburger Grundbesitzes nach der Schätzung des Magistrais um je 54 Mill. Mark gestiegen. Es sind im Jahre 1902 127 Neubauten in C;arlottenbnrß entstauben, bis auf 13 alles fünfstöckige Hâuler.
Wie ma,t sattle Schttldner zum Zahlen bringt. Wie aus Newport gemeldet wird, begann eine neue Agentur, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Geld von faulen Schuldnern einzutreiben, kürzlich ihre Tätigkeit; sie hat ein etwas sensationelles Mittel gewählt, um auf die säumigen Leute ein- zuwirken. Die Gesellschaft verwendet große rote Wagen, mit der Aufschrift „Sammler schlechter Schulden", die auf jeder Seite weithin sichtbar auf gemalt ist. Diese Wagen fahren vor das Haus des Schuldners und stehen dort vor der Tür, während ein Agent bei dem Schuldner vorspricht. Bei jedem folgenden Besuch bleibt der Wagen länger stehen, bis die schuld eingelrieben ist. Der Direktor der Gesellschaft erklärt, er befürchte nicht, daß ein Prozeß wegen Schadenersatz von einem Schuldner anhängig gemacht werden könne, der iich durch die Methode her Gesellschaft beleidigt fühle. Das Erscheinen der Wagen erregte allentbalben in Brooken große Heiterkeit.