Einzelbild herunterladen
 

Seite 2.

20. Februar.

Wrtinigue und St. Vincent, hierbei durch dis anschauliche Schilderung der vulkanischen Verhältn ffe der Antillenmseln im allgemeinen und der beiden hier in Betracht kommenden im besonderen, sowie der genauen Beschaffenheit von Mont Pelee und Soufriere vor den Ausbrüchen in Verbindung mit der tatsächlichen Art und Weise dieser Eruptionen uns ein ge­treues und fesselndes Bild jener entsetzlichen Kataurovhe gebend, der bekanntlich ein großer Teil dieser schönen und fruchtbaren Inseln und speziell das so idyllttch gelegene und io hübsch angelegte St. Pierre zum Opfer fielen. Einen trostlosen Ein­druck machten die in neuester Zeit aufgenommenen Bilder von dieser Ruinenstadt, diesem Massengrab, ein Eindruck, den auch die Versicherung des Redners, daß die Befürchtung, die ganze Jniel könnte durch die vulkanischen Kräfte noch vernichtet und auseinander gesprengt werden, dank des ungeheuer starken und gewaltigen Sockels der Insel eine völlig unbegründete sei, nicht verwischen konnte. Mit einer kartographischen Darstellung des Zusammenhanges der gesamten Aniillengruppe im tiefsten Meeresgrunde, welcher Zusammenhang für die Beurteilung der vulkanischen Verhâltniffe der Inseln sehr in Betracht kommt, schloß Redner seine interessanten Ausführungen.

* Stadttheater. Wir machen nochmals auf die heute zum Benefiz für Herrn Rich. Feist fiattfinbenbe Aufführung von Sudermann'sJohannes" aufmerkam.

* Oeffentliche Versammlungen. Mit der Ge­staltung der neuen Handelsverträge beschäftigten sich gestern zwei öffentliche Versammlungen. Im kleinen Saale der Turn­gemeinde fand eine vom Handelsvertragsoerein bezw. von einem Ausschuß hiesiger Fabrikanten einberufene Versammlung statt, die Herr Handelskammerpräsident F. Cantbal mit einer Begrüßungsansprache eröffnete und hierin auch den Zweck der Versammlung beleuchtete, nämlich vor der Oeffentlichkeit die Intereffen der hiesigen Industrie zu vertreten. Hierauf sprach der Geschäftsführer des Handelsoertrae.soereins Dr. Schacht- Berlin über b:e Aussichten der Handelsveriräge nach der Annahme des Zolltarifs. Derselbe warf zunächst einen kurzen Rückblick auf die Verhältniffe, die zur Annahme des Zolltarifs geführt haben, ging bann auf die Zollsätze des Antrags Kardorff ein und betonte, daß sich die Industriezölle für die Venragsverhandlungen außerordentlich schlecht eigneten. Die Regierung habe wohl die Absicht gehegt, Kompensalions- objette zu schaffen, was aber durch die Beschlüsse in der Kommission vereitelt worden sei. Der Referent streifte dann die neuen Zolltarife des Auslandes, von denen namentlich der russische so speziell auf den deutschen zugeschnitten sei wie kein anderer. Der Erfolg werde sein, daß, wenn wir überhaupt Verträge erhielten, dieselben wesentlich schlechter sein würden alS die bisberigen. Auf die Chancen im Reichstage über­gehend, bezeichnete er als nächste Aufgabe dabin zu wirken, daß eine verstärkte Linke dort einz ehe,um die Regierung zu stützen", die am liebsten auf der weltwirtschaftlichen Bahn fort« schreite. Die Aussichten seien aber für die Linke nicht bewn- derS günstig. Der Bund der Landwirte habe tüchtig eor« gearbeitet, die Führung desselb n ruhe nicht mehr wie früher in den Händen der Großgrundbesitzer, vielmehr habe^sich der bürgerliche Großbauer und der mittlere Bauer der Sache be­mächtigt und der Bund entwickele sich immer mehr zu einer demokratischen Bauernpartei. Staubern der Referent feine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen beendet, sprach Herr Karl König-Hanau über die Intereffen der Hanauer Edelmetall- industrie an den zukünftigen Handelsverträgen. Derselbe ver­wahrte sich u. a. geaen den von anderer Seite erhobenen Vor­wurf, alS sei die Hanauer Industrie untätig geblieben und rekapitulierte die unternommenen Schritte, um dann näher auf das zur Tagesordnung stehende Referat emzugeben. Zum Schluß empfahl er die Resolution deS Han- delsvertragSvereins zur Annahme. Dieselbe lautet: Die Versammlung bedauert lebhaft, daß die Verhandlungen über die kommenden Handelsverträge zwischen den europäischen Staaten von beiderseits erhöhten Zollnummern geführt werden muffen. Sie spricht trotzdem die Erwartung aus, daß die deutsche Regierung sich durch die lärmende agrarische Agitation nicht abba'ten lassen werde, den baldigen Abschluß von Havdels-

surt nachmachen lassen. Man drang, durch die Kinzig waten», in die Altstadt ein, deren man sich samt dem Schlöffe bemäch­tigte. Die Gräfliche Familie wurde befreit. Am Mittag stießen der Oberst Metternich und der Kommandant von König­stein zu Ludwig Heinrich.

Ramsay zog seine Leute in der Neustadt zusammen und verschloß deren Tore. Die Dillenburger fuhren die zwei mit­gebrachten Kanonen auf und wollten die Stadt erstürmen. D r wurde Ramsay vor seiner Wohnung,dem weißen Löwen", durch eine Musketenkugel von hinienher in der Nähe der Hüften stark verwundet. Hierauf fühlte er sich veranlaßt, sich mit seinen 300 Mann zu ergeben, doch unter der Bedingung, daß sein Vertrag ihm gehalten würde.

So war denn der tapfere, stolze Ramsay,der schönste Mann in Gustav Adolfs Heer" in Gefangenschaft geraten. Nachdem die Gefangene Besatzung dem Kailer den Eid der Treue geschworen hatte, zog Ludwig Heinrich mit seinem kleinen Korps, 3 eroberten Fahnen und 7 Standarten nach Dillenburg zurück. Erst im März wurde der verwundete Ramsay in einer Sänfte nach Dillenburg nachgebracht. Hier lebte er in gelinder Gefangenschaft bis zu seinem am 29. Juni 1639 im Wahnsinn erfolgten Tode. Seine Leiche wurde erst 11 Jahre später, so lange hatte man auf deren Abholung gewartet, in der Dillenburger Stadtkirche beigesetzt. (Siehe Nr. 17 A. D. V.")

Hanau war durch die Tapferkeit der Dillenburger frei. Der Kurfürst von Mainz wünschte dem Grafen Glück und versprach, dem Kaiser seinen Dienst zu rühmen. Der Kaiser sprach denn auch dem Grafen in einem Schreiben vom 11. August seine vollste Anerkennung aus. Hierbei blieb es aber auch. Einen Ersatz für seine nicht unbedeutenden Kosten oder eine Belohnung für seine Tat erhielt er nicht.

vertrügen zu fördern, welche die deutsche Industrie mindestens nicht schlechter stellen, als bie bisherigen Verträge. Insbe­sondere erhofft die Versammlung von der deutschen Regierung, daß sie auf eine weitgehende Herabsetzung der erhöhten aus­ländischen Zolltarife und vor allem auch auf die Aufhebung der russischen Diffcrenzirrung von land- und seewärts ein­gehenden Produkten bringen werde, sowie ferner, daß die deutsche Regierung Gelegenheit nehmen werde, im Wege der Vertragsverbandlungen die für die deutsche Industrie notwen­digen ausländischen Roh- und HilsSstoffe im Zoll entsprechend herabzusetzen. Insbesondere spricht die Versammlung den dringenden Wunsch aus, daß die Gefährdung unserer Aus- fubrinteressm, namentlich der Hieugen Edelmetallindustrie ver­hütet werde. Ebenso dringend wie die V Sammlung auf den baldigen Abschluß neuer langfristiger Verträge hofft, erwartet dieselbe, daß die deutsche Regierung die bestehenden Handels­verträge keineswegs eher kündigen werde, als bis die neuen Verträge abgeschlossen sind. Sie erklärt es ferner für wün­schenswert, daß den Sachverständig-« der einzelnen Industriezweige Gelegenheit geboten werde, im Laufe der Vertrags - Verhandlungen ihre Intereffen darzulegen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und darauf die etwas schwach be richte Versammlung geschloffen. Eine zweite öffentliche Versammlung fand im Saalbau statt, einberufen vom Fachverein der Gold- und Silberarbeiter. In dieser Versammlung referierte Herr G. Hoch über das Thema:Dir Gefahren für die Erelmetallindustrie angesichts der gegen­wärtigen Verhandlungen bezüglich deS Abschlusses der Handels­verträge." Znm Schluß wurde auch hier eine Resolution angenommen.

Die zweite Vollversammlung der Hand­werkskammer fand gestern mittag im kleinen Saale deS Eoang. VereinShauses zu Caffel statt. Der Vorsitzende, Herr Obermeister Römer eröffnete mit kurzen Begrüßungsworten an den Vertreter der Kol. Staatsregierung Herrn Regierungsrat Dr. Liffemann und die Erschienenen mit einem Kai'erhoch die Versammlung. Die Tagesordnung umfalte 11 Punkte. Von Wichtigkeit ist, daß bie Gebühren für bie Meisterprüfungen um 5 Mk. erhöht worden sind, mit Einschluß des DiplomS auf 20 Mk. Weiter sind der freien Holzorbeiterinnuna in Zierenberg und der freien Metzgerin nun g zu Eichweae Gesellen« prüfungsrechte zugebilligt worden. Zwanzig Zwangsinnunzen sind nett gebildet worden. Im D'rlauf der Verhandlungen wurde bestraften, den Antrag deS Herrn Seebinger-Marburg abzulehnen, der forderte, die Einschreibgebühren von Lehrlingen von Nichtmitgliedern auf 3 Mk. zu erhöhen. Die Prüfungs­gebühr bei Junungslehrlingen beträgt 3 Mk., wenn aber ein besonderer Prüfungsausschuß gebildet werden muß, dann sind 5 Mk. zu zahlen.

"Babel und Bibel." gestern Abend hielt Herr Dr. Rvolf Brüll auS Frankfurt a. M. imDeutschen Hause" einen Vortrag über das in neuerer Z-it viel genannte TbemaBabel und Bibel", dem bekanntlich vor kurz-m auch das Kaiserpaar beiwohnte. Der Vortrag war trotz der Aktuellität des Tb^maS nur schwach be'ucht, es bürsten daran wohl die zahlreichen andern Vorträge, die gestern Abend stalt- fanden, mit ftulb sein. Der Redner, der in schwungvoller, bilderreicher Sprache seine Hörer zu fesseln verstand, behandelte die Ergebnisse der neueren Ausgrabungen in dem alten Babylon und ihren Wert für die Erkenntnis der Bibel. Seit die beschriebenen Tafeln aus den stummen Trümmerhaufen, wo sie Jabrtai sende geruht, heroorgebolt und ier Vermffenheit entrissen wurden, sei uns ein Blick in die Vergangenheit oe« stattet, der biS auf 7 Jahrtausende zurückreiche. Hierdurch sei unS erst die große geistige Vergangenheit dieser alten Kultur- welt klar geworden, dunkle Namen in der biblischen Geschichte aufgehellt und zu Gestalten von leuchtender Farbe und Klar­heit geworden. Co hat sich die Erzählung vom babylonischen Turmbau auf daS genaueste bewahrheitet, eS wurde gefunben, daß die Verbindung der Steine statt mit Mörtel mit Erdpech bewirkt ist, ein Verfahren, wie es nur in den ältesten Zeiten geübt wurde. Auf weitere Einzelheiten hinweisend, stellte Redner die Uebereinstimmung dieser alten Aufzeichnungen mit denen, wie sie sich z. B. im ersten Buch der Genesis über die Welischöp'una finden, fest. Die Auszeichnungen auf den alten Tafeln über bie Siniflut stimmen wortgetreu mit den Schil­derungen der Bibel überein. Und doch sind Babel und Bibel zwei verschiedene Welten. Redner erört-rte die Verarbeitung, die der Stoff bei den verschiedenen Völkern gefunden und be­zeichnete eS alS einen Triumph für die Bibel, dieses gewaltige Erziehungsmittel der Völker, und den Beweis deS Göttlichen in ihr, daß sie Millionen von Herzen sich erobert und bis auf den heutigen Tag geblieben ist, während über die heisniichkn Jntenstonen der Babylonier daS Rad der Zeit vernichtend hinweggesaust ist. Er verteidigte den Monetbeismus und ver­urteilte bie Lehren Delitzsch's, der sich auf Grund zufâllger lautlicher Uebereinstimmungen zu ganz falschen oberflächlichen Schlußfolgerungen habe oerleiten lassen. Der Vortrag, der als eine Gegendemonstration gegen die Lehren Delitz'jchs auf« Raffen ist, wurde beifällig ausgenommen. In derTages- übersiht" des 2. Blattes finben unsere Leser eine Aeußerung deS Kaisers über die Dtlitz'jchen Auslassungen überBabel und Bibel."

Aus dem Gerichtslaal.

Sitzung der Strafkammer II vom 18. Februar.

(Schluß.)

Diebstähle.

Ein Ho^ändlrr auS der Umgegend von Fulda hatte im Jahre 1901 in einem Wäldchen an der Sinn 7 Meter Holz erstanden, als er eS nach längerer Zeit abholen wollte, war eS verschwunden. Der Verdacht' lenste sich auf den Besitzer der bei Moitgers belegenen Hain­mühle, Sp., dessen Besitztum dann auch vom Förster und vom Gendarm ein Besuch abgestattet wurde, wobei man eine größere Menge Holz vorfand, über dessen Herkunft der Verdächtige die unsichersten und widersprechendsten Angaben machte. Als der Förster nun ein Stück Holz fand, das mit dem nur von ihm allein uermenbeten Stempel versehen war,

'"^MtMaMMWMMmnMMMMamMNNaiMMM^^ wurde Anklage erhoben, die zur V nrrteilimq des Sp. zu drei Wochen Gefünanis führte. Hiergegen legte sowohl b^r Ver­urteilte als her Amtsanwalt Berufung ein, aber beide ohne Erfolg.

Dieser Sp. ist noch in eine zweite Diebstahlsaffäre verwickelt, wobei e8 sich um 2 Schock Korngarben handelt, die er in Gemeinschaft mit dem Bauern E. von Schwarzenfels von einem in der Nähe Schwarzenfels gelegenen Acker ge­stohlen und auf der Hainmüble untergebracht haben soll, wurden aber vom Schöffengericht Schwarzenfels von dieser Anklage freigesproâen, während der Angeklagte E. sechs Wochen Ge­fängnis erhielt. Auch gegen dieses Urteil hat der Amts­anwalt Berufung eingelegt, ebenso der Verurtei te, doch hat dieser seine Berufung später wieder zurückqezoaen und sich mit dem Urteil einverstanden erklärt. Die Strafkammer schließt sich ebenfalls dem freisprechenden Urteil gegen Sv. an, da dieser jedes Eigentumsrecht an den auf seinem Grundstücke Vorgefundenen verdächtigen Garben sofort in Abrede gestellt hatte und die Mittäterschaft auch ebenso gut einem anderen auf der Mühle Wohnenden zur Last fallen könnte, erhöht da­gegen bié Strafe gegen E. auf 3 Monate.

Urkundeufâls âung.

Im Anschluß an die obige Derbandlung wurde gegen den oben genannten E. noch wegen Urkimden'älschung verhandelt. Er hatte gegen einen ibm we'en Forstdiebstahl ^gegangenen Strafbefehl Einspruch erhoben, sich aber zur Verhandlung nicht rechtzeitig eingefunden, sodaß Verwerfung feines Einspruches erfolgen mußte. Um nun die Wiedereinsetzung in den vorigen Siand herbeizuführen, machte er die Stundenzahl 9 auf feiner Ladung durch einen Tintenklex unerkennbar und malte eine 10 an deren Stelle. Auf der Gerichtsschreiberei wurde die Fäl­schung sofort ersannt und die Urkunde zurück behalten. Auch in die'em Fall gab er sich nachträglich mit dem Ur'eil zufrieden urb bat, alle weiteren Schritte behufs Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu unterlaffen, da die Aenderung auf der La­dung wahrscheinlich sein Bruder ausoe'übrt, der vermutlich durch Unoorstchligkeit die ursprüngliche Zahl unsichtbar gemacht und dann eine exbeliebige darauf geschrieben habe. Diese Be­hauptung hat lozischerweise wenig Wahrscheinlichkeit für sich und findet deshalb auch keine gläubigen Ohren beim Gericht, dieses erkennt vielmehr auf einen Monat Gefängnis.

Hue Nab und fern»

Caffel, 19. Februar. Nach kurzem Leiden starb gestern abend Herr Recktsnnw^lt Albert Martin H. am Webirnftlag.

® Klein-Steinhelm. 19. Febr. Am zwnten Püngst- ffiertige b. J. feiert der Gesangver-in Germrn-a dabier das Fest jener Fahnenweihe. Die Festlichkeit findet inte/ffö* neu, am Ma n gelegenen Lokalitäten der Restrurttion Kuchkè statt. Das Komitee hat bereits größere Vorhtrettun gen kierzu getroffen unb ver'pricht bie Feier ei e würdige zu werden.

ü Seligenstadt, 13. Februar. Bei der gestern im hiestgën Siadtwalbe abgebaltenen Holzv-rsteigeruna wurden bei lebhafter Nachfroge für Tannenscheiter durchschnittlich 8 Mark, für Buchenfcheiter 10 Mark, für Tannenprügel 7 50 Mark und für Tannen-Siockholz 6,25 Mark pro Raummeter erzielt. Tannenwellen stellten sieb auf 9 Mark per Hundert. Im Vergleiche zu der vor 3 Wochen im Ltadtwa'de' stattgehabten Holzversteigerung sind die Preise um durchweg 1 Mark pro Raummeter Holz und nm etwa 1,50 Mark pro 100 Wellen gesti-tg-n. Der hiesige Ortsgewerbeverein veranstaltet im Monat April für die jungen Handwerker von hier und aus 9 umlieoenden Gemeinden eine Gesellenprüfung. Als erster Vorsttzender des PrüfunqsauSlchuffes fungiert Herr Schreiner­meister Hermann Reinicke dahier, der dieses Ehrenamt auch im Vorjahre bekleidete.

IX. Provinziallandtag für Hessen-Nassim.

(Eigenbericht)

x. Caffel, 19. Februar.

Die heutige dritte und letzte Plenarsitzung des IX. Provinziallandtags wurde vormittags 10 Uhr durch den Vor­sitzenden Kammerherrn v. Pappenheim eröffnet. Nach alsbaldigem Eintritt in die Tagesordnung beriet man den Entwurf eines Gesetzes, betr. Bebauung und Benutzung ehemaliger Waldgrundstücke in Frankfurt a. M., welcher zur Begutachtung der Königl. Staatsregierllng vorgelegt worden war. Nachdem der Referent und ein Regierungskommiffar dazu gesprochen, wurde ein zu­stimmendes Gutachten einstimmig abgegeben. Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf ein Gesuch des Verbandes der Verpflegttngsstationen im Großherzogthum Hessen und der Provinz Hessen - Nassau betr. den sofortigen Erlaß eines Gesetzes über Einführung einer pro­vinziellen Organisation von Wander- arbeitsstätten und Arbeitsnachweisen für die kleineren Kommunaloerbände, sowie Antrag des Provinzial - Ausschusses dazu vom 16. b. M. Als erster Berichterstatter sollte darüber namens der betr. Kommission Abg. v. S ch w e r tz e II»Ziegenhain referieren. Derselbe hatte sich aber infolge Krankheitsfalles in seiner Familie be­urlauben lassen müssen. Infolgedessen referierte auch für ihn der als 2. Berichterstatter bestimmte Abg. Dr. Fles ch- Frankfurt a. M. mit. Derselbe betonte, daß es mit dieser Sache wie mit vielen anderen gehe, die obgleich eminent nützlich, weil von einer bestimmten Seite wenigstens, auf den politischen Karren geladen und aus solchem Grund ange­feindet würde. Das sei gewiß, die Sache selbst ist gut und der Förderung bedürftig, wozu wieder gesetzliche Rege­lung sich als notwendig erweist. Die Armengefetzgebung gebe hier nicht den nötigen Rückhalt. Jene unterstütze nur da, wo der Betreffende gearbeitet habe; hier aber handele es sich um solche Personen, die, da wo sie Hilfe heischen,, überhaupt noch nicht gearbeitet haben, vielleicht auch eben da nicht Arbeit suchen wollen. Der Wanderer, welcher hier in Betracht kommt, verlangt Unterkunft für die Nacht und Ver­pflegung. Diese Frage kam ohne großen Kostenaufwand