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Donnerstag
12. Fâuar.
Entlaßen: der Referendar v. Hanstein aus dem Justiz- dienste bebuis Uebertritts zur Allgemeinen Staatsverwaltung.
Pensioniert: der Pfarrer Vilmar zu Weidelbach vom 1. Januar 1903 ab.
Gestorben: der Landesbauinspektor Lindenberg in Esch- ; wege, der Obersekretär Strube bei der Schatzkommisfionin Cassel, der Wegebauaufseher Weber in Hilders und der Oberlandesgerichtsrat Ebenau in Cassel.
* Die zweite Vollversammlung der Handwerkskammer im Geschäftsjahr 1902/03 findet Donnerstag den 19. d. M., mittags 12^2 Uhr im Evangelischen Vereinshaus zu Cassel statt. Die Tagesordnung derselben ist folgende: Geschäftsbericht. Erteilung des Geselleuprüsungs- rechts an die freie Holzarbeiter-Innung zu Zierenberg und an die freie Metzger-Innung zu Esâwege, Erhöhung der Ein- sâreibeoebühr für Nichtinnungslehrlinge, Erhöhung der Ge- sellenyrürungsgebühr, Wahl des Sekretärs, Erhöhung der Meisterprüfungsgebühr, Aufstellung des Haushaltsplanes für 1903, Abänderung des Paragraphs 57 des Kammerstatuts, Antrag der vereinigten Gewerbevereine des Kreises Marburg, bei der Kgl. Regierung für die ländlichen Gewerbevereine im Wahlbezirk Marburg einen besonderen Vertreter in der Handwerkskammer zu beantragen. Bescheid der Kgl. Regierung auf die Eingabe vom 5. Juli 1902 betr. Vergebung von öffentlichen Arbeiten und Lieferungen an geprüfte Meister.
' * Fleischbeschau. Im 2. Halbjahre 1902 sind im Regierungsbezirk Cassel von 1744 amtlichen Fleischbeschauern 154 363 Schweine untersucht worden. Davon waren 4 trichinös und 30 finnig.
* Ehejubiläumsmebaitten sind im Jahre 1902 in der Provinz 'Hessen - Nassau zuiammen 77 verteilt worden. In ganz Preußen gelangten 1486 Ehejubiläumsmedaillen zur Verteilung.
* Kriegsgericht. Der Musketier S. von der 1. Komp. Infanterie-Regiments Nr. 166 will in einer Mannschaflsstube ein Portemonnaie, das einem Kameraden gehörte, gefunden haben. Er wird wegen Diebstahls zu einer Woche Mittelarrest verurteilt. — Ein Sergeant der 1. Komp. Infanterie- Regiments Nr. 166 wurde wegen Mißhandlung und unvorschriftsmäßiger Behandlung Untergebener zu 15 Tagen mit.- leren Arrests verurteilt.
* Deutsches Turnfest. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Fe st bauten des 10. Deutschen Turnfe st es in Nürnberg hat bewiest«, daß das vom Ausschuß der Deutschen Turnersâaft aufgestellte Programm nicht innerhalb eines Kostenbetrages auszuführen ist, den man den Zeiânern des Garantiefonds gegenüber recht- strtigen kann. Nach den den eingelaufenen Entwürfen bei- gegebenen Kostenvoransâlä:en bewegen sich die Kosten zwischen 156 000 und 270 000 Mark, wozu noch die Ausgaben für Planierung, Befestigung, Dekoration, Entwässerung, Beleuchtung und Wasserleitung des Festplotzes kommen, so daß bei Ausführung des Normalplanes von vornherein mit einem Defizit zu rechnen wäre. Da von den eingelaufenen Plänen keiner ausführbar ist, ist der Architekt Hans Müller- Nürnberg beauftragt worden, die Ausführungspläne nach den vorgenommenen Vereinfachungen des Bauprogramms zu bearbeiten, bindende Kostenvoranichläge vorzulegen, die Ver- akkordierung der Arbeiten vorzunehmen, die Ausführung zu leiten und die Abrechnungen zu revidieren. Man glaubt uun- mrhr, mit einer Barlumme von 120 000 Mark auszukommen, in der nur das Mobiliar nicht einbegriffen ist.
* Stavttheater. Wir weisen nochmals auf die morgen stattfindende Benefizvorstellung für Frau Franziska Rieger hin. Das zur Aufführung kommende Stück „Der Trompeter von Säkkingen" ist in den Hauptrollen außer der Denefiziantin, welche die Gräfin Leonore von Raudenstein spielt, wie folgt besetzt: Werner Kirchhofer der Trompeter, Herr Schwarz; Margarete, Frl. Hohenfels; Freiherr von Schönau, Herr Jungk; Hektor, Herr Gehrmann; Rektor, Herr Netzbach; Pankratius, Herr Diehl; Cornelia, Frau Hantke; Bärbchen, Frl. Wehn; Lene, Frl. Leoni; Anton, Herr Nygrin u. s. w. Die Chorlieder werden durch einen hiesigen Gesangverein bestens unterstützt. Die Dekoration des ersten Aktes ist besonders beachtenswert: Der Schloßhof in Heidelberg vor seiner Zerstörung. Die Vorstellung findet außer Abonnement statt mit Vorrecht der geraden Nummern bis Freitag von 10 bis 11 Uhr.
8 DolksvorlesttNg. Herr Prof. Dr. Mannheimer hielt vorgestern vor einem zahlreichen ZuhörerkreiS im „Stadlschloß" seinen zweiten Vortrag über die Welträtsel, diesmal besonders das astronomiicke Gebiet, die Unendlichkeit von Raum und Zeit und die Unfähigkeit des menschlichen Geistes, den Anfang der Dinge zu ergründen und in die äußersten Entfernungen des Weltenraumes einzudringen, behandelnd. Besondere Aufmerksamkeit widmete er unserem Planetensystem, indem er die auf wissensâafilicher Grundlage beruhende und experimentell sonor parallelisierte mutmaßliche Entstehung desselben den Zuhörern vor Augen führte und den durch die astronomische Forschung festgestellten gegenwärtigen Entwickelungsstand der einzelnen Planeten darlegte. Die Frage, wie und aus was ist die Welt und das Leben entstanden, woher kam das, aus dem die Materie hervorging, wo ist Anfang, wo ist Ende, könne den herrschenden, nach Aufklärung dürstenden menschlichen Geist fast zur Verzweiflung bringen und dränge ihn schließlich dahin, wie schon im ersten Vortrag erwähnt, eine höchste Intelligenz, eine geistige Kraft allem Geschehen zu Grunde zu legen und dem nackten Materialismus den Rücken zu kehren, denn wo bliebe auch der sittliche Ansporn zum geifi.... en Fortschritt beim Menschen, wenn er sich sagen müßte, alles geht nach mechanischen Gesetzen, alles ist durch die Natur schon vorher bestimmt und sein Tun und Wollen könne nichts bessern oder verschlechtern, sein Vorwärtsstreben sei negativ und wirkungslos. Lebhafter Beifall lohnte wiederum dm Redner für seine eingehenden, leichtfaßlichen Darlegungen.
A Storchpost. Hurra, der Klapperstorch ist da! Schon gestern, also außergewöhnlich frühzeitig, stellte sich Freund
Langbein, der alte Reiseonkel, im Maingebiete wohlbehalten ein. Heute wurden mehrere Stelzengänger beobachtet, welche, den Rodgau dur? querend und das Städtchen Seligenstadt über- fliegend, sich in östlicher Richtung verloren. Ueberdies wurden gestern oberhalb Groß-Steinheim zwei Gebrüder Adebar wahrgenommen, wie sie gravitätisch die Mainwiesen absuchten. Papa Peter, der sich vorerst nur als Quartiermacher einstcllt, dürfte indessen rasch wieder zurückreisen, um Mama Gretchen abzuholen. Da auch in den letzten Tagen wiederholt Schwärme von Schneegänsen auf ihrem Fluge aus dem sonnigen Süden nach den nordischen Gefilden das Maintal durchsegelten und sich allenthalben in freier Natur die bevorzugtesten Erstlings- kinder des Lenzes zu regen beginnen, so dürfte die Annahme des baldigen Frühlingseinzuges begründet erscheinen. Nach unseren genauen Aufzeichnungen erschien unser beliebter Klapperer während der leisen 10 Jahre stets in der Zeit von Mitte Februar bis längstens 24. März. Unsere Storchpost reicht zurück bis zum Jahre 1874, in dem der Luftsegler am 14. Februar bei uns eintraf. Im Vorjahre gar sah er schon am 5. Februar seine deut'che Heimat wieder. Im Walde bei Heusenstamm und am dortigen Bieberbache wurde er damals nachweislich wiederholt beobachtet. Meistens stattet unser Reiseonkel im letzten Drittel des Februar den heimatlichen Sümpfen und Wiesengründen seine erste Visite ab.
* Ein Steinwurf. Als gestern früh gegen sechs Uhr der Berliner O-Zug zwischen Langenselbold und Niederrodenbach dahinsauste, flog plötzlich ein handgroßer Stein durch ein Gang- und Coupöfenster in ein Coupö II. Klasse. Beide Fenster wurden zertrümmert; von den im Abteil sitzenden Reisenden wurde niemand verletzt. Der Stein muß mit großer Gewalt von einem im Walde oder sonst verdeckt stehenden Stromer geworfen worden sein, da er zwei hinter- einanderliegende sehr dicke Scheiben durchschlug.
* Ein amerikanischer Abenteurer. In Berlin ist jetzt wieder ein berüchtigter Abenteurer, der „Major" Schie- mangk, hinter Schloß und Riegel gesetzt worden. Derselbe ist als Sohn eines Wirtschaftsbesitzers in Staupitz geboren, diente bei den Pionieren als Gemeiner, wurde in die zweite Klaffe des Soldatenstandes versetzt und trat dann mit geradezu ernaunliâer Virtuosität als Hochstapler auf. Er hatte es fertig gebracht, als amerikanischer Offizier hoch zu Rotz einer Parade bei Tempelhof beizuwohnen. Etwas Rechtes hat er nie gelernt, dagegen besaß er großes Zeichentalent, das er zu seinen Schwindeleien gut zu verwerten rottete. So fertigte er Zeichnungen von Heeresausrüstungen an, von denen er behauptete, das Patent zu besitzen und wegen deren Verwertung er fortgesetzt mit hohen Staatsmännern aller Staaten in Unterhandlung gestanden haben will. Sein letzter großer Schwindel bezieht sich denn auch auf Armeelieferungen, zu deren Ausführungen er die finanzielle Beteiligung eines Berliner Restaurateurs zu erlangen suchte. In einem Briefe garantierte er dem Wirt für 8500 Mark, die der Herr „Major" zu Geschäftsreisen benötigte, die Summe von 180000 Mark. Der Zufall wollte es, daß sich der Wirt, vordem er mit Schiemangk in Geschäftsverbindung trat, bei einem Bekannten erkundigte, dem der Herr „Major" durch seine früheren Sâwindeleien kein Unbekannter war. Die Polizei nahm gehörig Vormerkung von dem Schwindler und ais ersvon seinem Heimatsorte Swupitz kommend, wieder in Berlin eintraf, wurde der „Major" hinter Schloß und Riegel gebracht. — Auch hier in der Umgegend hat der Schwindler sein Unwesen getrieben. Im Frühjahr 1899 kam er nach Hanau und logierte sich auch hier als „Major" Schiemangk rin, dann machte er die Kahltalgegend unsicher, wo sein Schwiegervater wohnte, den er um mehrere tausend Mark brachte. In Schöllkrippen wurde er verhaftet und dann nach Berlin transportiert, wo er 3 Jahre Zuchthaus erhielt. Nach Verbüßung dieser Strafe scheint er, wie aus Obigem hervorgeht, seine Schwindeleien neu ausgenommen zu haben.
* * Gewerbegericht. (Sitzung vom 11. Februar.) In der Klagesache des Kutschers R. gegen die Firma Jean G. Wwe. sollen noch weitere Zeugen vernommen werden, weshalb die Sache vertagt wurde. — Der Bereiter Wilh. N. aus Frankfurt klagte gegen den Marstallbesttzer N. auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von 15 Mark. N. war bei dem Beklagten 11 Tage beschäftigt und verlangt für diese Zeit einen Gesamilohn von 55 Mk., also 5 Mk. für den Tag, während ihm nur 40 Mk. gezahlt wurden. Das Gewerbegericht erkennt zwar an, daß im allgemeinen für einen Bereiter ein Lohn von 5 Mk. pro Tag angemessen ist, der Kläger hat aber seinen Dienst so nachlässig und mangelhaft versehen, daß ihm das Gericht nur einen Lohn von 4 Mark pro Tag zuerkennt, sodaß also der Beklagte noch 4 Mark an den Kläger zu zahlen hat. Dem Kläger wurden dreiviertel, dem Beklagten einviertel der Kosten auferlegt. — Sechs Weißbinder von Windecken klagen gegen die Firma W. u. A. hier einen Klageanspruch von 380 Mk. ein. Die Kläger führen für die beklagte Firma seit zwei Jahren Arbeiten im Akkord aus und rühren die Ansprüche daher. Es sind etwa dreißig Punkte strittig, die eine umfangreiche Beweisaufnahme notwendig machen. Es wurde zunächst ein Beschluß erlassen, wonach die vorgeschlagenen Sachverständigen gutachtlich vernommen werden sollen.
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G Gronau, 10. Februar. (Zediert.) Wie von hier mitgeleilt wird, ist die Kgl. Domäne Gronauerhof von Herrn Dröge am 1. Februar d. Js. an die Herren August Väth «. Sohn aus Bauernheim für 133 000 Mark zediert worden.
Briefkasten der Redaktion.
N. G. hier. Wenn nichts anderes vereinbart ist, so kann bei vierteljährlicher Mietezahlung die Kündigung nur zum Schlüsse eines Kalendervierteljahres erfolgen; sie hat spätestens am dritten Werktage des Bierteljahres zu geschehen, z. B. am 3. April für den Bo. Juni: wird erst am 4. April gekündigt, so gilt die Kündigung für den 30. September.
Die Entgleisung des Bcrlin-Franksnrttl Ü-Zugs bei Langenselbold.
Ueber den Unfall des Berlin-Frankfurter D-Zuges bei Langenselbold liegt nachstehende amtliche Meldung vor: „Bei Durchfahrt des D-Zuges 6 Berlin- Frankfurt heute nachmittag um 3 Uhr 53 Min. sind fünf Wagen im Bahnhof Langenselbold entgleist. Reisende sind nicht verletzt. Das Gleis Bebra-Frankfurt ist im Bahnhof Langenselbold voraussichtlich zwölf Stunden gesperrt. Der Betrieb ist nicht gestört. Die Untersuchung ist eingeleitet."
Unsere Korrespondenten berichten uns über den Unfall:
(:) Langenselbold, 11. Februar. (5 Uhr nachm.) Der D-Zug, welcher um 4 Uhr die hiesige Statiion nach Frankfurt durchfährt, entgleiste unmittelbar am Stationsgebäude, das Geleise ist aufgeriffen, die Wagen liegen auf der Seite. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Nur einige leichte Verletzungen sind vorgekommen. Die Passagiere wurden in einem Hilfszuge nach Hanan weiter befördert. Die Räumungsarbeiten haben begonnen. Der Verkehr ist nicht unterbrochen.
y Langenselbold, 11. Februar (abends.) Zu dem Langenselbolder Eisenbahn-Unfall ist noch folgendes zu berichten: Als der D-Zug um 4 Uhr die hiesige Station passierte, sprang der Postwagen, welcher direkt der Maschine folgte, ungefähr 30 Meter unterhalb des Stationsgebäudes auf ein neugelegtes Geleise über, das aber schon mehrere Tage befahren wurde. Zum großen Glücke hatte sich die Lokomotive losgerissen und fuhr auf dem richtigen Geleise weiter, sonst hätte der Unfall zu einem schrecklichen Unglücks'alle werden können. Die Schienen liegen zerknickt und gebogen umher; die Räder haben sich tief in den Erdboden gebohrt. Die Puffer sind abgebrochen und die Verbindungsgänge der einzelnen Wagen zusammengedrückt. Eingeschlagene Fensterscheiben lassen vermuten, daß es einzelne Passagiere versucht haben, sich durch diese zu retten. Glücklicherweise kamen die Fahrgäste, meist Ausländer, mit dem bloßen Schrecken davon. Ein Herr, der eine Verletzung an der rechten Hand davongetragen hatte, wurde von Herrn Dr. Clauß, welcher rasch zur Stelle war, verbunden; eine ältere Dame, deren Nerven tief erschüttert waren, mußte in den unterdessen eingetroffenen Hilfszug getragen werden. — Die Ränmungsarbeiten, welche unter der Leitung eines Werkführers aus Hanau vorgenommen werden, nehmen mehrere Tage in Anspruch. Dem Vernehmen nach ist der Unfall auf eine Entgleisung zurückzusühren; den diensttuenden Beamten trifft keine Schuld.
Ein Pas (agier gibt der „Frkf. Ztg." folgende Schilderung: „Die Entgleisung ist darauf zurückzusübren, daß eine Weiche nicht fest schloß und etwas vorstand. Die Lokomotive selbst blieb auf dem Geleise, aber gleich der nächste Wagen entgleiste und fuhr so noch etwa 50 Meter weit, wodurch auch die nachfolgenden Wagen aus den Schienen sprangen. Die Wagen stellten sich sämtlich schief nach der linken Seite und ihre Räder wühlten sich tief in die Erde ein. Eine sehr starke Erschütterung pflanzte sich durch die Wagen fort, die Qnertüren auf den Gängen fielen zum Teil heraus und die Wageniniassen wurden tüchtig durcheinandergeschüttelt. Glücklicherweise ging es ohne größere äußere Verletzungen ab; nur im Speisewagen, dessen Tische losgeriffen wurden, gab es einige leichtere Beschädigungen; möglich ist, daß durch die starke Erschütterung einige Person-n innerliche Schädigungen erlitten haben. Ein Glück war es, daß der Zug mit etwas verminderter Geschwindigkeit und an dieser Stelle ohne Dampf fuhr, sowie daß sich die Lokomotive losriß — sie stand 50 bis 100 Meter entfernt vom Zuge —, sonst wären die Folgen wahrscheinlich schlimmer geworden. Natürlich halten die Wagen Beschädigungen erlitten. Schwellen sind aufgeriffen und die Schienen an der Unfallstelle stark verbogen. Fünf Viertelstunden nach dem Unfall ka n ein Hilfszug aus Hanau, mit dem die Fahrgäste weiterbefördert wurden; mit einer Verspätung von fast zwei Stunden gelangten sie nach Frankfurt. Als Kuriosum sei erwähnt, daß einer der Passagiere Langenselbold als Reiseziel gewählt hatte. Da der v Zug dort nicht hält, hätte er bis Hanau fabren und von dort mit einem späteren Zuge zurückfahren müssen. Der Eisenbahnunfall hat diesen Mann ein gut Teil früber an sein Ziel gebracht."
Ein Berichterstatter der „Frkf. Z." meldet: „Die Entgleisung des D-Zugs, der Mittwoch morgen 7 Uhr 40 Min. vom Berlin-Anhalter Bahnhof abging, erfolgte hinter Station Langenselbold und ist vermutlich dem dort eben in Ausführung begriffenen Geleiseumbau zuzuschreiben. Der Zug bestand auS dem Post- und Packwagen, zwei v-Personen- wagen erster und zweiter Klaffe und dem Speisewagen. Das Personal hatte Weisung, mit ermäßigter Fahrgeschwindigkeit die Umbaustelle zu pa fieren. Maschine und Tender haben sich nach der Entgleisung vom Zug losgeriffen und blieben auf den Schienen, während der übrige Zugteil, der auf Geleise 3 einfuhr, reâtS abbog und einen Halbkreis bildete. Hierbei wurde ein Teil der Stationseinfriedigung umqefahren. Die Wagenräder wühlten sich tief ein. Post- und Pack-, sowie Speisewagen, in dem sämtliches Geschirr zertrümmert wurde, blieben aufrecht stehen, die beiden Personenwagen lehnten sich auf die Seite. Es ist geradezu ein Wunder zu nennen, daß die Passagiere, die zum teil recht unsanft unter- einanderflogen, keinen nennenswerten Schaden genommen haben. Die Wagen sind durchweg an den Stirnwänden und an der Verkuppelung stark beschädigt. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Der Geleisebau ist auf einer Strecke von 200 Meter total vernichtet; die Schienen sind geborsten oder verbogen, desgleichen die Schwellen. Glücklicherweise oeiperten zur Zeit des Unfalls die an dieser Stelle am Umbau arbeitenden Leute, sonst wäre eS sicherlich nicht beim Materialschaden