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Viliam Hagene. Diese Benennung zeigt an, daß dazumal Hanau noch ein fe6r unbedeutender Ort, immerhin aber dach schon als eine Wohnstâtie für mehrere erbaut war. Unter der Negierung Reinbard L, welcher 1280 starb, waren Münzen­berg und Assenheim die einzigen Städte seines Landes. Ul­rich I. suchte mehreren Ortschaften in seinem Lande Ztadt- und Marklgerechiigkeit bei dem Kaiser auszuwirken.

Hanau als Stadt.

Windecken war der erste Ort, welcher 1288 die Freiheiten der StadtFrankfurt und das Recht zu einem Wochenmarkt erhielt. Sieinau wurde 1290 und Babenhausen 1295 ein gleiches Recht erteilt. Am 2. Februar 1303 erhielt Hanau von Kaiser Albrecht L, dem ältesten Sohne Rudolfs von Habsburg, das Stadlrecbt, und zwar unter dem Grafen Ullrich L von Hanau. Alle die e Ortschaften wurden Oppi<la (Städte) und die Einwober Oppitani (Bürger) genannt. Zu dieser Zeit hatte H in au den Umfang, welchen die in ihren Resten noch teilweise erhaltene Stadtmauer bezeichnet. Dieselbe lief vom Friedrichsbau an der hinteren Seite dir Nordstraße (Iudengvsse) über den Hof des Gymnauums nach bent Gast­haus „zur Sonne", durchschnitt hier die Marklstraße und wandte sich hinter dem Stadthaus nach Norden, von der Metzgerstraße an ist sie noch deutlich zu sehen, durchschnitt so­dann dir jetzige Iohanniskirche, um sich dann wieder an die Befestigungen des Schlosses oder der Burg anzuschli.'ßen. Bor der Mauer zog sich ein Graben bin, der von der Kinz'g ge­speist wurde und teilweise noch als überwölbter Kanal vor­handen ist. Zwei mit Türmen versehene Tore vermittelten und schützten den Emgang in die Stadt. Das eine, Kinzig- tor genannt, staub an der Stelle, wo die „Sonne" mit dem 1. lutherischen Pfarrhause zusammenstößt, das andere mit Namen Katzenturm oder Metzgertor stand am Ende der Metzger­gasse; die dort noch wohl erhaltene Mauer ist iVe Meter dick und etwa 8 Meterhoch und hat auf der Hinteren, der Stadt zugekehrten Seite einen von Kragsteinen getragenen Wehrgang. Die vorgenannten beiden Türme sind erst unter dem Erbprinz Wilhelm abgebrochen worden. Außer diesen be­fand sich noch ein der Verteidigung dienender Mauer­turm hinter der jetzigen Superintendentur, da wo die Mauer sich allmählich von Westen nach Norden biegt, sowie zwei ähnliche am Ende der Badergaste und hinter Einbiegung der Judengasse, da wo die Stadtmauer sich von Süden nach Westen wendet (der sog. Hexmturm). Ein vierter endlich, welcher noch ziemlich erhalten ist, hinter der Bierwirlfchast zum Falken (Große Dechaneigaste.)

Wie die Burg selbst ausgesehen, ist leider nicht bekannt. Das hervorragendste Gebäude derselben bildete der schon mehr­fach erwähnte Turm, der 1605 vom Grafen PH. Ludwig teil­weise abgebrochen und bedeutend höher wieder nufge&au wurde. Er stand hinter dem jetzigen Schloß nahe dem Brunnen, der jetzt ungefähr die Mitte des Schloßgartens bildet, und trug die Jahreszahl 1375. DaS Ganze war von einem breiten Graben umgeben, der die Stärke des Burgsitz.s bildete und nur einen Uebergang besaß, der das Schloß mit der Stadt in Verbindung setzte. Zunächst dem Schlosse lagen die Woh­nungen der Edlen, welche "als Durgmannen von Hanau Häuser und Güter von den Grafen von Hanau zn Lehen trugen und dafür in Zeiten der Not zur Verteidigung der Burg verpflich­tet waren. Die noch vorhandenen Lehnbriefe nennen viele derselben. Es sind mehrere im ersten Abschnitt erwähnt. Von einigen wenigen wissen wir noch die Wohnungen; so war las Haus Schloßstraße 5 Burgsitz der Halber von Hergern, wie das Wappen über der Tür des Hinterhauses ausweist. Mit dem Hause Marktstraße 3 (Sonne) wurden 1509 die Rup­recht von Büdingen brlehnt. Die Johanniskirche wurde später auf dem Platz erbaut, wo der dem ausgestorbenen Geschlecht derer von Karben gehörige Hof gestanden hatte.

Die Hauptgebäude der Stadt waren damals (1303) eine Kirche, der Kanzleibau, das Rathaus, die Münze und ein Hospital. Der Kanzleibau, welcher 1349 abgebrannt ist, soll auf dem Platze gestanden haben, auf welchem jetzt das A!t- städter Rathaus steht. Die Kirche bestand nur aus einem Cwc und bildete den Mittelpunkt des aus Holz gebauten und mit , Stroh und Schindeln gedeckten Städtchens. Diese Piarrkirche wurde 1322 erbaut und 1448, als Graf Reinhard II seine Residenz nach Hanau verlegte, vergrößert, weil er für sich und leine Nachkommen eine Grabstätte in dieser Kirche errichten wollte. Er ist auch der Erste, welcher darin begraben wurde. Seine Vorfahren waren in dem Kloster Arnsburg beerdigt worden. Die Stadlkirche erhielt den Namen Maria-Magda- lena-Kirche und wurde 1453 nach ihrer Vergrößerung ein« geweiht. Im Jahre 1485 wurde der Grund zu einem neuen Chor gelegt und nebst 5 Aliären aufs neue eingeweiht. Nach­dem nun diese Kirche von der Archidiakonatsgerichtsbarleit des Probstes von A'chaffenburg befreit worden — ein solcher hatte das Recht, Kirchenvisitationen zu halten, Vergeben mit Geld­bußen ober Gefängnis zu strafen und ständige Gefälle an Geld und Früchten zu erheben — wurde ein Dechant in Hanau nebst dem Canoniciâ und V cariis bestellt.

Ring« um die Stadt unmittelbar vor den Mauern, lagen die Aecker, Gärten und Wiesen der von Ackerbau und Vieh­zucht sich nährenden Bürger. Der Wald trat bis dicht an die Stadt heran. Der Friedhof der Stadt lag bei der Mutter­kirche am Abhang der Anhöhe, auf der die Kirche des Kinzig- dorfes stand, und wurde erst kurz vor der Belagerung ter Stadt im Jahre 1633, wo die Kirche des verlassenen Dorfes abgebrochen wurde, damit der Feind sich nicht darin festsetzen konnte, an feinen späteren Ort vor dem Frankfurter Tor verlegt.

In den noch so engen Mauern verlebten die Hanauer Ackerbürger, treu zu ihrem Herrn haltend, die wilden Zeiten der Fehden und des Faustrechts. Zweimal beherbergten sie die Häupter des Reiches in ihren Mauern, nâm'ich Rudolf von Habsburg im Jahre 1274 und Karl IV. im Jahre 1365. Wit der wachsenden Macht ihrer Herren, der Grafen von Hanau, welche ihr Gebiet durch Kauf und Heirat nach und nach vergrößerten und allmählich eine hwoorragende Stellung unter den Grafen der Wetierau einnahmen, nahm auch das Stâdtlein an Einwohnerzahl und Umfang zu. Bald konnte es die Bürger in seinen engen Mauern nicht mehr

Gamstag

fassen. Diese siedelten sich vor den Toren an und es entstand die erste Vorstadt, bestehend aus Bangert- und Hospitalgasse. Schon Ullrich IL stiftete um das Jahr 1330 ein Hospital, das auf dem Platze stand, den jetzt die „Sonne" einwwmt.

Von der Zeit, da Reinhard H. seine Residenz von Win- decken nach Hanau verlegte (1448), wurde Hanan sehr ver­größert.

1448 wurde das Rathaus gebaut, das wir jetzt noch, freilich in sehr veränderter Gestalt, an der Ecke des Marktes und der Metzgerstraße sehen. Das Haus zeigt jetzt noch Spuren seiner früheren Bauart. Sein unteres Geschoß bestand aus Stein mit weiten Bogen, der obere Teil aus Fachwerk. Seine schönste Zierde jedoch war der aus dem Sechseck konstruierte Erker, der in die Mark!» gaste hineinschaut. Die ältesten Mitbürger können sich vielleicht noch seines spitzen, schiefergedeckten Daches und jener schmalen Fenster erinnern, welche dem altdeuischen Bürgerhaufe eigen waren. Mancher Vorübergehende hat wohl schon darüber nachgedacht, was das Männlein milden großen Mausohren und der Hand auf dem Munde zu bedeuten habe, welches die den Erker stützenden Bogen lrâg'. Es soll künden, daß die in diesem Hause der Stadt Bestes berieten, bereit sein sollten, viel zu hören und das Gehörte schweigend zn bewahren. Von Bedeutung ist sicher auch das in der Wand ersichtliche Doppelgesicht eines bärtigen Mannes und einer Frau. Vielleicht sind es die ver- untgten Köpfe des Grafen unter dem bas Rathaus gebaut wurde und seiner Gattin, vielleicht besitzen sie auch eine sym­bolische Bedeutung, etwas Bestimmtes läßt sich darüber nicht sagen. Der untere Rand des Erkers sühn die Zahl der Er­baun ng 1484.

Im Fahre 1498 wurde das Spilalior nebst dem Turm und 1501 das jetzige Alistädter HospilaI erbaut. Unter der Regierung Philipps II. und der vormundschaftlichen Regierung seines Bruders Balthasar wurde Althanau sehr erweitert und befestigt und trat unter diesen Herrschern zugleich in die

Geschichte der »eiteren Zeit

ein. Die Erfindung des Schießpulvers, die Einführung der 5? aet massen liefe die bloßen Stadtmauern nicht mehr als hin­reichend sicheren Schutz erscheinen. Darum wurden die Be­festigungen auch mit Wällen und Gräben umgeben. Unter dèm roten Hause oder Walltor hinter Lem Schlosse standen die Brustbilder der beiden Er asm in Steine gehauen mit der Inschrift:

Wo (Äott nicht selbst behüt die S^adt, Da hilft kein Macht noch einger Nath, Kein Festung, Schutz noch menschlich Stärk, Der Herr versorg dann das Bollwerk.

Doch mich Untreu der Welt bewegt,

Daß ich das Fundament gelegt.

Niemand zuwider, noch m Trutz,

Sondern der Meinen zu Schirm und Schutz,

Dem Herrn befehl ich diese Festen,

Zu bewahren vor bösen Gästen,

Der uns veckeih sein Gnad und Frieden,

Das thu ich gar herzlich bitten,

Da ich, Philipp Graf diesen Bau

Im 15'28. Jahr anfang nau,

lind alt war 28 Jahr eben,

Siena ich durch den Tod in« Leben.

Hier sieh ich Graf Balthas r,

«sein Philipps Bruder offenbar,

War 28 Jahr alt,

Da man dielen Bau stallt.

Die Steine mit der Inschrift befinden sich jetzt im Museum des Hanauer Geschichtsvereins.

Unter der Negierung des Grafen Balthasar wurde im Jahr 1529 der Anfang mit der Reformation gemacht. Eneobolus ober Neunhkller, ein Anhänger Luthers, war der erste Nefor- maior, doch wurde niemand durch Zwang genöiig', die Lehr­sätze dieles Reformators anzunehmen. Anfänglich wurde das Simultimcum ein geführt, sodaß die Lutheraner und Katholiken ihren Gottesdienst in der Stadtkirche verrichteten, bis im Jahre 1502 die katholische Gemeinde in Hanau ganz erlofchen war. Jm Jahre 1556 wurde an dem Ende der jetzigen Vorstadt die steinerne Brücke gebaut und zu deren Unterhaltung bet Stadt die Erhebung des Weggeldes bewilligt. Mitten auf derselben stand der erst 1829 abgebrochene Margaretentnrm.

Unter der Regierung des Grafen Philipp Ludwig II. er­eigneten sich fehr "wichtige Neuerungen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande; es wurde nämlich die Konfession der evangel.-reform. Kirche an den meisten Orten eingeführt und die "Nenstadt erbaut. Graf Philipp Ludwig I., welcher sich zur ev.-Iulher. Kirche bekannte, starb 1580. Seine Ge­mahlin Magdalena verheiratete sich nach seinem Tode an den reformierten Grasen Johann von Nassau. Diesem zu liebe bekannte sie sich auch zu der evangel.-reformierten Kirche und die jungen ©rasen wurden in dieser Religion erzoaen. Der letzte lutherische Superintendent erhielt 1593 seinen Abschied und übernahm die Senioriatssielle in Augsburg. Die Einführung der tuangL reformierten Religion fand an­fänglich harten Widerstand in der Stadt und auf dem Lande, nach und nach aber bekannten sich viele zur reformierten Kirche und so wurde die cv. reform. Religion an den meisten Orten cingeiührt.

Durch d e Erbauung der Neustadt wurde Hanau um zwei Drittel vergrößert und der Grund zur Errichtung nützlicher Industrien gelegt. Wir können diese Epoche aber übergehen, weil sie ja gelegentlich der Neustadlfeier schon genug in diesen Spalten erörtert wurde. Zur Beförderung des Handels wurde 1612 der Gebrauch eines Maikljchifses âuf dem Main von Hanau nach Frankfurt ungeordnet.

So landeSvätcrlich die Grafen bisher für die Wohlfahrt der Stadt und der ganzen Grasfchaft gesorgt hatten, so ward doch das Elend groß, das durch die Gefahr und Not des 30jährigen Kriegesvon 1618 bis 1648 ins Land gebracht wurde. Viele Ortschaften der Grafschaft wurden ab­gebrannt und die Felder verheert. Im Monat Sep­tember 1635 wurde Hanau von kaiserlichen Truppen eingeschlosfen und erst am 13. Juni 1636 von bie'er harten Beteuerung befreit. Während dieser Belagerung starben 22,000 Menschen in Hanau, weil viele Einwohner des Landes sich in die Festung geflüchtet hatten. Die meisten waren dem

31. Januar.

Hunger und der Pest erlegen. Der damals regierende Land­graf Wilbem V. von Hessen war der Erretter der Stadt.

Der letzte Graf aus der Hanau-Münzenbergischen Linie, Johann Ernst, starb am 12. Januar 1642 und nun fuccebf-rte der Graf Friedrich Kasimir auS der Hanau-Lichtenbergischen Lm'e. Das ganze Land war beim Antritt seiner Regierung verwüstet, entvölkert und mit Schulden schwer belastet. Unter der Re« siierung dieses Grafen, der sich zur ev. lutherischen Kirche be- kannte, wurde die lutherische Religion zum zwetien Vkal wieder eingeführt, ein Vergleich zwischen beiden Reliaionsverwllndten unter dem Namen des Religionsrezesses 1670 errichtet und dieser vom Kaiser bestätigt. Mehrere deutsche Fürsten über­nahmen davon die Garantie. Nach diesem Rezeß sollten die Reformierten. ihre Kirchen, Pfarrer- und Schu'häuscr, ihre Einkünfte u. s. w. behalten, die Lutheraner jedoch mit ihnen gleiche Rechte genießen. Der Grundstein zur Illtherischen Kirche wmde den 25. Mai 1658 von dem Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg II., gelegt. Der kursächstfche Oberhofprediger Doktor Jakob Wellern hielt bei dieser Feier die Predigt.

Graf Philipp Reinhard liefe ein neues Schloß in Kessel- stadt bauen und einen Lustgarten anbringen, wozu er viele Orangenbäume aus Italien herbeischafien Hefe. Der letzte Graf Johann Reinhard war ebenfalls fehr bemüht, die Stadt und Gegend um Hanau zu verschönern. Im Jahre 1713 liefe er den unter der vorigen Negierung angefangenen Marstall ausbauen und im selben Jahre die Fasanerie anlegen. Die Kastanienallee von der Fasanerie nach Philippsruhe wurde 1722 angepflanzt und der Grundstein zu dem neuen Rathause in Neuhanau 1725 gelegt.

Hanau in hessischer Zeit.

Wir folgen hierin ausschließlich den Angaben der von Herrn Pfarrer Junghans herausgegebenen „Geschichte von Hanau".

Nach dem Tode des letzten Grafen von Hanau Johann Reinhard (1735) fiel die Grafschaft Hanau zufolge Erbfchafts- vertrags an Hessen-Casskt, mit dem eS aber zunächst nur durch eine Personal-Union verbunden war. Hanau behielt seine eigene Negierung, eigenes Kirchen- und Schulwesen, feine Finavzoerwaltung. Als der prachtliebende Friedrich II. zur katholischen Kirche übertrat, übertrug er seinemssSohn, dem Erkpriuzen Wilhelm, die Regierung ter Grafschaft Hanau, unter welchem die Stadt viele Verfchönerungen erfuhr. Sein erstes Werk war die Niederlegung der Festungswerke zwischen der Alt- und Neustadt, wodurch er den Gesundheitszustand der Stadt verbesserte, da seitdem die kalten Fieber aufhörten, welche zuvor in Hanau häufig waren und die durch die im Sommer stagnierenden Gewässer des Grabens verursacht wurden. Daraus entstand der Paradeplatz. Auch das Schloß wurde von ihm erweitert und verschönert, end­lich war er es auch, der im Jahre 1779 an der 1701. entdeckten Mineralquelle und dem Platz, wo die Erbauer der Neustadt einst die Steine zu ihren Häusern ge­brochen hatten, das Wilhelmsbad anlegte und eS durch die schönen Alleen mit Hanau und Philippsruhe verband. Ferner wurden unter seiner Negierung zahlreiche Straßen angelegt und bestehende ausgebaut.

Hanan war mehrere Jahrhunderte lang Festung gewesen. Seine Gräben und Wälle hatten eS in der Zstt des dreißig­jährigen Krieges vor dem Verderben geschützt; noch 1792 wagten es die unter Custine und Steuwinger nach der Er­oberung von Mainz und Frankfurt bis Marköbel vorbringen« den Neufranken nicht, die von den hessischen Truppen besetzte Stadt anzuqreifen, in die sich auch viele Frankfurter geflüchtet hatten. Allein die Eigenschaft als Festung legte der Stadt manche Fessel an und hinderte sie, sich ausznbreiten. Ein zweiter großer Krieg sollte sie von diesen Fesseln befreien. Alsbald nach der Einnahme Kurbcssens im Jahre 1806 und nach dem Einmarsch des Marschalls Jounnot in Hanau befahl Napoleon die Schleifung der Festungswerke. Am 23. No­vember wurde am Spitaltor mit derselben der Anfang gemacht, die Wälle zur teilwei'en Ausfüllung des Stadtgrabens benutzt und das dadurch gewonnene Gelände in Gärten verwandelt. Die Tore blieben noch eine Zeit lang bestehen, nur daß die bis­herigen Zugbrücken durch steinerne ersetzt wurden. Allein auch die altertümlichen Tore, mußten, weil für den stärkeren V-rkehr viel zu eng gebaut, dem Trieb der Zeit nach Luft und Raum folaen. Im Jahre 1829" fiel als letzter der auf der Kinzig- brücke stehende Margaretentnrm. So ist denn von allen Toren der Festung nur eins, das Frankfurter Tor, übrig geblieben, das an Stelle des alten im Jahre 1720 gebaut wurde und in seiner Anlage schon nicht mehr den Charakter eines Veriek- tigungSwelkes trägt. Im Jahre 1837 wurde zwischen diesem Tore und der Hospitalstraße die Verbindung hergestellt, welche im Volksmunde nach einem auf der hie? befindiichen Bastion gestandenen Geschütz den Namen „der Esel" führt, von den Behörden aber den langatmigen Namen „Communikat-onSbrücken« gaste" erhielt. Kurfürst Wilhelm N. ließ endlich 1829 das alte Schloß abbrechen, an daS sich so viele Erinnerungen aus der Hanatter Geschichte knüpften, bis auf den Kanzleibau und den alten Wasterturm, um an feine Stelle ein neues zu s-tzen, das sich keineswegs durch architekionische Pracht und Schön­heit auSzeichnet. Seiner Erneuerungssucht fiel denn auch der schöne alte und noch gar nicht baufällige Schloßturm zum Opfer, durch dessen Abbruch Hanau nicht nur eine wesentliche Zierde sondern auch einen Zeugen seiner ruhmvollen Vergangenheit verloren hat. Die geebneten Schloßwälle wurden in schöne Gartenanlagen verwandelt, deren üppiger Baumwuchs wieder an die Zeit erinnert, da hier noch Wald stand.

Hanau in der Gegenwart.

Im Vorstehenden haben wir ein gedrängtes Bild von dem allmählichen Werden uub Wachsen unserer Vaterstadt an uns vorüberziehen lassen. In diesen Tagen des Feft- jubcls und der Auffrischung alter Erinnerungen steigen Bilder aus längst versunkenm Zeiten heraus und wir sehen im Geiste das mittelalterliche Städtebild vor uns, von dem uns hie und da noch einige schwache Reste erhalten sind. Wir sehen die Ratsmannen im Talar und den sonstigen Abzeichen