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â«â«»"t it'»»«'^WM »> ........III II Sitzung Des Sanauer Schöffengerichts vom 20. Jannar.

Der Fabrikarbeiter K. von Bruchköbel verletzte durch un­vorsichtiges Fahren mit dem Fahrrad ein auf dem Kinzig- Heimer Aof beschäftigtes Dienstmädchen. Der Angeklagte wird mit 30 Mark bestraft. Der Landwirt Z. von Großkrotzen­burg, der mit seiner Verwandtschaft im Unfrieden lebt, über- siel seine.Schwägerin, die Ehefrau Z., auf dem Friedhof mit einer Hacke und verletzte sie ziemlich erheblich. Dann schleu­derte er auch noch die Hacke nach der Mißhandelten. Der Angeklagte erhält 6 Monate Gefängnis und 1 Woche Haft. Der Bahnarbeiter S. von Niederissigheim soll unberechtigt auf einer fremden Wiese gemäht haben. Da durch nach­trägliche Vermessung des betreffenden Grundstücks erwiesen ist, daß dies nicht der Fall war, wird der Angeklagte frei- gesprochen. Der Dienstknecht K. von Kahl hatte sich, als er mit dem Fuhrwerk seines Dienstherrn hierher gefahren war, derart bekneipt, daß ihm ein Schutzmann das Gefährt abnahm und seinen Dienstberrn benachrichtigte. K. stieß bei der Gelegen­heit gröbliche Beleidigungen gegen den Schutzmann aus. Weil er hochgradig angetrunken war, kommt er mit 12 Mk. Geld­strafe davon. Der Mechaniker L. fuhr mit dem Automobil der Gummiwaren'abrik bei Dunkelheit nach dem Westbahnhof, ohne das hinten angebrachte NummernzeiLen beleuchtet zu haben. Da der Einspruch gegen den Strafbefehl von 2 Mk. ganz unbegründet ist, wird die Strafe vom Gericht auf 5 Mark erhöht. Der Weißbinder M. von Dachenbuchen war mit seinem Sohn im Felde und ließ den letzteren einen toten Hasen holen, den sie vorher liegen gesehen hatten. Als der Sohn aber gerade dabei war, den Halen zu nehmen, fand sich auch der Jagdaufseher ein. M. und Sohn sind wegen Jagdvergehens angcklagt und erhält der Vater 3 M. Geld­strafe, der Sohn einen Verweis. Der Schreiner E. von Keffelstadt hat hier gebettelt, was ihm 3 Wochen Haft ein- bringt. Ein anderer Bettler erhält 8 Tage Haft. Meh­rere Strafsachen wurden vertagt.

* Kirchliche Nachrichten. Iohanniskirche. Im Jahre 1902 wurden getauft 235 Kinder, 120 Knaben und 115 Mädchen, kofirmiert 138 Kinder, 72 Knaben und 66 Mädchen, getraut 50 Paare, beerdigt 150 Personen, 79 männliche und 71 weibliche, darunter 28 Knaben und 23 Mädchen. Marienkirche. Im Iihre 1902 mürben gerauft 356 Kinder, 186 Knaben und 170 Mädchen, kon­firmiert 194 Kinder, 103 Knaben und 91 Mädchen, getraut 128 Paare, beerdigt 228 Personen, 58 männliche, 82 weib­liche, darunter 45 Knaben und 43 Mädchen.

* Sprech verkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Lauterbach (Hessen) und Ortsbereich, sowie auf Rüsselsheim und Onsbereich ausgedehnt worden.

* Meisterprüsungsordnung. Die von der Hand­werkskammer Cassel auf gestellte MetsterprüfungSordnunq für das Handwerk der Mechaniker, Optiker und Installateure elektrischer Anlagen hat unter dem 9. Dezember 1902 die Genehmigung des Herrn Minister für Handel und Gewerbe erhalten. Dieselbe ist nun im Druck erschienen und zum Preise von 25 Pfg. einschließlich Porto vom Bureau der Kammer zu beziehen. Meisterprüfungskommissionen für die vorstehend genannten Handwerke bestehen in Gaffel, Eschwege, Fulda, Hanau, Marburg und Arolsen.

* Glaser- und Schrekner-Zwangsinnung. Am Donnerstag abend 9 Uhr findet in der gotvenen Gerste eine Versammlung der Zwangs-Innung für Glaser und Schreiner statt. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge, 2. endgiltige Regelung deS Sargwesens in Bezug der Magazine, 3. Ver­schiedenes. Es ist dringend nötig, daß alle selbständigen Meister am Platze sind.

* Stadttheater. Wir weisen nochmals auf die heute stattfindende Aufführung der Lustspiel-Novität:Die Fee Caprice" hin und bemerken, daß zu dieser Vorstellung, welche infolge des durch die Benefize beeinflußten Repertoirs als 7. statt 6. Vorstellung im 4. Abonnement gegeben wird, somit die ungeraden AbonnementS-Nummern Geltung haben.

* Benefiz Becker.Romeo und Iulia", Shakes­peares gewaltiges Werk, geht nach langer Zeit wieder in Szene und zwar am Ehrenabend unteres jugendlichen Helden Herrn Karl Becker. Die hochpoetische Tragödie des idealen Liebespaares Romeo und Julia ist eine der schönsten Schöpfungen der gesamten Literatur und wird die Aufführung sicherlich auch diesmal freudig begrüßt werden. Herr Becker, der denRomeo" geben wird, hat sich durch feine vorzüglichen Leistungen als Heerohme",Carlos",Karl Heinrich" u. s. w. die Sym­pathie des Publikums in hervorragender Weise errungen und bietet ihm die Gestaltung der dankbaren Rolle desRomeo" die beste Gelegenheit zur Entfaltung seines Könnens. Seine Partnerin alSJulia" ist Fräul. Hohenfels und wird es gewiß eine hochinteressante Vorstellung geben. Zahlreiche Vor­bestellungen von LilletS beweisen die Beliebtheit des Benefi­zianten und hoffen mir, daß den jungen Künstler an seinem ersten" Benefizabend ein volles Haus erwarten möge. Vorrecht der ungeraden Nummern am Donnerstag von 4 bis 5 Uhr.

* Alpenverein. Zu bett beliebtesten winterlichen Ver­anstaltungen gehört diejenige der sonst auf alpinen Gebieten sich betätigenden hiesigen Sektion des Alpenvereins. Am ver­flossenen Samstag hatte zu einer derartigen geselligen Ver­einigung die Vergnügungskommt sion die Mitglieder und Freunde der Sektion wieder zu Gast geladen und bewährte die Veranstaltung ihren altgerühmten Ruf aufs beste. Das Fest wurde durch einen sehr wirkungsvoll gesprochenen Prolog eröffnet. Während deS gemeinschaftlichen Mahles wechselten, bevor zum Tanz geschritten wurde, eine Reihe von Vorträgen gesanglicher und musikalischer Natur, von denen die vortreff­lichen Leistungen von Frau Grundmann-Roediger besonderen Beifall fanden. Eln von dem Sohne eine- Mitgliedes in Text und Musik verfaßtes Theaterstückchen brachte dem Autor verdienten Beifall. Nach dem Mahle trat Terpsichore in ihre Rechte und Jajjie der Saal kaum die große Zahl der tanzenden

Mittwoch

Paare. Einen großen Heiterkeitserfolg brachte eine während der Tanzpause auf der Bühne dargestellteFidele Gerichts­sitzung" hervor. Der Verlauf des Abends kann alS wohl­gelungener bezeichnet werden und darf das DergnâgungSkomitee das beste Zeichen darin erblicken, daß die Teilnehmer erst in früher Morgenstunde mit schwerem Herzen von den Klängen der fröhlichen Melodien schieden.

* III. Abonnementskonzert in der Central­halle. Wir verwei'en an dieser Stelle nochmals auf das morgen abend 7 V» Uhr im Saale der Centralhalle statifindende III. Abonnementskonzert, welches diesmal als Symphonie- Konzert von der gesamten Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 166, unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters Herrn C. Schmidt, stattfindet. Das Programm ist außer­ordentlich fein künstlerisch zusammengestellt und verspricht das Konzert ein recht genußreicher Abend zu werden. Ein aus­führliches Programm befindet sich im Inseratenteil unseres heutigen Blattes.

* Altstadtfeier. Auf Grund authentischer Mitteilungen sind wir in der Lage, das nunmehr endgiltig festgesetzte all­gemeine Festprogramm der Feier bekannt zu geben und zwar in dem Wortlaut der offiziellen Ausgabe, welche dem­nächst erscheinen wird. Danach findet statt Sonntag den 1. Februar: vormittags: Festgottesdienst, abends 7 Uhr: Vorfeier in den Sälen Crntralhalle, Deutsches Haus, Saal­bau, Turnhalle. Die ausiührlitwn Einzelproaramme, Texte der Chorlieder sind in den folgenden Setten des Festprogramms besonders aufgeführt. In sämtlichen Sälen: Rosenreigen, komponiert und einstudiert von Herrn Fr. Kisselstein, getanzt von 16 Damen, und Auftreten eines UeberbrettlS. Eintritts­preis 30 Pfg., Einlaßkarten für die vier Festiäte giltig 75 Pig. Die Karte» und Festprogramme sind nächste Woche in den Hofbuchhandlungen der Herren Altmannsperger und Claus L Feddersen, in den Cigarrenhandlungen der Herren G. B r ö g N a ch f., Marktstraße 5, G. Kollmann, Hammerstraße 4, H. Salzmann, Krämerstraße, K. Wilt­heiß, Marktplatz 4, sowie abends an der Kasse zu haben. Die Karten sind während der Feier aufzubewahren. Kassen- und Saalöffnung 6 Uhr. Kinder unter 14 Jahren ist der Eintritt nicht gestattet. Die Teilnahme von Damen ist erwünscht. Es wird gebeten, möglichst im Festanzug zu erscheinen und vor 9 Uhr nicht zu rauchen. Reden sind bei dem Festleiter an­zumelden. Die Festausschüsse sind wie folgt zusammengesetzt: Centralballe: Karl Appel, Festleiter, Jean Bauer, Philipp Dülfer, Adam Heilmann, Wilhelm HengSberger, Jean Körner, Valentin Paul, Heinrich Roediger, Andreas Schind­ler, Johann Seikel. Deutsches Haus: Jean Bailly, Festleiter, Wilhelm Bein, August Brüning, Rektor Rudolf Dieterich, Adolf Gauff, Jean Gleiß, Christian Hamm, Kom­merzienrat Otto Hosse, Karl Link, Wilhelm Löschengruber. S a a l b a u: Dr. Friedrich Quilling, Festleiter, Stadtrat Cälar Böhm, Heinrich Grauling, Stadtrat Alexander Jung, Karl Kießling, Heinrich Naas, Heinrich Ott, Christian Weiß- brod, Heinrich Willamowitz. Turnhalle: Otto Schatt, Festleiter, Hauptmann Adolf v. Buttlar, Heinrich Deines, Prof. Wilhelm Henkel, Heinrich Hummel, Karl Kehl jr., Phil. Koburger, Friedr. Kreuter, Jos. Löhnert, I. Pfeiffer, H. Schleicher. Montag 2. Februar. Vormittags: Feierindeneinzelnen Schulen. Nachmittags 3 Uhr: Festfeier im Stadttheater unter Mitwirkung des Oratorienvereins und der Jnfanteriekapelle. Eintrittspreis: 1. Rang Mk. 1,50, Parkett und Parterre Mk. 1,, Gallerte 20 Pfg. Dunkler Anzug. Karten sind im Theaterbureau und an der Kasse zu haben. Kassenöffnung 2 Uhr. Abends 8 Uhr: Illumination und Fackelzug. Die ausführlichen Einzelprogramme für die Kommerse in den ver­schiedenen Sälen, für die Festfeier im Stadttheater und für dm Fackelzug werden wir im Laute der nächsten Tage veröffentlichen.

* Die offizielle Festpostkarte für die 600 Jahr- feier der Altstadt Hanau wird, wie wir hören, IN aller Kürze im Verlag von Herrn Louis Slaßen hier, Krämer- straße 18, erscheinen. Die Karte, von der Meisterhand des Herrn W. Schultz entworfen und hergestellt in der kith. Kunst­anstalt der Herren Heinr. und Aug. Brüning, zeigt im Vorder­gründe einen Althanauer mit Schlüssel und Urkunde unb im Hintergründe das Schloß und die Marienkirche in der damaligen Gestalt. Die feinausgeführte Karte wird sicher Vielen eine willkommene Gelegenheit sein, auswärtigen Verwandten und Freunden Kunde von unserer Jubelfeier zu geben.

* Ausgestellt. In dem Schaufenster der Zigarren­handlung von Gottfried Drög Nachf. (Wilh. Krack) ist ein von dem Hofphotographen Herrn Franz Breuning ange­fertigtes Gruppenbild ausgestellt, welches sowohl durch feine vollendete Technik der Photographie, als auch durch die Gruppierung der Firma zur großen Ehre gereicht. Das Bild ist einem auswärtigen Herrn, Ph. Döppenschmitt in Pforz­heim, welcher in hiesigen Kreisen sehr geachtet und beliebt ist, von Freunden und Bekannten gestiftet worden.

* Steuoaraphie-Kursus. Der Arends'sche Stenoaraphen- VereinConcordia" eröffnet, wie aus unserem Inseratenteil hervor­geht, Donnerstag den 22. Januar 1S"g, abends 1 >9 Uhr, in seinem Vereinslokal zurAllemania", Römersträße 11, seinen ersten dies­jährigen Lehrkurlus unter Leitung des Herrn Stenographie-Lebrers Chr. Ullrich. Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt, für Leb - mittel 1 Mk. erhoben. Möge memmd diese günstige Gelegenheit, seine Kenntnisse zu bereichern, unbenutzt vorübergehen lassen, es mache viel­mehr jeder den Versuch, diese ebenso schöne wie nützliche Kunst sich anzueignen.

Druckfehler. In das gestrige Referat über die wissenschaftlichen Vorlesungen haben sich zwei Satzfehler ein« geschlichen, die jedenfalls von den Lesern schon selbst berichtigt worden sind. Nahezu am Schluffe deS Referates ist nämlich das WortPsychologie" zweimal hintereinander mitg" an­statt mitch" gesetzt.

= Keffelstadt, 20. Januar. (Stiftungsfest.) Am 18. Januar feierte dieErste Zimmerfchützengesellschaft K-ssel- ftadt" ihr erstes Stiftungsfest im Gasthauszur Mainlust", verbunden mit Preisschießen, welches am Donnerstag den 15. Januar, abends 6 Uhr, begann. Es waren sehr schöne Preise gestiftet und erhielten den

21. Januar.

BM MIMaaMaaaaMai

1.

Preis mr

t 80 Ringen Herr August Geibel-Kcss.lstadt.

2.

ff

29 Georg Rauch Hanau.

3.

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ff

29 Ludw. Schomber-Hanau.

4.

w

ff

29 Jean Schmitt-Hanau.

5.

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ff

29 Fr. Zahn-Hanau.

6.

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ff

29 Jean Lamm-Keffelstadt.

7.

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ff

29 W. Zahn-Keffelstadt.

8.

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ff

29 W. Ruwe-Offenbach.

9.

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ff

28 Ferd. Treusch-Hanau.

10.

H

ff

28 Fr. Menger-Hanau.

11.

1/

ff

28 Heinr. Söhnlein-Hanau.

12.

ff

ff

28 Ludw. Th'elemiinn-Hanau.

13.

ff

ff

27 Ludw. Puth Offenbach.

14.

ff

ff

27 G. Söhnlein-Hanau.

15.

ff

ff

27 Wilb. Schn tzer-Hanau.

16.

ff

ff

27 Fr. Maul-Kessklstadt.

17.

ff

ff

27 Wilh. Wörner-Hanau.

18.

ff

ff

27 Herm. Föitinger-Hanau.

19.

ff

26 Fr. Seqelhorst-OfflNbach.

20.

ff

ff

26 G. Lötber-Kesselstadt.

21.

ff

ff

26 Jean Viehmann-Hanau.

Tabellen-Prämien erhielten:

1.

Herr

Ludw. Schomber-Hanau 131 Ringe.

2.

ff

Jean Schmitt-Hanau 13t

3.

ff

G. Rauch-Hanau 130

4.

ff

Heinr. Söhnlein-ssanau 127

5.

ff

Aug. Geibel-Kesseistadt 126

Ehreni cheibe.

Die sehr

Ehrenscheibe errang I. Prämien darauf

wertvolle in Oel gemalte < tritt "/r Ringen Herr Fr. Mermer-Hanau.

erhielten Fr. König-Kefselstadt mit 8/io Ringen, Heinr.'mlein- Hanau und Fr. Segelborst mit je/: Ringen. Die Preis-

Verteilung fand am Sonntag den 18. Januar, abends 8 Uhr, statt; daran anschließend Feßkommers mit Tanz. Der Vor- sttzende des festqebenden Vereins, Herr Konrad Stock, begrüßte in formvollendeter Rede die anwesenden Gäste und dankte für daS zahlreiche Erscheinen. Den auswärtigen Schützen, welche zum Gelingen des Festes beigetragen haben, spendete er ein Hoch", in welches alle Anwesenden begeistert einstimirnen. Auch die Vertreter der auswärtigen Vereine hielten Ansprachen und ließen den festgebenden Verein hoch leben. Dem jungen Verein wünschen wir auch fernerhin ein kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen.

(X) Windecken, 21. Januar. (Feuer.) Im benach­barten Heldenbergen brach beule Morgen halb 5 Uhr in der Hosraithe des Schneidermeisters Heinr. Fuhr Feuer aus und legte Scheune und St all in A cbe.

Aus JMab und fern,

Caffel, 19. Januar. Der Mord auf dem Arolser Vieh­markte beschäftigte am Samstag das hiestge Schwurgericht. Der ZirkuSdirektor Ludwig Traber, der am 5. August auf dem Viehmarkie erfdioffen wurde, war ein herkulisch gebauter, aroM und starker Bayer, und der vor den Schranken stehende Tâtex, . der Korbflechter Wilhelm Jennebach aus Soest, ist ein 18- jähriges schmächtiges Bürschchen. Die Verhandlung selbst bot ein bewegtes Bild, vor und hinter den Schranken waren vor­zugsweisefahrende Leute" aus aller Herren Ländern zu schauen, wie Kunstreiter, Akrobaten, Athleten, Seiltänzer, Jong­leure, Gaukler, Schausteller, Händler u. s. w. Es muß bei dem in der Trunkenheit ausgebrochenen Streite wüst herge­gangen sein. Man bewaffnete sich mit allen möglichen In­strumenten und stürmte die Wagenburg der Viehmarkisleute. Bei diesem Ansturm ist Traber, der mit geschwungenem Säbel in der Hand die Kolonnen anfâhrte, geblieben, eine Revolver- kugel durchbohrte ihm daS Herz. Jennebach war in den elter­lichen Wagen geflüchtet, wurde aber eingeholt und verprügelt. Als er unterlag, zog er den Revolver und schoß auf Traber. Ein Zeuge bekundete, daß beide Männer mit Säbel und Re­volver sich 68 Meier gegenüber standen, als der tätliche Schuß fisi. Die Verhandlung endigte damit, daß die Ge­schworenen alle anderen Schuldfragen verneinten und nur fahrlässige Tötung bejahten, worauf der bisher unbestrafte jugendliche Jennebach mit 9 Monaten Gefängnis davonkam. 1

-r. Marburff, 21. Januar. Die Zahl der Geburten stellte sich im vergangenen Jahre in hiesiger Stadt auf 654 1 und zwar 300 männliche und 354 weibliche. Davon entfielen auf hiestge Einwohner 363, auswärtige 292, auf die ( Anstalten kommen 366. Zwillingsgeburien wurden 8 ange­meldet. In den Bund der Ehe traten 168 Paare. Gestorben ' find insgesamt 362 Personen, nämlich 176 männliche und 168 weibliche. Auf hiesige Einwohner kamen davon 214, auswärtige 178 und zwar entfielen die letzteren auf die Kli­niken. Im Jahre vorher zählte man 698 Geburten, 138 Ehe­schließungen und seltsamerweise genau so viel Sterbefälle wie in 1902.

W. Frankfurt a. M», 20. Januar. Der Fuhrmann Theodor Klotzbach hat heute früh nach einem voraus- gegangknen Streite seine Ehefrau ermordet und ist dann flüchtig gegangen.

Klein-Krotzenburg, 20. Januar. Das hiesige Mainufer war dieser Tage der Schauplatz einer aufregenden Szene. Auf dem kräftigen und schon ziemlich breiten Ufereise vergnügten sich nämlich eine fröhliche Schar jüngerer Schul­kinder, als plötzlich ein Söhnchen des Bürgers Lorenz Seipel, das sich zu weit vorgewagt hatte, in den hochgehenden Maines- wogen zwischen brausenden Eissckollen verschwand. Vor Angst und Schrecken stob die entsetzte Kinderschar schreiend ausein­ander. Nur der achtjährige Emil Bracht, Söhnchen des Gast­wirts Herrn Karl Bracht, hatte die Geistesgegenwart, den Mut und die Entschlossenheit, sich längs des Eisbahnrandes niederzuwerfen, dem mit den Wellen kämpfenden Spielgenossen die Hand zu reichen und schließlich den bereits völlig Er­schöpften unter Aufbietung seiner ganzen Kraft den Fluten glücklich zu entreißen. Die bewunderungswürdige Unerschrocken- Keit deS kleinen heldenmütigen Lebensretters verdient gewiß öffentliche Anerkennung.

)( Vom Mittelmain, 20. Januar. Geradezu skanda­löse Zustände herrschen gegenwärtig in dem bei Aschaffenburg