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§ Kaufmännischer Verein. Gestern abend sprach in der „Centralhalle" vor einem, wie immer beim kaufmännischen Verein, sehr zahlreichen Publikum Herr Jens Lützen, Dozent an der Humboldt-Akademie in Berlin, über da8 Thema: „Leben mir am Ende eines geologischen Zeitalters. Von der Schilderung der geologischen Beschaffenheit, Entstehung und Entwickelung der Endformaiionen speziell von Deutschland und den umliegenden Gebieten unter besonderer Berücksichtigung des jeweiligen Tier- und Pflanzenlebens ging Redner auf die mutmaßliche Entstehung der heutigen Gestalt der Erde überhaupt über und entwickelte die in dieier Beziehung von den Forschern aufgestellten Theorien in anschaulicher Wei'e unter Zuhilfenahme einer großen Anzahl gut gelungener Lichtbilder, gleich wie im ersten Teile des Vortrages. Den Ursprung von Gebirgen und Meeren führte Redner auf die durch die allgemeine Abkühlung der Erbmassen entstehende Zusammenziehung und durch innere Hohlräume verursachte teilweise Zu- sammenstürzungen der Erdrinde zurück. So babe man nachgewiesen, daß zur Jurazeit verschiedene große Meere noch nicht bestanden, also erst später durch Nachgeben der festen Erdrinde, analog den auch in neuerer Zeit noch großes Unhei anrichtenden Erdbeben, sich bildeten. Ein Beweis für diese Theorie sei der Umstand, daß sich fast alle Vulkane an den Rändern dieser großen Einbrüche, also an den Meeresküsten, bifinden, sowie das noch jetzt zu beobachtende stete Heben oder Senken vieler Lândcrteile, besonders wieder an Meeresküsten. Höchst interessant war auch die prachtvoll illustrierte Beschreibung der schrecklichsten Vulkanausbrüche in neuerer Zeit, wobei besonders durch den gänzlichen Zusammenbruch der Vulkane und durch das dadurch möglich und tatsächlich vorgekommene Einströmen des Meereswassers in das glühende Erdinnere die ungeheuerlichsten Explosionen bervorgeruftN wurden. Aus diesem Grunde hält Redner den von Amerika geplanten Niagarakanal für ein gewagtes Unternehmen, da dieser Wasserarm durch ein stark vulkanisches Gebiet führe und bei einem etwaigen neuen Ausbruch dieser Kette von Vulkanen das Wasser in diese fließen und die dadurch verursachten gewaltigen Explosionen ganz Nord- und Südamerika auseinanderreißen könnte, wodurch sich das Waffer des großen Ozeans in den atlantischen Ozean ergießen würde. Da der große Ozcan aber ca. 1000 Meter höher liegt als der atlantische, so würde sich das Waffer natürlich auch über alles feste Land aus breiten und wir würden eine Sintflut in zweiter Auflage erleben. Wir wollen aber hoffen, daß wir sie nicht erleben und daß diese wohl etwas gewagte Hypothese Phantasie bleibt und nie Wirklichkeit wird, auch im Interesse unserer Nackkommen. Die Ergebnisse der neueren Forschungen auf dem Gebiet der Geologie einer vergleichenden Zusammenstellung unterziehend, kam Redner zu dem Schluffe, daß wir wohl am Ende eines geologischen Zeitalters ständen und eine Umänderung der Erdbesckoffenheit fick vollziehe, allerdings nicht durch einen krassen, deutlich wahrnehmbaren Ueber gang, sondern durch langsame Entwickelung, wie dies bei allen geologischen Zeitperioden unterer Erde unzweifelhaft der Fall war.
* Weins'jcher Gesangverein. Im Inseratenteile der heutigen Nummer befindet sich das Programm des am 31. d, Mts. im Saale der Centralhalle vom WeinS'schen Gesangverein zu veranstaltenden Konzertes abgedruckt. Das Konzert gebt unter der Mitwirkung namhafter Solisten vor sich.
* Ausgestellt. Das von dem Mester Wilh. Schultz von hier in echt künstlerischer Weise hergestellte Diplom des Vorstandes der Kinderheilstäite Bad Orb, die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den aus seinem langjährigen Wirkungskreise scheidenden Herrn Laudrat v. Baumbach -Gelnhausen betreffend, ist soeben in dem Schaufenster der Hosbuch- Handlung von Altmannsperger ausgestellt.
* * Schwurgericht. Für die nächsten Montag unter dem Vorsitz deS Herrn Landgerichtsrats Stoll beginnenden Verhandlungen des Schwurgerichts stehen folgende Strafsachen auf der Terminsrolle: Montag den 10. Januar: Tagiöhncr Johannes D o n r h e i n von Hanau. Verleitung zum Meineid ; Dienstag den 20., Mittwock den 21. und Donnerstag den 22. Jrnuar: Oekonom Damian Erb von Neuenberg,
Feuilleton.
Deles Philippincutraum.
Eine Penstonsgrschichte von Luise Elster (Schloß Nachod-Böhmen).
(Nachdruck verboten.)
„Dele, liebe, kleine Dele, aber so weine doch nicht so sehr ... fleh doch die herrlichen Rosen . . /
Das Schluchzen wurde ruhiger und die beruhigenden Worte der treuen Freundin blieben nicht ohne Einfluß auf die kleine, hübsche Dele.
Es war aber auch zu traurig. Wie konnte sich dieser Mensch, dieser Riebe, der stets so unmoderne Scklipse trug, auch unterstehen, heute an ihrem Namenstage diesen großen Rosenkorb in das Pensionat zu senden. Hatten doch alle fünfzehn Pensionsschwestern kichernd die Köpfe zusammen gesteckt, getuschelt und gewispert und sich heimlich angestoßen. — Ganz rot war sie geworden und ihr Frühstück, trockene Semmelbrötchen, war unberührt liegen geblieben.
Nein, und abermals nein, sie blieb bei ihrer alten Meinung, er war ein unausstehlicher Mensch und sie haßte ihn dafür, daß er glaubte, sie dermaleinst -anz sein eigen nennen zu dürfen.
Freilich war es schon seit längerer Zeit der Wunsch ihrer Eltern, daß sie Karl Riebes Werben erhören möchte. War er doch der einzige Sohn und Erbe des reichen Brauereibesitzers. Seine blauen Augen, der blonde kleine Schnurrbart und die rundliche Gestalt wollten aber der kleinen Dele ganz und gar nicht gefallen. Er sah so spießbürgerlich aus.
„Schwarz muß er sein, fein, fesch und blaß, einen breiten Schlips und einen Knick in der Hose haben," pflegte sie zu sagen.
Du lieber Gott, das war bei Karl Riebe alles nicht vorhanden, und bekümmert hatten Deles Eltern wahrnehmen
Mittwoch
Meineid; Freitag den 23. und SamStag den 24. Januar: I Schreinergeselle Eduard Barthelmeß, Bauernsöhne Karl und L idwig Blum von Rupsroth, Körperverletzung mit töt- lichem Erfolg.
* etzruttsgesahr. In verflossener Nacht kurz vor 2 Uhr bemerkten patrouillierende Schutzleute durch die Heruntergelaffenen Jalousien des Hotels Lindmbof hindurch einen Hellen Schein, der verdächtig ersehen und ihnen Veranlassung gab, den Besitzer zu wecken. Als man in das Lokal einirat, zeigte sich, daß die am Büffet hängenden Tücher, Servietten to. lichterloh brannten und die Flammen sich an dem Büffet emvorschlängelten. Durch taiki ästiges Einschreiten wurde die Gefahr alsbald beseitigt. Die Entstehungsursache ist unbekannt, das Lokal war eine Viertelstunde vorher geschloffen worden. Jedenfalls hat Ueberheizung oder ein weggeworfencs Zündholz die Gefahr veranlaßt.
Aus dem Gerichtslaa!. Sitzung des Sanaaer Schöffengerichts vom 13. Janaar.
Der Unfug, ohne Laterne zu fahren, hat sich am 26. Oktober v. J. an zwei Radfahrern bitter gerächt. Der Redakteur G. von Alzenau war auf dem Stahlroß in Mühlheim gewesen, der Holzarbeiter K. von Großauheim befand sich auf dem Rückweg von Dettingen nach Großauheim. Letzterer hatte noch seine 12jährige Tochter vorne auf dem Rad sitzen, keiner von den Beiden war mit einer Laterne versehen. Unglücklicherweise herrschte auch noch ein dicker Herbstncbcl, sodaß man nach Eintritt der Dunkelheit keinen Schritt weit, sehen konnte. Gegen Vs7 Uhr kreuzten sick die beiden Radfahrer in der Nähe des Neuwirtshauscs und es gab eine böse Karambolage. Die Zwei rannten gegeneinander und flogen natürlich sowtt vom Rad. Während der Alzenauer Radler noch glücklich m't einigen leichteren Verletzungen davonkam, flog der Großaubeimer mit dem Kopf so unglücklich gegen einen Telegrap'enpfosten, daß er blutüberströmt besinnungslos liegen blieb und mittelst Krankenwagens vom Platze geholt werden mußte. Das bei dem Zusammenstoß zuerst vom Nrde gerissene Mädchen kam auch mit einer leichteren Verletzung davon, sein Vater aber will einen Sprung der Schädeldecke erlitten und den Geruch verloren haben. Das Unglück wäre vermieden worden. wenn die Unvorsichtigen die polizeiliche Vorschrift erfüllt und Laternen mitgenommen hatten. Jetzt hat zum U-berfluß euch noch einer gegen den andern Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung gestellt, außerdem sind sie angeklagt wegen Uebertretung der Radlahrerord- nuna. Als der am meisten Schuldige wird gerichrsseitig der Großauheimer Radfahrer angesehen, da er auch noch so unvorsichtig war, seine Tochter auf das Rad zu setzen, wodurch er überhaupt nichts mehr sah. Weil er aber dir schwerste Verletzung davantrug, fällt auch seine Strafe nickt b-ober aus wie die des Mitschuldigen. Beide werden zu je 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. — In der Nacht vom 7. zum 8. Dezember ging die bisherige Freundschaft zweier Schlossergesellen aus Eifer- iucktsgründeu in die Brücke. Airs gegenseitig hervorqesidßtnkü Beleidigungen wurden Tätlichkeiten, die in der Hirschstraße durch das Dazwiichentreterr der Schutzleute endeten, bevor sie noch einen ernsteren Charakter annahmen. Den beiden Streitenden wurden Strafmandate wegen groben Unfugs übermittelt, wogegen der Josif M. Einspruch erhob, weil er der Angegriffene sein will. Da sich dies als wahr erweist, erfolgt seine Freiprechung. — Der Inhaber des Slraien-Rcinigungs- Jnstituts W. ist der Bclcidigung eines Schutzmannes ange- Nagt, welche in einer an das Königs. Landrmsamt gerichteten Bejchwcrdeschrift verübt sein soll. Dem Angeklagten wird aber der Schutz des § 193 des R.-Sir.-G.-B. zu gebilligt und er deshalb freigelprochen. — Der Gelegenheitsarbeiter L. hatte sich am 1. Dez-mLer schwer bekneipt und verübte in diesem Zustand allerlei Allotria, zum großen Gaudium des zahlreich folgenden Publikums. Zwei Schutzleute sahen sich schließlich genötigt, den total Betrunkenen in Polizeigewadrsam zu bringen, wobei unterwegs der übliche W'derstand und die Bcleidiaunaen folgten. Urteil: 18 Taae Gefängniß und drei muffen, daß, sobald sich Karl Riebe Dele näherte, diese ein überaus schnippisches Wesen zeigte unb die Gewohnheit hatte, über ibn forlzusehen!
„Wenn sie mich doch nur ein einziges Mal ansehen wollte," meinte Karl Riebe dann traurig, aber jede Ermahnung der Mutter fruchtete nickt? und schweren Herzens entschlossen sie sich, Dele in Pension zu geben.
„Laß sie nur erst unter fremde Menschen kommen," meinte der Vater, „sie wird sich schon besinnen unb verständig werden."
Nun war sie schon drei Monate in dem dicht von Wald umkrânzten Tale. Idyllisch lag die Villa Mary, in welche daS Mädchenpensionat des Fräulein Ludmilla Hartmann sich befand, am Ende des Ortes. Eine Forstakademie, auf welcher frische, schneidige Jünglinge ihre Studien vollenden sollten, befand sich zur größten Beunruhigung der Pensionsvorsteherin in nächster Umgebung und es bedurfte der ganzrn Strenge und Wachsamkeit des alten Fräuleins, die ihr anvertrauten jungen Mädchenblüten vor den neugierigen, zudringlichen Blicken junger Forststudenten zu schützen.
Es geb oft Gewittersiürme in der Villa Mary, wenn sich ein oder die andere Pensionärin gar zu auffällig dem Fenster näherte, sobald sich eine sogenannte „Weißmütze" blicken ließ.
Seufzend hob sich dann die jurge Brust und ein wenig freundlicher Blick traf die Hüterin dieses Tempels.
Dele hatte sich schnell hier eingclebt. Der stets ungebundene und lustige Verkehr zwischen den Peustonsschwestern hatte ihrer bekümmerten Seele wohlgetan. Hier konnte sie lachen, scherzen unb tollen. Der Tennisplatz war ihre ganze Seligkeit. Nur selten noch gedachte sie der treu blickenden Augen Karl Riebes. Im Anfang waren häufig Ansichtspostkarten von ihm gekommen, aber karg hatte sie diese beantwortet. Sie wollte Ruhe haben vor diesem zudringlichen Menschen.
Und nun heute dieser prächtige Rosenkorb l
„Komm Dele," sagte die Freundin liebevoll. „Wir bringen den Rosenkorb hinaus. Wenn Du ihn durchaus nicht sehen magst, setzen wir ihn auf den Boden . . . freilich, schade
14. Äoniiüf,
Tage Hast. — Der Taglöbner F. erschwindelte sich von dem Kantinenwirt der Ulanenkaserne. unter unwahren Angaben 3 Mk. Unter Berückncht'gung der Vorstrafen wwd auf zwei Wacken Gefängnis erkannt. — Der Taglöhner S. hier hatte am 26. Oktober in einer Wirtschaft der Lamboystraße einen Ulan besucht, dabei ordentlich gezeckt und wurde schließlich gewahr, daß seine Barschaft zur Begleichung der Zeche nicht ausreickte. Als er zur Sicherheit seinen Hut oder'Stock da- loffen sollte und hiermit nicht einverstanden war, geriet er mit dem Wirt in Wortwechsel, dkssen Schlußeffekt darin bestand, daß der zahlungsunfähige Gast vor die Tür ge'etzi wurde. Bei dem hierbei stattgehabten Etraufe wurde bem Wirt die goldene Uhrfette abgerissen, welche der S. nachber in der Hand hatte. Vorher war auch S. infolge eines Stoßes gegen eine Söul^ geflogen, sodaß er einé erhebliche Verletzung am Hinterkopf dovonirug. S».ging won da in eine andere Wirtschaft, zeigte die Ubrfette und sagte, eè behalte dieselbe bis zur ausaelragenen Sache. Jnzwi'chen hätte der erste Wirt einen befreundeten Ulan zu S. geschickt mit dem Ersuchen, die Kelte heraus zu ^eben. S. ging auch mit dem Ulan zurück und geriet m:t dem Wirt, der auf ihn wartete und ihm die Kette abnehmen wollte, nochmals ins Handoemenge. Der S. blutete stark, wurde schließlich von der Ulanenmadie in Gewahrsam genommen unb dort auch ver- bil iden. Er ist heute des Hausfriedensbruchs um des Diebstahls angeklagt. Bon b-r letzteren Anklage rechtfertigt er sich jedoch vollständig und wird hiervon fre^eiproben, wegen des Hausfriesenröruch« wird er zu 6 M. Geldstrafe verurteilt. — Der Steinhauer St. von Höhst a. M. soll sich des Betrugs schuldig gemacht haben, weil er sich bei einem Gastwirt unter Verschwcianng seiner Mittellosigkeit eirquartierle unb ohne Bezahlung verschwand. Es stellt sich heraus, daß der Angeklagie hier Arbeit bekommen hatw, diese jedoch besonderer Umstände halber nicht antreten konnte. Der Ange- k.taate wird sreigeiprochen. — Zwei Bettler erhalten 2 bezw. 3 Wochen Hait. Einer von ihnen wird auch der Landes- pslizcidehörde überwiestn.
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Aus jNab und fern.
Câffel, 13. Januar. Heute Mittag gegen V83 Uhr drang, wie. das „Tageblatt" berichtet, der in der Kreuzstrase wohnende Noßschlachter und Fahrbmsch Carl Odenbach in das Haus Nr. 8 in der Mönchebergerstraße ein, in welcher sich seine schon seit mehreren Tagen bei eirer daselbst wohnenden Frau aushielt. Da die Frau der Aufforderung des O., m't ihm nach ihrer gemeinschasilichen Wohnung in der Kreuzstraße zu gehen, Widerstand entgegenfe^e, zog der Erbitterte ein Tasckeuterzerol beroor und jagte seiner Frau aus demselben ein 6 mm Geschoß in den Kopf, so daß dieselbe sofort zusammenbrach und später nach bem Landkrankenhause geschafft werden mußte. Der Täter verfaßte, sich der ihm drohenden Ergreifung durch die Flucht zu entziehen, wurde aber, dank der Findigkeit unserer Kriminalpolizei, bereits eine halbe Stunde später in der Nähe des Untersta'ibabnhoses festgcnommkn M2, geleitet durch eine nach Hunderten ) âhlènde n Wnge^utanWr Polizei-Gewahr'am gebracht. Unterwegs versuchte derselbe allerdincS mehrere Mrle zu entfliehen und sich gegen die ihn geleitenden Schutzleute zur Wehre zu setzen, doch gelang es denselben, den Erregten in der Gewalt zu behalten und in den Polizei'aewabriam abzuliefern.
Wächtersbach, 10. Januar. Am Donnerstag entfernte sich der frühere Buchhalter des Gutspächters Beyrich und Rechner des hiesigen Raiffeisenoereins, Billeb, aus feiner Wohnung mit dem Anqebkn, er müsse noch einmal nach dem Hof sehen. Da er nicht wirderkehrte, gingen feine Angehörigen auf dir Suche und fanden endlich gestern nachmittag, wie schon kurz berichtet, den Unglücklichen auf einem Boden erhängt vor. Btllrb bat mit seiner Doppelstellung als Rechner des Darlebns- kassenvereins und als Buchhalter des Gutspâchters Beyrich eine große Verantwortung getragen, die ihn in der jetzigen Zeit deS Konkurses auch bedrückt haben maa. Seine Stellung ließ ihn jedenfalls schon früh die ganze Affaire durchschauen und wenn er die eine Schranke durchbrochen und seine persèn- MPWgyilWlgHBI^BIHI'WIIMRaWMBMilfflgasaa!^^
ist es um die herrlichen Blumen . . . ich würde ja selig sein, wenn mir eine solche Aufmerksamkeit einmal zuteil würde. Aber ich bin ja häßlich," meinte sie dann betrübt, „meine lange Nase und die strohgelben Haare — ach, ich werde sicherlich eine alte Jungfer, ich muß die Göhren meiner Geschwister mal großwarten und ihnen a’S alte Tante Strümpfe stricken und die zerfetzten Höschen flicken."
Dele vergaß all ihren Kummer über das gar so traurige Gesichtchen ihrer treuen Freundin und hell auflachend meinte sie: „Gertrud .... Goldmops, fei nicht so traurig. Du sollst Karl Riebe heiraten, ich gebe ihn Dir gern .... hier nimm die Rosen .... trag sie auf Dein Zimmer . . . ."
Es half alles nichts. Gertrud mußte ben herrlichen Rosenkorb nehmen und erleichtert verrichtete Dele ihre häuslichen Arbeiten.
Ihre Gedanken waren nicht dabei. Wo mochte jetzt wohl der schlanke, schwarzlockige Philippiner weilen? War er heute früh zur Vorlesung in die Akademie gegangen? Ganz auffallend zeigte er, welches Wohlgefallen er an ihr fand. Freilich waren feine Huldigungen meist sehr kühn und Fräulein Ludmilla Hartmann richtete ganz besonders ihr Augenmerk auf den „schwarzen Wilden", wie sie sagte.
Kühn und wohlgezielt flogen Rosensträuße in das offene Fenster, was zur Folae hatte, daß alle fünfzehn Pensions- schwrstern wie wilde Wölfe darüber herstürzten und eine jede die Blumen als ihr Eigentum verlangte.
Empört über diese Unverschämtheit, gab Fräulein Hartmann den Befehl, die Fenster stets tagsüber geschloffen zu halten, und seufzend saßen die jungen Seelen da und durften nicht die Köpfchen recken, wenn auch ein ganz energisches Räuspern zu vernehmen war.
„Rein, wie eine weiße Lilie muß die Seele einer Jungfrau sein," belehrte dann meist Fräulein Ludmilla ihre junge Schar. „Es ist unschicklich .... indeed . . . "ach leichtfertigen Studenten auszuschauen."