Zweites Blatt.
Hanauer U Anzeiger
««MgSSrei».'
W-rtSiStzrKch 1,80 M., mouatlich M PfK, für «» WSntM «bonneutea mit dem heireneudeu PoKmsichiax, Die diydne Nummer tostet 10 $fg.
General-Anzeiger
WruLLuugSgrSütze
Tür Stadt. uss Laudkrei, H-ms, 16 Mg. di« Saf» SffpÄtvuPetitzvl. eta deren Raus, für AuSsäM LS Pstx.,
®*™S Mtd verlegt in der Buchdruckerei SÄ eetis, ev. WmiMhaujeS in Haruru.
Amtliches Organ für Andt- und FaMreisHanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mü belletristischer Beilage.
M ÄeSataaiti)«! tw A«Ue 25 P^ jLr BuSbööS 35 Ptg,
Vsslüwsrti. ftoa’tent: S. Schratt«« tu H«r«l,
Wt» 306, Fernspreäilmschluß Nr. €05»
Samstag den 31. Dezember
Fernsprechanschluß Nr. 605
1904
„Amtliche Beilage" Nr. ÄS.
Amtliches.
Candkreis Danau.
Bekanntmachunsien deß KönW. Landralsamies
An der evanaestichen Volksschule in Großauheim ist zum 1. April 1905 eine neugegründete Sehrerftelly zu bejetzen.
Das Grundgekalt der Stelle befragt 1200 Mark, der Einheitssatz der Alterszulagen 150 Mark und die Miels- entschädigung 300 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche binnen 4 Wochen dem Herrn Ortsschulinspektor Pfarrer Lambert in Hanau rinreichen.
Hanau den 28. Dezember 1904.
Namens des Königl. Schulvorstandes.
Der Königliche Landrat.
V 9121 v. Beckerath.
Stadtkreis Ban au, BekanntmaÄnna.
Bei der hiesigen Stadtverwaltung ist sofort eine KtMzlisten- Mt zu besetzen.
Geeignete Bewerber, welche Fertigkeiten im Stenographieren ^chesitzen, wollen ihre Bewerbungsgejuche alsbald an uns ein- rrichen.
Gebalt 1000 Mk.
Hanau den 30. Dezember 1904.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus- 24214
Bekanntmachung.
Arbertfttchsnde in der Zeit vom 24. bis 30. Dezem- Her d. Js.:
1 Schrein,i',
2 Buchbinder,
1 Steinhauer,
1 edabrbu»sche,
1 Tagelöbner.
Hanau den 3L Deiember 1904.
Siadttsches Arbeitsamt. 24261
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Feuilleton.
Zum ucucil Jahr!
Hanau, 31. Dezember.
ES' steckt noch ein Duften von den Weihnachtstagen her in den Zimmern, ein Duften von angeknisterten Tannen- zweizen und verbrozzelten Aevfeln in der Ofenkachel, deren sich der gequälte Maqen durchaus nicht mehr erinnern will.
Der Magen erinnern? Ja so. . . Es gibt ein altes Märchen von einem vielgeprüften Menschenmagen, der infolge einer höheren Fügung die Fähigkeit besaß, sich zur Nachtzeit von seinem rechlwätzigen Besitzer zu betagteren und mit diesem eine Art Fehmgericht abznvaltrn, in dessen Verlauf er dem Armen eine solch' erdrückende Last von Sünden und Verbrechen gegen dieses sein kostbares Besitztum nachwirs, dqßbe- fagn-r Beider einen reuip-n Schwur tat, nie und n mmer mehr — Wenige tage‘darauf hatte er den Schwur schon »evrochen, denn es kamen Furiose, und der betrogene Magen hat sich futchibar gerächt. Dieses naive Märchen wiederholt sich im Leben noch tausend- und tausendmal, ein wenig variiert meistens, aber immer* mit dem gleichen Sch luß: — dat sich furchi?ar gerächt. Man ist so empfänglich für Märchen zwischen den Jahren, denn Wahrheiten lischt unS das Leben im ganzen Jahre nur allzureichlich auf, bittere und schwerverdauliche übergenug.
Wer je nach der schweren oder leichteren Bürde, die das Geschick ihm auflud, am Siloeslertag mit einem schwereren oder leichteren Seufzer stille steht, sein Bündel in die Ecke wirst, sich, einen einwandfreien Neujihrs-Punsch vorausahnend, mit dem Handrücken über den Mund fährt und einmal alle die geraden und verschlungenen, glatten und holprigen W ge, die er gegangen, von der Höhe der Jahreswende aus ansieht,
HandelsregWe«.
Firma Adolf Kotz in Hanau: Die F'rma ist hier er- lo dien, da dieselbe nach Frankfurt a. M. verlegt worden ist.
Hanau den 29. Dezember 1904»
KönialiHes Amtsgericht 5» 24190
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Schuhmachers boief Gerlinst in Hanau wird, nachdem der in dem Vergleickstermine vom 14. Dezember 1904 angenommene Zwanasvergleich durch redtSfraftipen Beschluß vom 14. Dczember 1904 bestätigt ist, hierdurch aufaeboben.
Hanau den 29. Dezember 1904.
Königliches Amtsgericht 5. 24189
Im Namen des Königs.
In der Strafsache gegen den Weißbindergrlellen Peter Wilhelm Simon in Niedern odenbach, geboren am 10. September 1881, evangelisch, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 13. Dezember 1904 an welcher teilgenommen haben:
AmlSgerichtsrat B o h n ö als Vorsitzender, Metallp-obierer August Fleischmann aus Hanau, Ackermann Adam Reuter aus Großauheim, als Schöffen, Amisanwalt Engler, als Beamter der Staatsanwaltschaft Assistent Dilling, als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt:
Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung des Hilfsbabnwärters Johann Ruth in Ni-derrHenbach zu fünfzehn Mark Geldstrafe, hilfsweise für je fünf Mark ein Tag Hast, verurteilt, auch fallen ihm die Kosten des Verfahrens zur Last.
Zugleich wird der Eisenbahndirektion ru Frankfurt a. M. die Befugnis zugesprochen, den verfügenden Teil des Urteils, inner- balb zwei Soden nach Rechtskraft, auf Kosten des Angeklagten durch einmalige Einrückung im „Hanauer Anzeiger" zu veröffentlichen.
(gez.) Bohn ^
Ausgefertigt unter Bescheinigung der Rechtskraft.
Hanau den 21. D'zember 1904.
(L. S.) <h eß l er. Aktuar, 24259
als Gerichtsschreib-r Königl. Amtsneriebts. Abt. 4.
der wird sich nicht wenig wundern, wie fahl und wie dunkel die Strecken waren, die er durchschritt. Und glücklich, wenn darin hin und wieder wie ein paar verflogene Falter leuchtende Erinnerungen auftauchen, die seine Gedanken freundlich und ausheiternd umschweben, daß sie die Schatten nicht mebr jeden, die aus den Tälern emporzuwachsen droben. Glücklich, unschätzbar glücklich diese Bevorzugten.
Der Weg war lang, die Pmde unbekaniü- ®rcibunberllünfimbiedj^ Wandertage Durch blühende Wiesen, über Heideland, Nrchttiefe Schluchten, drin mit hohler Klage
Die Sunde baust; hoch über Kelsenhöhn.
D e dicht in ziehenden Wetterwolken steh'n.
Auf sckmalen Pfaden, bert am Bcrgcsbono,
Am meerumschäilmten Dünen rand entlang.
Gin, De'ne Wanderschaft tagein, tagaus.
Der Weg war lang — nun ruh' Dich lächelnd mis.
Du lehnst Dich schwer auf Deinen Wandernab
Und staunst, wie hoch die rote Flamme lobt
Zur Jahreswende. Was die Zeit Dir gab
An eitlen Wünschen, was baS Jahr Dir b»t
An HoffnungS'chiackcn, imgcnüuten Lehren,
Sa i‘ c? vom glühende J-lammenstos; verzehren, Wein', wenn das letzte Scheit öcrinifternb brach.
Den toten Wünichen eine Träne nach. —
D - wftst nicht iniibe, in die Glut zu blicken,
Die Dir das Auge blendet. Fühlst Du nicht
Sich weiche Listen auf die Stirn Dir drücken? Wer tut Du. iunie5 Weib? - Die Zuversicht!
Die Z'ivc-sicht! Du sin'st behend ans's Knie
Und füfft der zarten Schönen ra'ch die Hände:
Du warst's, die mir beim Wandern straft verlieh, Bleib' Du mir treu bis an des Weges Ende 1
Da schlägt ein helles Lachen an Dein Obr. - .
Sieb', meine Schwestern' tagt die Zuversichtr ;
Die Menschenliebe hier, die Herzensvfl cht, Die wahre Lebensfreude, der HumorI —
Und icbe schlingt um Tuch ben wesim Arm
Und chre Lippen, weich und lebenSwarm,
Fühlst Du auf Deinem Mund ..,
Im Namen des Königs!
In der Strassacke gegen den -MetzqeriMster Levi Stylit in Wachen buchen, geboren am 30. April 1853 in Binb- iachien, toei§ Büdingen, mosaisch, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 6 Dezember 1904, an welcher teilgenommen haben:
Amtsoerich'srat B o h n « als Vorsitzender, Meiallprobierer August Fleischmann aus Hanau, Ackermann Adam Reuter aus Großauheim als Schöffen,
Amtsanwalt Engler als Beamter der Siaaisanwaltschaft, Msissmt Dilling als Gerichtsschreiber,
für Recht erkannt:
Der Angeklagle wird wegen öffentlicher Beleidigung zu zwanzig Mark Geldstrafe, hillsweise für je 5 Mark 1 Tag Gefängnis verurteilt, auch fallen ihm die Kosten des Verfahrens zur Last.
Zugleich wird dem Beleidigten, Gendarm Voigt vor Kilianstädten, die Befugnis zuoe^prochen, den entscheidenden Teil des Urteils innerhalb zwei Wochen nach Rechtskraft durch einmaliges Einrücken im „Hanauer Anzeiger" und „Hanauer^ Zeitung" auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen.
fge^.) Bohnö.
Ausgefertigt unter Bescheinigung der Rechtskraft.
Hanau den 14. Dezember 1904.
(L.S.) Keßler, Aktuar, 24260
als Gerichtsschreiber Königl. Amtsgerichts, Abt. 4.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Verloren: 1 hellgelbes ledernes Zigarrenetui mit Zigarren, jedenfalls in Ängendiebach (Wütjwafl Dückhardt^ oder auf dem Wege von dort nach Hanau, gegen Belohnung abzug^bcn.
Hanau den 31. Dezember 1904.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Eafsek.
S i ei n au. Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung der 'in der Gemarkung Ste-nau belegenen, im Grundbuche von Steinen zur Zeit der Eintragung des VersieigerungevermerkeS auf den Namen: 1) des Schuhmachers Heinrich Linkersdörfer und dessen Eheftau, Marie, geb. Heid, 2) der Anna Marie Linkersdörfer (Adams Tochterh zu Steinau eingetragenen Grundstücke besteht, sollen diese Grundsiücke am 2. Februar 1905, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Steinau versteigert werden
Da best die Runde Und dröhnend kündet die SUoeiierüunde Den neuen Taq. das neue J'hr der Welt, ein Übermädt’ner Sternenpl-nz erbelll Das weite?an» und iu’ elnb sckwilli umher .
Andächl'ger G oden brausend Tönemeer, Es iau-Szt die W [t, da mit beherz em Schritt Lächelnd das junge Jahr in's Leben tritt. —
Schau' weit umher! Auf einen Augenblick Ciehu du der Zukunft Wege oren l:e eu. Siehst sie im Sicfit beä neuen Tags. Und weit zurück Die Hoh'n, auf denen du empmgemegen. In Nacht nersunken. Wirst du höher steigen? Wirst eud ich du d>8 Saulenter erreichen? — Frag niest! Tief hüllt in ihrer Nebel Flor Sich gleich die Zukunft, dichter als zuvor.
Mau muß schließlich jedem feine Fasson lassen, das neue Jahr zu beginnen und darf die Geschmacksrichtungen nichts allzusehr kritisieren, die je nach Individualität und Neigung des Fkierndei« Verhallen bestimmen. Dem einen ist eS Bedürfnis, im K-eise gewichtiaer Männer beschauliche Reden von Stapel zu hffen ober solchen räu'pend mit bedächtigem Kopfnicken z» lauschen; andere fühlen sich gedrungen, die kritlsche Stunde in der Nähe schöner Frauenaugen zu erwarten, werden kanfuS, halten Lobreden auf den deutschen Siutzweck und erzählen ihtt nnigsten Geheimnisse mit Vorliebe aller den Mitmenschen, die daS geringste Jnter<sse dafür haben, wieder andere fangen M ftühzcitig an, ihren Grog zu triefen, werden vom sechsten Glas ab sentimental, ringen dem Klavier oder der Zither nrimmernoe Volköwei'en ab, kriegen schließlich das heulende Elend und wollen in bieiem beklagenswürdigen Zustand abolut alle Menschen küssen, denen sie Geld schuldig sind Ober werden wollen. Noch andere glauben die Keleaenheit nicht verpanen zu dürßn sich als Weise änsz"geben; sie schimpfen mit verdächugem ü;ifer auf den Mißbrauch allsholischer Getränke in der NeujahrS- nadt, schwören, daß keine Macht der Erde sie bestimmen könne, sich an so ch' abscheulichem Zeug, wie Punsch und seine Abarten, den Dtagen zu verhunzen und versichern au-enk-Lu»,