Erstes Blatt.
Hanauer W Anzeiger
«atajiihrlich 4,80 M., ownarlich 60 Piz., für ai* MÜUgr Abonnenten mit ban brtrefjardni Postaufschlag. Die euyetoe Nummer lostet 10 Pf«.
Erdrückt und verlegt in der Buchdrucker« bei verein, es. Waifachauf«» in Hamru.
Gtneral-Anzeigcr
Amtliches Grgm für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt» unb 8attMtei8 Hauru tO Pfg. die fünf« gespLiteuePititzvIe eher daeo Raum. für LuswLrttlS Pfz„ im SiellamenchrU die Zeile 25 Pfg„
St MurmärtS 86 Ug.
Vettwtworü. Redakteurr 6. ©Reeder m He«««.
Ar. 291
FelMrechans kluß Nr. 605,
Dienstai ben 13. Dezember
Ferniprechanschluß Nr 605,
1904
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Auf Grund des § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881 betr. die Anführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen sind als Schiedsmänner zwecks Schätzung des gemeinen Wertes der auf polizeiliche Anordnung getöteten oder nach dieser Anordnung an der Seuche gefallenen Tiere für den St^tkr-'s Hanau die Herren
1. Rentner Philip Föll,
2. Metzgermeister Andreas Schindler und
3. Bierbrauereibesitzer Friedrich Baader hierselbü für das Jabr 1905 wiedergewählt worden. Hanau den 12. Dezember 1904.
Königliche Polizei-Direktion.
V 9931 v. Beckerath.
Landkreis hanau.
MmmtumchsMeli oeß König!. Landratsamtes.
Nach Mitteilung des Königlichen Polizei-Präsidiums zu Frankfurt a. M. ist in B o n a m e s die Schweinerotlattf- seuche erloschen.
Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden. Hanau den 12. Dezmber 1904.
Der Königliche Landrat.
V 8718 J. A.: Conrad, Kreisiekretär.
Grmrdstücksv erkauf.
Die dgmänenfiskaliichen Parzellen Kartenblatt K Nr. 2iö, 276, 277 und 391/278 der Gemarkung Marköhel von zusammen 1,730t ha Größe mit den auf der letztgenannten Parzelle stchenden Hirzbacher Vorwerksgebäuden, nämlich ein Arbeiterwodndaus und ein Scheunen- und Stallgebäude, sollen am Montag den 19. d. Mis., vormittags von 9*/» Uhr av, in der Wirtschaft von Wilhelm Stroh in Hirzbach öffentlich meiübie'end unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen verkauft werden.
Hanau den 10. Dezember 1904.
Reinhardt,
Domänen - Rentmeisler. 23193
Bus hanau Stadt und Land.
Hanau den 13. Dezember.
Historische Gedenktage.
13, Lezbr. 1683 starb Anna Sophia, Prinzessin vou Hessen - Darmstadt, Tochter des Landgrafen Georg II., Äbtissin zu Quedlinburg, 45 Jahre alt, eine fromme Dichterin.
13, Dezbr. 1794, Vollendung der neuen Brücke über die Fulda zu Cassel.
* Auszeichnung. Seine Königl. Hoheit der Groß- herzog von Hessen und bei Rhein haben dem Lokomotivführer Wilhelm Schmutzler in Hanau das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Rur treue Dienste" verliehen.
* Louis LauSau f. Aus Pforzheim wird berichtet: Einem Herz chlag erlag ganz unerwartet Herr Louis Landan, ein in hiesigen Bijouteriekreisen wohlbekannter Steinhändler, der sich seines gelassenen ruh-gen Wesens und seiner geschäftlichen Tüchngkeit wegen in der hiesigen Fabrikantenwelt wohlverdienter Beliebtheit erfreute. Herr Lindau, ein anoehender Fünfziger, war anscheinend das Bild eines gesunden Mannes, bei dem man kaum vermuten konnte, daß seinem Leben so bald tin Ziel gesetzt sein sollte.
• Für Reiseluffiae. Die französische Mittelmeerbahn hat e,«e hübsch ausaenanete illustrierte Broschüre über die Rivitzra, Algier und Tunis heraus gen eben, welche vom Reise- bureau I. S ch o t t e n f e i s u. C i e., Zentral-Hotel und Englischer Hot gratis zur Verteilung gelangt.
• Stadttheater. Das morgen als Uraufführung in Ehene gehende cinakliie Lustspiel der bekannten Tragödin tlnna Haverland : „D i e gnädige Frau ist nicht zu Hauke" zeichnet sich durch eine originelle reizende Handlung und durch einen liebenswürdigen Humor aus und wird dem Wichen Merkchen sicherlich eine warme Ausnahme zuteil werden. DaS darauf folgende Lustspiel Sardon's: »lkyprienne" bildet seit Jahren eines der beliebtesten und keßen Repertsirstücke und dürfte auch morgen wieder verdienten Beifall finden. Ueber die Verwendung des Reiner- lrags dieser Vorstellung wird der Kassierer, Hr. Kempf - Vam- Kerger, auf Wunsch nähere Auskunft erteilen.
* Gefchichtsverein. (Monatsversammlung vom 12. Dezember 1904.) Herr Stadtbaurat a. D. T h y r i o t sprach üb-r Verkehrs- und Gewerbezustände in Hanau. Er versetzte seine Zuhörer zwei Menschenalter zurück und beschrieb die Ende der 30er bezw. Anfang der 40er Jahre des verfloss-nen Jahrhunderls vorhandenen Transportverhältnisse von Personen und Gütern. Diesen Zut- abschnitt hatte er um deswillen gewählt, weil in ihm infolge dir politischen Ereignisse der 1830er Jahre ein vorher un- gekannnter Aufschwung in Gewerbe und Industrie entstand, der durch die unmittelbar anschließende Zollgemeinschaft zwischen Bayern, Württemberg, Sachsen und den Thüringer Staaten im Jahre 1834 und dann von Nassau, Hessen- Homburg, Frankfurt a. M. im Jahre 1836 geordert wurde. Dieser Aufschwung hatte naturgemäß das Bedürfnig nach Verbesserung und größerer Vervollkommnung der Betriebs» einrichtungen geweckt und es sollte Und konnte dasselbe befriedigt werden durch die inzwischen möglich gewordene Anwendung der Dampfkraft. Die erste Abteilung des Vortrags hat uns dann die Freuden und Leiden des Marktschiffes vorgeführt und anschließend persönliche Erlebnisse beschrieben. Es beförderte Personen und Güter zur großen Zufriedenheit der Teilnehmer und Auftraggeber, es stellte aber, nachdem im Jahre 1842 die ManidampfschiffahrtS- Geiellfchaft mit den Dampfern „Ludwig" und „Der Verein" eine regelmäßige Bootfahrt von Mainz bis Bamberg ausgenommen hatte, im Jahre 1847 den Betrieb, nachdem es denselben 240 Jahre ausgeübt hatte, gänzlich ein. Die Dampfer erregten gewaltiges Aussehen und Calaminus gibt im Jahre 1843 demselben wie fo'gt Ausdruck:
„Der Dampfer schäumt, ein schwarzer toller 66er,
... * durch des Mauies blanke 81m, Haut links und rechts sich schäum'ge Gräber Im Wovensebwall mit Wut.
Zum flache». Strand Aü^zlschi der Sand.
Gepeitscht von dem gräulichen Ungetüm, Die Wirbel ächzen hinter ihm."
Nach einem sechsjährigen Betrieb veröffentlicht die Maindampf- schiffahrtsgesellschast eine in 108320 Fabr"unden erfolgte Beförderung von: 6 72 832 Per'onen, 224 Reifewaaen, 2 977 Tiere 208299 Zentner Güter,3791 831 Gulden Barsindungen, die Gelamtunnabme betrug 869 290 Gulven 45 Kreuzer. Diese zur Zeit günstig erscheinenden Verhältnisse wurden aber schon im Jahr 1844 erichüsiert durch' die am 28. Juli erfolgte Landesherrliche Genehmigung der Anlage einer Eisenbahn nach Frankfurt a. M., die tatsächuch am 10. September 1848 und von Hanau nach Aschaffenburg am 22. Juni 1854 in Betrieb genommen wurden. Am 11. März 1858 stellte der Verwaltungsrat der Dampsschiffahrtsgesellschaft den Antrag auf Austösung, welch letztere denn auch am 16. November 1858 erfolgte. Neben Marktschiff, Dampfboot und Eijenbahniransport bestand noch eine vierte Beförderungsanstalt „Die Post", w-lche unter der Bezuchnung „Kurfürstlich Hessisches Postamt" erst seit dem 29. Juni 1816, nachdem die Rheinbundstaaten ihre Selbständigkeit erlangt, als Landesanstalt einen vielseitigen Betrieb übernommen hatte. Vorher wurde sie durch die Turn- und Taxis'sche Verwaltung betrieben. Die Fahrpsst beförderte Personen und Briefe nach Süddeutschland und^Achweiz täglich 12 Uhr mittags, die Ankunft von da erfolgte 11 Uw abends, Nach Norddentschland, Polen, Rußland, Abgang abends 6 Uhr, Ankunft morgens 8 Uhr. Nach dem LAederrhein, Naffau, Nrederlanden und England Abgang mittags 12 Uhr und abends 7 Ubr, Ankunft abends 7 Uhr. Nach Frankreich, England und Spanien, Abgang mittags 12 Uhr und abends 7 Uhr, Aukunft abends 8 Ubr. Die Pack wag en fuhrennnd besorgten die Belörderung der Pakete, ein über den andern Tag; die Per- sonen-Besördciung erfolgte vermittelst der 1825 eingeführten vierspännigen Eilwagen täglich lO8^ Uhr abenbä, nach Süddeunchland aber nur Montag, Mittwoch und Donnerstag abends 7 Uhr. Die Turn- und Taxis'sche Postverwal- tung hatte vertragsmäßig das Recht der Durchfahrt durch Kur- heffen und zablre für Benützung der Straßen und Brücken eine entsprechende Summe. Die Fabrpost befand sich mit ihren, Wagenpark und <£kU Landstraße 81 und 85. Briefe und Zeiiungen wurden auch durch eine besondere einspännige Gelegenheit „die Kariolepost" besorgt und außerdem bestanden noch besondere Packwagen mit Koudnkteuren, die extra Freitag und Mittwoch mittags 12 Uhr nach Nord- deutschland fuhren. Die ersten Brieskasten mürben im November 1849 eingeführt. Gewöhnliche Briefe inS Ausland konnten nur bis zur Grenze frankiert werden. Briefe und Pakete in i t G e l d i n h a l t mußten offen bleiben und durften erst nach erfolgter Vorzäblung am Postjchalter geschloffen werden. Fr<imarken wurden am 1. Januar 1852 ein geführt. Ueber den Gütertransport anf der Landstraße sowie bem« reuigen auf dem Main wurde in interessanter Weist Mittei
lung gemacht und mit dem WuniLe nnd der Hoffnung, baß mit der geplanten Ausführung des Mainhafens gleich rege Bilder des Handels und Warenverkehrs entstehen möchten, die erste Abteilung des Vortrags geschloffen.
In der zweiten Abteilung erfuhren wir, daß am Ende der 1830er Jahre 1508 numerierte! Gebäude und 15 000 Einwohner in Hanau gezählt, baß zu dieser Zeit eine vorher nicht "etannte Entnück-lung der Industrie und wie schon gesagt ein allgemeiner Wohlstand herrschte, hervor- gerufen durch besondere Ereignisse. So war am 5. Januar 1835 das Stoatsgrundgesetz ins Leben getreten, am 24. Oktober 1834 die Gemeinde- ordnung, welche in glücklicher Weise die seither getrennten Verwaltungen der Neuen und Alt-n Stadt Hanau vereinigte, die Verbältniffe und den Geschäftsbetrieb vereinfachte, eine gleichmäßige Vertsilung der Gemeind-abqaben herbeiführte unter einem einheitlichen Oberhaupt, dem Oberbürgermeister. Endlich aber und hauptsächlich war es die Z s I l g e m e i n s ch a f!, bereit Vereinigung von Bayern, Württemberg, Sachsen unb Thüringer Staaten 1834 und Baden, Nassau, Homburg und Frankfurt a. M. 1836 günstige Handelsverbästnisse herbei- füyrlen, gestützt durch die ehrliche Absicht der Fabrikanten und Gewerbetreibenden, in jedem einzelnen Falle die Waren in Material und Ausführung auf die denkbar höchste Stufe zu brinaen. ES wurden nunmehr als besonders erwähnt und eingehend beichrieben folgende B-triebe: Gold- und Silber- schmiede, Seidenfabriken, Teppichfabrik, Wolliuchw'bereien, Woll- sirumpfwebereien, Hutfabrik, Tebakfabriken, Gerbereien, Schoko- । lodefabriken, Spielkarienfabrik, Zinn- und Kannengießer, * Dattierfabriken, Leimsiedereien, Sikgellackiabrikation, Seifen- ' Und Lichteniabriken, Papstrfabrik, Deutschekaffeefabrik, Blas-Jn- ‘ fllUmentenfabrik.Porzellanofensabrik. Na^ielschmiede, Wattenfabrik, stier Vortragende gedachte auch der Elfengießereien im Anfang der 1840er Jahre und der im Anfang des 19. Jahrhunderts eingegangenen und in hoder Blüte gewesene» „Ha- naner Porzellan-Fabrik". — Wie wir ersehen werden, .jst der weitaus größte Teil der vorgenannten Betriebe in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingegangen und nicht zum kleinsten T-il waren sie gegründet von eingewanderten Wallonen und Nie'rerländrrn und von letzteren auch in ihrer Blütezeit ergänzt worden, wie im allgemeinen behauptet werden kann, daß seit Gründung der Neuen Stadt Hanau bis zur Berichiszeit in ununterbrochener Folge ein überaus reges Ge- f*aft@lebeit geherrscht hat, geleitet von tüchtigen Männern, die von dem Anirieb beseelt waren, nicht stehen zu bleiben, nich! am alten haftend, so fortschreitend, haben sie großes geleistet und ihrer Zeit ein besonderes ®< präge gegeben. Sie fielen aber dem mordenden Großbetrieb zum Opfer, der in Verbindung mit den angewandten Naturkräften, die festgehalten und der Menschheit dienstbar gemacht wurden, ihren Untergang veranlaßien.
* Landwirtschaftlicher Kreisverein. Die am Samstag nachm ltag abgehaltene Ver'ammlung des landwirt- schafilichen Kreisvereins Hanau erfreute sich eines ganz besonders zahlreicken Besuchs. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete brr Vorsitzende Herr Landrat v. Beckerath dem verstorbenen langjährigen Mitgliebe Herrn Peter Stein-Hochstadi einen marmen Nachruf. Das Andenken des Verstorbener wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. — In einer bei nächsten Vorständekonferenz der preuß. Landwirtschaftskammern soll über die Verhältnisse der landwirtschaftlichen Berufsge- nosftn'chaft beraten werden. Dem KreiSausschuffe des land- wirischafilichen Kreisvereins ist von der Landwirtschaftskammer ein Fragebogen über verschiedene Punkte angegangen, worüber Herr Regstrungsafffffor v. Schlieben referierte. Die gemachten Vorschläge fanden dieZilstimmnng derVersammluna.—Ueberland- Wirtschaf I. Fortbildungsschulen referierte der Herr Vorsitzende. — DenjBericht der Kommission über die Vorarbeiten für das am 21. Januar in Wilhelmsbad stattfindende Winterfest erstatte!« Herr Oberamimann Schwarz. Das Fst wird sich den bisherigen Veranstaltungen würdig anschließen, sodaß aller Besuchern ein recht genußreicher Abend bevorstehen dürfte. — Ueber tierische Schädlinge der Halmfrüchte, Zuckerrüben und der Spargelfelder verbreitete sich in einem anregenden Bor- trage Herr Emil Droge, dem lebhafter Dank für die lehrreichen Ausführungen gezollt wurde. — Den Berückt der Delegierten über die Sommerveriammlung des Vereins-rlusichnstee der Landwirtschaftskammer sowie über die Vcsirkstierichau i Fulda erstattete Herr Jung- Butterstadt. Bn dieser legenheit sei bemerkt, daß die Bezirksuerschau deS Ja. 1907 jedenfalls in Hanau abgehalten werden wird.
* Heute Dienstag abend 9 Ubr finbe
im Büraeroerem Generalvetsammla^ng des Alpen- vereine statt. Die Tagesordnung umfaßt Jabresberickt, Rech- nunasablage, Wahlen und eoentl. Rntrage.