Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
Amtliches Organ ßr Äadt- M Fanlkeeis Sana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Setlage.
Siurückml-SgebLhr
Für Stadt- und Landkreis Hanan tüPfg. die fügst Ustsstkne Pititzv!« ob« deren Raum, für AuSwärtt LS Pfg., M Reklamenttzeü die Zeit« 25 Pfg^
für AuSwärtS 35 Pfg.
Derantwortt. Aedaktearr G. Schreckes « $ew
M. 272
Fernfprechanschluß Nr. 605»
Mvrtaa den 21. November
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1904
B6SBK
Amtliches.
Landkreis Danau.
BekaMmachungen des Kömgl. Sandratsamtes.
Unter dem Schweinebestande des Goldarbeiters Philipp Ä e n z i n g in K e s i e l st a d t ist die Rotlaitfseuche (Back- Heinblattern) festgestellt worden.
Ueber das Gehöft des Genannten wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 19. November 1904.
Der Königliche Landrat.
V 8108 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Nach Mitteilung des Königlichen Landratsamtes zu Geln- hau'en ist in den Gemarkungen A n f e n a u und H a i tz die Rotlaufsertche bezw. die' Backsieinblattern sestgestellt »erben.
Die Rotlaufseuche in der Gemarkung Höchst ist erloschen.
Hanau den 19. November 1904.
Der Königliche Landrat.
V 8109 J. A.: Conrad, Kreissekreiär.
smiMt
Langstraße Nr. 41.
Kostenfreie Arbeitsvermittelitnst werktäglich vorm. 8:/s—11 Uhr, nachm. 5—6 Uhr.
Daselbst kosten freie Auskunft in Sachen der soziale»» Gesetzgebung (Unfall-, Invaliden-, Krankenvers.-, Gewerbt- gerichts- u. f. w. Gesetze) werktäglich 10—12*/a Uhr. 6481
Hue Danau Stadt und Cand,
Hanau den 21. November?
Historische Gedenktage.
21. Novbr. 1619. Vermählung des Landgrafen Wilhelm V. mit Amalia E stabeth, Grästn von Hanau.
2t. Novbr. 1636. Achtserklärung des Kaisers Ferdinand II. genen Landgraf Wilhelm V.
21. Novbr. 1657. Verwundung des Landgrafen Wilhelm VI. durch einen unglücklichen Schuß des Grafen Heinrich Wilhelm von Solms auf der Jagd bei Roda am Bssenberae.
21. Novbr. 1670 starb zu Paris Landgraf Wilhelm VII. von Hessen-Cassel, ältester Sohn des Landgrafen Wilhelm VI. Zwölf Jahre alt, folgte er seinem Vater nach heften frühem Tode (1663) unter Vormundschaft seiner
Feuilleton.
Geistliche Musik-AnWruiig in der Marienkirche.
= Hanau, 21. November.
Totsnionntag — für Ernstdenkende ein Tag liebevollen Erinnerns, schmerzlichen Sehnens. Ganz dem Charakter dieses traten Gedächtnistages entiprech-nd war auch die am gestriecn Abend stattgehabte Musikaufführung, welche eine zahlreiche Zuhörerschaft zur Einkehr in unsere stille Marienkirche veranlaßt hatte. Obgleich die Wahl des Tages schon geeignet war, die Genießenden in eine feierliche Stimmung zu versetzen, so wurde letztere noch mehr erhöht durch die vortrefflichen Darbielunaen, die der Marienkirchenckor in Gemeinschaft mit geschätzten Kunstkräften unter der musterhaften Leitung des Herrn Lehrer Wagner zur Erbauung darreichie. Mit den weihevollen Klängen, welche der als Meister im Orgelspiel längst bekannte Herr Organist Paulstich in dem sechs- stimmigen Choralvorspiel: „Aus tiefer Not" von J. S. Bach und der „Fantasie über Psalm 116, 1—5" von W. Volck- mar der Königin der Instrumente zu entlocken wußte, wurden die wohlgelungenen Aufführungen würdevoll eröffnet und beendet. Nicht minder erhebend wirkten die exakt und sauber zum Vorirag nebrachten Cborgesänge der Bachschen Tonlätze: »AuS tiefer Not" und „Allein zu Dir, Herr Jesus Christ". Neben den vorzüglichen Leistungen der Gesangsiollsten: Fräulein E. Arnhardt (Sopran) und Herrn E. Kanzen- bach (Baß), die sich ihrer ichwierigen Aufgaben in den ^lnzelgesänqen: „Mein gläubiges Herze frohlocke" von Bach und „Sehet welche Liebe!" v. Rheinberger, sowie in dem Duett: „Laß dein Wort unS Helle scheinen" von Bach mit Wiener Gefühlsinniokeit »nd Ausdrucksfülle entledigten, ver-
Mutier, Landgräfin Hedwig Sophia, und starb, wenn gleich durch sein Alter zum Antritt der Regierung befähigt, ohne dieselbe augetreten zu haben, zum Teil ein Opfer der damals in Frankreich herrschenden Heilmethode, in dem Alter von 19 Jahren und 5 Monaten. Ihm folgte wie als Regent des Landes so als Gemahl seiner Braut, sein Bruder Karl. Sein Bild zeigt, wenngleich eiwas schwächer, die edlen Züge seines Vaters Wilhelm VI.
21. Novbr. 1750 starb der heffen-cafsel'schr Staatsminister Johann Dietrich Graf von Kunowitz, einer der angesehensten hessischen Staatsmänner, welcher unter der Landgräfin Amalie Elisabeth, dem Landgrafen Wilhelm VI., der Landgräfin Hedwig Sophie und dem Landgrafen Karl dem hessischen Haule fündundfünkzig Jahre lang gedient hat. Nachdem die Welt seine staatsmännischen Verdienste, wie es nicht anders geht, ganz oder doch fast ganz ver« geffen hat, ist sein Name doch noch bei den Bücherfreunden durch die Reste seiner ausgezeichneten Bibliothek, welche jetzt noch von Hand zu Hand gehen, in gutem Andenken; kein geringes, geschweige denn schlechtes Buch trägt den eingeschriebenen Namen I. D. G. v. Kunowitz und an guten Büchern älterer Zeit ist Hessen nicht reich. Uebrigens war dieser Mann, welcher den westfälischen Frieden mit abgeschlossen hat, zugleich auch philoiogi'cher Schriftsteller, denn er hat den Cornelius Nepos herausgegeben, und diese Ausgabe wurde über 50 Jabre lang in den hesfi oben lateinischen Stilen fast allein gebraucht.
21. Novbr. 1813 kehrte Kurfürst Wilhelm I. nach einer Abwesenheit von 7 Jahren und 20 Tagen in seine Residenz Cassel zurück.
* Der hiesige Spreckverkehr ist auf Mosbach (Baden) und S t a d t s«l z a ausgedehnt worden.
* Stadttheater. Den Wünschen vieler Abonnenten entgegenkommend beginnen von jetzt ab die Vorstellungen wieder um 7 U & r.
* Stadttheater. Wochenspielplan: Mittwoch; „Jugend"; Freitag: „Großstadtluft"; Sonntag: Neu einitubiert: „Flachsmann als Erzieher", Komödie von Otto Ernst.
* Der Gemeintzebeamte»r-Ortsverband Hanau hatte am Samstag zu Ehren des scheidenden Stadtsekrelärs, jetzigen Bürgermeisters Fischer, im Salben der Restauration „zur Sonne" eine Abschiedsfeier veranstaltet. Der Vorsitzende des Ortsverbandes, Herr Sladtkämmerrr S ch er z b e r g, feierte den Scheidenden in warmen Worten und rief ihm daS herzliche Lebewohl des Verbandes zu. Er sei, so führte er aus, stets ein lieber Kollege und wohlwollender Vorgesetzte
dient auch das seelenvolle Geigenkonzert des Herrn L. Eller Anerkennung, der „Preghiera" von Schubert und „Cavatine" von Raff recht ansprechend zu Gehör brächte. Als besonders wirkungsvoll erwiesen sich: „Ich bin die Auferfie' uuq und das Leben" von J. G. Herzog, welches stimmungsvolle Lied von Fräulein A r n h a r d t unter Miiw-rknng eines Frauen« guartetts genügen wurde, sowie die gemischten Chöre? „Sei getreu bis in den Tod" von Feyhl und „Gott ist mein Hirt" von Janlen, in denen der Tonkörper durch pünktlichen Do-trag, wohliunidc Nuanc-erung und harmoni'cke Sauberkeit Zeugnis von seiner guten Schulung ablegte. Wohl die große Mehrheit der Zuhörer verließ hochbefriedigt nnb dankesvoll das Gotteshaus, überzeugt, daß auch diese geistliche Mustkaufführung eS verdient, als _ ein wertvolles Glied in die Kette der wustkaliich-künstlerischen Veranstaltnngen dieses Jahres eingc- reiht zu werden, umsomehr, da sie Herz und Sinne zu erheben und zu «bauen vermochte am Totensonntag. —
Ltadtlheatcr in Hanau.
— Hauau, 2t. Nov.
Ju» Mär; dieses Jahres waren 100 Jahre verflossen, seitdem Schillers Meisterwerk „Wilhelm T e l l", das gestern hier wieder zur Aufführung gelangte, in der Kunst- und Dichterstadt Weimar gleich einer Verheißung für die zukünftige literariiche Epoche der damaligen Zeit unter donnerndem sensanonellem Bestall zum ersten Male die interestierie Welt in Erstaunen setzte. Schon lange vorher hatte der Meister den Plan gefaßt, die Tell-Sage dramatisch zu behandeln, kam aber wieder davon ab, da sein begehrendster Wunsch, die Schweiz mit ihren Naturschönheiten kennen zu lernen, ihm nie in Erfüllung ging.^eine Sehnsucht, die noch kurz vor seinem
8""^. «>ee[e erfüllte. Durch Goethe wurde feine „Lkll-^dee rmeder neu anaeregt und nachdem Schiller die Geicknchtr der Schweiz volle 2 Jahre eines gründlichen Studiums unterzogen hatte, war das Schauspiel im Februar 1804
gewesen. Alle sahen ihn ungern scheiden. Aber an die Spitze eines aufblühenden Gemeindewesens berufen, könne man es ihm nicht verübeln, diesem Rufe auch Folge zu leisten. Möge ihm auf seinem ferneren Lebenswege nur das Beste beschicken fein und möge er in Fechenheim das finden, waS er dort zu finden hoffe. Weiterhin gab er dem Wunsche Ausdruck, daß das Band der Kollegialität, das ihn bisher mit dem Verbände vereint habe, nicht reißen möge, und er sich noch oft in dem Schifflein, das er mehrere Jahre als Vorsttzender gesteuert habe, wohl finden möge. -°- Herr Bürgermeister Fi'cher dankte für die Worte und widmete dem Verbände ein „Vivat creseat floreat“. Musikalische und sonstige Vsrträze hielten die Festteilnehmer dann noch bis zum frühen Morgen in fröhlicher Stimmung beilammen.
* GeschältsseMchkeit. Die Firma K. I. C a h n bewerkstelligte bekanntlich vor kurzem, nachdem ihre Geschäftsräume Hammerstraße 6, die seither als Möbelmagazin dienten, eine bedeutende Erweiterung erfahren, ihren Umzug in diese stattlichen Räume, während ihre früheren Lokalitäten Hammerstraße 1t die Möbel- und Polsterwaren aufnahmen. Aus Anlaß dieser Geschäftserweiterung arrangierte die Firma gestern abend im Saale der „Centralhalle" für ihr Personal eine hübsche'Festlichkeit mit Festessen und unterhaltenden Darbietungen verschiedener Art, wie Chorlieder, Couplets usw. Der Verlauf war der allerbeste, die Stimmung ebenso heiter und angeregt als familiär-gemü!lich und die Unterhaltung so vorzüglich, daß die Zeit wie im Fluge verstrich. Sehr erfreulich und stimmung- verbessernd wirkte auch das schöne Einvernehmen rwi-chen Chefs und Personal, wie es im Laufe des Abends so herzerhebend zum Ausdruck kam. Die Stunden waren schon recht weit vorgeschritten, als man sich endlich rur Heimkehr rüsttete.
A Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland. G-üern abend fand in der „Centralhalle" die Jabresverfammlung des „Volk-vereins für das kalholische Deutschland" statt. Der Geschäftsführer des Vereins, Herr Dechant S ch l i t t, hieß die Erschienenen herzlich willkommen und brächte ein begeifert aufgenommenes Hoch auf Papst und Kaifer aus. Die Bühne zeigte in geschmackvoller Dekorierung die Büste des Kaisers sowie die Porträts der hervorragendsten Zenlrumstührer. Nach dem Absingen eines gemeinsamen Liedes „Papst und Kaiser" betrat als erster Redner Herr Amtsgerichisdirektor G i e ß l e r - Mannheim das Rednerpult und legte in kraf'vollen Worten die Zwecke und Ziele des Volksvereins dar. Der Volksverein, der im letzten Jahre wiederum gewachsen sei und jetzt über 400 000 Mitglieder zähle, sei aus dem Gedanken heraus gegründet worden, eine feste Phalanx bilden zu wollen gegen die Umsturzbestrebungen auf kirchlichem und staatlichem Gebiet. Redner behandelte dann ausführlich die soziale Frage und er-
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beendet. Schwungvoll und meisterhaft in der Sprache, charakterisierte er die Helden feines Werkes derart urwüchsig, daß uns die Miiston«! derselben in nie übertroffener überzeugenderer Weise geschildert worden sind und «wagt man das ideale romantische Problem der ganzen Handlung, den vorbildlichen Aufbau des Szenenganges, den unvergleichlichen Naturalismus, fo bentz«r wir in diesem Schauspiel eine Perle deutscher Literatur, mit der wir wohl, als kollbares Kleinod, jeder Nation in dieser Hinstcht rühmlichst uns beigeteffen können. Wuchtig und überzeugend, vereint mit Seele und Gemüt, stellte Herr M e r k e r den „Tell" auf die Bühne. Zu der Apfelschußszene verstand er derart hinreißend zu wirken, daß wir diese Rolle wohl zu einer feiner besten zählen können. Den unerbittlichen versteiften Tyrannen „Geßler" wußte Herr Zeitz in aanz vorzüglicher Weste zu gestalten, Auftreten sowie Maske waren dem Charakter entsprechend lobend angepaßt. Der „Melchthal" des Herrn H o f f m a « n verdient im großen Ganzen eine hübsche Leistung genannt zu werben, besonders bei der Rüttli-Szene, während die Stelle im ersten Aufzug, merk Szene: „O eine edle Himmelsgabe ist daS Licht des AugeS usw." eiwrs farblos zu Gehör gebracht würbe, da doch gerade dieser Teil der Sprache die inelsdilchste Modulation zu bieten vermag. Auch machte sich bei den Affekte« durch zu tiefes Atemholen ein mißlicher Räuchern bemerkbar, das.wohl an einer Angewohnheit liegen mag, die sich leicht beseitigen ließe. Der von L'ebesglück und HeimatShang austodernde Stürmer „Rudenz" fand in Herrn Schneider «nm Venreter, der seiner Aufgabe in ganz einwandfreier Weife gerecht wurde. In der Szene mit „Bertha" ® Künstler unsere ganz besondere Anerkennung. D«- S p schwerpunkt bei der Darstellung deS „Siauffamer ö «^Ä» Darsteller besitzt* !iu"gu7ausgeprägt Caarak-eriüeruugstale^ verbunden mit äußerst geschulter Spräche, bte nur 1M ^