Erstes Blatt.
Hanauer
Nklzer
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General-Anzeiger
AMichrs Organ fit ÄM- M AMms Kman.
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EiurücktUlgSgeLLH«
gilt Tiadt- und Landkreis Harun» 10Pfg. die fünf sespalirurPrützetle ober deren Raum. für AnSwÄUtü Wg..
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B«ü«tw»rtl. Rwakteur, G. Schreck«« « H»»au.
Ar. 266
Ferusprechanschluß Nr. 605,
Zm 400. Geburtstag Philipps des
SE. Am 13. ds. begeht das Hessenland in festlicher Weise den 400. Geburtstag Philipps des Großmütigen. Das Land, daS der Landgraf einst besessen hat, besteht heute nicht mehr als eine territoriale Einheit, denn die alte Landgrafschaft umfaßte Gebietsteile, die jetzt zum Teil dem Königreich Preußen, zum Teil dem Großhe'-zogtume Hessen angehören, nämlich: Niederhessen mit der Hauptstadt Cassel, Oberhessen mit der Hauptstadt Marburg, die Grafschaften Ziegenhain und Nidda, die Obergrafschaft mit Darmstadt, die Niedergrafschaft mit St. Goar, einen Teil der Grafschaft Diez und der Herrschaft Eppstein, die Aemter Homburg v. d. H., Bickenbach, Umgabt zur Hälfte und viele kleinere Gebietsteile. Aber sowohl jn Cassel wie in Darmstadt gedenkt man in diesen Tagen pietätvoll des größten unter den hessischen Fürsten. Und nicht nur das Hessenland, sondern auch ganz Deutschland ist an der ,Feier mitbeteiligt; denn Landgraf Philipp hat eine Bedeutung gehabt, die weit über die Grenzen seines Landes hinausging. Er hat sich seine geschichtliche Stellung und Bedeutung errungen durch sein energisches und besonnenes Eintreten für die von Luther in die Wege geleitete religiöse Bewegung und im Zusammenbang damit durch seine Opposition gegen Karl V., dessen Po'itik auch von katholischen Fürsten bekämpft wurde. Frühzeitig, schon' im Jahre 1524, wendet sich Philipp der evangelischen Bewegung zu. Sein Vorgehen war für sein Land bestimmend; in kurzer Zeit wurde die Reformation in Hessen durchgeführt. Die Synode zu Homburg (a. d. Efze) gab 1526 der neuen kirchlichen Ordnung die organisatorische Unterlage. Bei aller religiösen Entschiedenheit hat Philipp doch große Milde gegen Andersgläubige gezeigt. So hat er, als er die Klöster in HesMaufbob und mit ihren Einkünften für Kirche, Schule und für die Notleidenden sorgte, doch die seitherigen Klosterinsassen nicht mittellos auf die Straße gesetzt, sondern sich mit ihnen, soweit es ging, in Güte auseinandergesetzt. Als ein weitausschauender Mann hat Philipp damals schon den Grundlatz der Toleranz, dessen Bedeutung wst eine spätere Zeit erkannte, für sein eigenes Handeln befolgt. Seine Politik, soweit sie über die Grenzen des Hessenlandes hinausging, erstrebte hauptsächlich eine Einigung der evangelischen Fürsten gegen Karl V. Unermüdlich war Philipp hierbei tätig; er war die treibende und werbende Kraft im schmalkaldischen Bunde. Auch war er stets bemüht, die Einheit unter seinen Glaubensgenossen zu fördern; namentlich wollte er die oberdeutschen Reformatoren, die ihren Mittelpunkt in Zwingst hatten, und die Wittenberger, die ganz von Luther abhingm, zusammenbringen. Diesem Zweck sollte das Religionsgespräch zu Marburg im Jabre 1526 dienen. Daß diese
Samstas den 1?. November
Einigung nicht völlig gelang, lag an Luther, dem Mcnme mit dem eisernen Nacken. Jedenfalls zeigt sich an diesem Punkte, daß der Landgraf ein Mann mit weitem Blicke war; die Einigung zwischen den Lutheranern und Reformierten, die er erstrebte, ist erst drei Jahrhunderte später perfekt geworden. Der schmalkaldifche Krieg, in dem Karl V. anfänglich Sieger war, kostete Philipp die Freiheit. Er hat selbst später seinem Sohne gesagt: „So ist's um ben Krieg, als wann einer mit 3 Würfeln 15 will werfen, geraten kaum 6. Ist ein ungewiß, gefährlich Ding um den Krieg " An Kränkungen ließ es der Kaiser, nachdem er über seinen gefährlichsten Gegner in Deutschland Herr geworden war, nicht fehlen. Er ließ ihn im Anfang öfters — so auf dem Wege von Speyer nach Worms — „als Löwen und Spektskel", von spanischen Soldaten eskortiert, unter das Volk führen. In Oudenarde und dann in Mecheln saß Philipp gefangen. Karl V. wollte ihn überhaupt nicht mehr freilaffe», wurde aber durch die deutschen Fürsten gezwungen, 1552 seinen Gegner aus der Haft zu entlassen. Die letzten 15 Jahre brächte der im Gefängnis alt und grau gewordene Fürst, dem in seltenem Maße die Liebe seines Volkes gehörte, ruhig in seinem Lande, unermüdlich für dessen Wohlfahrt besorgt. Auch diejenige», die heute auf anderem religiösen Standpunkte sieben, werden anerkennen, daß er in seiner Politik nicht von unedle« Motipen getrieben wurde und daß er unter den deutschen Fürsten des Reformationszeitalters die erste Stelle entnimmt. Zwingst hatte Recht, als er am 26. Juli 1530 an den damals 25jährigen Fürsten, dem sein k>-astoolleS Eintreten für ben widerrechtlich aus seinen Landen vertrieben-» Herzog Ulrich von Württemberg den Beinamen „der Groß- würige" Eintrag, scbrieb: „ES ist auch alle Ehr der Geburt und Herrticbkeit klein, ja nichts gegen der Ehr, die man im Himmel und auf Erden bekennen und loben wird, daß Ihr der einzige und erste seid aus all sichsehen den Pflug hebt." , , .^WH.,IW
Fernsprechmschluß Nr. 605,
1904
der 9eltere an Wilhelm den Mittleren Spangenberg nebst den Städten und Schlössern an der Werra abtrat.
13. Novör. 1504 wurde geboren Philipp der Großmütige, Sohn des Landgrafen Wilhelm II. und dessen zweiter Gemabliu, Anna von Mecklenburg.
18. Novbr. 1543 wurde das Augustinerkloster Merxhausen in ein Hospital nmgewandelt, was dasselbe noch jetzt ist.
13. Novbr. 1703 starb Prinz Karl, fünfter Sohn des Landgrafen Karl, Oberst eines damals in holländischen Diensten stehenden hessischen Infanterie - Regiments, zu Ahrweiler an den Folgen einer bei Lüttich erhaltenen Wunde (Nrvensieber) 22 Jahre alt.
18. Novbr. 1773 starb zu Marburg der dortige Regierungspräsident, Geheimerat Gabriel Otto von der MalS- burq.
13. Novbr. 1777 starb Friedrich, Prinz von Hessen-PhilippS- thal zu BarLkeld, gleich den meisten Prinzen dieses Hauses in folländisLtn Kriegsdiensten, 50 Jahre alt.
13, Nsvbr. 1786 starb der Professor der Theologie und Superintenbent Schwarz zu Ringln.
13. Novbp. 1794 starb der Bergrat Johann Philipp Ries zu Deckerhao^n, zu seiner Zeit einer der bedeutenderen Bercbeamten des Landes.
13. Novbr. 1831. Neue, bis 4866 vorhandene Formation des kurhessischc» Armeekorps.
Feuilleton
Die geistliche Musikaustühruug
in der Marienkirche am 26. November wird durch das Bach- sche sechsstimmige' Vorspiel zu „Aus tiefer Not schrei ich zu dir" eingeleitet. Dieses äußerst selten zum Vortrag kommende Stück ist ein Meisterwerk kontrapunktischer Kunst und verdankt
seine Entstehung der Feit der höchsten Kunstentfaltung des Meisters. Einer der bedeutendsten Sachkenner sagt,von den Bach'schen Cbsralbearbeitungen, daß sie zu den „geistreichsten Tonschöpfungen" des Meisters gehören. Das genannte Vorspiel ist nebst mehreren andern nach des Meisters Angaben „denen Liebhabern und besonders denen Kennern von dergleichen Arbeit zur Gemüths-Ergezung verfertigt." Es fordert das Höchste, was ein Spieler auf einem Tasteninstrument lecken kann: sechs durchaus selbständige und frei bewegliche Stimmen neben einander erklingen zu lassen. Von diesen werden , vier mit den Händen, zwei mit ben Füßen gespielt. Das Ganze -st eigentlich nichts als Choral. Die einzelnen Choralzellen werden von jeder der sechs Stimmen gebrächt und vereinigen sich zu wunderbarer Verflechtung. Bezüglich des Vortrags hat ber Meister dem Stücke die Ueberschrift „Pro Organo pleno gegeben. Nach unserem Sprachgebrauch heißt das: „Für volle Orgel". Das hat aber Bach nicht gemeint. Einer solchen Auffassung widerspricht vor allem der Inhalt deS LiedeS. Bach will vielmehr, daß verschiedene Klangwirkungen der Orgel auf verschiedenen Manualen zur Anwendung kommen sollen. Aber es darf keine Stimme sich zum Schaden der anderen vor- drängen. Alle sind gleichwertig. Kontraste und Klangeffekte, wie man sie auf einer modernen Orgel leicht hervorbringen kann, sind von vornherein ausgeschlossen, denn diese kannte die Orgel zu Bachs Seit nicht. Zum Verständnis beS Stücke8 ist es notwendig, genau den Einsatz der verschiedenen Stimmen i» beachten.
Hus Danau Stadt und Cand,
Hart«r»t den 12, November.
Historische Gedenktage.
18. Novhk. 1647 rückte der kaiserliche General Peter Holzapfel (Melanaer), früher in bessert - cassel'schen Diensten, in Hessen ein, um sich möglichst an seiner ehemaligen Landesherr«: zu rächen, und schlug sein Haupiauartler in Zierender? auf.
13. Novbr. 1382 starb Elisabeth, geborene Gräfin von Geve, Witwe Ottos des Schütze».
13. Novbr. 1486. Vergleich zwischen Wilhelm dem Aette- ren und Wilhelm dem Mittleren, durch welchen Wilhelm
Nachdem durch diese Einleitung die Zuhörer in die geeignete Stimmung versetzt sind, singt der Ehsr die beiden ersten Strophen von „Aus tiefer Not w." in der unvergleichlich schönen Bearbeitung I. Seb. Bachs und hieran anschließend zwei Strophen von „Allein zu dir, Herr Jesu Christ w.", ebenfalls im Bach'schen Lätze. Auf diesen feiten gehörten und überaus reich harmonMerien Choralsatz, der an Innigkeit des
musikalischen Ausdrucks s» ziemlich besonders aufmerksam machen.
Der nun folgende Violinvortrag uns die liebliche Pregbiera von F. inniger Hingebung. Es folgt nun „Sehet, welche Liebe hat der Vater
einzig dasteht, möchte ich
des Herrn E l l e r bietet Schubert, ein Gebet voll ein Sololieb für Baß:
uns erzeigt". Zu dem herrlichen Texte, der des dreieinigen Gottes gnadenreiches Wirken zur ErlöMnq des Menschen preist, hat I. Rheinberger eine Melodie geschaffen, die sich mit dem köstlichen Inhalt so vollkommen deckt, daß man nicht weiß, ob man den DiÄter oder den Komponisten mehr bewundern soll. Fast aus jesem Takte klingt es uns beseligend entgegen. Die Komposition ist einzig schön!
Nach dem Choral: „Es ist das Heil uns komme» her", int Satze, von J. G. Herzog, folgt die viel gesungene und immer wieder gern gehörte Bach'sche Arie: „Mein gläubiges Herze, frohlocke, sing, scherze". '
In dem nun folgenden Chöre „Ich bin die Auferstehung und das ^Leben" von J. G. Herzog begegne» wir einem KabinettstückLe» kontrapnnkti'cher Kunst, einer Eboralmotettr mit dem Cantus firmus „Jesus, meine Zuversicht", der vsm Soprau^gesungcu, von den drei unteren Stimmen begleitet wird. Im Anschluß daran erklingt eine stimmungsvolle Komposition von Feyhl zu dem Texte „Sei getreu bis an den Tod", und alsdann Raff's Cavatina sür Violine.
, Noch einmal kommt Bach in dem Duett „Ach Gott, verlaß die Deinen nimmermehr", das von FAI Arnhardt und Herrn Kantzenbach zum Vortrag gebracht wird, zu Worte.
* Phuippötrjtmrg. Sonnag den 13. November begehen wir den 406jährigen Geburtstag unseres unvergeßlichen Landgrafen Philipp deß Großmütigen. Nach den Anordnungen M Könial. Konsistoriums soll in bett Gottesdiensten der Verdienste des großen Landgrafen um die Kirche und sein Volk gebührend gedacht werden. Auch hat das Konsistorium ge- JyUtet, Kollekte zum Besten typ
Philippstiftung eingefammelt werden darf. Die Pbiltppftistung will für solche Schwindsüchtige und Krebskranke, welchen ihres vorgeschrittenen Leidens »egen die Aufnahme in unseren Krankenhäusern versagt ist, eine Zufluchtsstätte schaffe» und so die von Landgraf Philipp weiland begonnene Liebesarbeit an den Bresthaften fortsetzen. Wir sind gewiß, daß die verehr- lichen Leser unseres Blattes dieses Liebeswerk zum ehrende» Andenken an Philipp den Großmütigen gern unterstützen und durch einen reichen Beitrag zu der morgenden Kirchenkollekte fördern werden.
* Dem evaugel. Diakonisfenheim sind zu seiner diesjährigen Weihnachtsfeier von Herrn und Frau E. I. aus B. 30 Mk. durch Vermittlung des Herrn Pfarrer N e ß l e r überwieien worden. — Den lieben Hanauern, die sich auch in der Ferne unseres Diakonissenhauses so freundlich erinnern, herzlich-» Dank.
Dieses seitens der Solisten wohlvorbereiteie Duett ist noch nicht öffentlich gelungen worden.
Den Schluß des vokalen Teils bildet die Motette „Gott ist mein Hirt." Diese von einem neueren Meister geschaffene Komposition zeichnet sich durch trefflich gelungene StimmungS- bilber aus.
Den Schluß des Programms bildet Volckmars Fantasie über Psalm 116, 1—5. Dem aufmerksamen Zuhörer werden in dieser modernen Komposition verschiedene Bilder in Tönen vorgeführt. Das erste Bkid schildert die beseligende Gewißheit, daß der Herr das Flehen seiner Kinder hört (Vers 1 und 2). Das zweite Bild läßt uns zurückschauen in Zeiten schwerer Bedrängnis, in denen die Seele Hilfe bei Gott suchte (Vers 3 und 4). Dunkle Akkorde verkünden das nahende Wetter, das alsdann durch eine öfter wiederkehrende Pedalfigur gekennzeichnet wird. Dazwischen erklingt anfangs aan; leise, später stärker und zuversichtlicher „Jesus, meine Zuversicht". Endlich legen sich die Stürme, und die zwei ersten Cboralzeilcn _ erklingen in lieblicher Figuration. Das dritte Bild (Vers 5) atmet Lob und Dank in einem glanzvollen Satze, aus dem hier und da Teile deS Chorals „Jesus, meine Zuversicht", hörbar werden.
Telegraphischer Wetterbericht
Telegramm aus Hamburg vor»
9 Uhr 40 Minuten.
Ein Ataximum über 772 mm lagert ein Minimum von 7537 mm über Jutta»
Die beutiqe Nummer umfaßt außer dem Uutertzaltungsblatt 16 Seiten
der
18.
oelttscheu
-t-vems-e.
Sübosteuropa,
wehen nässige meist südwestliche bis bdwOtirqe Wmb«.
Meter ist trübe, ziemlich «'^ "'A. ^^«8 kälteres im Prognose für ben ". Nov k r. ^ Nieder-
Wesie» veränderliches im Osten
schlagen wahrscheinlich.
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